Bewertung: 9

Review: #15.08 Blowin' in the Wind

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Das Winterfinale von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" kommt stürmisch daher und beweist nur mal wieder, dass die Serie in Katastrophenszenarios zu Hochleistungen aufläuft. Dabei ging es um Mut im Auge des Sturmes. Es gab zwar keine schockierenden Cliffhanger, die uns die Wintermonate über quälen werden, doch darüber bin ich eigentlich ganz froh. Stattdessen hat #15.08 Blowin' in the Wind genau die Storylines auf ihre kleinen Höhepunkte gebracht, mit denen man schon rechnen konnte; allen voran Teddy.

"Are you and Owen finished?"

Als allererstes muss man Teddy dazu gratulieren, sich den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht zu haben, Owen die Wahrheit zu sagen. Mitten vor allen Leuten im OP? Während sie gerade an einem Patienten operieren? Wirklich? Dabei hat es doch so gut angefangen, als Teddy im Vorbereitungsraum zumindest schon mal erwähnt hat, dass sie mit ihm reden muss. Aber doch bitte nicht so. Es kam mir fast ein bisschen so vor, als hätte sie sich von dem Glück ihres Patienten mitreißen lassen: Eigentlich eine lebensbedrohliche, große Verletzung und doch ist wie durch ein Wunder fast nichts passiert. Vielleicht hatte Teddy auch einfach die ewige Geheimniskrämerei satt, verständlich ist das ja. Und da sie ja sofort wieder weg musste, blieb ihr auch die Reaktion von Owen erspart. Stattdessen trifft Teddy natürlich ausgerechnet auf Amelia, die ganz unschuldig fragt, ob sie und Owen fertig wären. Einfach herrlich in diesem Zusammenhang. Denn schließlich ist das jetzt die große Frage, die im Raum steht: Was nun?

"I know you have other options, but I want you to know that I am one of them."

Nachdem Meredith noch sichtlich gezeichnet von den Neuigkeiten der letzten Folge ist, ist sie eigentlich so gar nicht in Stimmung, sich weiter um romantische Dinge zu kümmern. Weder die von Maggie, noch ihre eigenen. Die war etwas vor den Kopf gestoßen, als ihre Schwester überhaupt nicht auf ihre Klagen wegen Jackson eingeht. Zugegeben, mein Interesse an Jaggie war auch schon mal größer, aber da hat mir Maggie schon ein bisschen leidgetan, nachdem Meredith sie da doch recht trocken abblitzen lässt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sie ihr Verhalten kurz darauf erklärt. Inwieweit es Merediths Recht ist, Catherines Gesundheitszustand mit Maggie zu teilen, sei mal dahingestellt. Hier hatte man wohl gewissermaßen die Parallele zu Maggie, die Meredith von Teddys Schwangerschaft erzählt. Was aber definitiv nicht okay war, war, dass Maggie es Jackson erzählt. Catherine ist eine taffe Frau, die eindeutig in der Lage ist, selbst zu entscheiden, wann sie ihre Familie einweihen möchte. Und nachdem sie ja schon versucht hat, Richard zu erreichen, wäre Jackson sicher auch bald dran gewesen. Stattdessen frage ich mich nun, wie der wohl auf die Nachricht reagieren wird, die er eben nicht von seiner Mutter persönlich erhalten hat.

Was Merediths eigenes Liebesleben angeht, wurde die Wahl wohl nun endgültig auf Andrew und Link festgelegt. Ich bleibe dabei, dass ich mir noch keinen der beiden so richtig vorstellen kann. Trotzdem gefällt mir die Variante Meredith und Andrew besser, nicht zuletzt dank DeLucas mutigem Auftreten in der heutigen Folge. Bisher hat er sich ja eher unauffällig im Hintergrund gehalten, aber nachdem nun auch Cece auf Link aufmerksam geworden ist und Meredith schon ein Date geplant hat, blieb ihm gar nichts anderes übrig, als die Initiative zu ergreifen. Und das hat er gar nicht schlecht gemacht. Ein bisschen musste ich ja schon schmunzeln, als die Sache mit der Beziehung mit einem Vorgesetzten erwähnt wurde - als hätte das in dieser Serie schon mal jemanden von irgendwas abgehalten. Aber es freut mich, wie die ganze Angelegenheit gehandhabt wird: Kein unangenehm emotionales und spannungsaufgeladenes Love-Triangle, in dem schon so viel Bitterkeit und schlechtes Gewissen mitschwingt, dass man es kaum mehr genießen kann. Stattdessen herrscht hier noch viel Leichtigkeit und Humor. Es ist immer klargestellt, dass es Merediths Entscheidung ist und die wählt die im Moment rationalste Möglichkeit: Erst einmal abwarten, bis sie ihren Kopf wieder frei hat und dann gut darüber nachdenken. Allerdings war das auch, bevor sie mit Andrew im Aufzug stecken geblieben ist. Mal sehen, wie lange ihre guten Vorsätze halten, auf engem Raum eingesperrt mit einem jungen, gutaussehenden Arzt.

