Review: #3.07 The Dragon in Winter
Nach einer etwas zähen Episode in der vergangenen Woche beweist "House of the Dragon" mit #3.07, dass das Warten sich gelohnt hat. Es wurden zuletzt viele Weichen gestellt und nun zeigt sich, in welche Richtung die jeweiligen Geschichten steuern. Dabei überrascht man uns nicht selten mit einer großen Enthüllung und gibt der Episode damit ordentlich Pfeffer.
Ein Element, an dem in Staffel 3 stetig gearbeitet wurde, war die zunehmende Unsicherheit, die Rhaenyra erfüllt. Dieses Thema nimmt auch dieses Mal einen großen Platz ein. Wieder und wieder zeigt man sie zweifelnd, sei es in den Gesprächen mit Helaena, Mysaria oder Daemon. Auf der anderen Seite schlägt ihre Unsicherheit dann schnell in Rage um, die immer wieder aus ihr heraussprudelt. Rhaenyra ist seit der ersten Episode eine Art Hoffnungsträgerin und so wünscht man ihr nur das Beste, weshalb die Verletzlichkeit und Furchtsamkeit, die sie nun umgibt, bedrückend ist. Gleichzeitig ist es spannend, die Figur auf diesem neuen Pfad zu beobachten und abzuschätzen, was sie als nächstes tun wird. Diese Episode brachte für Rhaenyra zwei wichtige Wendungen mit sich. Zum einen hat sie erfahren, dass Rhaena die Reiterin von Schafsdieb ist und dass Daemon seit geraumer Zeit darüber Bescheid wusste. Zum anderen scheint sie sich im andauernden Wetteifern von Daemon und Mysaria nun endgültig auf die Seite von Mysaria zu stellen. Erstere Wendung wurde äußerst dramatisch in Szene gesetzt und bot so viele Drachen in einer Sequenz, wie wir sie seit Rhaenyras Eroberung von Königsmund nicht mehr gesehen haben. Mit Bangen durfte man verfolgen, wie sich erst Schafsdieb und Caraxes bedrohten, anschließend verschärfte sich die Situation noch, als auch Seerauch und Syrax dazustießen. Es waren phänomenale Momente, die einem kurzzeitig das Blut in den Adern gefrieren ließen. Auch emotional hallen diese actiongeladenen Szenen nach, da Rhaena nun erneut drachenlos zurückbleibt, während Rhaenyra ernsthaft an der Loyalität ihres Mannes zweifelt. Es war schön mit anzusehen, wie Rhaena Trost in den Armen ihrer Schwester fand und wie Daemon zärtlich versuchte, sich bei Rhaenyra zu entschuldigen. Beide Szenen waren sehr liebevoll ausgearbeitet und umgesetzt.
Liebevoll ging es auch bei Rhaenyra und Mysaria zu, eine Wendung, die ich zu diesem Zeitpunkt der Geschichte ehrlich gesagt nicht gebraucht hätte. Schon in den vergangenen Folgen fiel mir immer wieder ins Auge, wie sich Mysarias Stil seit der zweiten Staffel verändert hat. Sie kleidet sich nicht länger in schlichte Gewänder, sondern trägt nun eine edle Robe, die sie aus der Menge herausstechen lässt. Ich habe mich bereits gefragt, ob dieser Wandel thematisiert werden wird. Es hat mich ein wenig überrascht, dass es schlussendlich Sylvi war, die es zur Sprache brachte, da die Figur nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch nutzt man dies hier sehr geschickt, um die Veränderung deutlich zu betonen und auch zu unterstreichen, dass Mysaria sich mehr herausnimmt, als ihre Position es ihr eigentlich erlauben sollte. Nach dem Gespräch mit Sylvi wirkt die zärtliche Szene zwischen Mysaria und Rhaenyra zudem umso doppeldeutiger. Schmiert Mysaria der Königin nur Honig ums Maul, um ihren Einfluss zu stärken? Hat sie echte Gefühle, oder weiß sie als frühere Hure einfach geschickt ihre Reize einzusetzen? Man hätte weniger Zweifel an Mysaria, hätte sie Helaenas Schwangerschaft nicht vor Rhaenyra verheimlicht, doch unter diesen Umständen wirkt der leidenschaftliche Moment zwischen den beiden Frauen – auf mich zumindest – so, als hätte Mysaria Rhaenyra erfolgreich eingelullt. Ich begrüße diese Entwicklung nicht, da die Serie sich seit #2.08 The Queen Who Ever Was viel Mühe gab, das Band zwischen Rhaenyra und Daemon zu stärken. Zwar kann ich nicht leugnen, dass Emma D'Arcy es auch schafft, bei Szenen mit Sonoya Mizuno ein gewisses Knistern aufzubauen, doch das kommt nicht an die Chemie heran, die sie mit Matt Smith teilt.
