Bewertung

Review: #8.09 Pharos

Foto: Caitriona Balfe & Sam Heughan, Outlander - Copyright: 2022 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2021 Starz Entertainment, LLC; Jason Bell/Starz/Sony Pictures Television
Caitriona Balfe & Sam Heughan, Outlander
© 2022 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2021 Starz Entertainment, LLC; Jason Bell/Starz/Sony Pictures Television

100-mal haben wir bereits eine neue Episode von "Outlander" genießen können und dieses Jubiläum bereitet gleichermaßen Freude wie Kummer, da es auf zweierlei Wegen einen Meilenstein darstellt. #8.09 Pharos ist einerseits die 100. Episode der Serie, die aus gegebenem Anlass von Diana Gabaldon höchst persönlich geschrieben wurde, andererseits ist sie aber auch die vorletzte und ist so der letzte Gruß vor dem endgültigen Abschied, der uns nächste Woche bevorsteht.

"I Would like to claim my revenge."

Ich muss gestehen, dass ich die ersten Szenen dieser Episode nicht sonderlich erbaulich fand. Der eingekerkerte John, der durch Captain Richardson aufgrund seiner sexuellen Vorlieben erpresst wurde, sollte nun also das Thema dieser vorletzten Episode sein? Es waren Momente, die wie aus einer Stand-alone Episode entsprungen schienen, vollkommen losgelöst vom Rest der Geschichte. Daher war ich erst einmal ernüchtert. Doch schnell wandelte sich dieses Gefühl, denn mit dem Auftauchen von Claire, Jamie und William zeigte man auf, dass man die Situation Johns nutzen kann, um viele Themen auf einmal zu bearbeiten. Zum einen dient sie der Versöhnung von John und William, die ohne viele Worte vonstattengeht und durch eine bloße Umarmung die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden ausdrückt. Dann geht man einen Schritt weiter und löst auch die Anspannung auf, die seit #7.12 Carnal Knowledge zwischen John und Jamie brodelt. Es ist gleichermaßen erheiternd, einen selbstgefälligen Jamie dabei zu beobachten, wie er John vergibt, als auch befriedigend, John diese Vergebung ablehnen zu sehen, da in seinen Augen er derjenige ist, der um Vergebung gebeten werden muss. Sam Heughan und David Berry teilen hier eine wunderbar intime Szene, in der sie sich für alles danken können, was Jamie und John im Verlauf der Serie für einander getan haben. Die Versöhnung wird dabei von einem Schachspiel gekrönt, was die ultimative Hommage an die Freundschaft der beiden ist. Genau so beschwingt ist man bei dem Abschied zwischen Jamie und William, der an den aus #3.04 Verlust angelehnt ist. Bereits in #8.08 In the Forest durften wir einen herzergreifenden Vater-Sohn-Moment zwischen den beiden erleben und nun endet man anders als im Jahr 1764 auf einem sehr hoffnungsvollen Ton.

Ein weiterer Pluspunkt dieser Storyline ist das Gespräch, das Claire und William führen. Zuletzt hatte ich der Serie häufig angekreidet, dass sie Claire aufs Abstellgleis stellt, doch davon ist dieses Mal nichts zu spüren. Claire zeigt William auf, dass nicht nur er und Brianna von zwei Vätern großgezogen wurden, sondern verweist auch auf Roger, Flinkste Eidechse und nicht zuletzt sich selbst. Dadurch stellt sie, Williams doppelte Stiefmutter, William genau den Seelenfrieden in Aussicht, den er bisher nicht finden konnte. Sehr passend erschien in diesem Rahmen auch das klärende Gespräch zwischen William und Amaranthus, das trotz Williams Schlussstrich versöhnlicher Natur war. Claire Worte scheinen bereits zu fruchten.

"What is this ability we have for expect to try and make the world a better place?"

