Durch die Steine und zurück
Der Rückblick von Lena

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Ein halbes Leben gemeinsam durch die Steine

Es war einmal ein Weltbild-Katalog inmitten einer Jugend. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was damals meiner Mutter den Impuls gegeben hat, das Hörbuch zu "Feuer und Stein" von Diana Gabaldon zu bestellen. Jedenfalls war es nach den üblichen Hörspielkassetten meiner Kindheit überhaupt nicht gängig, in meinem Elternhaus Hörbücher zu hören. Das war also schon ein kleines Wunder in sich. Und dann lag diese Hörbuch-Box mit sechs CDs und schöner greller grüner Farbe (gibt es inzwischen nur noch gebraucht zu kaufen) lange ungenutzt rum, was für eine Schande! Aber dann habe ich doch irgendwann dazu gegriffen und die wunderbare Daniela Hoffmann hat die Welt von Claire Beauchamp für mich entworfen, die mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Ich bin zwar später auf die gedruckten Ausgaben umgestiegen, um mein eigenes Lesetempo wählen zu können, aber dieses Hörbuch war der Startschuss von etwas, von dem ich heute nicht glauben kann, wie lange es mich schon begleitet.

Foto: Caitríona Balfe & Sam Heughan, Outlander - Copyright: 2023 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2022 Starz Entertainment, LLC; Robert Wilson/Starz/Sony Pictures Television
Caitríona Balfe & Sam Heughan, Outlander
© 2023 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2022 Starz Entertainment, LLC; Robert Wilson/Starz/Sony Pictures Television

Die Bücher waren immer schon echte Brecher, aber ich habe sie auch immer schnell durchgesuchtet, weil sie so reich an Inhalt und Details waren. Auch wenn ich dann nach Band 6, "Ein Hauch von Schnee und Asche", keins der Bücher mehr gelesen habe, so war das aber auch nicht mehr nötig, weil die Serienadaption "Outlander" von Starz schon längst die Welt für mich übernommen hatte. Dabei war es ein echt schwieriger Start. Die Autorin hat ausgiebig die Äußerlichkeiten von den Figuren beschrieben, weswegen es schwer war, drum herum zu kommen, obwohl mir das sonst wirklich nicht wichtig ist. Aber Caitríona Balfe hat so gar nicht das getroffen, was mir bei Claire immer im Kopf war. Es war also echt schwierig, diesen Übergang zu schaffen. Staffel 1 lief 2014 an und nun zwölf Jahre später kann ich meine anfängliche Skepsis nicht mehr nachvollziehen. Balfe ist so sehr für mich zu Claire geworden, weswegen es wohl auch erklärt, dass ich die Bücher nicht mehr weiterverfolgt habe. Meine Kollegin Marie hat in ihren Buch-Serien-Vergleichen immer anschaulich dargelegt, was für tolle Adaptionen Starz Staffel für Staffel auf die Beine gestellt hat und dementsprechend habe ich dann irgendwann die bewegte Version bevorzugt, weil es visuell so eine reiche Welt erschaffen hat, durch die ich die Inhalte noch viel besser mitfühlen konnte.

Auch wenn die ganze Welt von "Outlander" auf einer magischen Idee beruht, so würde ich die Buchreihe ansonsten vor allem im Historienbereich einordnen und was habe ich viel gelernt. Geschichte als Schulfach fand ich durchaus immer interessant, aber Geschichte zu leben statt zu studieren, das sind doch zwei Welten. Auch wenn ich nicht mit Claire und Jamie im 18. Jahrhundert gelebt habe, aber so fühlte es sich doch so an, weil wir so viele Länder und große historische Ereignisse ergründet haben. Ich könnte einen Faktencheck nicht bestehen, aber ich bin immer wieder überrascht, wie viele Ereignisse ich dank "Outlander" besser einordnen kann. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn der gesamte Handlungsverlauf in Schottland gespielt hätte, weil ich mich so in diese Gegend, die Mentalität und die Figuren dort verliebt habe, aber ich habe auch jeden anderen Abschnitt neu lieb gewonnen. Ob nun England, Paris, Jamaika oder die diversen Kolonien, die heute zu den USA gehören, da haben wir schon einiges ergründet. Wir waren Teil von großen Schlachten, die tatsächlich stattgefunden haben. Es ging auch immer darum, inwieweit man die Geschehnisse der Geschichte aufhalten kann, aber die Botschaft war letztlich doch immer, dass es da nicht nur einige wenige Figuren braucht, dementsprechend hat sich Gabaldon auch sehr an Fakten gehalten. Wer behauptet, man verdumme beim TV-Schauen, der hat sich bei "Outlander" wirklich vertan.

