Bewertung

Review: #19.09 Love Don't Cost A Thing

Das Englische hat eine Vokabel, die uns im Deutschen wirklich fehlt und das ist das kleine Wörtchen "messy". Meistens als "schmutzig" übersetzt, kann es auch "kompliziert" oder "schwierig" bedeuten, in manchen Kontexten sogar mit der Konnotation "dramatisch" verbunden. Warum ich in einer "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte"-Review einen Sprachvergleich zwischen anstelle? Mir fällt schlichtweg kein besseres Wort ein, um das Gefühl, die Storylines und diese Folge an sich zu beschreiben: Messy. Das wiederum meine ich mit der größten Wertschätzung und dem größten Respekt und schreibe diese Zeilen mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Denn meines Erachtens gibt es gutes und schlechtes messy, wunderbar komplexes und unterhaltsames, sowie mühsames und konstruiertes Drama. Gott sei Dank überwiegt in dieser Episode ersteres.

House Party

Mika und Lucas scheinen meine Worte gelesen und Gebete erhört zu haben und schmeißen in dieser Folge die Housewarming-Party in ihrer neuen Haus-WG. Im Gegensatz zur letzten Anfänger*innen-Party in diesem Haus ist diese deutlich gesitteter und wirkt in manchen Punkten erwachsener, sprich: langweiliger. Warum Mikas und Taryns großartiger Chemie nicht auf den zerstörten Dachboden gefolgt wurde und man die beiden stattdessen erst wieder am Ende der Party beim Tanzen wiedersehen durfte, bleibt ein kleines Rätsel für sich. Wirkliche Trinkspiele und Tanzeinlagen auf Tischen wie Meredith, Cristina und George, sie einst darlegten, gibt es ebenfalls nicht zu sehen. Immerhin folgt Levi nicht dem Beispiel Baileys und erwischt seine Anfänger*innen beim Sex, sondern vergnügt sich lieber selbst (nachdem er mehrere Male vor Übermüdigkeit beinahe eingenickt wäre) mit dem extrem attraktiven und charmanten Pfleger Carlos auf der Terrasse - eine Kombination, die unglaublich potenzialvoll erscheint und mich bereits jetzt rettungslos überzeugt.

Das gute messy Drama, das ich jedoch angekündigt habe, fand seine erste Bühne mit dem neuen Liebesdreieck von Simone, Trey und Lucas. Während letzterer die meiste Zeit um die Ex-/Nun-wieder-Verlobten herumschleicht und zwischendurch mit süßen Komplimenten punkten und heimliche Küsse ernten darf, beschnuppern Simone und Trey sich, kommen sich wieder in die Haare, nur um sich dann wieder um den Hals zu fallen. Die beiden verbindet viel, Trey war und ist ein großer Teil von Simones Leben, doch sie fühlt sich von ihm in Stich gelassen, hat das Gefühl von ihm bei ihren Problemen in dem Krankenhaus, in dem sie beide gearbeitet haben und in dem sie gefeuert wurde, nicht von ihm unterstützt worden zu sein. Was man von Treys Beteuerung, unsicher gewesen zu sein, halten soll, weiß ich nicht. So wirkt sie im ersten Moment aufrichtig, nur damit er anschließend gegen das Grey Sloan und Simones neue Kolleg*innen stänkern kann, nur um das wiederum mit seinem Wunsch zu rechtfertigen, sein altes Leben mit Simone zurückzuwollen. Trey ist nicht wirklich eine sympathische Figur, aber das finde ich per se erst mal nicht schlecht. Zu oft haben wir in dieser Serie gesehen, wie Figuren mit scheinbar idealen Partner*innen für sie zusammen waren, denen sie dann auf die schlimmste Weise dann das Herz gebrochen wurde (Emma oder Julia, anyone?). Trey hingegen ist erst mal arrogant und macht Simone Vorschriften, zeigt sich gleichzeitig aber auch direkt reumütig, süß und involviert. So viele Charaktereigenschaften bei einer Nebenfigur nach einer Folge direkt nennen zu können, ist bei einer Serie mit so einem großen Cast wie "Grey's Anatomy" nicht leicht, also Hut ab: Die Charakterarbeit ist vollbracht.

Die interessanteste Figur bleibt hier mal wieder Simone, die in dieser Folge sichtbar zwischen Vertrautheit und Vergangenheit (Trey) und Abenteuer und Gegenwart/Zukunft (Lucas) steht und sich so von beiden Männern gleichermaßen angezogen fühlt. Moralisch ist das sicherlich nicht und fair den beiden überhaupt nicht, aber verständlich (und spannend!) auf jeden Fall. Alexis Floyd vermag es wirklich, Simones sich schnell abwechselnde Emotionen, aber auch Gerissenheit gekonnt darzustellen, dass ich Simone schlussendlich verstanden habe, als sie Treys zweiten Heiratsantrag annimmt. Der arme Leidtragende ist dabei natürlich Lucas und man möchte es Mika am liebsten nachtun und ihn Pirouttendrehend trösten. Im Internet wird bereits dieses Liebesdreieck (mal mehr oder weniger liebevoll) mit dem legendären um Meredith, Derek und Addison verglichen und klar, der Vergleich drängt sich auch auf: Unsichere/r Anfänger/in, über der/die das Erbe der Familie hängt (Meredith/Lucas), verliebt in begnadete/r Arzt/Ärztin (Simone/Derek), der/die ist jedoch noch verbandelt mit ihrer/m arroganten Ex ist (Addison/Trey). Der große Unterschied ist: Es gibt kein Machtgefälle, Simone und Trey sind nicht Lucas' Chefs (generell fällt auf, dass die legendäre Paarung von Oberarzt*in und Anfänger*in in diesem soft reboot noch gar nicht verfolgt wurde). Und: Trey weiß nichts von Lucas' und Simones Affäre. Die Parallelen sind zwar da, doch aufgrund dieser beiden Faktoren haben wir eine deutlich andere Ausgangslage. Ich bleibe jedenfalls gespannt, wie dieses Dreieck weitererzählt werden wird.

