Bewertung

Review: #8.10 And the World Was All Around Us

Foto: Sam Heughan & Caitríona Balfe, Outlander - Copyright: 2024 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television
Sam Heughan & Caitríona Balfe, Outlander
© 2024 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television

Wenn etwas zu Ende geht, dann fühlt man sich manchmal eigenartig leer. Denn auch wenn es schön war, ein Teil von etwas gewesen zu sein, so weiß man nun, dass es das letzte Mal war, dass man dieses besondere Gefühl hatte, weshalb ein Ende meist etwas bittersüßes hat. Ganz genau so erging es mir beim Finale von "Outlander". Vom ersten Moment an setzt das Finale auf Nostalgie und erinnert durch kleine wohlgewählte Worte, Gesten, Blicke, die wohlbekannten Klänge des Intros aus der ersten Staffel oder ein Lächeln im Schlaf an all das, was wir über die Jahre an "Outlander" lieben gelernt haben.

"Tha gràdh agam ort, mo chridhe."

Das Thema Abschied steht in dieser Episode ganz oben auf der Liste und wird mit dem Testament von Jamie eingeleitet. Er bedenkt darin liebevoll die Menschen, die ihn umgeben und so denken wir gemeinsam mit Jamie an diejenigen, die sein Leben bereichert haben. Dieser Abschied ist schön geschrieben, doch leider bedeutet er auch, dass wir keinen von ihnen noch einmal an Jamies Seite sehen. Die Episode setzt einen sehr deutlichen Fokus auf Jamie und Claire, weshalb alle anderen Figuren nur noch einmal kurz am Rande Erwähnung finden. Die einzige Ausnahme bildet Brianna, mit der Jamie noch ein paar liebevolle Worte teilt.

Die Episode gibt sich viel Mühe dabei, Claire und Jamie einen würdigen Abschied zu bereiten und damit trifft sie vollkommen ins Schwarze. Es ist dabei nicht eine große Szene, auf der das gesamte Gewicht des Abschiedes lastet, viel mehr ist es die Vielzahl an Momenten, die man den beiden gibt. Es ist ihr gemeinsamer Morgen im Bett mit Claires Erzählung über die in einer Blume schlafenden Bienen, es ist Claires unablässiges Streicheln Jamies, während sich die beiden miteinander unterhalten, es ist ihr Gespräch am Bach mit Jamies letzten Bitten an seine Frau, es ist ihre letzte gemeinsame Nacht, die sie sehr bewusst miteinander teilen und es ist der letzte Kuss, bevor Jamie in die Schlacht zieht. Alle diese Szenen zeigen uns die Liebe, die Claire und Jamie für einander empfinden und sie zeigen uns, weshalb wir Zuschauer die beiden so sehr in unser Herz geschlossen haben.

Es schließt sich mit der Schlacht von Kings Mountain der Teil der Episode an, auf den ich in diesem Finale gut und gern hätte verzichten können. Ja, man brauchte einen Spannungsbringer, doch sie war wie jede andere Schlacht auch und man zeigte die Figuren im Angesicht des Feindes, wie sie sich hier und da aus einer bedrohlichen Situation halfen. Genau so hätte ich auch auf die über das Schlachtfeld stolpernde Claire verzichten können, weil es vollkommen unlogisch war, auf welche Weise sie sich hier selbst in Gefahr brachte, nur um einen Blick auf Jamie zu erhaschen.

Nach diesem eher durchschnittlichen Abschnitt der Episode, begannen jedoch die Gefühle zu kochen, da man wusste, dass nun die entscheidende Frage beantwortet werden wird: Wird Jamie sterben? Als die Schlacht für gewonnen erklärt wird, glaubt man der glücklichen Umarmung von Claire und Jamie daher nicht und man traut dem Gefühl der Erleichterung nicht wirklich über den Weg. Umso bestätigter fühlt man sich, als Ferguson einen tödlichen Schuss auf Jamie abfeuert, den augenblicklich auch Claire im Herzen spürt. Es ist eine meisterhaft geschriebene Wendung, die uns Zuschauern sofort den Boden unter den Füßen wegreißt. Anschließend sehen wir eine vollkommen erschütterte Claire, die den im Sterben liegenden Jamie in den Armen hält. Ich glaube, dass Caitriona Balfe in dieser Szene deshalb so unglaublich authentisch wirkt, weil sie ihren eigenen Abschiedsschmerz von der Rolle, die sie über ein Jahrzehnt lang spielte, mit in Claires Trauer einfließen lassen konnte. Der Anblick Jamies, aus dem das Leben entweicht, trifft einen bis ins Mark und auch wenn man sich das nie gewünscht hat, stellt die Szene genau das dar, was man vom Finale erwartete.