Foto: Sophie Skelton & Richard Rankin, Outlander - Copyright: 2022 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2021 Starz Entertainment, LLC; Jason Bell/Starz/Sony Pictures Television
Sophie Skelton & Richard Rankin, Outlander
© 2022 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2021 Starz Entertainment, LLC; Jason Bell/Starz/Sony Pictures Television

"Outlander" hat von seinen intensiven Charakterzeichnungen und von seinen intensiven Liebesgeschichten gelebt. Natürlich standen Claire und Jamie über allem und gerade in den ersten Staffeln war es für das Fanherz großartig, dass all die tollen Buchmomente, die ihre Beziehung geprägt haben, es auch in die Adaption geschafft haben. Nicht umsonst ist das Netz voll von großartigen Zitaten, die die beiden Hauptfiguren miteinander geteilt haben. Und diese Liebesgeschichte hatte auch viele ihrer Auf und Abs und obwohl es so auch einiges zum Mitleiden gab, so war diese immense Liebe füreinander immer zu spüren. Ohne Frage ist es eine der größten Liebesgeschichten, die man in Serien finden kann. Aber gerade weil die Liebesgeschichte der beiden irgendwann auch eine Reife erreicht, die man von Paaren kennt, die schon lange zusammen sind, war es gut, dass wir immer neue Liebesgeschichten bekommen haben. So das erste Kennenlernen, die prickelnde Anfangsphase, das lässt sich doch anders erzählen und so war es auch wunderbar, dass es über den Serienverlauf verteilt war, sodass wir auch Brianna und Roger, Fergus und Marsali oder zuletzt Ian und Rachel erleben konnte. Jede Liebesgeschichte hat ihren eigenen Stil. Das hat man auch übertragen auf die intimen Szenen, für die die Serie u. a. auch berühmt wurde. Da hat man immer gemerkt, dass die Liebe zum Detail groß ist.

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Es sind aber nicht nur die Liebesbeziehungen, die funktionieren. Es sind auch die familiären Bande, ob nun durch Blut oder gewählt, es sind Freundschaften, es sind aber auch Rivalitäten. All das hätte aber nicht funktioniert, wenn nicht die Figuren individuell so gut ausgearbeitet worden wären. Claire war immer eine Heldin für mich, weil sie uns von Anfang an als starke Frauenfigur vorgestellt wird. Dafür, dass sie 1918 geboren wurde, ist das wirklich beachtlich, dass sie sich immer schon ihren Weg im Leben erkämpft hat. Noch deutlicher wird das durch die Zeitreise, weil es für Frauen dort nochmal ein ganz anderes Leben ist und Claire als selbstbewusste Frau noch mehr auffällt. Auch Jamie versucht sie zunächst zu zähmen, aber letztlich verliebt er sich genau deswegen in sie, weil sie sich nichts sagen lässt. Claire hat so viele Schicksalsschläge durchstehen müssen und hat sich das doch immer behalten und deswegen habe ich immer gerne zugesehen. Jamie hat anfangs sehr typische Ansichten für einen Highlander des 18. Jahrhunderts, aber innerhalb seiner Clans merkt man doch deutlich, dass er anders ist und genau deswegen haben die beiden Figuren auch funktioniert. Es gab später immer Szenen, in denen ich mich auch gut über Jamie ärgern konnte, aber er hatte mich auch genauso schnell wieder überzeugt, weil er ein großes Herz hat und weil er alles gibt, wenn es nötig ist. Brianna ist da die ideale Verkörperung aus den beiden. Sie ist genauso selbstbewusst wie ihre Mutter, geht aber auch mit dem Kopf durch die Wand wie ihr Vater. An diesen drei Figuren habe ich für mich immer sehr gut nachvollziehen können, warum die Bücher und die Serie für mich funktionieren.

