Bewertung: 7

Review: #5.06 Little Girl Blue

Es ist Folge 1, nachdem wir leider Dean Miller verloren haben. Es hat einen kleinen Zeitsprung gegeben, den wir zu Beginn der Episode anhand von Victoria "Vic" Hughes' Gesundheitsprozess im Zeitraffer angedeutet bekommen. Die Beerdigung von Dean wird dadurch ausgespart, was schon etwas schade ist, weil es immer die perfekte Gelegenheit ist, die Figur so noch einmal auf den Punkt Revue passieren zu lassen. Stattdessen sind wir thematisch bei Thanksgiving angekommen und alle kommen auf Wache 19 zu einem gemeinsamen Dinner zusammen. Das ist nach einer sehr traurigen vergangenen Episode sicherlich eine gute Wahl, weil man thematisch wieder hoffnungsvoller für die Zukunft anknüpfen kann. Zudem haben wir Deans Tochter Prus in so vielen Szenen und sie steht wie keine sonst für ihren Vater, so dass er erst recht durch sie unter allen ist. Zudem wird der Trauer auch noch genug Platz eingeräumt, so dass wir eine gefühlslastige Episode dargeboten bekommen haben. Aber passt hier auch alles?

In der "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte"-Episode #18.05 Bottle Up and Explode! fand ich es ein wenig schade, dass Jack Gibson nach dem Einfahren von Deans Leiche für den Rest der Episode verschwunden war, weil es meiner Meinung nach zu sehr heruntergespielt hat, dass er eben sein bester Freund war und das seit der Akademie. Das wird hier nun zum Glück nachgeholt. Auch wenn allen noch anzumerken ist, dass sie von den Ereignissen schwer erschüttert sind, sind Vic und Jack noch am meisten in ihrem Trauerprozess gefangen. Letzterer ist völlig stoisch immer in seinen eigenen Gedanken gefangen, wirkt fast wie eine Puppe, der man alles aufdiktieren muss, doch unter der Fassade brodelt es gewaltig. Immer wieder platzt in kleinen Momenten etwas aus ihm heraus, dass er nicht kontrollieren kann und wofür er sich sofort schämt, als dürfte er nicht offen wütend sein, seinen besten Freund zu verlieren. Hier kommt nun Carina DeLuca ins Spiel, die ihre Beziehung zu ihm weiter verbessert und eine Parallele zu ihrem Verlust von ihrem Bruder Andrew zieht. Sie hat damals ganz ähnlich agiert, bis Maya Bishop sie aufgerüttelt hat und sie endlich loslassen konnte. Das tut sie nun für Jack, indem sie inständig bittet, dass er seine Gefühle aus sich ausbrechen lassen muss. Nach einer wirklich lustigen Szene in der Küche, wo es Sean Beckett verdientermaßen auf den Hosenboden gezogen hat, geht Jacks anfängliches Lachen in Weinen über, was mal wieder zeigt, wie nah diese beiden Emotionen nebeneinanderliegen. Es war ein intensiver Moment und ich bin froh, dass wir das in dieser Form miterleben durften.

Aufgrund von Deans Tod und der schweren Verletzung von Pete Aquino sowie weiteren Ausfällen habe ich vermutet, dass uns einige Veränderungen personeller Natur bevorstehen, doch das wurde noch ausgespart, was ich auch nicht kritisieren will, weil es thematisch auch nicht in die Episode gepasst hätte. Wir erfahren nur, dass Andy Herrera aktuell übergangsweise Wache 23 leitet, aber Wache 19 müsste ja heillos unterbesetzt sein nach dem Verlust von Dean und dem Ausfall von Vic, deren Herz nach dem Elektroschock ihr noch keine Rückkehr in den Job ermöglicht hat. Dafür ist Beckett nach seiner Verletzung wohl sofort wieder auf dem Damm gewesen, so dass hier von der Führung her keine Veränderung her musste. Idealerweise hätte ich es mir ja so vorgestellt, dass es die ideale Möglichkeit ist, alle Hauptfiguren wieder unter ein Dach zu holen, also Andy und Theo Ruiz nach Wache 19. Das ist offenbar erstmal nicht beabsichtigt du ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Denn gerade Andy pendelt immer etwas unglücklich zwischen den Welten und das wird im aktuellen Rang eines Interimscaptains noch unlogischer. Aber mal sehen, was die Zukunft bringt.

