Bewertung

Review: #5.07 Weichenstellung

Nach zwei wirklich emotional starken Wochen haben wir kurz vor der Winterpause nun wieder eine inhaltliche Delle im Programm. Es gab sicherlich einige Highlights und auch unbeschwerte Momente, aber an zu zentralen Stellen geht es in die völlig falsche Richtung und das lässt meine Alarmsignale sofort laut schrillen.

Für Unbeschwertheit stehen in dieser Woche Maya Bishop und Carina DeLuca. Nachdem sie sich nun entschieden haben, ein Baby zu bekommen und damit ihre Familie zu erweitern, ist auch schön, dass man die Hoffnung angesichts dieser Perspektive mit in diese Episode nimmt und nicht gleich ein neues Hindernis in den Weg stellt. Ich habe mir ja gleich gedacht, dass Carina das Kind austragen wird, weil es in die Beziehung der beiden passt. Maya wäre möglicherweise spannender, aber spannender ersetzt ja auch nicht immer logisch. Aber mir hat vor allem gefallen, dass sie sich so unproblematisch darauf einigen konnten, dass es Carina wird. Dennoch wird der Prozess in der Zukunft noch Baustellen bereithalten, sonst wäre es auch nicht "Seattle Firefighters - Die jungen Helden". An dieser Front bin ich aber sogar gespannt, was sich für Maya und Carina ausgedacht wurde.

Was sich aber für Jack Gibson und Victoria "Vic" Hughes ausgedacht wurde, da kann ich nur heftig den Kopf schütteln… Mit den beiden wurde zwar nicht grundlegend alles falsch gemacht, weil sie als Trauerbuddies wirklich gut zusammenpassten, aber die finale Szene der beiden zusammen, was zur Hölle haben sich die Autor*innen da nur gedacht? Jack und Vic haben über den Verlauf der Serie hinweg nie einen engen Kontakt gehabt. Sie sind enge Kollegen, aber von den beiden hätte ich nie erwartet, dass sie freiwillig privat etwas zusammen unternehmen. Mit diesem Umstand wurde hier nun auch gespielt, denn Travis Montgomery muss sich ja auch eher zusammenzwingen. Und es war ja auch wirklich sinnvoll, da beide zwar nicht unmittelbar in der rohen Trauer gefangen sind, aber von Akzeptanz sind sie weit entfernt, sie haben es eher mit Wut zu tun. Das wurde hier wie aus dem Lehrbuch durchgespielt und ich habe auch mit ihnen gelitten. Aber spätestens als es zu dem Kuss kam, hätte ich am liebsten gleich etwas in den Bildschirm geworfen. Denn zum einen haben Jack und Vic null Chemie auf dieser Ebene und zum anderen wird es nur für unnötigen Ärger sorgen. Auch wenn gerne Handlungen in der Trauerphase entschuldigt werden, so sind sie vielleicht aber auch Hinweise auf tieferliegende Probleme. Theo Ruiz war schon unglücklich, als er erfahren hat, dass Dean Miller in seine Freundin jahrelang verliebt war. Wie reagiert er wohl, wenn der vermeintliche Widersacher noch lebt? Vic erscheint mir auch nicht wie der Typ, der dieses 'Geheimnis' lange mit sich herumträgt, sie wird es von der Seele haben wollen. Und wie fatal wäre es bitte, Vic und Theo auseinanderzubringen? Denn eigentlich haben wir doch Hochphase der beiden noch gar nicht zu sehen bekommen…

Travis wiederum hat mit den Nachwirkungen zu kämpfen, dass seine Mutter Nari und auch sonst alle von der Homosexualität seines Vaters wissen. Denn jetzt will sie ihren Mann konsequent verlassen. Überraschenderweise war diese Teilhandlung für mich die Stärkste, weil sich bei den Montgomerys über 1,5 Staffeln hinweg kaum etwas getan hat, aber mit dieser Episode wurden doch andere Perspektiven auf die Situation aufgezeigt. Schon in meiner letzten Review habe ich aufgezeigt, dass Nari immer nur die stumme Frau war, die wie eine Marionette agiert hat, aber sie blüht jetzt regelrecht auf. Jahrzehntelang war sie eine Ehefrau, die nahezu kaum eigenständige Entscheidungen getroffen hat, aber jetzt zieht sie gleich aus und stellt sich damit wirklich der größten Herausforderung des Lebens, denn wohl jede*r kennt diese Frauen, die in der Ehe ihre Selbständigkeit aufgegeben habe und sich plötzlich dem Leben alleine stellen müssen. Ich stelle jedenfalls fest, dass ich richtig für Nari mitfiebere und hoffe, dass sie eigenes Glück finden kann. Das zweite Thema war natürlich, dass bislang immer nur Paul Montgomery der schwarze Peter zugeschoben worden ist. Travis hat seine Mutter aber diesmal nicht vom Haken gelassen, denn völlig zurecht war Nari in der Ehe nicht klassisch unterdrückt. Hier haben wohl eher kulturelle Hintergründe eine Rolle gespielt, warum sie sich so untergeordnet hat. Aber deswegen prangert Travis eben an, dass seine Mutter wahrlich auch nicht alles richtig gemacht hat und mit dem Fernbleiben von der Hochzeit nun nicht gerade signalisiert hat, wie stolz sie auf ihren Sohn ist. Zunächst geht Nari diesen Vorwürfen überfordert aus dem Weg, aber letztlich stellt sie sich ihnen auch, denn wenn sie sich diesen nicht stellen könnte, wie dann dem ganzen Leben? Und nach diesem riesigen Sprung in Sachen Selbstreflexion erkennt auch Travis, dass dieser Auszug wahrscheinlich der richtige Weg ist. Auch die finale Szene zwischen Nari und Paul war irgendwie schön, wenn sie natürlich auch traurig ist. Aber er bekommt die Freiheit, so zu leben, wie es ihm entspricht, als geouteter homosexueller Mann und Nari geht mit ihm nicht in Streit auseinander, auch wenn das Leben für sie möglicherweise erst schwerer wird, bevor es leichter werden kann.

