Bewertung: 7

Review: #17.03 My Happy Ending

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Der Eindruck des Staffelauftakts bleibt: Das ist keine normale Staffel von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte". Die neue Corona-Realität sorgt für eine ganz neue Art von Normalität, eine, in der Maggie einen Todesfall nach dem nächsten erleben muss oder von einer bereits beschaulichen Anzahl Anfänger*innen am Ende nur drei übrig bleiben, weil sie von den neuen Herausforderungen komplett überfordert sind. Das kann man nun durchaus verachtenswert finden und natürlich haben wir alle auch schon vom umgekehrten Fall gehört, von Medizinstudierenden, die trotz ihrer unabgeschlossenen Ausbildung an Krankenhäuser gehen und dort aushelfen. Aber wie an der bereits erwähnten Maggie deutlich wird: Die Corona-Realität ist belastend und geht allen Beteiligten an die Nieren; ein klarer Kopf und eine hohe psychische Belastbarkeit sind gefragt. Immerhin scheint es, als ob das kleine Grüppchen dem ganzen gewachsen wäre; insbesondere Mama Ortiz und ihre resolute Art Tom gegenüber haben mir imponieren können.

Tom gehört hingegen zu der Sorte von Menschen, die der Herausforderung nicht gewachsen zu sein scheinen: Nach dem Verlust seines Jobs soll er nun die Anfänger*innen übernehmen, leitet diese aber kaum bis gar nicht an und weist nicht die nötige Sensibilität auf, die es, durch Corona noch viel dringlicher, benötigt, um mit ihren Ängsten umzugehen. Da wirkt seine eigene Corona-Diagnose wie eine konsequente, bittere Pointe. Erschwerend kommt noch dazu, dass es Owen ist, der ihm diese Diagnose übermittelt, genau in dem Zeitpunkt, in dem Teddy nach Toms Nähe sucht. Tom wirkt erneut verloren in dieser Folge: Seine Arroganz ist nicht mehr locker-witzig, sondern direkt und verletzend (insbesondere der Kommentar gegen Webber ging einfach gar nicht) und es ist auch deutlich, dass auch er nun nichts mehr mit Teddy zu tun haben möchte. Leider sympathisiert man jedoch nicht mehr so sehr mit Tom wie in vergangenen Staffeln, denn auch als Zuschauer hat man sich von Tom distanziert. Deswegen hoffe ich, dass wir bald wieder einen etwas witzigeren, unbeschwerten Tom erleben dürfen und ich bin gespannt, wie und ob seine Corona-Diagnose ihn wohl ändern wird.

Auf der anderen Seite haben wir aber Webber, der in dieser Krisensituation zu alter, bekannter Stärke zurückzufinden scheint. Es tut einfach gut, Webber, als langjährigen Chief, dabei zuzusehen, wie er wieder das Sagen hat und mit ruhiger und bedachter Autorität den Laden zusammenhalten kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er zu Merediths neuem Notfallkontakt ernannt wird, zu der Person, die die schwierigen Entscheidungen über Merediths immer schlimmer werdenden Zustand treffen darf. Es ist ein unbeschreiblicher Schnitt ins Herz, realisieren zu müssen, dass es immer noch Alex war, den Meredith bis zu dieser Folge mit dieser Aufgabe betraut hatte und erneut wird dabei deutlich, wie sehr Meredith nun ihn an ihrer Seite brauchen würde. Dass sie Amelia und Maggie, die beiden zu starker Emotionalität neigen, diese Aufgabe nicht anvertrauen möchte, ist verständlich; wir kennen das von Amelia selbst, die damals bei ihrem Gehirntumor ausgerechnet April diese Aufgabe übertragen hatte. Webber, der sowieso mehr Vater als Mentor für Meredith ist, ist damit die einzig logische Konsequenz.

