Bewertung

Review: #4.12 Flucht

Foto: Sam Heughan & Caitriona Balfe, Outlander - Copyright: 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Sam Heughan & Caitriona Balfe, Outlander
© 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

Es ist die vorletzte Episode der Staffel, doch irgendwie fühlt es sich nicht so an. Man hat den Eindruck, dass man noch mitten im Geschehen steckt, weshalb ich mich frage, wie man diese Staffel zu einem runden Ende bringen will.

Wilmington

Fast schon nebenbei erfahren wir, was für Worte Jamie in dem Brief an seine Tochter gerichtet hat und genau so nebenbei scheint auch die Wut verflogen zu sein, die Brianna zuletzt noch für ihren Vater empfunden hat. Zwar waren die Zeilen ein schöner Ratschlag an Brianna, nachdem Jamie bei ihrer direkten Frage, ob sie nach Rache sinnen sollte, erst keine Antwort wusste, dennoch enthielt der Brief nicht die Bitte um Versöhnung, die ich eigentlich erwartet hatte. Briannas Ärger ist nun also vergessen und auch Bonnet gegenüber schlägt Brianna den Pfad der Versöhnung ein. Es ist eine schöne Geste, dass Brianna dem Rat ihres Vaters nachgeht. Zudem nutzt sie diese Gelegenheit, ein düsteres Kapitel abzuschließen.

Die Begegnung von Brianna und Bonnet war ein mitreißender Höhepunkt dieser Episode, der später allerdings noch in den Schatten gestellt wurde. Zu Beginn sah man Brianna ganz deutlich die Angst an, die sie vor ihrem Vergewaltiger verspürte, auch wenn sie mit aller Kraft versuchte, dieses Gefühl zu verbannen, doch ihre Augen verrieten sie. Von Sophie Skelton wurde dies sehr gut umgesetzt, genau so sehr wie der anschließende Stimmungswandel. Ja, ein Teil von ihm wird weiterleben, doch von seinem mörderischen, blutrünstigen, barbarischen Vater wird das Baby nie etwas erfahren und in dem Moment, als Brianna diese unversöhnlichen Worte äußert, schüttelt sie die Angst ab und in ihren Augen blitzt es nur noch kalt.

Man bekommt nur wenige Sekunden, um sich zu fragen, wie Bonnet nun reagieren wird. Die plötzliche Reue und die Edelsteine, die er Brianna gibt, setzen ein deutliches Zeichen dafür, dass er sich auf seine Weise für die Gräueltaten an Briannas Familie entschuldigt. Es verleiht dem Charakter, den die Autoren uns hassen gelehrt haben, einen bisher nicht vorhandenen menschlichen Zug. Mit einem Gefühl der Befriedigung verlässt man diese Szene. Bonnet gesteht seine Schuld ein und wird bald dafür hängen, es ist ein zufriedenstellendes Ende.

Wie schon in der letzten Episode bleibt Lord John Grey auch dieses Mal der personifizierte Sympathieträger. Er ist der Fels in der Brandung, den Brianna braucht und macht in seinem selbstlosen Handeln alles richtig. Selbst bei der kurzen Begegnung mit Murtagh hält Lord John im Anschluss dicht. Dieser Mann ist ein wahrer Gutmensch.

Durch die Verknüpfung der beiden Handlungen, die sich in Wilmington abspielen, hat man zum Ende hin die Spannung sehr schön anziehen können. Man zeigt uns Brianna im Gespräch mit Bonnet, während draußen gleichzeitig das Schießpulver verteilt wird, sich alle in Position begeben und schließlich das Gefängnis stürmen. Ganz kurz bangt man um das Leben von Brianna, nur um sich dann gleich wieder selbst zu versichern, dass alles gut ausgehen wird. Auch das offene Ende wurde schön umgesetzt. Erst wenden wir uns von Bonnet ab und denken, dass dies nun der letzte Blick auf ihn sein wird, doch durch die Explosion fragt man sich, ob er nun doch noch entkommen konnte. Die Schlüssel zu seinem Überleben hielt er wortwörtlich in den Händen, weshalb es gut möglich ist, dass man den Gegenspieler dieser Staffel nicht zum letzten Mal gesehen hat. Dass man sich diese Tür offenhält, ist in Bezug auf Jamie, der sich im Namen seiner Tochter rächen will, nur logisch. Für Brianna hingegen ist das Thema Rache abgehakt. Dadurch stellt man einen neuen Vater-Tochter-Konflikt in Aussicht, den ich nicht unbedingt brauche.

