Bewertung: 8

Review: #4.10 Getrennte Wege

Foto: Richard Rankin, Outlander - Copyright: MG RTL D / © 2018 Starz Entertainment, LLC
Richard Rankin, Outlander
© MG RTL D / © 2018 Starz Entertainment, LLC

#4.09 Familie hallt noch immer nach, denn die wunderschöne Familienzusammenführung von Brianna und ihren Eltern möchte man nicht so schnell vergessen. Umso angenehmer ist es, dass die Autoren dieses Bedürfnis genau zu verstehen scheinen und uns im ersten Teil der Folge damit beglücken, noch ein paar schöne Familienmomente zu erleben. Genau das, wofür in der letzten Woche kein Platz mehr war, wird nun aufgegriffen und fügt sich sehr stimmig in das Bild der kleinen glücklichen Familie ein. Es ist ein idyllisches Bild, als man Claire, Jamie, Brianna, Ian, Lizzie und Murtagh gemeinsam am Tisch sitzen sieht. Sie lachen, scherzen über das Tagesgeschehen und genießen den ruhigen Alltag.

Ganz langsam wendet man sich von den kraftvollen und gemütlichen Szenen ab und packt wieder den Schatten an, der über allem hängt. Als Brianna sich mit ihrem Vater über die Vergewaltigung unterhält, ist jedem sofort klar, dass dies weder ein angenehmes Gespräch wird, noch ein einfaches Thema ist. Vor ihrem Vater macht Brianna sich genau die Vorwürfe, die sie ihrer Mutter gegenüber bereits angesprochen hat. Hätte sie sich mehr zur Wehr setzen können? Brianna ist davon überzeugt und Jamie erkennt schnell, dass es keinen Weg gibt, sie allein durch Worte vom Gegenteil zu überzeugen. Es ist eine heikle Gratwanderung, die Jamie hier vollzieht. Mit roher Gewalt zeigt Jamie seiner Tochter, dass ein Mann sich das einfordern kann, was er will. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Jamie Brianna auf diese Weise verdeutlichen wird, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat. Ein wenig harsch erscheint es mir schon, doch denkt man darüber nach, war dies wohl tatsächlich der beste Weg.

Als die beiden anschließend auf Jamies Vergewaltigung durch Black Jack zurückblicken, habe ich mir die Szene ebenfalls anders ausgemalt. Sehr direkt fragt Brianna ihren Vater danach und ich war mir nicht darüber im Klaren, dass sie durch Claire über die Vergewaltigung Bescheid weiß. Hat sie es bereits vor der Reise in die Vergangenheit erfahren, oder teilte Claire dieses Wissen mit Brianna, nachdem sie von der Vergewaltigung ihrer Tochter erfuhr? Wie dem auch sei, genau so direkt wie Brianna ihren Vater nach Black Jack fragt, erhält sie auch eine Antwort. Es ist eindrucksvoll, wie die beiden über ein so einschneidendes Erlebnis mit einer großen emotionalen Distanziertheit sprechen können. Kalt fragt Brianna ihren Vater, ob er seinen Vergewaltiger umgebracht hat und man sieht das Bedürfnis nach Rache in ihren Augen aufblitzen.

Die anfängliche Stimmung von einer heilen Welt bei der Familie Fraser verliert sich im Verlauf der Folge immer mehr, denn Brianna muss entscheiden, ob sie die Schwangerschaft abbrechen will. Man sieht sie hin und her gerissen, das Thema lässt sie auch nachts nicht los und es scheint unmöglich, eine Entscheidung zu treffen. Zwar hat Sophie Skelton Briannas Liebe zu Roger nicht immer gut in Szene setzen können, doch sie betont diese nun erneut. Brianna klammert sich an den Strohhalm, dass das Baby von Roger sein könnte und beschließt daher, es zu behalten. Dies ist ein schöner Liebesbeweis und regt Spekulationen an, wie die Geschichte sich wohl weiterentwickeln wird.