Foto: Outlander - Copyright: 2024 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television
Outlander
© 2024 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television

Genauso funktionieren aber die Antagonisten und da wird immer zuerst Jonathan Randall zu nennen sein. So ein furchtbarer Charakter, der die Serie auch lange heimgesucht hat, aber es braucht genau solche Figuren, die solch starke negative Gefühle erzeugen, weil dann der Gegensatz zu den 'Helden' der Handlung besser funktioniert. Auch Stephen Bonnet ist nicht zu vergessen, zumal er und Randall ähnlich funktioniert haben. Ein gewisser Charme war durch die Darsteller gegeben, aber die Abgründe waren dann besonders tief. Gut, dass es auch eine so komplexe Frauenrolle gab und damit meine ich natürlich Geillis Duncan. Wie Claire eine Zeitreisende hat sie die Wege mit den Protagonisten häufig gekreuzt. Es war schwer sie immer zu durchschauen, aber genau diese Unberechenbarkeit hat sie für mich reizvoll gemacht. Auch wenn der Serienverlauf viel von Konflikten lebten, die durch verschiedene Seiten in der Geschichte zustande kamen, so waren es doch immer diese einzelnen Antagonisten, die uns echt das Fürchten gelehrt haben.

Foto: John Bell, Outlander - Copyright: Robert Wilson/Starz/Sony Pictures Television
John Bell, Outlander
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Einen kleinen Exkurs will ich noch einbauen, denn ich war in den Büchern auch immer ein großer Fan von Ian. Ich mochte den ganzen Fraser Murray-Clan wirklich extrem gerne und da war es großartig, dass Ian die große Anreise mit antreten durfte, um ein Teil der familiären Bande mitzutragen. Young Ian war für mich auch immer eine Figur, die vieles aufgelockert hat und der sowohl zu seinem Onkel als auch zu Claire eine tolle Beziehung hatte. Seine Geschichte mit den Mohawk hat seinen Charakter auf eine überraschende Reise geschickt, die ich immer sehr gefeiert habe. Auch wenn er als veränderter Mann wiederkehrte, aber ich fand es immer wichtig, dass Ians Faszination für die indigene Stämme auch geholfen hat, die Ureinwohner einzubeziehen und zu verstehen, weil das sonst für die US-amerikanischen Geschichtsbücher sicherlich nicht üblich ist.

Was die Last des Abschieds von dieser Serie in jedem Fall abfedert, das ist die Tatsache, dass die "Outlander"-Welt weiterhin existiert und das hätte ich hier auch ohne das Prequel "Outlander: Blood of My Blood" so überzeugt hingeschrieben. Die Fanbase ist unglaublich loyal, Gabaldon selbst ist in der von ihr geschaffenen Welt am liebsten zuhause und auch alle Beteiligten haben in Videos und Interviews immer so viel Liebe für die Geschichte zum Ausdruck gebracht, dass Erinnerungen hier getrost alles überleben werden. Aber wir haben das Prequel, das durch den besonderen Kniff schon Claire und Jamies Eltern zusammenführen konnte, und wir haben die Aussicht, dass noch jede Menge Geschichten erzählt werden können. Es gibt die Lord John-Romane, wir haben Fanny als Zeitreisende. Ganz bescheiden ist das kein Universum, das jemals auserzählt sein könnte. Daher: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie durch die Fanbase immer weiter!

Lena Donth - myFanbase

Die Serie "Outlander" ansehen:

Zurück durch die Steine

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