Bewertung: 7

Review: #18.08 It Came Upon a Midnight Clear

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Passend zum Winterfinale holt man sich die Charaktere aus Minnesota nach Seattle – kein Wunder, dass so die Geschichte einiges an Fahrt aufnimmt. Wo es in den letzten Folgen noch recht gemächlich dahinging, geht es in #18.08 It Came Upon a Midnight Clear Schlag auf Schlag.

Irgendwie hat man sich mit der Storyline rund um Jos plötzliche Erkenntnis, dass sie ja doch vielleicht romantische Gefühle für Link haben könnte, ein ordentliches Eigentor geschossen. Schon in der letzten Folge war es bitter, als Link den Entschluss fasst, dass Amelia ihm wichtiger ist als eine Heirat. Denn unter normalen Umständen hätte man so wunderbar die Versöhnung der beiden inszenieren können. Eben genauso, wie es zu Beginn dieser Folge der Plan war: Link macht sich auf den Weg, um Amelia ganz romantisch seine Liebe zu gestehen und holt sich dafür vorher nochmal Rat bei seiner besten Freundin – es hätte so schön sein können. So war es aber alles andere als schön, sondern einfach nur traurig für Jo, die sich Links begeisterte Liebesschwüre für eine andere anhören darf. Warum hat man diese beiden nicht einfach platonisch bleiben lassen können? Wobei Link bei seinem großartigen Plan auch nicht viel mehr Glück hat als Jo und ebenfalls direkt sein Herz gebrochen bekommt. Hier kommen wir zum nächsten ungünstig geschriebenen Handlungsstrang, zumindest wenn man – wie ich – die Nase voll von Love Triangles hat. Link und Amelia sollen nicht zusammenbleiben? Okay schön, dann belasst es aber bitte auch dabei. So wie es jetzt läuft kann man sich auch nicht so recht für Amelia und Kai freuen, deren Annäherungen der letzten Wochen mir nämlich sehr gut gefallen haben. Da war zwischen Amelia und Link aber auch noch Funkstille und viele Meilen Abstand. Jetzt, an einem Ort, rückt das Ganze viel mehr ins Rampenlicht. Vom Setting her war sofort klar, als Amelia Kai draußen abpasst und die beiden sich immer näherkommen, dass früher oder später Link hineinplatzen wird. Und natürlich kam es auch so, was irgendwie den Moment zerstört hat.

Jenseits des Liebesdramas sollte aber auch noch die super geheime Operation von David von statten gehen. Wohlgemerkt sollte. Mal wieder zeigt er sich dabei als sehr schwieriger Patient, der seine Symptome runterspielt, um seinen Willen zu bekommen. Natürlich ist das zu einem gewissen Grad verständlich, seine Krankheit schreitet schließlich immer weiter fort, trotzdem ist dieses Verhalten eben auch alles andere als hilfreich. Noch dazu, wenn sich das Ganze letztlich als so gravierend herausstellt, dass Meredith jetzt wohl auch noch um sein Leben kämpfen darf.

Ein neuer Tag steht für die Assistenzärzt*innen an und der beginnt gleich mit Neuzugang Jordan Wright. Nachdem der in der letzten Folge praktisch als Merediths Geschenk an Bailey vorgestellt wurde, war klar, dass er ihr folgen wird. Talentiert ist er auf jeden Fall ... nur noch nicht unbedingt sympathisch. Sei es die extra Vorstellung am Morgen oder seine Weigerung, Richards erste OP anzunehmen, Jordan kommt mir noch etwas komisch vor. Mal sehen, was sie mit seinem Charakter geplant haben. Levi und Taryn dürfen derweil wieder alleine operieren. Wer weiß, vielleicht war es ja Maggies negative Einstellung zur Webber-Methode (als ich meinte, dass ich Maggie wiedersehen will, meinte ich in richtigen Storylines!), auf jeden Fall ging heute alles schief. In Grey's-Manier natürlich mit einem wahren Wasserfall (der Wortwitz musste sein) an Blut. Ich weiß nicht so ganz, ob es nett von Taryn war, dass sie später erzählt hat, was passiert war, damit Levi nicht so viel sprechen musste, oder ob es fies war, dass sie ihn gewissermaßen verpetzt hat. Es ändert zumindest nichts an der Tatsache, dass es nun mal Levis Verschulden war. Vielleicht wäre der Patient trotzdem gestorben, dennoch war es seine Aufgabe, bei den schwierigen Schritten auf Verstärkung zu warten, denn so funktioniert diese Methode nun mal. Gleichzeitig war es unfair von Bailey, die Schuld auf Richard abzuladen, schließlich funktioniert seine Methode sehr wohl, wenn sich alle an die Regeln halten und nicht leichtsinnig werden. Naja, Fehler passieren nun mal, hoffentlich ist das nicht schon wieder das Ende für dieses Ausbildungsprogramm.