Ansonsten haben wir eben noch Vics Trauerprozess, die im Gegensatz zu dem Verlust von Lucas Ripley auch nach Tagen und Wochen nicht einfach weitermachen kann und das setzt ihr zu, weil sie erwartet, dass es alle anderen von ihr erwarten, weil sie eben die Vic ist, die einfach wieder zum Spaß des Lebens übergeht. Da ist es schön, dass Dr. Diane Lewis kurz auf der Wache vorbeischaut, die ohnehin eine Gastrolle von immenser Bedeutung hat. Sie begreift sofort, dass hier Schuldgefühle im Spiel sind, weil Vic nun weiß, dass Dean sie geliebt hat. Es wird deutlich, dass sie es unterbewusst wohl gemerkt hat, aber eben ignoriert hat, weil sie die Gefühle nicht erwidern konnte und die Freundschaft so nicht gefährden wollte. Aber natürlich muss sie sich deswegen keine Vorwürfe machen, zumal wir aus Deans Perspektive wissen, dass er ihr das nie negativ ausgelegen hat, weil er auch lieber überhaupt in ihrer Nähe war als gar nicht. Aber das Thema ist natürlich auch sensibel für Theo, der nun weiß, dass es einen anderen Mann gab, der in seine Freundin verliebt war. Während Andy in ihrer manchmal leider typischen Art erst sehr unwirsch reagiert hat, realisiert sie aber, dass sie zu sehr ihre eigenen Erfahrungen in den Vordergrund stellt und findet dann doch noch die passenden Worte für Theo. Denn dieser hat auch weniger ein Problem mit Deans Gefühlen an sich, sondern mit der Möglichkeit, ob Vic diese vielleicht doch erwidert hat. Aber ich schließe mich Andys Einschätzung völlig an, dass sie ihn eben nur als Freund geliebt hat. Deswegen hoffe ich nicht, dass das als weitere dunkle Wolke über Theo und Vic schwebt. Aber ich fand es auch sehr schön, wie Diane ankündigte, dass das Krisenprogramm mit Dean nicht gestorben ist. Klar wäre es auch schön, dass auch weiterhin auf dem Bildschirm mitzuerleben, aber trotzdem ist auch der Gedanke wichtig, dass die sympathische Diane im Hintergrund alles im Griff hat und Deans Vermächtnis erbittert weiterführen wird.

Endlich hat sich Paul Montgomery öffentlich geoutet! Ich habe schon befürchtet, dass wir diesen Tag nie mehr erleben werden, aber nun ist es endlich raus. Auch wenn ich glaube, dass er den Schutz von Nari wirklich so meint und er sie auch wirklich auf seine Art liebt, so hat er sich hinter dieser Ehe auch immer versteckt. Denn wie Travis es am Ende auch meinte, nach dem Outing ist man wirklich frei und kann glücklich zu seiner Liebe stehen. Dann haben wir eben auch Nari, bei der es mich nicht wirklich überrascht hat, dass sie vielmehr sauer war, dass Travis seinen Vater immer so gedrängt, als dass ihr Mann homosexuell ist. Wir haben Nari bislang nie als Persönlichkeit mit eigener Meinung kennengelernt, sondern als Frau, die sich von ihrem Mann in allen wichtigen Entscheidungen lenken lässt. Da verwundert es wenig, dass es für sie ein großer Horror ist, dass ihr Mann sie nun verlassen könnte, denn wer wäre sie dann noch? Aber diese Wut, die sie daraufhin verspürt hat, hat bei Nari gezeigt, dass unter der Oberfläche sehr wohl eine eigenständige Frau schlummert. Es mag für sie auf den ersten Blick so wirken, als wäre sie glücklicher in einer Ehe, bei der Sex zwar nicht mehr erfolgt ist, dafür aber Beständigkeit herrscht. Doch ich glaube fest, dass auch Nari so viel glücklicher sein könnte. Und auch wenn die Montgomerys getrennter Wege gehen sollten, der Beweis ihrer Liebe wird in Form von Travis ja eh weiterleben. Ich habe auch gut nachvollziehen können, dass er in dieser Episode völlig überfordert war, denn sein Vater hat wirklich viel mit den Lügen verlangt und er hat ihn dennoch gedeckt. Aber zwischen Vater und Sohn stehen eben immer noch die Verletzungen der Vergangenheit und ich stimme völlig zu, dass das nichts ist, was man mal eben vergessen kann. Man kann es verzeihen, aber eben nicht vergessen. Deswegen war Emmett Dixons Rolle in der ganzen Sache auch wieder unglücklich. Ja, er hat sein Outing auch eher wie Paul erlebt, fühlt sich also mit ihm verbunden, aber es war dennoch eine unmögliche Situation, in die Travis gedrängt wurde und aus der heraus er auch das Anrecht auf seine Wut hat. Es hat mir wieder vor Augen geführt, dass ich Emmett einfach nicht als idealen Partner für Travis sehe. Man merkt immer ein Ungleichgewicht bei ihnen und deswegen erwische ich mich auch nie bei ihnen, wie ich für sie mitfiebere…

