Bewertung: 6

Review: #17.09 In meinem Leben

Foto: Grey's Anatomy
Grey's Anatomy

Teddy, die Bombe, die immer alles, was ihr zu nahe kommt, in die Luft jagt? Es ist das Motiv dieser Folge, die sich wie eine Kombination aus ihren Vorgängerinnen #13.08 Gedankenexperimente und #10.17 Weißt du, wer du bist mit Traumabewältigung in Parallelrealitäten und Was-Wäre-Wenn-Fragen auseinandersetzt (Lustigerweise spielt Owen in all diesen Folgen eine tragende Rolle, vielleicht hat Kevin McKidd ja eine entsprechende Klausel im Vertrag): Teddy, die all die Menschen verliert, die ihr wichtig sind. Teddy, die ihre Beziehung mit Owen durch die Affäre mit Tom zerstört und so die Gefühle beider Menschen verletzt hat. Teddy, die nicht nur Andrews Leben nicht retten konnte, sondern auch nicht weiß, wie man Meredith helfen kann. Schon weniger Gründe als die genannten könnte bei manchen Menschen wahrscheinlich zu einem Nervenzusammenbruch führen und somit ist Teddys katatonischer Zustand, in dem sie sich in dieser Folge größtenteils befindet, absolut verständlich: Sie ist schlichtweg am Ende ihrer Kräfte angekommen.

Für all diejenigen, die mit Teddy in den letzten Staffeln so ihre Probleme hatten (mich eingeschlossen) kann diese Folge etwas Licht ins Dunkel bringen (obwohl Teddy selbst in ihren Visionen öfters in der Dunkelheit stehengelassen wird). Amelias Interpretation, dass Teddy unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, leuchtet mir nämlich ein (okay, ich lass es jetzt mit den Licht-Metaphern) und vermag es, Teddys irritierendes, verletzendes Verhalten etwas leichter nachzuvollziehen. Teddy hat gewaltige Schuldgefühle, die sie gegenüber all den Menschen hat, an deren Leid oder Tod sie sich verantwortlich fühlt und versucht diese in ihrer Vorstellung auszugleichen. In ihren Visionen versucht sie, ihre Fehler wieder gutzumachen, indem sie sich Welten träumt, in denen sie die 'richtigen' Entscheidungen trifft.

Wäre sie beispielsweise mit Tom damals tatsächlich abgehauen, hätte sie schnell realisiert, dass sie nicht ohne Owen und ihre Familie leben könnte und somit diese Entscheidung sofort bereut. Für all diejenigen, die Teddy lieber mit Tom als mit Owen gesehen hätten, ist diese Erkenntnis etwas schwer zu verdauen. Tom war für Teddy, wie Traum-Meredith es ausdrückt, offenbar tatsächlich nur Mittel zum Zweck, um über Owen wegzukommen; als tatsächlichen Partner an ihrer Seite kann und konnte sie offenbar ihn sich nie vorstellen. Damit bleibt Tom für mich der große Leidtragende in dieser ganzen Situation.

Hätte sie Owen damals in Deutschland verziehen und er wäre in Deutschland geblieben, hätte sie ihre Zweifel dennoch behalten: Teddy hätte sich nach Cristina, Beth und Amelia immer nur wie die vierte Wahl in Owens Leben gefühlt und wird deswegen von Vision-Owen ständig mit seinen Ex-Frauen verglichen oder mit diesen verwechselt. Dadurch wird klar, dass Owen Teddy stets das Gefühl gegeben hat, nicht gut genug für ihn zu sein.

Zu guter Letzt führen Teddys Visionen aber zum Anfang ihres Traumas (was angesichts einer ständig wegrennenden Allison eigentlich offensichtlich war): Dem Verlust ihrer Eltern, den sie nur mit Allisons Hilfe überwunden hatte, die jedoch im gleichen Jahr durch die Attentate am elften September verstarb. Doch auch in der Vision, in welcher Teddy am Morgen des 11. Septembers Allisons Einladung zum Waffelnessen gefolgt wäre, kann sie Allisons Leben nicht retten. Schade finde ich an dieser Stelle, dass Teddys verstorbener Ehemann Henry so wenig Erwähnung erfährt und sein Name nur in Zusammenhang mit anderen Menschen fällt, die Teddy verloren hat. Ich war immer großer Fan von Teddys und Henrys Beziehung und hätte mich über einen Gastauftritt von Scott Foley sehr gefreut, der im Zusammenhang dieser Folge auch Sinn ergeben hätte. So wirkt es etwas, als würde der Verlust von Henry, der Teddy damals ebenfalls nahegegangen war (man erinnere sich nur an die Szenen aus #8.10 Ohne Verwarnung), nun keinerlei Relevanz mehr für sie haben.

