Bewertung: 7

Review: #4.11 Spannungen

Foto: Sophie Skelton, Lee Boardman & Billy Boyd, Outlander - Copyright: 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Sophie Skelton, Lee Boardman & Billy Boyd, Outlander
© 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

Nach dem großen Glück in #4.09 Familie erwartet uns nun eine Episode, die den emotionalen Tiefpunkt der Staffel darstellt. Alle zuerst noch fröhlich vereinten Figuren sind nun über das Land verstreut und haben mit ihren Problemen zu kämpfen. Jeder schleppt eine große Last mit sich herum und nur schwer ist ihnen ein Lächeln abzuringen. Zum Ende hin zeichnet sich jedoch ein Silberstreifen am Horizont ab.

"Ye cannot live on hope."

Man steigt mit einem größeren Zeitsprung in die Episode ein, den man an dem beträchtlich gewachsenen Bauch Briannas festmachen kann. Ihre Schwangerschaft lässt sich nicht mehr leugnen, genau so deutlich sieht man ihr aber auch an, dass sie von Sorgen um das Wohl ihrer Familie und den Verbleib von Roger geplagt wird. Die Hoffnung ist in dieser Folge ein zentrales Thema und sie ist etwas, an das sich Brianna – "If I marry him I would be exchanging hope for a broken heart." - verzweifelt klammert. Sie hofft, dass es Roger gut geht, sie hofft, dass ihre Eltern ihn finden, sie hofft, dass ihr Kind wohlbehalten aufwachsen wird.

Während man die Last auf Briannas Schultern ganz deutlich spüren kann, leitet Tante Jocasta in den heiteren Teil der Episode über. Heimlich, mit den besten Absichten und betont unauffällig lädt sie mehrere unverheiratete Gentleman nach River Run ein. Sie alle machen Brianna auf entzückende Weise den Hof und während Jocasta ganz zwanglos tut, muss man als Zuschauer immer wieder schmunzeln, als die Verehrer um Briannas Aufmerksam buhlen. Es ist wunderbar auflockernd inszeniert, wie die Herren sich von ihrer Schokoladenseite präsentieren möchten und Brianna sich von den Avancen der Kavaliere leicht überfordert fühlt. Nicht weniger spaßig ist es, als schließlich Lord John Grey erscheint und den Raum betritt, als hätten alle nur auf ihn gewartet. Wie ein strahlender Ritter auf dem weißen Ross schreitet er ins Zimmer und die Menge teilt sich mit herabsinkenden Kinnladen vor ihm, um Brianna zu ihm durchzulassen. Deutlich ist spürbar, dass die bereits anwesenden Männer das Auftauchen von Lord John alles andere als zu schätzen wissen, als Zuschauer macht es einem daher aber umso mehr Spaß, wie sich alle ins Zeug legen.

Nachdem der Abend zu Ende gegangen ist, kommt es zu einer Annäherung zwischen Brianna und Lord John, die ich etwas übereilt empfand. Denn obwohl die beiden sich nur kurz kennen, vertraut Brianna dem Fremden sofort ihr Geheimnis an. Mir erschien dies etwas übereilt. Dennoch ebnet dieser Vertrauensbeweis den Weg dafür, dass sich Lord John –"You mustn't give up hope." - schlussendlich tatsächlich als der strahlende Retter entpuppt. Die beiden legen sämtliche Tabuthemen ihres Lebens voreinander offen und Brianna bittet Lord John aufrichtig, sie zu heiraten. Zu Beginn der Brautschau sah es noch so aus, als würde Brianna alle Freier abweisen, doch ihre Tante öffnet Brianna die Augen. Die Direktheit Jocastas "Ye cannot live on hope." ist etwas, das Brianna dringend gebraucht hat, denn auch wenn ihre Hoffnung auf ein Happyend noch so groß ist, kann sie sich nicht darauf verlassen, dass es tatsächlich eintritt. Über die erste Hälfte der Episode hinweg hat man den Eindruck, dass Brianna sich ihrer Lage nicht vollkommen im Klaren zu sein scheint, oder vielleicht blendet sie das alles auch nur aus. Erst nach dem Gespräch mit Jocasta legt sich bei ihr ein Schalter um und sie lässt durchblicken, wie sehr sie sich in die Enge getrieben fühlt. Die Ängste, von denen sie plötzlich erfasst wird, gipfeln dann in der Drohung an Lord John. Zwar macht diese Szene einem Brianna nicht wirklich sympathisch, sie zeigt jedoch sehr gut, dass sie sich ihrer Situation nun endlich bewusst ist.

