Bewertung: 7

Review: #16.07 Papa Don't Preach

Foto: Grey's Anatomy
Grey's Anatomy

Manchmal lese ich die Synopsis einer Folge und denke: "Oh Nein. Bitte nicht. Das wollen sie uns jetzt nicht ernsthaft antun." Und so war es auch bei dieser Episode: Als ich las, dass diese sich mit Catherines und Richards Eheproblemen, Jacksons, und Maggies Ex-Beziehung und Amelias und Owens nicht ganz unkompliziertem Verhältnis beschäftigen würde, war ich einfach bereits automatisch genervt. Keine dieser Storylines hatte mich in der Vergangenheit ansatzweise begeistern können und so sah ich ziemlich schwarz für die Episode. Ich hatte so gar keine Lust, sie mir anzuschauen und noch weniger, eine Review über sie zu schreiben. Und jetzt sitze ich hier und muss zugeben: Ich habe mich geirrt.

Dabei überzeugt natürlich allen voran Maggie, wobei man sich hier jedoch zunächst fragen muss: Was gab es zuerst, den Casting Coup oder die Storyline? Denn ausgerechnet Kelly McCrearys Schwester, Crystal, wurde für den Part von Maggies Cousine Sabi engagiert, einer wunderbar gütigen und liebenswürdigen jungen Frau, die ihren Onkel Richard wegen eines gewaltigen Herztumors konsultiert. Ignoriert man, dass es sich hier um die etwas ausgelutschte Idee handelt, in der ein in Vergessenheit geratenes Familienmitglied mit einer schweren Krankheit plötzlich auftaucht, dann kann man sich doch auf eine gute Geschichte einlassen.

Nachdem Maggie all die Jahre nur ihre Adoptivfamilie hatte und erst durch Meredith und Richard in eine recht komplizierte Großfamilie katapultiert wurde, wird es tatsächlich noch komplizierter, denn Richard hat ein wahrlich schwieriges Verhältnis mit seinem kleinen Bruder Chris: Die beiden können keine Sekunde miteinander reden, ohne, dass Richard bei Chris ins Fettnäpfchen tritt. Chris hält seinen großen Bruder für arrogant und besserwisserisch, während Richard sich nie von Chris und seiner Familie wirklich verstanden gefühlt hat. So schwierig das Verhältnis der Brüder ist, ihre Töchter verstehen sich wie blind und sehen sich darüber hinaus noch zum Verwechseln ähnlich (Casting-Coup!). Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass Chris und Sabi Maggie nicht als Ärztin haben wollten, nicht nur wegen des schwierigen Verhältnisses, sondern auch weil es ethisch doch etwas fragwürdig ist. Zwar haben Maggie und Sabi sich eben erst kennengelernt, doch sind sie schlussendlich verwandt und diese Richtlinie stellt gewissermaßen eine Art Selbstschutz für die Ärzt*innen dar. Ich habe daher durchaus Richards Verhalten eher als Bedürfnis verstanden, sie vor sich selbst und vor seiner Familie zu schützen, statt als fehlende Unterstützung, so wie es Maggie zunächst wahrgenommen hat. Als Greys-Zuschauer*innen wussten wir aber natürlich von Anfang an, dass Maggie Sabi am Ende doch noch operieren wird.

Wie gesagt, vieles gefällt mir an dieser Storyline. So wird dadurch erneut Richards und Maggies Verhältnis thematisiert und es ist unglaublich schön mitanzusehen, wie die beiden über die letzten Staffeln immer mehr als Vater und Tochter zusammengewachsen sind. Richards Worte über Maggie, dass er sie mehr als alles liebe und dass er alles für sie tun würde, hätte er ihr meiner Meinung nach auch ruhig persönlich sagen dürfen, so sorgten sie dennoch für einen starken Moment. Des Weiteren fand ich es unglaublich spannend zu beobachten, wie Maggies beeindruckend selbstbewusstes und professionelles Verhalten, das sie vor ihrer Familie und noch zu Beginn im OP an den Tag gelegt, schlussendlich bricht und immer mehr ihre Emotionen durchbrechen, als sie realisiert, dass Sabi tot ist. Der Moment, als sie im OP schließlich doch Sabis Gesicht, das ihrem eigenen sehr ähnelt, betrachtet, hat mich unglaublich berührt, was nur durch Maggies Tränenausbruch vor Alex gesteigert wurde. Kelly McCreary spielt sich in dieser Folge quasi die Seele aus dem Leib: Gebannt schaut man ihr am Ende zu, wie sie darstellt, wie es Maggie mit viel Mühe gelingt, professionell die Nachricht von Sabis Tod übermittelt und dabei natürlich genau die heftige Reaktion von Chris zu fühlen bekommt, vor der Richard sie schützen wollte. Ich ziehe meinen Hut vor Kelly McCreary und hoffe inständig, dass man ihr in Zukunft weiterhin solch gutes Material wie in dieser Folge geben wird.