Auch wenn Fergus und Marsali in dieser Staffel nur wenig Screentime bekommen haben, gefallen mir die wenigen Szenen mit ihnen stets sehr gut. Jedes Mal wieder zeigt man uns, wie sie zu einer liebenden Einheit geworden sind. Die beiden führen eine glückliche Ehe und können den Zuschauer jedes Mal wieder zum Strahlen bringen.

New York

Zuletzt zeigte man uns nur winzige Einblicke in die Handlung rund um Roger und man musste sich mit einer sehr knappen Auflösung des Cliffhangers aus #4.10 The Deep Heart's Core zufriedengeben. Dafür räumt man der Geschichte nun umso mehr Raum ein und gönnt dem Zuschauer auch endlich ein paar größere Szenen in einer Indianersiedlung. Sehr liebevoll hat man hier in den schottischen Wäldern ein Dorf der Mohawks errichtet und die viele Arbeit, die sicherlich dahinter steckt, zeigt man uns, indem wir gemeinsam mit Roger zwischen den Behausungen hindurchstreifen. Die Indianer machen auf den ersten Blick einen wesentlich friedvolleren Eindruck, als man ihn noch am Ende von #4.11 If Not For Hope hatte. Indem man uns außerdem die freundliche Johiehon näher vorstellt, die sofort einen Draht zu Roger knüpft, bekommt man ein ganz anderes Gefühl für die Indianer, die bisher nicht viel mehr als die Wilden waren, als die sie Familie Müller in #4.05 Savages erlebt hat.

Der große Fokus auf Roger gibt Richard Rankin die Möglichkeit, das Gefühlschaos seiner Figur vollkommen auszuleben. Roger ist am Rande der Verzweiflung und als er Vater Alexandre Ferigault all die Rückschläge beschreibt, die er auf der Suche nach der großen Liebe hinnehmen musste, ergreift einen selbst der Kummer, von dem man ganz deutlich spüren kann, dass Roger nicht mehr weiß wohin mit diesem emotionalen Ballast. Grandios spielgelt Ferigault die Zerrissenheit wieder, die auch Roger empfindet und gemeinsam mit diesen beiden Figuren leidet der Zuschauer und fragt sich, wie viel man für die Liebe zu opfern bereit sein sollte.

Das gute Herz, das Roger schon so oft bewiesen hat, macht seinem Verstand ein weiteres Mal einen Strich durch die Rechnung, als er gerade zur Flucht ansetzt. Hin und her gerissen überlegt Roger, ob er nun den einfachen Weg gehen soll und sich von der Gefahr abwendet, oder ob er den schwierigen Weg nimmt, seinem Herzen folgt und einem unsicheren Schicksal ins Gesicht blickt. Sein Mienenspiel verdeutlicht dem Zuschauer, was für ein Konflikt in Roger tobt und zeigt, dass er sehr wohl weiß, dass er schon wieder im Begriff ist, eine sichere Zukunft zu verschenken und sich ins Ungewisse zu stürzen. Es wäre jedoch nicht Roger, wenn er einem liebgewonnenen Menschen den Rücken zukehren würde und so krönt man diese Episode mit einem herzzerreißenden Finale.

Auch wenn man Johiehon und Ferigault gerade erst kennengelernt hat, ist ihre Liebe allgegenwärtig und so muss man den Atem anhalten, als Roger zurückkehrt und das Leiden des auf dem Scheiterhaufen langsam verbrennenden Ferigault verkürzt. Langsam wandert der Blick zu Johiehon und man sieht bekümmert zu, wie sie sich zu Ferigault in die Flammen stellt. Die Bestürzung packt einen noch fester, als sowohl Roger als auch die restlichen Mohawks fassungslos über die Tat der jungen Mutter sind. Es passt sehr gut, dass man hier jegliches Stimmengewirr ausblendet und das schaurige Bild, der verbrennenden Liebenden mit zarter Musik untermalt.

Ein bitterer Tropfen an dieser Episode ist die Abwesenheit von Jamie, Claire und Ian. Ganz ohne die beiden Figuren, die den Kern der Serie ausmachen, führt man uns durch diese Episode. Dadurch verstärkt sich der anfängliche Eindruck, dass es unmöglich erscheint, die Geschichte in der einen verbleibenden Episode zu Ende zu erzählen.

Fazit

Mit allen drei Geschichten weiß man den Zuschauer zu berühren. Doch durch die Abwesenheit von Claire und Jamie bleibt die ganze Zeit über das Gefühl bestehen, dass es so kurz vor dem Ende der Staffel noch so viel zu erzählen gibt.

Marie Florschütz - myFanbase

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