Lord John – "It is only new because there is hope." - entwickelt sich zu einem der größten Sympathieträger der Serie, denn rückblickend betrachtet hat er in jeder noch so bedrückenden Lage die Wogen glätten können. Dennoch hat das Leben aus seiner Sicht etwas Tragisches. Niemanden auf der Welt liebt er so sehr wie Jamie, dennoch kann er niemals mit ihm vereint sein. Durch William hat er einen kleinen Bezug zu Jamie, über den er allerdings nie offen sprechen darf. Ähnlich geht es ihm nun erneut mit Brianna. Wieder wird er durch ein Kind Jamies mit seiner großen Liebe verknüpft, doch Jamie selbst darf er nicht haben.

Alles in allem bot der Handlungsstrang sehr viel, doch wie schon häufiger in dieser Staffel hätte ich mir gewünscht, dass man dem Zuschauer etwas mehr Zeit gibt, das Gesehene zu verarbeiten. Zu schnell stürzt man sich von der entspannt in River Run lebenden Brianna, in einen Abend voller potentieller Ehemänner, nur um dann gleich eine Verlobung übers Knie zu brechen. Es bleiben der Staffel zwar nur noch zwei Episoden, weshalb klar ist, warum man sich nicht mehr viel Zeit lassen kann, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man dieses Kapitel etwas langsamer erzählt hätte.

"Then there is hope."

Die Suche nach Roger erinnert den Zuschauer kontinuierlich daran, wie hart das Leben sein kann. Jeder der drei Suchenden ist unzufrieden mit der Situation und gibt sich selbst die Schuld daran, dass sie sich überhaupt erst in dieser Lage befinden. Die ganze Zeit über ist die Stimmung angespannt, bis die drei schließlich einen Schritt aufeinander zu machen und sich nacheinander gestehen, wie leid ihnen das tut, was Roger wiederfahren ist. Bereitwillig sind Ian, Claire"Then there is hope. Let's hope that Roger is still alive." - und Jamie bereit, einander zu verzeihen, wodurch einem ein Stein vom Herzen fällt. Niemand macht dem anderen Vorhaltungen, jeder frisst den Kummer jedoch erst einmal tief in sich hinein, bevor er bereit ist darüber zu sprechen. Am schlimmsten trifft es dabei Jamie, der sich nicht das vergeben kann, was er Brianna an den Kopf geworfen hat. Ich für meinen Teil habe seine Worte in der letzten Episode gar nicht so ernst genommen, da sie einfach im Eifer des Gefechts ausgesprochen wurden. Doch Brianna hat ihrem Vater vor seiner Abreise nicht vergeben und so hatte er nun reichlich Gelegenheit, sich für die harschen Worte selbst zu zerfleischen. Gern hätte ich die Zeilen des Briefes gehört, die Jamie an Brianna geschrieben hat, es scheint allerdings schon ein versöhnliches Zeichen zu sein, dass Brianna den Brief nach anfänglichem Zögern geöffnet hat.

Der von Selbstzweifeln geplagte Jamie stellt seine Qualitäten als Vater in Frage, was ich sehr rührend fand. Dies unterstreicht sehr deutlich, wie sehr ihm Briannas ans Herz gewachsen ist und wie leid ihm alles tut, was er ihr an den Kopf geworfen hat. Die Interaktion zwischen ihm und Claire war in diesem Moment genau das Richtige, denn sie konnte seine Schuldgefühle ein wenig mildern. Zudem zeigen uns Caitriona Balfe und Sam Heughan immer wieder, dass sie das Herzstück der Serie sind. Auch wenn man vorher noch nicht wusste, dass einem der liebevolle Umgang von Claire und Jamie gefehlt hat, wird es umso deutlicher, wenn die beiden sich schließlich mit zärtlichen Blicken begegnen und ihre Liebe ausleben. Die beiden Schauspieler konnten dies über die Jahre wunderbar perfektionieren.