Zuletzt kommt die spannendste Geschichte, die wieder alte "Grey's Anatomy"-Katastrophenstimmung in mir weckt. Davor wurde das Ganze noch wunderbar dramaturgisch aufgebaut: Megan, verständlicherweise komplett fertig mit sich und der Welt, wacht an Farouks Krankenbett. Wieder ist es Cormac, der das Gespräch mit ihr sucht und dabei direkt erkennt, was Megans Familie wohl lieber verdrängt – Megan geht es nicht gut, absolut nicht gut. Das war wirklich grandios gespielt von Abigail Spencer, die Megans Verzweiflung und Leere schonungslos herüberbringt. Wenn man überlegt, was Megan in ihrem Leben schon alles durchgemacht hat, kann man ihr ihre tiefe Depression und die Todesgedanken nicht verdenken. Trotzdem ist es nur noch schwerer zu ertragen, wenn man dann später die Verharmlosungen von Owen und Teddy hört, denen zwar wohl bewusst ist, dass es eine schwere Zeit für Megan ist, die aber eben auch nicht sehen können oder wollen, wie ernst es um sie steht. Hier hat mir Cormac als Mittelsmann sehr gut gefallen, der Megans Geständnis aufgrund der Ernsthaftigkeit der Lage nicht für sich behält, gleichzeitig aber auch sehr vorsichtig auf die Hunts zugeht. Es ist auch sehr deutlich, dass Cormac immer mehr in die Familie der Hunts hineingezogen wird und schon längst nicht mehr nur der neutrale Arzt von Farouk ist. Aber das steht jetzt nur im Hintergrund.

Ich habe die Wälder rund um Seattle und eine kleine gewundene Straße gesehen – und es war eigentlich schon klar, was passieren wird. Spätestens nach Derek weiß man, dass sowas in dieser Serie nicht gut ausgeht. Und siehe da, einen strategisch günstigen Schlaganfall des Fahrers später hängt das Auto wackelig über dem Abgrund. Sofort ist jedem der Ernst der Lage klar. Eine falsche Bewegung und das wars. Die folgenden Gespräche zwischen den dreien waren sehr berührend. Sollen sie es wagen und nach draußen klettern? Lieber nicht bewegen und im Auto auf Hilfe warten? Aber was ist dann mit Farouks Herz? Man merkte, wie krisenerprobt alle Insassen waren und wie schnell und effizient hier Entscheidungen getroffen wurden. Als Teddy dann auf dem Weg war und nur noch Owen und Cormac im Auto saßen, wurde es dann nochmal extra spannend. Letztlich haben sie die logische Entscheidung getroffen und Cormac ist rausgeklettert, der eben einfach näher am Fenster war. Und dann war das Auto weg.

Es hat schon eine gewisse Ironie, dass wir uns jetzt vielleicht (wahrscheinlich? eventuell??) von Owen verabschieden müssen. Gerade jetzt, als er mir endlich wieder etwas sympathischer wurde. Gerade jetzt, wo er eine bedeutende Storyline mit den Veteranen und eine halbwegs stabile Beziehung hat? In einem Großteil der Staffeln, in denen Owen dabei war, hätte mir sein Tod herzlich wenig ausgemacht, meine Güte, ich wäre teilweise froh gewesen. Aber jetzt? Im Großen und Ganzen mache ich mir wohl mehr Sorgen darüber, wie die Charaktere rund um Owen dessen Tod aufnehmen würden, als um Owens Tod selbst. Trotzdem hätte ich auch nichts dagegen, wenn er wie durch ein Wunder doch noch an irgendeiner Tanne hängen geblieben ist und später gerettet werden kann. Vielleicht ja vom Feuerwehrteam aus "Seattle Firefighters"?

Fazit

"Grey's Anatomy" verabschiedet sich mit einem spannenden Cliffhanger in die Winterpause. Plottwists, blutige Operationen, Unfälle in der Wildnis und der drohende Tod eines Hauptcharakters – das ist einem Mid-Season-Finale würdig und entschädigt einen für die letzten eher schwachen Episoden. Letztlich hält mich nur die nervig konstruierte Geschichte rund um Link, Amelia und Jo auf, hier eine noch höhere Bewertung zu geben. Jetzt heißt es abwarten, ob wir uns tatsächlich von einem Charakter verabschieden werden, der zwar immer wieder recht kontrovers diskutiert wurde, der aber eben auch schon seit Staffel 5 fester Teil der Serie war.

Denise D. - myFanbase

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