An dieser Stelle muss natürlich auch der gigantische Plot Twist rund um Richardson erwähnt werden. Die Figur, die bisher nur als undurchsichtiger Antagonist in Erscheinung trat und wenig Tiefgang hatte, wird völlig unerwartet auf eine neue Stufe gehoben. Seine Taten erscheinen dadurch noch immer verwerflich, doch indem man ihm mit der Abschaffung der Sklaverei ein ehrenhaftes Ziel gibt, kann man sich besser in ihn hineinversetzen. Es war eine riesige Überraschung, als Claire und Richardson sich als Zeitreisende voreinander zu erkennen gaben. Was mir jedoch nicht ganz schlüssig erscheint, ist der ständige Seitenwechsel Richardsons. Mit dem Wissen um die Zukunft sollte man davon ausgehen, dass Richardson sich einen konkreten Plan zur Abschaffung der Sklaverei parat gelegt hätte, anstatt sich nun immer wieder für eine neue Seite im Krieg zu entscheiden. Gern wäre ich hier noch tiefer in die Geschichte abgetaucht, nicht zuletzt, weil Caitriona Balfe hier endlich einmal wieder zeigen konnte, was in ihr steckt. Dass John Richardson ein schnelles Ende bereitet hat, ist zum Ende der Serie hin allerdings vollkommen verständlich, da man hier alle losen Fäden verknüpft, um ein rundes Ende – und hoffentlich auch ein Happy End – für alle Beteiligten zu erschaffen.

Die letzten Szenen der Episode verbrinden wir auf Frasers Ridge, wo man letzte Vorbereitungen für die finale Schlacht trifft und somit auch Brianna in das Schicksal Jamies einweiht. Man ist dabei gleichermaßen hin und her gerissen, ob man Jamie nun einfach einsperren soll, damit er der Schlacht fernbleibt, oder ob man sich auf die Worte einlässt, die er gegenüber Brianna äußert und durch die er seiner Familie durch seinen Beitrag an der Schlacht einen friedlichen Lebensabend ermöglicht – auch wenn er dafür sein Leben lassen muss. Die Aussicht darauf, dass die Serie mit dem Tod Jamies endet, ist unglaublich traurig. Gleichermaßen ist die Hoffnung groß, dass er wie durch ein Wunder gerettet wird. Auch Claire schwankt und weiß nicht, ob sie hoffen darf, die Geschichte zu ändern. Richardson hat ihr kurz Auftrieb gegeben, doch sein Tod lässt sie wieder zweifeln. Man spielt hier geschickt mit unserer Unsicherheit, wodurch Freude und Angst vor dem Finale Hand in Hand gehen.

Kurze Eindrücke

  • In der letzten Episode zeigte man alle Figuren und konnte durch die vielen kleinen Dinge, die es noch zu erledigen galt, keiner Figur wirklich gerecht werden. Der Fokus auf nur wenige von ihnen funktioniert dieses Mal viel besser.
  • Die Zeit rast dahin und Briannas Baby hat das Licht der Welt erblickt. Bekommen wir im Finale dann vielleicht auch noch Marsalis Kind zu sehen, oder ist das zu sehr losgelöst von der restlichen Handlung?
  • Eiskalt sitzt John am Ende Percy Beauchamp gegenüber. Schauspielerisch einfach nur fantastisch.
  • Und wo wir gerade bei John sind, der Bart stand ihm überraschend gut, genau so wie Jamie das offene Haar.
  • Claires niedergeschriebene Geschichte beginnt mit dem gleichen Wortlaut wie #1.01 Sassenach. Diese Episode gibt sich wirklich alle Mühe, uns an alte Zeiten zu erinnern.

Fazit

Es ist die vorletzte Episode der Serie und sie besinnt sich gekonnt auf die Stärken von "Outlander", indem sie starke Charaktermomente in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig gelingt es auch, lose Fäden zu verknüpfen, wodurch man dem Finale entgegentreten kann, ohne dort noch viel abhandeln zu müssen. Dass wir in der kommenden Woche zum letzten Mal in diese liebevolle, abenteuerlustige, romantische und gefährliche Welt eintauchen werden, ist dennoch schwer vorstellbar.

Marie Müller - myFanbase

Die Serie "Outlander" ansehen:

myFanbase integriert in diesem Artikel Links zu Partnerprogrammen (bspw. Amazon, Apple TV, WOW, RTL+ oder Joyn). Kommt es nach dem Aufruf dieser Links zu qualifizierten Käufen der Produkte, erhält myFanbase eine Provision. Damit unterstützt ihr unsere redaktionelle Arbeit. Welche Cookies dabei gesetzt werden und welche Daten die jeweiligen Partner dabei verarbeiten, erfahrt ihr in unserer Datenschutzerklärung.


Vorherige Review:
#8.08 ???
Alle Reviews

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Outlander" über die Folge #8.09 Pharos diskutieren.