Bewertung

Review: #18.09 Keine Zeit zu sterben

Immer wieder, wenn von neueren Staffeln die Rede ist, heißt es, das alte "Grey's"-Feeling sei verloren gegangen, die neuen Figuren, die neuen Folgen, nichts fühle sich davon so an, als würde es dem entsprechen, wofür wir die Serie so lieben gelernt haben: Spannende Charakter-Arcs, messy und höchstemotionale Liebesgeschichten, das Miteinander der Ärzt*innen, das sich in humorvollen Szenen wie berührenden Freundschaftsszenen zeigt. Deswegen macht es diese Folge einem wahrlich nicht leicht: Einerseits ist das alte "Grey's"-Feeling mit plötzlicher Wucht zurückgekehrt, nachdem ein Großteil der Staffel wirklich nicht allzu abwechslungsreich verlief. Andererseits jedoch bin ich mit kaum einer Entwicklung, die sich anbahnt, zufrieden und bin besorgt, in welche Richtung sich einige Figuren bewegen.

Manche anscheinend sogar von der Serie weg, denn offenbar müssen wir uns bald (in dieser Folge? der nächsten Folge? es wird nicht ganz klar) von Richard Flood alias Cormac Hayes alias McWidow verabschieden. Ich frage mich, ob Ellen Pompeo eine Klausel im Vertrag hat, dass sie kein Love Interest länger als ein bis zwei Staffeln behalten darf, denn nach Nathan und Andrew ist es bereits der dritte potenzielle Partner von Meredith, der die Serie plötzlich verlässt. Cormac war mir zwar von den oben genannten Männern nicht der liebste (das ist und bleibt Andrew), dennoch bin ich schon enttäuscht, dass McWidow nun zurück nach Irland zieht, wo Nachnamen mit Mc wahrlich keine Seltenheit sind. Cormac wurde so langsam und vorsichtig in die Serie eingeführt, wobei insbesondere in der letzten Staffel viel in die Verbindung zu Meredith intensiviert wurde, dass der emotionale Pay-Off hier einfach nicht gegeben ist. Die Beziehung zu Meredith fand größtenteils offscreen statt, Freundschaften hat Hayes eigentlich erst vor kurzem zu anderen Ärzt*innen wie Bailey oder Owen geknüpft und die Annäherung mit Megan wirkt auch ziemlich abgewürgt. Insgesamt bin ich also traurig und irritiert von diesem doch plötzlichen Ausstieg.

Zugegebenermaßen ist aber die Art, wie und warum Hayes Seattle verlässt, Teil einer der interessantesten Storylines, die wir in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen haben. Mit Owens Sterbehilfe wagt sich die Serie an eine unglaublich heikle, oft diskutierte ethische Fragestellung, bei der es einfach keine klaren Antworten geben kann. Dafür gibt es eben Gesetze, Gesetze, die Owen zwar nicht in Seattle bei Noah, aber bei dessen Freunden gebrochen hat. Indem er Hayes davon erzählt hat, ist Hayes nun Teil von Owens Verbrechen und fürchtet durch seine Mitwisserschaft, alles zu verlieren. Dennoch schützt er schlussendlich Owen und nimmt es lieber in Kauf, Seattle zu verlassen, als Owen vor Bailey zu verraten. Dadurch wird eigentlich schon deutlich gemacht, wie ernst die Situation ist. Immerhin hat Teddy schon schnell realisiert, dass Owen etwas vor ihr verbirgt, weswegen sicherlich die Wahrheit bald ans Licht kommen wird. Darüber hinaus ist Owen nun auch noch physisch eingeschränkt; es bleibt unklar, ob er überhaupt noch als Arzt praktizieren kann. Ich bin ja kein großer Fan von Owen, doch diese Storyline verspricht äußerst spannend zu werden.

Eine Sache, die ich mich übrigens extrem gestört hat: Warum durfte Amelia eigentlich Owen operieren? Wurde das nicht bereits zu Beginn der Serie etabliert, dass Familienmitglieder nicht aneinander operieren dürfen? Ich denke doch, dass Expartner*innen dazuzählen, oder? Allerdings hätten wir so nicht die Szene zu Gesicht bekommen, in der Link die Galerie räumen lässt, weil er sich bei Kais Anblick nicht konzentrieren kann. Ich bin und bleibe einfach wahnsinnig traurig, dass Amelia und Link einfach mir nichts, dir nichts von den Autor*innen aufgegeben wurden und werde daran noch eine lange Weile zu knabbern haben. Doch die beiden wurden in eine Ecke geschrieben, aus der sie sich nicht fortbewegen können und jegliche gemeinsame Weiterentwicklung vollkommen ausgeschlossen scheint. Amelia und Link haben so oft aneinander vorbeigeredet, so oft nicht auf die Gefühle des*der anderen Rücksicht genommen und nicht versucht, konstruktiv an ihren Problemen zu arbeiten, dass sämtliche Hoffnung, die ich noch zu Beginn der Staffel hatte, verflogen ist. Ich bin sehr traurig, insbesondere, weil dieser große Streit und Links gebrochenes Herz zu etwas geführt hat, was ich absolut nicht sehen wollte: Link und Jo schlafen miteinander.

