Bewertung: 8

Review: #17.04 You'll Never Walk Alone

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Ganz im Sinne des Titels dieser Episode stellt #17.04 You’ll Never Walk Alone die Beziehungen zwischen den Charakteren in den Vordergrund. Das können romantische Beziehungen sein, die durch die Pandemie anders als sonst verlaufen. Ebenso können es verschiedenste Arten von Freundschaften, Familienverbindungen oder aber auch Beziehungen am Arbeitsplatz sein. Und manche davon wirken sogar über den Tod hinaus.

"So I choose? Do I get to decide?"

Merediths Zustand hat sich seit der letzten Folge nicht großartig verändert und so ist sie nun die ganze Zeit bewusstlos. Sie selbst befindet sich nach wie vor in ihrer ganz persönlichen Zwischenwelt am Strand. Nachdem Dereks plötzliches Auftauchen in der letzten Folge eine große Überraschung war, letztendlich dann aber leider doch etwas distanziert ablief, war ich schon gespannt, wer der nächste Besucher sein wird. George O'Malley wäre da wirklich nicht mein erster Tipp gewesen, trotzdem habe ich mich unglaublich gefreut, ihn wiederzusehen. Er war der erste der MAGIC-Gruppe, der damals gegangen ist und umso älter sind die Erinnerungen, die mit ihrer Begegnung wiedererweckt werden. Georges heldenhafter Tod und seine Beerdigung, bei der sie vor lauter Überforderung lachend hinter einem Grabstein saßen. Im Gegensatz zu Derek, dessen Auftritt zwar aufgrund seiner Beziehung zu Meredith sehr gehypt wurde, an und für sich dann zwar schön, aber doch auch etwas passiv herüberkam, ist das Treffen von Meredith und George viel aktiver. Die beiden sitzen zusammen (ich will mal nicht näher darüber nachdenken, was das bildlich gesprochen für Merediths Gesundheitszustand bedeutet), schwelgen in Erinnerungen, sprechen aber eben auch über den Elefanten im Raum. Derek hat Meredith klar gemacht, dass sie sich in einer Art Zwischenwelt in ihrem Kopf befindet. George hat hier eher die Rolle des neutralen Beobachters. Er möchte Meredith nicht in die eine oder andere Richtung lenken, sondern erzählt ihr nur von seinen Erfahrungen. Dass er selbst damals nicht die Möglichkeit gehabt hatte, sich für das Leben zu entscheiden (ja, das hat auch nach all den Jahren noch weh getan). Dass er manchmal noch nach seinen Lieben schaut und sie alle unterschiedlich mit der Trauer umgehen. Dass sie Meredith brauchen. So kann auch George Meredith nicht dabei helfen, sich aus ihrem Traumzustand zu befreien, doch immerhin bekommt sie die Möglichkeit, sich ordentlich von ihm zu verabschieden. Ihm zu sagen, wie sehr er ihr Leben und auch sie selbst verändert hat. Ein einfach wunderschöner Moment, bei dem es auch nichts ausmacht, dass mehr als 11 Staffeln zwischen ihrem letzten Zusammentreffen liegen.

Amelink

Amelia und Link beweisen mal wieder, was für eine gesunde Beziehung sie haben. Beide hatten schon immer recht verschiedene Lebenseinstellungen. Nachdem sie nun auf engstem Raum zusammenleben, war es also nur eine Frage der Zeit, bis Links Optimismus und Amelias doch eher realistische Sichtweise aneinanderstoßen. Als es dann im Garten genau dazu kommt, habe ich schon gefürchtet, dass wir uns vielleicht einer kleinen Krise nähern, nachdem es bei den beiden ja immer so happy und toll läuft. Aber nein – wieder enttäuschen die beiden Charaktere nicht. Amelia frisst ihren Frust nicht in sich hinein, sondern sagt Link in klaren Worten, was sie fühlt und wie sie für sich am besten damit umgehen kann. Es war keine Anschuldigung an Link, trotzdem waren es deutliche Worte und ich habe schon damit gerechnet, dass Link erstmal Distanz sucht. Aber das Gegenteil ist der Fall, sie reden miteinander und Amelia darf ihren Gefühlen freien Lauf lassen, bevor sie sich weiter in sie hineinfressen. Später will sie es Link gleichtun, als der ihr aber erklärt, warum er den untrüglichen Optimismus wählt, um mit der ganzen Lage klarzukommen, lässt sie sich auch darauf sofort ein. Beide respektieren die Variante des anderen und unterstützen sich dabei, ohne auf ihre eigene zu verzichten. In all den Missverständnissen, verletzten Gefühlen und erzwungenen Storylines, die Dramaserien häufig um Pärchen spinnen, tut das einfach gut.

