Bewertung: 6

Review: #5.10 Barmherzigkeit wird mir folgen

Im Auftakt gab man zwei große Themen vor, um die sich Staffel 5 drehen sollte: der Kampf gegen die Regulatoren sowie Stephen Bonnet. Nachdem man in #5.07 The Ballad of Roger Mac das erste Thema abhandelte, war ich mir recht sicher, dass man sich Bonnet für das Staffelfinale aufsparen würde, doch anders als erwartet, lässt man nichts anbrennen und so wird diese Geschichte bereits mit #5.10 Mercy Shall Follow Me zu einem – in meinen Augen verfrühten – Ende gebracht. Das stellt für mich eine große Überraschung dar, denn man nimmt der eigentlich nervenaufreibenden Episode zu diesem Zeitpunkt – mitten in der Staffel – an Intensität. Ähnlich wie bei Jamie in #5.09 Monsters and Heroes ist man von Beginn an der felsenfesten Überzeugung, dass Brianna nichts zustoßen kann. Und auch wenn man nach den Darstellern von Murtagh, Roger und Jamie nun Brianna-Mimin Sophie Skelton sowie Bonnets Ed Speleers die Möglichkeit zum Glänzen gegeben hat, geschah dies doch mit einem bitteren Beigeschmack.

Mercy Shall Follow Me

Mein größtes Problem mit der Episode war, wie beiläufig man das Thema Bonnet zu den Akten legte und wie unwürdig dies im Angesicht dessen geschah, dass es sich bei ihm um den Gegenspieler dieser und der vorangegangenen Staffel handelte. Man baute Bonnet als Antagonisten sehr gut auf, angefangen mit seinem Überfall auf Jamie und Claire, der Abscheu, die Roger gegen ihn entwickelte und schließlich der Vergewaltigung Briannas. Als die Figuren im Verlauf der vierten Staffel erkannten, dass Bonnet ein gemeinsamer Feind ist, der ihnen allen übel mitgespielt hat, schürte es ihren Hass und auch den der Zuschauer gegen diesen narzisstischen Gegenspieler und man sehnte wahrlich den Zeitpunkt herbei, an dem man mit Bonnet abrechnen würde. In #4.12 Providence war es beinahe soweit, doch das Bonnet sein Ende nicht durch eine unpersönliche Hinrichtung erlebte, die noch dazu off-screen geschah, war zu Beginn der fünften Staffel eine kleine Erleichterung. Die fünfte Staffel wurde anschließend gut genutzt, um Briannas Grauen vor Bonnet zu illustrieren und aufzuzeigen, dass sie ihn hinter jeder Ecke lauernd erwartete. Mit dem Einstieg in diese Episode und Bonnet als erstem Gesicht, das wir zu sehen bekamen, hätte ich daher nicht gerechnet, da es eine dramatischere Wirkung entfaltet hätte, wenn die Konfrontation erst im Staffelfinale geschehen wäre.

Die Idee hinter der Entführung und der Versuch, die Spannung durch das Katz-und-Maus-Spiel mit der Frage, ob Bonnet wirklich so kaltherzig ist, wie wir es immer gedacht haben, sind an sich vielversprechend. Es wurde jedoch zu wenig Zeit eingeräumt, damit man sich als Zuschauer der Angst um Brianna tatsächlich hingeben oder Bonnets Sinneswandel als ernsthaft hinterfragen konnte. Leider ging alles viel zu schnell, die Bitte, eine gemeinsame Familie aufzubauen, Bonnet zu einem Gentleman zu erziehen, der Umschwung nach dem leidenschaftslosen Kuss, der Verkauf Briannas, die Rettung Briannas und schlussendlich Bonnets Hinrichtung. Enttäuschender Weise wurde durch die überhastete Abhandlung viel Potential verschenkt. So gab man Sophie Skelton zwar die Gelegenheit, Briannas Angst vor Bonnet zum Ausdruck zu bringen und auch Ed Speelers durfte mit seiner unnahbaren Miene wieder Zweifel erwecken, wie ernst er seine Worte meint. Aber es gab keinen Raum zur Entfaltung, den nächsten Schritt der Entwicklung zu sehen und abzuschätzen, was die Figuren nun daraus machen würden. Besonders leid tut mir dies für Brianna, denn seit einer Staffel war Bonnet unwillentlich ihr Lebensmittelpunkt, aus dessen Schatten sie versucht hat herauszuwachsen. Sehr undurchdacht erschien mir auch das Ende Bonnets. Es wäre eine Befriedigung gewesen, ihn auf die Weise sterben zu sehen, die er am meisten gefürchtet hat, doch Briannas Schuss auf ihn, gefolgt von Rogers Frage "Brianna, was that mercy or was it to make sure he's dead?" waren dann doch ziemlich plump. Natürlich stellt man sich als Zuschauer diese Frage, doch sie aus Rogers Mund zu hören und von Brianna keine Antwort darauf zu bekommen, dass ist leider ziemlich einfallslos und scheint wie ein überdeutlicher Fingerzeig darauf, dass man sich genau das fragen soll.

Während man bei Brianna und Bonnet wenigstens teilweise mitfiebern und sich an ihrem Schauspiel erfreuen kann, fallen die restlichen Handlungsstränge dagegen leider ziemlich ab. Zum einen fand ich es sehr unlogisch, Ian als Alexander Malcolm auszugeben, schließlich hat Bonnet auch ihn in #4.01 America the Beautiful kennengelernt. Zum anderen erschließt sich mir nicht, weshalb Claire und Brianna einen entspannten Strandspaziergang machen, während ihre Männer planen, ihren größten Feind zu töten. Etwas besser gelungen war die Dramaturgie auf River Run, wo Gerald Forbes sich auf Jocasta stürzt. Dass bei ihm die Sicherungen durchbrennen, war in diesem Ausmaß nicht abzusehen und ich fand es wunderbar, dass Ulysses keine Sekunde fackelte und Forbes das Genick brach.

Fazit

Der Grundgedanke hinter diese Episode ist durchaus der richtige, aber leider mangelt es an Feingefühl für Timing, wodurch die Dramatik erheblich gelitten hat. Auch lässt man sich dadurch die Möglichkeit entgehen, Briannas Gefühlswelt ausführlich zu ergründen, was ebenfalls sehr bedauerlich ist.

Marie Florschütz - myFanbase

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