Völlig überflüssig wiederum war die (hoffentliche) Beendigung von Ingrid Saunders' Storyline. War sie jetzt nur dafür da, dass Ben Warren am Ende die Worte schwingen kann, dass es die Liebe wert sein muss, um den Verlust verarbeiten zu können? Ich fand jedenfalls, dass Ingrid auch überhaupt nicht in diese Episode passte und wie sie immer hinter Ben her war und er nicht richtig wusste, wie er damit umgehen soll, das war von Anfang an eher unglücklich. Zum Schluss haben wir dann noch die angesprochene Wirkung, die Pru auf die gesamte Episode hat. Denn sie bringt Maya dazu zu erkennen, dass sie zu einem Baby mit Carina bereit ist. Ich habe mir immer so einen Moment vorgestellt und es war echt perfekt. Aber ich gehe 100% davon aus, dass wohl Carina das Baby austragen wird. Oder werden wir doch überrascht? Aber auch sonst hat Pru in so viel Trauer immer ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Sie hat natürlich auch immer wieder nach ihrem Papa gefragt, weil er auf der Wache überall präsent ist und das ist einfach nur zum Heulen, aber man hat deutlich gemerkt, wie geliebt sich dieses Kind fühlen kann und wie sie im Umkehrschluss all das zurückgibt, was auch nur Kinder schaffen. Deswegen war es am Ende natürlich herzzerreißend, als Bill Miller seine Enkelin mitnimmt. Nicht nur Dr. Miranda Bailey hat sich im Rekordtempo an Pru gebunden, sondern alle anderen waren es schon längst. Die Reden über die Familie, die nichts mit der DNA zu tun hat, das war wirklich schön und dennoch ist natürlich auch die Perspektive der Millers nicht 'falsch'. Zwar haben sie Dean nach der Geburt von Pru im Stich gelassen, aber das hatte sich eben auch wieder erledigt und wir haben gerade Ifeya auch als regelmäßige Babysitterin präsentiert bekommen. Normalerweise ist es dann auch selbstverständlich, dass erst die Familie in Frage kommt. Doch wir haben eben die Tatsache, dass Dean klar geäußert hat, wer Pru bekommen soll. Es wird sicherlich noch ein Thema werden, ob er das nicht doch schriftlich verfasst hat, aber es kann nur richtig sein, dass sein Wunsch für sie erfüllt wird. Aber als Bill mit Pru geht, da war klar, dieser Gruppe von Menschen, dieser Familie, ist Dean gerade ein zweites Mal entrissen worden.

Fazit

"Seattle Firefighters - Die jungen Helden" hat eine gute Episode dargeboten, um die Nachwirkungen von Deans Tod zu thematisieren. Im Rahmen von einem Thanksgiving-Dinner ist mit dem Zusammensein auch ein Gefühl von Zusammenhalt betont worden, das man nach so einem Verlust als wirklich tröstend empfindet. Mit Jack und Vic haben wir auch sehr unterschiedliche Trauerprozesse zu sehen, die mich beide sehr mitgenommen haben. Auch sonst war es eine stimmige Episode, in der nicht alles auf ein Happy End zusteuerte, aber wo doch alles passte. Einzig Ingrid und gewisse Zweifel bezüglich der weiteren personellen Gestaltung trüben das Bild ein wenig.

Lena Donth – myFanbase

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