Das Bild der glücklichen Familie vom Beginn der Episode ist am Ende fast vergessen, denn nachdem ans Licht gekommen ist, dass Jamie Roger fälschlicher Weise für Briannas Vergewaltiger hielt, hängt der Haussegen mächtig schief. Für mich ist das Streitgespräch der schwächste Teil der Episode. Nachdem Brianna erfahren hat, was Jamie mit Roger angestellt hat, kann Skeltons Schauspiel nicht recht überzeugen. Zwar sieht man ihr die Wut an, doch sie ist nicht ansatzweise so intensiv wie der rasende Zorn, den Jamie mit jeder Faser seines Körpers ausstrahlt, nachdem er erfahren hat, dass es sich bei Briannas Vergewaltiger um Bonnet handelt. Die zentrale Figur dieser Szene sollte Brianna sein, doch Sam Heughan stiehlt Skelton ganz eindeutig die Show. Der Streit sorgt derweil dafür, dass das zarte Vater-Tochter-Band zerreißt und Brianna das Vertrauen in Jamie verliert. Mit harten Worten vergleicht sie den wilden Jamie mit dem liebevollen Frank. Es ist für Jamie, der sich diesen großen Fehltritt nur geleistet hat, weil er aus Liebe handelte, ein wahrer Schlag in die Magengrube. Dass die beiden dann ohne ein Wort der Versöhnung Abschied nehmen, ist für Jamie daher besonders schmerzlich und dass erkennt der Zuschauer genau so deutlich, wie Brianna ihren Vater absichtlich meidet.

Krönender Abschluss der emotionsgeladenen Episode ist die Flucht von Roger. Die Reise durch das Land mit den Indianern nutzen die Autoren, um Rogers Willen zu verdeutlichen, trotz aller Rückschläge zu Brianna zurückzukehren. Als es ihm dann endlich gelingt, den Indianern zu entkommen, ist man hin und her gerissen, da man weiß, dass die Frasers sich gerade erst an seine Fersen geheftet haben und die Spur verlieren werden, sollte Roger sich nun von den Indianern entfernen. Dieses Gefühl der Unsicherheit, ob die Flucht nun positiv zu werten ist oder nicht, wird abgelöst durch eine Überraschung, mit der ich niemals gerechnet hätte. Ein Steinkreis genau wie der in Schottland taucht plötzlich auf und wir hören das verlockende Summen, das den Ankömmling verleitet, in eine andere Zeit zu reisen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge dreht Roger die Edelsteine in der Hand und ist vollends verunsichert. Durch die Zeit reisen und seinen todbringenden Verfolgern entkommen? Bleiben und zu seiner großen Liebe zurückkehren? Voller Faszination rückt man näher an den Bildschirm und wartet auf Rogers Entscheidung, als das Bild schwarz wird. Sehr schön haben die Autoren hier die Spannung steigern können und schicken uns mit einem Cliffhanger in die nächste Woche, der es in sich hat. Man ist eigentlich der felsenfesten Überzeugung, dass Roger Brianna nicht einfach hinter sich lassen wird, doch ein Fünkchen Zweifel bleibt.

Überlegungen

  • Die Frasers gehen getrennte Wege und werden wahrscheinlich erst am Ende der Staffel wieder aufeinandertreffen.
  • Murtagh und Jocasta sind einander sehr zugetan. Ob sie wohl ein Paar werden?
  • Ian scheint tatsächlich etwas verschossen in Brianna zu sein. Kurz hatte ich überlegt, ob Lizzie etwas für ihn wäre, doch da scheint es keine gemeinsame Zukunft zu geben.
  • Ich kann und will mir nicht ausmalen, dass das Kind vielleicht doch von Stephen Bonnet ist, eine Auflösung wird es aber sicher frühestens im Staffelfinale geben.
  • Jamies Auftrag an Murtagh, Bonnet zu finden, ist recht selbstsüchtig. Zwar ist verständlich, dass er sich an dem Mann, der ihn überfallen, seinen Freund getötet und seine Tochter vergewaltigt hat, rächen will, doch Jamie sollte darüber lieber mit Claire und Brianna reden, damit er nicht noch mehr ausgegrenzt wird.


Fazit

Langsam entwickelt sich diese Episode weg vom Bild der fröhlichen Familie hin zu dem Punkt, an dem sich die Wege trennen. Sowohl bei den glücklichen als auch bei den traurigen Szenen kann man sich wunderbar in die Figuren einfühlen.

Marie Florschütz - myFanbase

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