Bewertung: 8

Review: #16.06 Whistlin' Past The Graveyard

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Eins vorab - ich bin ein großer Halloween-Fan, also kann ich diese Episode nicht ganz neutral betrachten. Trotzdem hatte #16.06 Whistlin' Past the Graveyard nicht nur perfektes Halloween-Feeling zu bieten. Inmitten von Trick Or Treating, grusligen Familientreffen und verspukten Krankenhäusern gab es noch einige Momente, in denen die allgemein lustige und nicht so ganz ernstzunehmende Grundstimmung der Episode abgelegt wurde und man doch tatsächlich den ein oder anderen Fortschritt bei den Charakteren beobachten konnte.

"The corpse bride is my wife."

Nachdem Jo in der letzten Folge ihre tiefgründige und emotionale Seite präsentieren konnte, durfte sie sich heute ganz als Mrs. Halloween ausleben. Bei der ansteckenden Freude, mit der Jo sich als Zombiebraut verkleidet hat, ist es nur den drohenden Investoren geschuldet, dass Alex nicht gleich angesteckt wurde. Dabei hat es an guten Versuchen von Jos Seite her nicht gemangelt. Es war echt herrlich, wie sie immer wieder versucht, Alex zu erschrecken und der jedes Mal absolut cool bleibt. Ganz im Gegensatz zum Rest des Pac North, denen Jo mit unglaublicher Freude einen Schrecken einjagt. Alleine schon ihr stolzes Grinsen, als die Mitarbeitervor ihr zurückzucken - genial.

Wobei es mich überrascht, dass sich das Personal des Pacific Northwest überhaupt noch von irgendwas erschrecken lässt. Immerhin ist jede einzelne Meldung, die wir über das Krankenhaus erhalten, grausiger als die letzte. Heute zur Halloween-Folge ist das ganze Horror-Chaos endlich mal angebracht, es ändert jedoch nichts daran, dass die Zustände am Pac North sowas von unglaublich ins Lächerliche gezogen werden, dass man diese Storyline eigentlich nur noch als amüsanten Witz abtun und besser nicht näher darüber nachdenken kann. Dafür konnte die alte Begräbnisstätte (wirklich? Sind wir auf einmal in einer Folge "Bones" gelandet?) mitsamt dem Rattenschwanz an Problemen die Investoren davon überzeugen, dass Alex der richtige Mann für den Job ist. Erfolg auf ganzer Linie also für die beiden.

Aber das war ja noch nicht alles. Zum krönenden Abschluss setzt man noch einen spontanen Ausflug zum Standesamt drauf. Ihr Hochzeitskleid hat Jo ja passenderweise schon an und zu diesen beiden Charakteren hat diese Aktion perfekt gepasst. Einfach, schnell, ohne großes Drumherum und im Halloweenkostüm – mehr brauchen die beiden auch gar nicht. Ausgerechnet während des Treueschwurs gelingt es Jo dann doch noch Alex (und mich auch) reinzulegen. Ein kleiner Schockmoment, der zum Glück sofort aufgelöst wird. Somit ist Jolex nach ihrer chaotischen Hochzeit im Finale von Staffel 14 nun offiziell verheiratet.

"How the hell did you get yourself locked up in here?"

Während alle mit Halloween beschäftigt sind, muss Meredith ihre Stunden im Knast absitzen. Wobei man Stunden wohl wörtlich nehmen kann, denn lange schien das Ganze ja nicht gedauert zu haben. Trotzdem hat diese Zeit – und vor allem ihre Mitinsassin – Meredith geholfen, einen neuen Blickwinkel auf ihre Situation zu bekommen. Bisher hat sie sich immer über ihre Familie und vor allem auch ihren Beruf definiert. Zu recht, schließlich hat sie unglaubliche Erfolge erreicht und ist eine begnadete Ärztin. Nur gab es niemals einen Plan B, auch wenn ihr Verhalten in der letzten Zeit nicht darauf schließen ließ. Diese Sicht hat sich im Gefängnis anscheinend verändert, denn es scheint fast so, als würde Meredith erst jetzt richtig klar, wohin ihr Handeln sie führen könnte. Und dann ist sie einer Person gegenübergesetzt, die es noch viel schlimmer erwischt hat und ihr Schicksal trotzdem annimmt. Gewissermaßen wurde Meredith von ihrer Zellengenossen inspiriert. Sie hat ihr aufgezeigt, dass vielleicht mehr da draußen ist, als ihre Medizinkarriere und sie scheint tatsächlich mit der Idee Frieden gefunden zu haben.

