Bewertung: 8

Review: #17.10 Atem

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Endlich wieder durchatmen können. Woche für Woche hat "Grey's Anatomy" einen emotional in ein tieferes Loch stürzen lassen: Die Pandemie, Merediths Erkrankung, Andrews plötzlicher Tod, Teddys Zusammenbruch, die stetig steigende Verzweiflung der Ärzte und Ärztinnen – irgendwann war es einfach nur noch deprimierend, die Serie zu verfolgen. Doch vielleicht hat #17.10 Breathe jetzt endlich die langerwartete Wendung gebracht. Nicht, dass es nicht auch hier mehr als genügend dramatische und eindringliche Szenen gegeben hätte. Aber am Ende ist es die Hoffnung, die überwiegt.

"Don't waste one single minute."

Ausnahmsweise beginne ich gleich mal mit den Strandszenen, denn eingebildet oder nicht, waren sie definitiv eines der Highlights der Folge. Lexies Erscheinen wurde ja bereits mit dem Trailer der Episode angekündigt, aber dass Mark auch noch dazukommt, hat mich total überrascht. Überrascht und begeistert, denn in all den Jahren waren diese beiden immer eines meiner Lieblingspärchen. Gemeinsam mit vielen anderen Fans habe ich damals gelitten, als die beiden durch den Flugzeugabsturz so tragisch ums Leben kamen. Verziehen ist zwar nichts, trotzdem ist es ein schöner Gedanke, dass sie beiden zumindest im Jenseits (oder eben dem "Grey's"-Äquivalent davon) vereint sind.

Tatsächlich fand ich ihre Begegnung mit Meredith fast noch produktiver als die mit Derek. Während der doch immer eher auf Abstand aus ist und sich mit seinen Aussagen zurückhält, finden Lexie und Mark deutlichere Worte. Wie auch bei ihren anderen Treffen, erinnern sie Meredith daran, dass sie es ist, die die Entscheidung darüber treffen muss, wohin ihr Weg führen wird. Ähnlich wie Derek erzählt Mark davon, dass er seine Lieben weiter beobachtet und so über ihr Leben Bescheid weiß. Gleichzeitig machen ihr die beiden aber auch deutlich klar, dass das, was sie haben, kein Leben ist. Sie können ihre Lieben zwar sehen, aber eben doch nicht aktiver Teil ihres Lebens sein. Während Meredith das friedvolle Dasein auf ihrem Strand gerade vielleicht genießen mag, ist es eben doch nichts Reales. Anstatt dem ganzen Schmerz und Leid zu entfliehen, sollte sie stattdessen das Leben als Ganzes genießen. Ob es nun diese Erkenntnis war, die Meredith genug Kraft gegeben hat, um auch ohne Beatmungsgerät weiter zu atmen, sei mal dahingestellt, trotzdem war es ein Gespräch, das Meredith endlich mal etwas aufgerüttelt hat.

"It's a terrible feeling. I wouldn't wish it on anyone."

Nachdem in der letzten Folge der Schwerpunkt auf Teddy lag, ist sie dieses Mal eher im Hintergrund. Dass Owen sie zu Amelia gebracht hat, war vermutlich genau der richtige Schachzug. Er selbst hat ja doch recht deutlich gesagt, dass er Teddy zurzeit noch nicht verzeihen kann und so ist Amelia, die ihre Hilfe bereits angeboten hat, für Teddy eine passende Ansprechpartnerin. Noch tut sich Teddy schwer, selbst aktiv nach Hilfe zu suchen, und die Variante mit dem gemeinsamen Babysitten scheint ein guter erster Mittelweg.