Dagegen habe ich mich gefreut, vermutlich ein letztes Mal Giacomo Giannotti sehen zu dürfen, auch wenn ich ihn als Traumaverarbeitung für Teddy etwas verschwendet finde. Traum-Andrew und Traum-Meredith dienen Teddy im Prinzip als die Begleitfiguren, die Derek und George für Meredith am Strand spielen und helfen Teddy dabei, sich und ihren Problemen zu stellen. Ich finde es bezeichnend, dass die erste Folge dieser Staffel, die sich nicht explizit mit dem Coronavirus auseinandersetzt, nicht auf ein übernatürliches Element verzichten kann – offenbar bietet die Realität, laut der Serie, keine Gelegenheit mehr, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen. Als seine Ärztin fühlt sich Teddy für Andrews Tod verantwortlich und versucht in ihren Visionen auch Entscheidungen zu treffen, die Andrews Tod stoppen könnten. Doch, wie Meredith Teddy verdeutlicht, war Andrew, ähnlich wie Allison, Opfer äußerer Umstände, auf die Teddy keinen Einfluss nehmen konnte.

Ebenfalls wird in dieser Folge klar, wie sehr Teddy unter dem Druck steht, Meredith das Leben zu retten: Sie fühlt sich von den Blicken ihrer Kolleg*innen verfolgt, hat aber keine Ahnung, wie sie ihr weiter helfen soll. Traum-Meredith, die vielmehr von Merediths üblichen Durchsetzungsvermögen als die Strand-Meredith hat, die wir zurzeit zu Gesicht bekommen, ist auch diejenige, die Teddy schlussendlich den Kopf wäscht und verdeutlicht, dass sie lernen muss, sich ihrem Schmerz zu stellen. Schmerz und Freude, so Meredith, gehören zusammen, man kann nicht immer vor seinen Problemen davonlaufen. Diese Aussage führt nicht nur zu Teddys Erwachen, sondern auch zu der Erkenntnis, die ihr davor über die Lippen kommt: Sie liebt Owen. Ich habe schon länger vermutet, dass man bei Teddy und Owen nicht den gleichen Weg wie bei anderen Paaren in der Serie gehen will und die Zeichen hier eher auf Versöhnung stehen. Dabei bleibt zu hoffen, dass Teddy sich weiterhin tatsächlich mit ihrem Trauma auseinandersetzen und sich eventuell sogar therapeutische Hilfe holen wird.

Gleichzeitig zeigt man in dieser Folge aber auch einen Owen, der sich Teddy, weiterhin unversöhnlich und verständnislos gegenüber zeigt. Es fällt schwer, hierbei weiterhin Mitleid mit Owen zu haben, gerade, weil dieser, wie Amelia ihm schonungslos erklärt, in seinem Trauma ebenfalls Menschen schlimme Dinge angetan hat. Ich habe auch tatsächlich von Owen erwartet, dass er gerade in Bezug auf Sachen wie Trauma mehr Verständnis für Teddy haben würde, doch der Schmerz sitzt offenbar zu tief und wird von Owen, trotz Therapie (!), nicht zugelassen, geschweige denn verarbeitet. Somit ist klar, dass Teddy und Owen einen langen Weg vor sich haben werden, bevor sie ansatzweise wieder ein gesundes Verhältnis zueinander aufgebaut haben.

Meine Sympathie für Owen ist nach dieser Folge wieder gesunken, für Teddy gestiegen, doch die Gewinnerin dieser Folge ist für mich Amelia. Zum einen lässt sie sich von einem störrischen Owen nicht beirren und verteidigt Teddy, auch wenn sie nicht alle ihre Taten gutheißt, zum anderen zeigt sie aber auch Verständnis für Owen und versucht ihn dazu zu bringen, dass er Teddy verzeiht. In Anbetracht der Tatsache, dass Amelia Owens Ex-Frau ist und die beiden nicht immer ein leichtes Verhältnis hatten, finde ich das noch beeindruckender, auch wenn ich, im Gegensatz zu Amelia, nicht finde, dass Owen der Leidtragende in ihrer Beziehung war. Zwar bin ich nach wie vor Verfechter von Amelia und Link, aber Folgen wie diese beweisen, welches Potenzial die Beziehung von Amelia und Owen einst einmal hatte.

Fazit

Das war zwar keine "normale" Folge, aber die erste, die sich nicht mit Covid19 auseinandergesetzt hat und in dieser Form auch in anderen Staffeln hätte stattfinden können. Somit fühlt sie sich etwas wie die Ruhe vor dem Sturm der nächsten Episoden an. Für jemanden wie mich, der wenig Sympathien für Teddy übrig hatte, hätte diese Folge durchaus – ähnlich wie für Teddy selbst – albtraumhaft sein können, doch sie entwickelte sich allmählich zu einer Versöhnung mit der Figur. Wollen wir hoffen, dass diese Episode den Startschuss für eine positivere und angenehmere Entwicklungen für Owen und Teddy bietet.

Lux H. - myFanbase

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