Generell ist natürlich Merediths Covid-Erkrankung die große Storyline dieser Folge, die für großartig geschauspielerte Momente sorgt. Insbesondere Kelly McCreary sticht hierbei hervor, die mit ihrer Angst um Meredith in jeder ihrer Szenen zu überzeugen weiß und im Gegensatz zu Amelia von Link nur digitale statt direkte Unterstützung von Winston bekommen kann. Aber auch Ellen Pompeo selbst darf eine große Vielfalt ihres schauspielerischen Könnens präsentieren und vor allem die Szene mit der kleinen Ellis hat meinen Taschentuchkonsum in diesem Jahr auf ein neues Hoch katapultiert. Meredith mimt die Starke und will für ihre Kinder kämpfen. Sie behauptet noch zu Beginn, dass es ihr besser geht, doch schon bald wird klar, wie sehr Corona Meredith zusetzt und wie schlecht es tatsächlich um sie steht. Das wird vor allem deutlich, als sie Cormac gegenüber zugibt, Angst vor dem Einschlafen zu haben, da sie nicht weiß, ob sie am nächsten Morgen wieder aufwachen wird. Im Bezug auf das Liebesdreieck ist es an dieser Stelle auch interessant, dass es Cormac und nicht Andrew ist, der wirklich zu ihr durchzudringen zu scheint und ihre Situation am ehesten nachvollziehen kann: Während es Andrew primär um die richtige Pflege Merediths geht und er ausgiebig nach den besten Möglichkeiten forscht, ihr helfen zu können, gibt Cormac Meredith Beistand und spricht ihr Mut zu.

Der Kontrast zu den Szenen mit Patrick Dempseys, mehr Traumgestalt als realer Derek, könnte nicht größer sein: Zwar sind auch diese herzzerreißend, da wir hier eine lachende, unbeschwerte Meredith haben, die versucht, Derek näherzukommen und im Hintergrund die für die Beziehung von Meredith und Derek thematische Melodie läuft. Derek scheint, im Gegensatz zu Denny, der Meredith bei ihrer letzten Nahtoderfahrung zum Leben animieren wollten, sie davon überzeugen zu wollen, bei ihm zu bleiben und betont, auf sie so lange zu warten, wie sie braucht. Ich mache mir keine große Sorgen um Meredith und kann mir kaum vorstellen, dass sie tatsächlich diesem Angebot von Derek folgen würde – wir reden immerhin von Meredith Grey, die absolut alles überleben kann. Ich muss aber auch leider gestehen, dass ich mehr Szenen zwischen Meredith und Derek erwartet hatte und mir gewünscht hätte, dass es tatsächlich zu richtigen Interaktionen gekommen wäre, statt dass diese einfach nur als Symbol fungieren würden. Dennoch nimmt mich diese Storyline emotional mit auf eine Achterbahn der Gefühle und kann deswegen komplett überzeugen.

Kurze Eindrücke

  • Mich irritiert es immer wieder, dass die Ärzt*innen ab und zu die Maske nicht richtig tragen oder sie, wie im Falle von Teddy, diese nicht einmal in geschlossenen Räumen tragen, bin mir dabei immer nie sicher, ob sie damit gegen Hygieneregeln verstoßen oder nicht?
  • Irritierend war auch Link in dieser Folge: wenn er nicht unbedingt den – zugegebenermaßen sehr kurzweiligen –Patientenfall selbst übernehmen muss, warum setzt er sich selbst, Amelia und den Kindern diesem Risiko aus und geht ins Krankenhaus? Klar, er darf dann in Maggies Zelt übernachten und die Szene mit Amelia war wie immer großartig, dennoch bin ich etwas enttäuscht von ihm.
  • Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass kein Baby für Scout gecastet wurde, da, wenn man ihn sieht, er immer von einer Decke umhüllt von Amelia getragen wird. Covid könnte vermutlich sehr strenge Auflagen für Kinderschauspieler*innen verursacht haben, wäre also nicht so verwunderlich.
  • Der Patientenfall um die Bauchhöhlenschwangerschaft war genau das, was Bailey gesagt hat – diese eine Prise Freude, die man in dieser Folge wirklich gebraucht hat.
  • Seit langem hören wir wieder mal von April und Matthew – offensichtlich praktiziert April wieder, während Matthew sich um Harriet kümmert, was Jackson natürlich eifersüchtig macht. Ich vermisse April immer noch und bin mir ziemlich sicher, dass sie sich während Corona großartig schlagen würde.


Fazit

Eine gute Folge, die den neuen Alltag der Ärzt*innen weiter eindrücklich präsentieren kann. Neben der großen Storyline um Meredith gibt es zwar wenig große Highlights, doch die Patientenfälle wissen zu berühren und auch Webber darf wieder begeistern.

Lux H. - myFanbase

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