In vergangenen Reviews habe ich des Öfteren die Dynamik von Link und Jo mit Callie und Mark verglichen, weswegen ich hier inständig hoffe, dass beide rechtzeitig merken, dass das zwischen ihn doch ein gewaltiger Fehler ist. Doch Jos Gefühle, die bereits in den letzten Folgen wie aus dem Nichts hochgeschossen kamen, werden dem ganzen wohl einen Strich durch die Rechnung machen. Obwohl ich nicht hundertprozentig gegen eine romantische Annäherung der beiden bin, bin ich einfach von dem immensen Tempo, das ihr plötzlich aufgefahren wird, überfordert und denke, dass insbesondere Link nicht dafür bereit ist, sich auf Jo einzulassen. Ich befürchte, das Ganze läuft auf eine Katastrophe á lá George und Izzie hinaus.

Für Kai und Amelia hingegen wurde eine Annäherung geschrieben, die wir Stück für Stück, Folge für Folge miterleben durften. Das macht es leichter, zu verstehen, weswegen Amelia Gefühle für Kai entwickelt hat und sie Kai darum bittet, dem Ganzen eine Chance zu geben. Auch Kai kann weiterhin punkten – nicht nur durch das Verständnis, das Kai Amelia und ihren chaotischen Verhältnissen entgegenbringt, sondern auch durch die freundschaftliche Beziehung mit Dr. Hamilton. Zwar ist Kai, ähnlich wie Meredith, wütend auf ihn und sein Schweigen, zeigt aber deutlich, dass die Loyalität zu Hamilton stärker ist als der Groll auf ihn, was ich sehr sympathisch finde.

Generell wirkt es so, als würden dunkle Wolken am Sloan Grey Memorial aufsteigen. Das Ende der entspannten und leichten Stimmung der letzten Folgen wird für mich den traumatisierten Levi eingeleitet, der wieder und wieder seine Hände wäscht, bis sie bluten, bevor ihn die anderen Assistenzärzt*innen vor sich selbst retten können. Ich war etwas überrascht, dass Bailey, die OCD hat, Levis Zustand nicht erkennen konnte, fand ihre Strenge ihm gegenüber allerdings auch irgendwie passend. Die Webber Method hat nicht funktioniert, im Gegenteil: Sie hat ihr erstes Opfer von sich getragen. Webber und Bailey werfen sich bereits erste Vorwürfe an den Kopf und versuchen ihre jeweiligen Autoritäten gegeneinander auszuspielen – während Webber immer noch vom Erfolg seiner Methode überzeugt ist und Levis Arroganz die Schuld an der Sache gibt, sieht Bailey die Verantwortung bei Webber und der fehlenden Kontrolle der Assistenzärzt*innen. Das wird wohl noch zu einigen hitzigen Debatten, aber hoffentlich nicht wie in der Vergangenheit zu einer vorübergehenden Entzweiung von Bailey und Webber führen. Dazu wird es spannend bleiben, wie die Serie Levis Trauma darstellen wird und hoffe auf große Szenen für Jake Borelli.

Kurze Eindrücke

  • Weiterhin interessant bleibt Megans psychischer Zustand. Ich hoffe nicht, dass ihre Suizidalität nun einfach unter den Teppich gekehrt wird, nachdem Farouk gerettet ist; es wirkte so, als bräuchte sie dringend professionelle Hilfe. Insgesamt scheinen dunkle Zeiten für die Hunts bevorzustehen.
  • Ich will Nick immer noch so gerne mögen, aber er ist und bleibt für mich ein Fremdkörper in der Serie. Nun ist er endlich in Seattle und interagiert weiterhin ausschließlich mit Meredith. Zwar auf eine sehr normale und niedliche Art und Weiße, jedoch isoliert vom Rest des Geschehens und des Casts. Das muss sich bitte in der zweiten Hälfte der Staffel ändern.

Fazit

Ich hadere immer noch mit der Staffel an sich, muss aber zugeben, dass diese Folge insgesamt gut inszeniert wurde, spannend war und unterhalten hat. Vieles missfällt mir, vieles macht mir Sorgen, gefreut habe ich mich ehrlich gesagt über keine einzige Entwicklung in dieser Folge. Doch diese Staffel scheint in eine dramatischere Richtung zu gehen, weswegen wir uns wohl insgesamt auf weniger Humor, dafür mehr Emotionalität einstellen müssen.

Lux H. - myFanbase

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