Was nun kommt, ist der Teil der Episode, mit dem ich mich am unwohlsten gefühlt habe. Wir haben da die Fakten: Jamie ist tot und Claire liegt trauernd neben ihm. Und dann haben wir da noch all die Theorien zum Finale, die auf frühere Andeutungen zurückgehen: Jamies Geist in #1.01 Sassenach, die als La Dame Blanche geltende Claire, Adawehis Prophezeiung aus #4.04 Geteiltes Land und das mysteriöse blaue Licht, unter dessen Einfluss Tote wiederbelebt werden können. An dieser Stelle wird es schwer, denn die Autoren versuchen, all diese kleinen Puzzleteile nun noch unterzubringen, aber ohne dabei eine Erklärung abzuliefern. Ja, es wird bestätigt, dass Jamie der Mann war, den Frank vor Claires Fenster sah und ja, er bewegt sich scheinbar geisterhaft durch die Welt. Ja, es wird gezeigt, dass eben dieser (Geister?)-Jamie zu den Steinen von Craigh na Dun geht, wodurch erst die blauen Vergissmeinnicht wachsen, die Claire dazu bringen, zu den Steinen zu gehen und ja, Jamie berührt die Steine und löst dadurch vielleicht aus, dass Claire in seine Zeit gezogen wird. Doch ist Jamie wirklich ein Geist? Und wenn ja, wie kann das angesichts der letzten Szene dieses Finales sein? Ist es eine Art Vorschau oder ist er nur bis zu seiner Wiederbelebung ein Geist? Und kommen wir nun zu Claire, die mit weißem Haar und ohne blaues Licht neben Jamie liegt – nachdem sie selbst gestorben ist, oder wie soll man ihre zu Boden sinkende Hand interpretieren? – als die beiden im allerletzten Moment dieses Finales plötzlich wieder die Augen öffnen. Was ist gerade geschehen? Hat Claire Jamie von den Toten zurückgeholt? Ist sie selbst gealtert, um ihm wieder Leben einzuhauchen? Sind beide am Leben oder sind sie gemeinsam tot? Eine Erklärung gibt es hier nicht und man darf selbst entscheiden, wie man das gemeinsame Aufatmen der beiden nun deuten möchte. Ich für meinen Teil bin mit diesem offenen Ausgang nicht sonderlich zufrieden, da ich das Gefühl habe, dass man eine Entscheidung, was nun geschehen ist und wie man dies erklären könnte, einfach aufschiebt – vielleicht sogar für immer weglässt, da dies schließlich das Finale ist. Es fühlt sich für mich an, als würde man sich hier aus der Affäre ziehen und sich davor drücken, Stellung zu beziehen, da es keine weiteren "Outlander"-Episoden geben wird, in denen man erklären müsste, wie Claire es geschafft haben könnte, Jamies tödliche Schussverletzung in der linken Brust zu heilen.

Indem man sich entscheidet, die Serie mit dieser mysteriösen Rettung enden zu lassen, stellt man sich gleichzeitig selbst ein Bein. Denn wenn man nicht erklären möchte, wie Jamie nun doch noch am Leben sein kann, dann kann man ihn und Claire auch nicht zurück nach Frasers Ridge schicken und die Zuschauer zum Schluss mit einer glücklichen Familienidylle – umgeben von allen Frasers, MacKenzies, Murrays, Greys und wem noch alles – ins Happyend schicken. Wenn der Abspann beginnt und man keinem der geliebten Gesichter noch einmal einen letzten Blick schenken konnte, denkt man wieder an Jamies Testament und ich fand es einfach nur schade, dass diese letzten Worte alles waren, was man dem großen Cast am Ende dieses Finales an Raum gegeben hat.

Kurze Eindrücke

Das Finale hat sich so stark auf Claire und Jamie fokussiert, dass andere Handlungen, die in der finalen Staffel angestoßen wurden, zu einem abrupten Ende kamen:

  • Fanny wurde in #8.09 Pharos als potentielle Zeitreisende dargestellt. Darüber verliert man kein Wort.
  • Marsali war noch einmal schwanger, doch ihr Kind wird in Jamies Testament nicht erwähnt
  • John und Jamie haben sich versöhnt, doch sein Schachspiel hinterlässt Jamie seinem besten Freund nicht.
  • Durch Jamies Gespräch mit Claire wird aufgezeigt, dass Mandy und Jem andere Zeitreisende hören können und dass Davy keiner von ihnen zu sein scheint. Fanny findet wiederum keine Erwähnung. Warum lenkt man das Interesse darauf, wenn man doch keine Möglichkeit mehr haben wird, mehr darüber zu erfahren?
  • Warum musste Fergus sterben? Sein Tod in #8.07 Evidence of Things Not Seen erscheint im Rückblick so sinnlos.

Fazit

Ein Finale zu Stand zu bringen, das jedem gefällt, ist nahezu unmöglich. Ich möchte nicht sagen, dass ich mit diesem Finale unzufrieden bin, doch richtig abgeholt fühle ich mich davon nicht. Zwar schafft es "Outlander" in seinen letzten Zügen, Claire und Jamie den Raum zu geben, den diese beiden großartigen Figuren verdienen, doch dies geschieht auf Kosten von allen anderen Charakteren. Ebenfalls unzufriedenstellend ist, wie man die Tür sehr weit offenstehen lässt, um vielleicht nach der Veröffentlichung von Diana Gabaldons letztem Buch noch einen Epilog – zum Beispiel in Form eines Filmes – anzuhängen.

Marie Müller - myFanbase

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