Hope again

Eigentlich ist es die Frage, die einem nach #4.10 Getrennte Wege am meisten auf der Seele gebrannt hat, dennoch befasse ich mich damit erst zum Schluss: Wie hat sich Roger entschieden? Ist er durch die Steine gegangen? Kurz rutscht einem das Herz in die Hose, als man Roger unter der Dusche sieht. Hat er sich tatsächlich gegen Brianna entschieden? Man will schon laut protestieren, doch dann erkennt man, dass es sich lediglich um einen Tagtraum handelt und Roger wieder der Gefangene der Mohawks ist. Leider erfahren wir über ihn nichts weiter, lediglich die erste und die letzte Szene der Episode sind Roger gewidmet. Das finde ich ziemlich schade, auch wenn es den Spannungsfaktor natürlich weit oben hält. Fakt ist, dass es für den Suchtrupp gut ist, dass Roger wieder von den Mohawks aufgegriffen wurde, somit sind sie weiterhin auf seiner Fährte. Was der Tumult am Ende zu bedeuten hat und ob Roger nun zu Brei geschlagen oder in den Stamm aufgenommen wird, lässt sich schwer deuten, dafür war der Einblick in das Indianerdorf zu bruchstückhaft.

Randnotizen

  • Etwas aus der Reihe tanzt die Geschichte in Wilmington. Hier zeigt man den Alltag von Marsali und Fergus auf der seinen sowie Murtagh auf der anderen Seite. Zu beidem hat man keinen so intensiven Bezug, da wir die Figuren recht wenig zu sehen bekommen. Gut hinbekommen hat man jedoch die aufrichtige Sorge von Marsali um die Beschäftigung von Fergus. Ihre Bitte an Murtagh war rührend, gleichzeitig konnten ihre Worte ein Lachen entlocken. Die Freude darüber, dass Fergus sich gegen die Rebellen und für seine Familie entschied, wurde von Lauren Lyle ebenfalls sehr gut eingefangen.
  • Auch das Aufgreifen von Murtagh bevor er sich um die Rache an Bonnet kümmern konnte, wird kurz angeschnitten. Ich bin gespannt, ob es rund um Bonnet noch in dieser Staffel zur Abrechnung kommen wird und ob man Marsali und Fergus bald auf Frasers Ridge begrüßen kann, sollte Fergus in Wilmington keinen Job finden.
  • Das Thema Sklaverei hat durch den Schauplatz River Run wieder mehr Raum bekommen. Der Episode bleibt nicht die Zeit, sich damit eingehend zu befassen, so versucht man Briannas Standpunkt nur kurz aufzuzeigen. Nicht ganz ins Bild passte dabei lediglich Briannas überraschtes Gesicht, als sie erkannte, dass Jocastas Gäste nicht viel von den Sklaven halten.
  • Als Ian, Claire und Jamie die Überreste von Rogers Begleiter aus der vorangegangenen Episode fanden, war Claire sich sicher, dass er bereits über einen Monat tot sei. Zwar hängen die drei weit hinter den Indianern zurück, dennoch zeigt sich, dass sie auf der richtigen Spur sind. Ich wüsste gern, wie lange sie insgesamt bereits unterwegs sind.
  • Es ist etwas ironisch, als Claire und Jamie kurz über Filme sprechen und Claire die Ansicht vertritt, dass Filme meist nur eine Seite der Geschichte erzählen. Genau das macht nämlich auch die Serie, indem sie uns in Bezug auf die Indianer bisher nie die andere Seite der Münze gezeigt hat. Ganz deutlich wurde das noch einmal am Ende der Folge, als man den Eindruck gewann, die Mohawks würden Roger angreifen.


Fazit

Die Hoffnung ist allgegenwärtig, denn trotz der misslichen Lage und der damit verbundenen düsteren Stimmung, geht es am Ende der Folge schonwieder bergauf. In jedem Handlungsstrang können die Figuren ihr emotionales Tief hinter sich lassen und sich an einen kleinen Hoffnungsschimmer klammern.

Marie Florschütz - myFanbase

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