"You kissed me and I felt the opposite of shame. I felt like I existed and everything falling into place."

Sturm und feststeckende Aufzüge hin oder her, eigentlich waren Levi und Nico mein persönliches Highlight der Folge. Genauer gesagt hauptsächlich Levi. Denn der hat sich von der deutlichen Abfuhr von Nico nicht unterkriegen lassen, was im Anbetracht der Umstände alleine schon eine ziemliche Leistung ist. Stattdessen traut er sich sogar, Nico direkt zu konfrontieren, was in dieser Situation auch definitiv angebracht war. Immerhin hat der ihm von dem Moment im Fahrstuhl an, als klar wurde, dass Levi noch komplett unerfahren ist, keine Chance gegeben, auch nur irgendwie seine Sichtweise darzustellen. Von vorn herein geht Nico davon aus, dass Levi nur Drama und ein anstrengendes Coming Out bedeutet. Dass das vielleicht gar nicht der Fall ist, daran denkt er überhaupt nicht. Und Levi hätte wohl auch nicht die Chance gehabt, das klarzustellen, wenn ihm der Sturm da nicht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Arme gegriffen hätte. Ein bisschen genug tuend war es ja schon, als Nico mal wieder nicht auf Levi hören will und prompt vom Wind davon gerissen wird.

Eine dramatische Rettungsaktion später sitzen die beiden nun im Rettungswagen fest – und Nico bleibt gar nichts anderes übrig, als Levi zuzuhören. Der nutzt die Gelegenheit sofort für eine recht beeindruckende Rede. Wirklich überraschend ist nichts von dem, was er da erzählt, schließlich passt es doch recht gut zu dem Levi, den wir bis jetzt kennengelernt haben. Umso wichtiger ist es aber, dass auch Nico das zu hören bekommt. Mal ganz abgesehen davon, dass wir mit Levis doch recht gelassener Einstellung zur Erkenntnis, dass er auf Männer steht, die Chance auf eine Coming Out Storyline haben, die nicht derart von Drama und negativen Erfahrungen gezeichnet ist, wie es in Serien meist der Fall ist. Vielversprechend war das Ende ja definitiv – jetzt kann man für die beiden nur hoffen, dass kein Stromkabel auf den Rettungswagen fällt und sie noch gerettet werden müssen.

Randnotizen:

  • Jo und Alex bleiben nach wie vor mein Beziehungs-Highlight. Es macht einfach schrecklich Spaß, den beiden zuzusehen und ihre amüsante Nebengeschichte war der perfekte Ausgleich zu der Spannung im Krankenhaus.
  • Inzwischen wurde Baileys vorrübergehende Beziehungspause mit Ben, die im Spin-Off "Station 19" näher thematisiert wurde, auch in der Hauptserie angesprochen. Hier hat es mich sehr gefreut, dass Bailey sich Richard anvertraut hat. Die beiden hatten sowieso schon immer diese tolle Mentorenbeziehung zueinander und auch in diesem Fall kann Richard ihr ins Gewissen reden. Ich bin mal gespannt, ob Bailey tatsächlich auf seinen Rat hört und sich Hilfe sucht. Nötig wäre es wohl auf jeden Fall, schließlich ist Bens Job nichts, was einfach so verschwindet, wenn man die Augen davor verschließt. Und dass sie ihren Beruf nach wie vor prima beherrscht, hat man ja heute eindeutig gesehen.
  • Parallel bin ich erleichtert, dass sich Richard fürs Erste wieder gefangen hat. Mit dem, was wir Zuschauer schon über Catherine wissen, kann man wohl davon ausgehen, dass er sich bald wünschen wird, dass sie nur eine Affäre mit Tom hätte.
  • Die Geschichte mit der Selfiestick-Lady ist mir wirklich ans Herz gegangen. Amelia wohl auch, da sie Betty danach doch verziehen hat, dass sie wieder rückfällig geworden ist. Eine sehr schöne Szene, die nur noch einmal verdeutlicht hat, was für eine tolle Familienkonstellation da eigentlich aufgebaut wurde. Mal sehen, wie es hier weitergeht.


Fazit

"Grey's Anatomy" geht mit einer actiongeladenen Episode stark in die Winterpause, die alle wichtigen Handlungsstränge weiterführen konnte. Tatsächlich hat man jetzt schon ein recht gutes Bild davon, welche Geschichten im neuen Jahr wohl eine besondere Rolle spielen werden. Zunächst ist da natürlich Catherines Erkrankung, die sowohl Jackson als auch Richard fordern wird. Dann Meredith, die einerseits beruflich mit Catherine und andererseits privat mit Andrew und Link zu tun hat und Bailey muss sich klar werden, wie sie ihre Krise am besten meistern kann. Etwas ungewisser sind da die Storylines von Levi und Nico und rund um Owen. Man wird sehen, ob Nico jetzt einer möglichen Beziehung mit Levi offener gegenübersteht. Und bei Owen, Teddy und Amelia? Nun da bin ich völlig überfragt und schrecklich gespannt, wie man diese Geschichte lösen will.

Denise D. - myFanbase

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