Ein größerer Themenblock ereignet sich auf Wache 23. Während 19 diesmal nicht im Dienst ist und damit Raum hat, im privaten Bereich alles zu regeln, ist dort Arbeitseifer angesagt. Als ich schon sah, dass Robert Sullivan aushilfsweise dort einspringen würde, habe ich Schlimmes geahnt, aber tatsächlich hatten die beiden baldigen Ex-Ehepartner gar nicht viele Szenen gemeinsam. Sullivan war eher mit Theo beschäftigt und hat bei ihm Zweifel gesät, wenn der Partner ebenfalls bei der Feuerwehr arbeitet, wobei ich hier einfach mal werte, dass er das aus verletzten Gefühlen heraus gesagt hat. Er wird nicht mit allen Argumenten Unrecht haben, aber die eine richtige Sichtweise gibt es eben auch nicht. Aber wie passend, dass bei Theo Zweifel gesät werden, wo Vic gerade fremdküsst… Andy Herrera wiederum hat mit Autoritätsproblemen zu tun, was ich eine wirklich gute Idee fand. Bei Wache 19 hat sie schon mal das Zepter schwingen dürfen, aber dort ist eben auch ihre Familie. Bei Wache 23 ist – gelinde gesagt – ein Sauhaufen beschäftigt. Ich fand es nur etwas schade, dass gerade beim größten Ekel Maddox wieder ein Rückschritt gemacht wurde. Denn als Dean um sein Leben gekämpft hat, war er emotional schwer getroffen, obwohl sie sich gar nicht richtig kannten. Dennoch war es übertrieben, dass er nur wenige Wochen später jegliche Vorsicht für überflüssig hält und begeistert gen Feuer stürmt. Das hat aber Andy natürlich wiederum eine Möglichkeit gegeben, sich selbst beweisen zu müssen. Während sie anfangs etwas hilflos war, auch wie mit Rekrutin Deja Duval umgegangen wird, ist sie regelrecht darauf gestoßen worden, dass sie sich Autorität verschaffen muss – und wie sie das gemacht hat! Da hat sich Andy den Applaus wirklich verdient. Angeheizt von diesem Erfolg hat sie sich daher natürlich auch von Sullivan nichts sagen lassen. Das Gespräch zwischen ihnen ging eigentlich auch gut los, weil er ehrlich begeistert von ihrer Ansprache war, aber seine Vergleiche, dass sie beide bedingungslos nach einer Karriere streben würden, das war wirklich deplatziert. Andy ist ohne Frage viel zielstrebiger als eine Vic oder ein Travis, aber sie ist auch kein Sullivan. Deswegen hat er es im Grunde nun auch verdient zu hören, dass sie mit Sean Beckett geschlafen hat. Es musste ja irgendwann rauskommen und jetzt hat es richtiges Explosionspotenzial!

Abschließend haben wir noch das Thema Pru Miller, das sehr wichtig für den Fortgang von "Seattle Firefighters" ist, aber gleichzeitig diesmal etwas wiederholend war. Das ist mir vielleicht auch nur so vorgekommen, weil natürlich beide Sichtweisen ihre Daseinsberechtigung haben. Ben Warren und Dr. Miranda Bailey, die in Deans Sinne Pru zu sich nehmen wollen und die biologischen Großeltern, die ebenfalls Anspruch erheben. Aber beide Seiten sind immer wieder ermüdend mit ihren Positionen dargelegt worden. Da ging es mir dann irgendwann fast wie Miranda, die betont hat, dass Pru in dem Ganzen nicht zwischen die Räder kommen darf, weil sie gerade erst ihren geliebten Vater verloren hat. Andererseits bin ich in der Angelegenheit auch sehr parteiisch. Die Millers sind mit minimalen Ausnahmen nicht gerade als nette Menschen inszeniert worden. Sie sind sicherlich in vielen Aspekten so auf das äußere Ansehen erpicht, weil sie wegen ihrer Herkunft fünfmal so hart dafür kämpfen müssen, aber das darf keine Entschuldigung sein, im Ausgleich dafür empathisches Verhalten zu streichen. Ben und Miranda dagegen haben nicht einmal diesen Eindruck erweckt, sondern sie sind Pru stets mit offenen Armen begegnet und es war eben Deans Wunsch. Er ist schon einmal vorher fast gestorben, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, weswegen sie umso mehr Gewicht trägt. Dass Pru am Ende speziell nach Ben, Miranda und Co fragt, zeigt ja auch, wie eng sie mit ihnen schon verbunden ist. Das ist für mich eigentlich auch der Hinweis, dass die Millers schließlich ihren Anspruch aufgeben werden, aber dann hoffe ich auch, dass das spätestens mit der nächsten Episode auch so festgehalten wird, denn ansonsten leidet vor allem wirklich nur eine: Pru.

Fazit

Es geht wieder in die falsche Richtung mit "Seattle Firefighters", zumindest gefühlt. Gerade der Kuss zwischen Vic und Jack hat mir ordentlich die Stimmung verhagelt; er macht mich sogar richtig wütend. Abseits davon hatte die Episode aber durchaus schöne Momente, seien es Maya und Carina oder Travis mit seinen Eltern. Das will ich gar nicht verbergen. Dennoch ist bei gewissen Entscheidungen bei den Drehbüchern aufzupassen, denn manchmal ist es nur eine Storyline, die nicht passt und die dennoch das Gesamtbild trübt.

Lena Donth – myFanbase

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