Was mir auch an dieser Geschichte gefällt und was einfach an dieser Stelle und nicht unten in den "Kurzen Eindrücken" erwähnt werden kann, ist Alex. Alex präsentiert sich in dieser Folge von seiner allerbesten Seite. Man sieht, wie er das Krankenhaus immer mehr auf Vordermann bringt und Neuerungen einführt und es nicht länger das Gruselkabinett aus der letzten Folge ist. Dazu zeigt er sich als unglaublich kompetenter Chief und schafft es dabei nicht nur, sein Personal immer mehr im Zaun zu halten, sondern zeigt vor allem Maggie gegenüber, wie sehr er durch seine Position als Chief als Persönlichkeit gewachsen ist: Während er auf der einen Seite ihr ein guter Freund ist und ihr in einem schweren Moment beisteht, mahnt er sie auf der anderen Seite auf rücksichtsvolle Weise dazu an, sich professionell zu verhalten. Ich bin einfach wahnsinnig begeistert von Alex als Chief und hoffe, dass wir mehr von dieser Entwicklung zu sehen bekommen. Bailey und Tom Koracick, ihr könnt euch wahrlich ein, zwei Scheiben von Alex abschneiden.

Die zweite Storyline, die Richard involviert hat, hat mir weniger gut gefallen. Zwar verhält sich Gemma nicht ansatzweise so problematisch wie bei ihrem letzten Auftritt, dennoch traue ich ihr nicht. Womit ich nicht ganz alleine bin, denn Catherine ertappt sie dabei, wie sie sich um den besorgten Richard kümmert. Ich habe Catherine insgeheim zugestimmt, als Richard sich rauszureden versuchte; das schlechte Gewissen stand ihm einfach auf dem Gesicht geschrieben. Doch abermals zeigte sich dann Catherines altbekanntes anmaßendes und unangemessenes Verhalten, als sie nämlich Gemma aus heiterem Himmel einen Job in der Catherine-Fox-Stiftung anbot – überall, nur nicht in Seattle, selbstverständlich. Allein diese Szene hat mich die Sympathie für Catherine gekostet, die sich durch ihr Verhalten Chris gegenüber aufgebaut hatte. Klar, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – aber die Eheprobleme mit Richard löst dieses Verhalten sicherlich nicht.

Nicht nur bei den Webbers herrschen mehr als komplizierte Familienverhältnisse, auch bei Amelia und Owen kristallisiert sich so langsam ein sehr komplexes Patchwork-Verhältnis heraus. Nachdem ich mich bereits darauf eingestellt hatte, dass Owen abermals Amelia gegenüber ein missbräuchliches und anmaßendes Verhalten an den Tag legen würde, kann ich ihn in dieser Folge durchaus verstehen und kann überraschenderweise mit ihm mitfühlen. Klar, sein Verhalten gegenüber der Patientin war furchtbar, aber es ist durchaus verständlich, dass es ihn überfordert, dass Amelia, die in ihrer Ehe nie Kinder wollte mit Link plötzlich eine Familie gründen möchte (warum an dieser Stelle der Gehirntumor nicht erwähnt wurde, bleibt mir allerdings schleierhaft). Und ich könnte nun viele Worte darüber verlieren, wie enttäuschend Owens zunächst sehr passiv-aggressives Verhalten ist, aber was für mich am Ende zählt, ist die beiderseitige Entschuldigung der beiden Ex-Partner: Amelia, dafür, dass sie Owen so unvorbereitet mit der Nachricht überfallen hat, Owen, für sein unsensibles Verhalten. Die Liebe der beiden wird in der Szene vorm Krankenhaus abermals deutlich und es ist klar, wie viel sie sich noch einander bedeuten. Beide haben durch ihre Beziehung viel voneinander und über sich selbst gelernt und auch wenn ihre Beziehung zum Scheitern verurteilt war und die meiste Zeit sehr toxisch verlief, so sind sie durch Leo noch miteinander verbunden und können nun eine Art platonischen Neubeginn miteinander wagen. Ich bin gespannt, wie diese Patchwork-Familie schlussendlich aussehen wird und auch wenn ich stellenweise von Owen (wie zu erwarten war) enttäuscht wurde, bin ich schlussendlich positiv überrascht, wie erwachsen sich beide, er und Amelia, gegenüber einander verhalten haben.

Kurze Eindrücke

  • Da geht Meredith schon einmal Alex besuchen und dann sehen wir nichts davon! In dieser Staffel hat es noch keine einzige Szene der beiden beste Freunde gegeben, was doch äußerst bedauerlich ist
  • Generell scheint Meredith allerdings pflichtbewusster ihre Bewährungsauflagen anzugehen als davor. Dennoch wurde ihre Sehnsucht nach Chirurgie kurz offenbart, was wohl doch gegen die Theorie aus der letzten Folge spricht, dass Meredith über neue Karrierewege nachdenken könnte
  • Versteht jemand, warum im Northwest andere Regelungen im OP gelten als im Grey Sloan?
  • Jackson, Jackson, Jackson. Eine einzige Szene und schon wieder unglaublich unsympathisch. Seine Art gegenüber Maggie ging einfach so gar nicht. Eine weitere ausgelutschte Idee dieser Folge übrigens gefällig? Den Eltern nicht vom Ende der Beziehung erzählen. Hat man schon oft gesehen, hätte man nicht gebraucht, Gott sei Dank wurde daraus kein großes Ding gemacht


Fazit

Eine überraschend berührende Folge, die einen wahren Showcase für Kelly McCreary darstellt und auch positive Entwicklungen für Alex, Amelia und Owen bereithält. Auch wenn die Storyline um Catherine, Webber und Gemma, wie zu erwarten war, nicht zu gefallen wusste, lässt sich dennoch an dieser Stelle sagen, dass "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" sein Tief so langsam, aber sicher hinter sich gelassen hat.

Lux H. - myFanbase

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