Ehekrisen

Da denkt man, man habe in 19 Staffeln "Grey's Anatomy" so ziemlich alles gesehen und dann lässt sich das zuckersüße und verliebte Ehepaar Natalia und Eliot so eben mal scheiden (!), weil dies ihnen ermöglicht, für die kostspieligen OPs aufzukommen, denen sich Natalia aufgrund ihres gestreuten Bauchspeicheldrüsenkrebs aussetzen muss. "Medical Divorce" nennt Blue das, womit die kranke Gesundheitspolitik der USA ein neues Beispiel erhält. Blues beherztes Eingreifen, aber auch Grenzüberschreiten macht seinen Charakter weiter ein Stückchen spannender, erfahren wir nämlich, dass er selbst weiterhin die Versicherungsrechnungen für seine verstorbene Mutter bezahlen muss. Kombiniert mit dem wirklich berührenden Fall um Natalia und Elliot hat man hier wirklich viel richtig gemacht.

Wer hierbei wieder mal nicht gut wegkommt, ist Maggie, die weiterhin mit ihrer Ehekrise hadert und Richard irgendwann sichtlich durcheinander fragt, woran sie erkennen kann, ob eine Ehe vorbei ist oder gerettet werden kann. Ohweia. Richard, der sich in seinen Beziehungen bereits meistens eher begriffsstutzig und (ganz seine Tochter) stur gezeigt hat, glaubt, dass es kein Grund zur Sorge bei Maggie und Winston gäbe. Hätte Maggie mich anstelle Richards gefragt, hätte ich ihr den Tipp gegeben, ihren Ehemann einfach mal zuzuhören und versuchen, ihn zu verstehen. So zeigt sie sich in ihrem Verhalten beim Patientenfall von einer ähnlichen Verbohrheit wie in ihrer Ehe und kann somit nicht den Konflikt mit Blue beilegen.

Eine andere Ehe scheint dagegen immer weiter dem Abgrund entgegenzuschlittern: Teddy und Owen sind einfach unglaublich hässlich zueinander. Da ist einfach nichts mehr zu beschönigen oder zu verteidigen, da will man einfach nur noch die Augen zuhalten und beten, dass es endlich vorbeigeht. In der letzten Staffel hatte ich die beiden noch dafür gelobt, stetig an ihrer Beziehung und Familie arbeiten zu wollen, doch offenbar sind sie bis zu Baileys Machtwort nicht selbst darauf gekommen, endlich mal auf die Bremse zu drücken. Denn: Nicht nur ihre Tochter, Klein-Vampir Allison, nimmt ihre Aggressionen auf und verteilt sie an andere (die arme Pru!), auch das Krankenhaus wird darunter leiden, wenn sich die Chefärztin und ihr Mann, immerhin noch einer der Oberärzte, nicht endlich zusammenraufen. Zumindest scheint es dank Bailey nun zu einem Durchbruch gekommen zu sein. Vielleicht können die beiden ja ihre Therapiestunden aus der letzten Staffel fortsetzen?

Hatte ich nach dem Dinner-Date zunächst noch laut ausgeatmet und gedacht, dass man sich um Bailey und Ben zumindest zurzeit keine Sorgen machen müsse, wurde ich leider schnell eines Besseren belehrt. Ben fühlt sich mit Baby Pru überfordert und würde mehr Baileys Hilfe benötigen, weiß aber irgendwo auch, dass dies ein sehr unfaires Gefühl ist, weil Bailey ja mehr und mehr von ihren Verantwortungen abgegeben hat und im Prinzip nur ihre Klinik organisiert. Irgendwie wirkte dieser Konflikt etwas aus der Luft gegriffen und nicht mal mit einer großen Vehemenz vertreten. "Seattle Firefighters"-Zuschauende, könnt ihr vielleicht euch kurz melden und mir verraten, ob Ben derartige Äußerungen bereits im Spin-Off von sich gegeben hat?

Perfect Match

Link nach seinem Verhalten in Staffel 18 perfekt zu nennen, finde ich ganz schön… merkwürdig. Das ausgerechnet dann vor Amelia, seiner Ex zu äußern, und dabei dieser im Prinzip ihr eigenes Urteil abzusprechen, ist nicht nur merkwürdig, sondern sogar ziemlich dreist. Jo ist zwar durchaus eine direkte Person, die ihr Herz auf der Zunge hat, aber an ihren Worten am Ende der Folge kann ich nicht wirklich viel Hand und Fuß erkennen. Schließlich ist das Hin und Her zwischen Jo und Link bereits eine ganze Weile so komisch aufgeladen, dass es nur eine Frage der Zeit war (genau genommen nach ihrem Nicht-Kuss der letzten Folge), bis der Wind wieder aus einer anderen Richtung weht und es nun Jo ist, die Link hinterherschmachtet. Hier fände fände ich einen endgültigen Schritt in eine Richtung (Paar/Freunde/Nichts) sehr sympathisch und notwendig. Amelia darf dafür ihr Glück mit Kai, aber weiter keine wirkliche Storyline genießen. Dabei hätte sie diese wirklich verdient; gerne auch mal eine, die größtenteils von der Chirurgie oder von ihrer Forschung und weniger von ihren Beziehungsdramen handelt. Wenn aber, dann sollte es sich zumindest um gutes messy Drama handeln, wie es schließlich bei den meisten Storylines dieser Folge der Fall war.

Lux H. - myFanbase

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