So, wie der Handlungsstrang um Meredith verläuft, wie ihre Rebellion aufgebaut und jetzt ihr Wille, neue Wege zu beschreiten, angebahnt wird, könnte ich mir allmählich vorstellen, dass Meredith ihre Lizenz vielleicht doch nicht (gleich) zurückbekommt. Mit diesem Gedanken habe ich allerdings um einiges mehr zu kämpfen, als Meredith gerade. Sie ist immerhin der zentrale Charakter der Serie und nachdem in dieser Staffel mit dem Weggang von Alex, Owen und Richard ans Pac North sowieso schon stark vom üblichen Konzept der Serie abgewichen wurde, weiß ich nicht, was ich von einem Karrierewechsel von Meredith halten soll. Gleichzeitig hat sie sich in eine Lage hineinmanövriert, aus der sie nicht mehr so einfach herauskommen sollte. Am Rande von Merediths Knastausflug muss Andrew plötzlich die Kinder hüten. Es war interessant, dass sich auch mal auf diese Beziehung konzentriert wurde, denn die Kinder gehören nun mal einfach zu Merediths Leben. Dass Zola Andrew nicht allzu aufgeschlossen gegenübersteht, ist nur allzu nachvollziehbar, immerhin hat sie Derek noch richtig gekannt. Diesen Konflikt hat man in eine sehr schöne kleine Geschichte verpackt, die einen gleichzeitig in Folge #10.07 Thriller zurückkatapultiert, in der die von Zola erwähnte Szene stattfand, als Derek ihre Flügel repariert hat. Dafür, dass Andrew anfangs sichtlich überfordert mit der Situation war, hat er sich sehr gut geschlagen, was mich nur mal wieder hoffen lässt, dass sich Meredith ihrer Gefühle ihm gegenüber schnell klar wird.

"Give them a chance to do better."

Einen familiären Horror ganz anderer Art erleben derweil Amelia und Link, als die sich mit seinen Eltern zum Mittagessen treffen. Das läuft in typischer Grey's-Manier natürlich wieder komplett aus dem Ruder. Gewissermaßen war das das Gegenstück zum Essen mit Amelias Familie. Dabei muss man wirklich den Hut vor ihr ziehen, denn dafür, dass sie von Link mehr oder weniger mit dem Treffen überrollt wurde, hat sie die Sache unheimlich gut gemeistert. Sie ist es, die die peinliche Stille überbrückt und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Was bei dem explosiven Gesprächsstoff, den beide Seiten vorzubringen haben, gar nicht so einfach war. Trotzdem schafft sie es, zwischen den Fronten zu vermitteln und besonders, auf Link einzuwirken, der von der Situation absolut überfordert war. Es war interessant, hier eine Art Rollentausch zu erleben, ist doch sonst eher Amelia die impulsive und Link derjenige, der alles unter Kontrolle hat. Doch sie ist nun mal Expertin, was verkorkste Familien angeht und kann ihm genau den Rat geben, den er braucht. Da trotz allem der eigentliche Grund für ihr Treffen, der Jahrestag von Links Genesung, in den Hintergrund gerückt ist, war es eine unglaublich süße Geste von Amelia, ihn am Schluss noch mit einer Süßigkeitentorte zu überraschen.

Randnotizen:

  • Man konnte schon bald ahnen, in welche Richtung sich Toms Abneigung gegen Halloween entwickeln würde. Nichtsdestotrotz war es eine starke Szene, als er Bailey die Geschichte mit seinem Sohn offenbart. Es ist ein deutliches Zeichen, dass wir uns langsam wieder dem guten Writing nähern, das Tom in der letzten Staffel bekommen hat, bevor er als schnell zusammengebastelter Bösewicht im Towen Drama herhalten musste. Ich kann es nur immer wieder sagen, dieser Charakter (und auch Greg Germann) hat viel zu bieten und es wäre eine Schande, das nicht zu nutzen.
  • Apropos Teddy und Owen. Die beiden bekamen auch wieder eine nette, jedoch eher unbedeutende Nebengeschichte. Irgendwie fühlt sich das alles für mich etwas erzwungen an. Es wurde bis jetzt betont kein großes Scheinwerferlicht auf die Beziehung der beiden geworfen, sondern sie wurden immer nur am Rande thematisiert. Jetzt diese Geschichte, deren Ende letztlich war, dass Owen doch überhaupt nicht möchte, dass sich Teddy für ihn verändert und die einfach nur zu viel hineininterpretiert hat.
  • Was war das für eine absolut süße Geschichte mit Levi und dem Sonnenblumenjungen?


Fazit

Man hat der Episode deutlich angemerkt, dass es hauptsächlich um Spaß und Unterhaltung ging, was bei einer Mottofolge für mich auch absolut in Ordnung geht. Umso wichtiger war es, dass es abgesehen vom verrückten Halloweentreiben auch inhaltlich voranging und da konnten viele Charaktere etwas mitnehmen. Amelia, die mit neuentdeckter Ruhe und Souveränität sowohl Link als auch Bailey zur Seite steht. Meredith, die über den Tellerrand ihres eigens verschuldeten Dramas schaut. Bailey, die erkennt, dass hinter Tom Koracick vielleicht doch mehr steckt, als der Bösewicht, zu dem sie ihn gemacht hat. Alex und Jo, die nach wie vor das Paar Nummer 1 sind (und hoffentlich für immer bleiben). Ähnlich wie auch schon letzte Folge konnte ich wieder mit der Serie mitfiebern, mitlachen, schockiert und emotional berührt sein – einfach die Serie wieder richtig erleben. Mal sehen, ob es so weitergeht, denn die größten Problemherde wurden heute ja bewusst ausgespart.

Denise D. - myFanbase

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