Schauspielerisch konnte in dieser Episode auch Tom Glynn-Carney auf ganzer Länge überzeugen. Nachdem Aegon sich in den letzten Episoden sehr zurückgehalten hatte und sein Handeln zu reflektieren schien, hat er nun endlich einmal wieder ein wenig mehr sehen lassen. Dabei gab sich Aegon nicht länger selbstbemitleidend und gebrochen, sondern fasste trotz der schwierigen Situation neuen Mut. Genauso wie es für ihn spricht, nicht als feiger und gebrochener König auf der Flucht sterben zu wollen, passt es zu Larys, sich aus dieser heiklen Lage zu befreien und sich von Aegon loszusagen. Obwohl er im Drachentanz bisher stets auf der Seite der Grünen stand, hat man nicht das Gefühl, ihm wirklich vertrauen zu können. Ganz anders verhält es sich bei Tyland, der trotz der schlechten Ausgangssituation zu Aegon steht. Der Handlungsstrang gipfelt schließlich in einem Moment, den ich wirklich nicht kommen sah, weshalb ich ihn wahnsinnig grandios fand. Denn gerade in dem Moment, als für Aegon alles verloren scheint, steht er seinen Mann und wie zur Bestätigung, dass er der wahre König ist, taucht hinter ihm der totgeglaubte Sonnfeuer auf. Es ist ein unglaubliches Spektakel, wie Aegon seinen Drachen, der genau so in Mitleidenschaft geraten ist wie der König selbst, mit Dracarys auffordert, seine Feinde in die Flucht zu schlagen.
Die Drachen spielen dieses Mal in beinahe jedem bedeutenden Handlungsstrang eine Rolle und so ist es auch in Stolperstadt. Lange mussten wir auf die Auflösung von Ormunds Plänen warten und nun kriegen wir sie brühfrisch serviert: er hat sich einen Drachenreiter geangelt. Es ist ein wahrer Schock-Moment, als man Ormund friedlich plaudernd mit Ulf erblickt. Schon seit dem Staffelauftakt war Ulfs Unzufriedenheit Thema und man konnte deutlich erkennen, dass seine Loyalität nicht in Stein gemeißelt ist. Nun ist es also soweit und Ulf scheint bereit die Seiten zu wechseln. Während dies einerseits nicht überraschend kommt, ist die Umsetzung dennoch wahnsinnig gut gelungen.
Allein in Harrenhal bekommen wir keinen Drachen zu sehen, doch auch hier tut sich einiges. Mit der Ankunft Alicents und Aemonds schnellem Mord an Adrian Redfort geht es hier unglaublich rasant zu. Es sind Szenen, die ich so kurz nach Alicents Abreise auf Königsmund nicht erwartet hatte, die man aber nach dem langen Warten auf Bewegung nur begrüßen kann. Schwer einzuordnen sind indes die wahren Gefühle von Aemond und Alicent. Bei der Szene, die Aemond und Alicent im Bett zeigte, ist mir die Kinnlade heruntergeklappt und ich war äußerst erleichtert, als sich herausstellte, dass es sich um einen Harrenhal-typischen Traum handelt. Gleichermaßen verblüfft war ich, als Alicent sich zur Flucht aus Harrenhal entschloss. Während Aemond eine unnormale Sehnsucht nach der Nähe zu seiner Mutter zu verspüren scheint, spürt sie eine nicht weniger sonderbare Furcht vor ihrem Sohn. Durch ihre Flucht kann man davon ausgehen, dass Aemond Alicent nicht länger freundlich gesinnt sein wird. Mal sehen, worauf das hinausläuft und ob es ein Wiedersehen zwischen den beiden geben wird. Nun bleibt die Frage offen, was Alicent zu tun gedenkt. Ich befürchte, dass man für ihre Rolle im Staffelfinale nicht mehr viel zu tun hat, hoffe aber, dass Olivia Cooke in der finalen vierten Staffel noch einmal ihr Können unter Beweis stellen darf.
Kurze Eindrücke
- Helaena hat weiter gestickt und auch im Intro haben wir einige neue Szenen zu sehen bekommen.
- Hat Ormund Corlys wirklich einen Finger abgehackt? Es ist eine erneute Provokation und wird sicher dazu führen, dass Alyn seine Männer nach Stolperstadt führen will.
- Bei der Szene zwischen Baela und Addam habe ich erst befürchtet, dass die Autoren nun noch einmal umschwenken und auch hier eine Liebesgeschichte aufbauen wollen. Ich finde die Herangehensweise hier etwas unglücklich, da man es in #3.05 Unbent and Unbroken darauf anlegte, uns Baela und Addam schmackhaft zu machen, nur um dann in #3.06 Faceless Men einen Kuss zwischen Baela und Alyn zu zeigen. Durch die vielen gemeinsamen Stunden, die Baela und Addam auf ihren Drachen miteinander verbracht haben, kann man an romantische Gefühle zwischen den beiden sehr leicht glauben, wohingegen der Kuss zwischen Baela und Alyn sehr plötzlich kam, da es vorher keine Andeutungen zu einer Annäherung der beiden gab. Es besänftigt ein wenig, dass man nun aufzeigt, dass die Schwingungen, die man zwischen Addam und Baela spürte, scheinbar nur von Addam ausgingen, dennoch wirkt das Bild nicht ganz rund.
- Was es wohl mit dem von Helaena erwähnten grauen Mann auf sich hat?
Fazit
Diese Episode brachte viele wichtige Wendungen mit sich und konnte somit auf ganzer Länger überzeugen. Sie bereitet den Weg für ein spannendes Staffelfinale, in dem hoffentlich genauso viele Drachen zu sehen sein werden wie dieses Mal.
Marie Müller - myFanbase
Die Serie "House of the Dragon" ansehen:
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Diskussion zu dieser Episode
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: The Dragon in WinterErstausstrahlung (US): 02.08.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Erstausstrahlung (Pay-TV): 03.08.2026
Regie: Nina Lopez-Corrado
Drehbuch: Philippa Goslett & Zenzele Price
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