Rund um niederländische Studien

Niederländische Studien bilden das Sprungbrett für die Rückkehr von zwei Beziehungen. Zunächst einmal – völlig aus dem Nichts - Nico der einen ersten Schritt macht. Naja, mehr oder weniger. Zumindest zeigt er zur Abwechslung mal wieder eine echte Gefühlsregung, nachdem er Levi jetzt so lange die kalte Schulter gezeigt hat. Der Sinneswandel kommt für mich trotz allem etwas überraschend. Soll die Pandemie Nico dazu gebracht haben, das, was er mit Levi hatte, mit anderen Augen zu sehen? Oder will man einfach nur nicht das zurzeit einzige LGBTQIA+-Pärchen endgültig auseinanderbringen? Wie dem auch sei, ich sehe die Sache noch ähnlich suspekt wie Jo und habe Nico sein Verhalten gegenüber Levi noch nicht verziehen. Mal sehen, ob sich jetzt mehr ändert.

Anfangs war ich von der Idee von Jo und Jackson nicht sonderlich begeistert, als es zu dem spontanen Kuss zwischen den beiden kam. Vor allem, weil das Setup einfach merkwürdig erzwungen und unnatürlich war. Nachdem aber genau das dann auch thematisiert und aus der Welt geschafft wurde, finde ich den jetzigen Ansatz eigentlich gar nicht so schlecht. Beide finden, dass sie gerade nicht in der Position für eine ernsthafte neue Beziehung sind. Bei Jo ist das nach der ganzen Sache mit Alex logisch und Jackson – wenn wir ehrlich sind, war dessen Liebesleben in letzter Zeit doch nur eine Flucht von der einen in die nächste Beziehung. Sie brauchen gerade beide einfach nur Ablenkung und Gesellschaft – F+ sozusagen - und solange das klappt, wieso nicht?

Randnotizen:

  • Eigentlich hatte ich Tom langsam abgeschrieben, nachdem er jetzt schon so lange stiefmütterlich als Running Gag und Buhmann verwendet wird. Doch vielleicht, vielleicht, tut sich ja doch noch etwas. Sein COVID-Verdacht hat sich am Ende doch noch als ernstzunehmende Erkrankung herausgestellt und er sah wirklich gar nicht gut aus, wie er da an der Tür lehnte. An dieser Stelle muss man es Helm echt lassen, dass sie trotz seiner abweisenden und überheblichen Art Teddy vorgewarnt hat. Die ist Tom in letzter Zeit deutlich aus dem Weg gegangen, von dem her wird es sicher spannend, wie sie wohl reagieren wird, wenn es Tom tatsächlich schlechter gehen sollte.
  • Nach wie vor ist der Garten von Merediths Haus die Entdeckung dieser Staffel!
  • Eigentlich hat die Serie mit der Pandemie ja schon mehr als genug aktuellen Stoff zu verarbeiten. Trotzdem baut man hier am Rande noch ein weiteres wichtiges medizinisches Thema ein: Die Ausrichtung der Medizin auf weiße Patienten. Das erstreckt sich weit über menschliche Vorurteile der Ärzte hinaus eben auch in die verschiedenen Symptome, Ausprägungen oder Häufigkeiten von Krankheiten und dementsprechend auf eine Benachteiligung von nicht-weißen Patienten bei der Behandlung. Nachdem Owen ehrlich betroffen auf seine Unwissenheit reagiert hat, bin ich gespannt, ob diese Storyline weiterverfolgt wird und sich tatsächlich etwas im Behandlungsplan ändert.
  • Richards Aufgabe war wirklich alles andere als leicht. Jeder, der schon einmal in einer ähnlichen Situation war, weiß, wie schwer es ist, derartige Entscheidungen für eine andere Person zu treffen, egal, ob man nun vom Fach ist oder nicht. Während ich auch Andrews Sichtweise nachvollziehen kann, der einfach nur etwas tun will, um Meredith zu helfen, ändert das nichts daran, dass diese Studie alles andere als sicher ist.


Fazit

Diese Episode stand ganz im Zeichen der gefundenen Familie. Jeder braucht soziale Kontakte, besonders aber in stürmischen Zeiten, wie sie jetzt gerade um uns herum wüten. Ob diese Beziehungen nun nah, distanziert, virtuell oder sogar imaginär sind, ist dabei erst einmal zweitrangig. Nur zusammen kommt man aus der Krise – eine schöne Botschaft, wie ich finde.

Denise D. - myFanbase

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