Ironischerweise scheint es für Owen dabei leichter zu sein, einen vorsichtigen Schritt auf Tom zuzugehen. Dessen Genesung hat mich gleichermaßen erfreut und verwundert, immerhin stand er auch bei mir lange Zeit auf der Liste möglicher Toter. Aber nein, Tom darf leben – und muss nun genau damit klarkommen. Trotz der vielen mehr als undankbaren Storylines habe ich diesen Charakter aufgrund seiner offenen Art noch nicht aufgegeben. Nachdem er durch ihre gemeinsame Erkrankung eine Art Kameradschaft mit Meredith aufgebaut hat, fragt er sich nun, wieso er wieder gesund dastehen darf, während sie noch immer im Krankenbett liegt. Und ausgerechnet Owen kann hier mit ihm mitfühlen und tut es auch. Darüber war ich wohl ähnlich überrascht wie Tom. Es macht Sinn, dass Owen diesen "Survivors Guilt" durch seine Zeit beim Militär kennt und schon selbst durchlebt hat. Nichtsdestotrotz ist es schon etwas bitter, dass er einen Schritt auf Tom zugehen kann, dies bei Teddy aber nicht bereit zu sein scheint, obwohl er doch in der letzten Folge meinte, er hätte ihr Verhalten schon bei vielen Soldaten gesehen. Vermutlich ist es einfacher, jemandem zu verzeihen, mit dem man nicht so viele Emotionen und Vorgeschichte verbindet. Aber wäre nicht genau das auch wieder ein Grund, es eben schon zu tun?

"Another vent will come … it has to, right?"

Natürlich darf auch die Covid-Storyline nicht fehlen und sie kommt in Form der Knappheit an Beatmungsgeräten im Krankenhaus. Genau jener erschreckende Punkt, ab dem man von einem Ort, in dem jedes Menschenleben gerettet wird, egal, wer der Mensch sein mag, zu einem Ort wird, in dem man auswählen muss, wer leben darf. Das Ganze wurde mitreißend an Marcella und Veronica gezeigt, Mutter und Tochter, die schließlich beide das letzte Beatmungsgerät benötigen. Alleine schon die Geschichte von Veronica, die doch einfach nur nach all der Zeit ihre Mutter einmal wieder sehen und umarmen wollte, tat weh. Als es dann tatsächlich dazu kommt, und sogar Richard um Fassung ringen musste, war das ein Gänsehaut-Moment. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es gerade ist, im Krankenhaus zu arbeiten, aber egal wie schlimm es ist, einen Patienten trotz aller Bemühungen zu verlieren, es ist schlimmer, wenn man beide vielleicht retten könnte und sich aufgrund fehlendem Materials für einen entscheiden muss.

Umso schöner war es, dass Maggie spontan die rettende Idee hatte, wie man die Beatmungsgeräte teilen kann. Zugegeben, so abwegig ist der Gedanke jetzt nicht, dass nicht schon jemand anders darauf hätte kommen können, aber egal wie, es ist der Hoffnungsschimmer, den alle dringend nötig hatten. Die Erleichterung war förmlich ansteckend. Wobei ich mir tatsächlich ein wenig Sorgen um Levi mache, der doch stärker in den Patientenfall involviert war.

Randnotizen:

  • In dieser Folge durften wir endlich auch mal wieder ein wenig Charakterarbeit für Cormac Hayes bekommen, der bis jetzt ja doch etwas vernachlässigt wurde, vor allem falls er nach wie vor für Meredith vorgesehen ist. Seine Schwägerin Irene war mir auf Anhieb sympathisch und ich hoffe, dass wir noch mehr von ihr zu sehen bekommen.
  • Ich bin ja mal gespannt, ob es bei Textnachrichten von Cristina bleibt, oder ob auch sie noch persönlich vorbeischauen wird.
  • Der Antrag von Winston kam zwar etwas plötzlich, aber hey, warum nicht.
  • Vermutlich interpretiere ich zu viel in die Szenen mit Jo und Catherine hinein, aber ich fände es sehr interessant, wenn sie Jo unter ihre Fittiche nehmen würde.


Fazit

Endlich hat sich die Serie mal wieder richtig nach "Grey's Anatomy" angefühlt. Patientenfälle, bedeutende Charaktermomente, etwas aktuelles Weltgeschehen, und eine Balance aus Drama und fröhlichen Szenen. Es wird Zeit, dass wieder etwas mehr Optimismus zurückkehrt und mit dieser Folge wurde auf jeden Fall der erste Schritt dafür getan.

Denise D. - myFanbase

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