Die 6. Staffel – Ein Rückblick

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Unter dem Motto "Never underestimate a Housewife" starteten im Herbst 2009 Susan, Lynette, Bree und Gaby nach einer zu Recht stark kritisierten fünften Staffel in ihre mittlerweile sechste Runde. Nachdem man in der vorherigen Season dank Scheinhochzeiten, nervigen Eifersüchteleien und lächerlichen Rachestorys fast schon Soap-Niveau erreicht hatte, versuchten Marc Cherry und Co. endlich wieder das Niveau und die Atmosphäre in die Wisteria Lane zu bringen, welche die Serie in ihren ersten Jahren und irgendwo auch in der gut gelungenen vierten Staffel ausgezeichnet hatte. Doch ist der Versuch gelungen, oder hat die Serie endgültig ihren Zenit überschritten?

"What's that smell?" "Despair..." "Oh, I thought it was waffles."

Tatsächlich machte es anfangs den Eindruck, als habe die Serie wieder eine vergleichsweise gute Qualität erreicht, da man die erste Staffelhälfte (also die Folgen bis zum Winterfinale #6.10 Der große Krach) durchaus als gelungen bezeichnen kann und einem gute Unterhaltung geboten wurde, was vor allem auch daran lag, dass die Staffel anfangs einen recht düsteren Ton annahm. Dabei trumpfte die Staffel besonders mit der Story rund um Brees Affäre mit Karl auf, die auch das Highlight der gesamten Staffel ausmachte. Zwischen den beiden herrschte eine großartige Chemie, was zur Folge hatte, dass fast jede Szene mit dem ungleichen Paar Freuden bereitete. Und damit sind nicht nur die zahlreichen humoristischen Szenen gemeint, in denen Karl erneut einen flotten Spruch ablässt oder etwas tut, das gegen jede von Brees Moralvorstellungen verstößt, sondern auch die Momente, in denen es richtig emotional herging und die beiden sich bewusst wurden, dass sie echte Gefühle füreinander hegen. Von der ganzen Situation profitierten auch die Szenen ohne Karl, schließlich befand sich Bree in einem moralischen Dilemma, da sie noch mit Orson verheiratet war und sich nicht wirklich in ihrer neuen Rolle als Ehebrecherin zu Recht fand. Das ganze gipfelte dann des Öfteren in tollen Szenen, in denen Bree versucht, sich selbst für ihr, in ihren Augen schreckliches, Handeln zurechtfertigen, sei es vor ihrer Freundin Angie oder vor einem wildfremden Zimmermädchen (in #6.05 Die ewigen Kritiker), die sie für ihr Handeln verurteilt und ihr klar macht, was sie mit ihrer Affäre alles zu zerstören droht. Letztlich fiel dann eine höhere Instanz Brees Entscheidung, denn mit dem Tod von Karl bindet sie sich wieder an Orson. Und ganz egal, inwieweit ihre Beziehung mit Karl im Nachhinein durch ihren Traum in der Folge #6.11 Was wäre, wenn … heruntergestuft wurde, so war die ganze Storyline am Ende dennoch diejenige, an die ich mich wohl immer zurückerinnern werde.

Die ganzen anderen Frauen standen mit ihren Geschichten dadurch ein wenig im Schatten. Lynette, die mit ihrer erneuten Zwillingsschwangerschaft zu kämpfen hatte und im Staffelauftakt und der darauffolgenden Episode diesbezüglich unglaublich tolle Szenen ablieferte, versank dann zunehmend im Mittelmaß, da man sich mehr auf die Auswirkungen der Schwangerschaft auf ihre Arbeit beschäftigte, als sich auf Lynettes Psyche zu beschränken. Kämpfte Lynette anfangs noch mit der Tatsache, dass sie einfach keine Gefühle für ihre ungeborenen Kinder hat und sich vor der Zukunft fürchtet, waren ihre größten Probleme wenig später, wie sie ihre Schwangerschaft vor ihrem Boss Carlos verheimlicht. Sicher, im Gesamten gesehen hängt das eine mit dem anderen zusammen (also die finanziellen Zukunftssorgen und ihre Angst, ihren Job zu verlieren), aber mit dem angeschnittenen Potential hätte man durchaus mehr machen können. Selbiges gilt für Gaby, die in dieser Staffel eine recht schwache Performance ablieferte. Mit dem Einführen ihrer Nichte Ana hatte ich mir mehr erhofft, als die alles andere als innovative Idee, einfach wieder Ex-Lover John Rowland kurz einzuführen und eine Liaison zwischen ihm und Ana anzudeuten. Nach vier Folgen war dann auch schon wieder Schluss, was Gabys Sorgen um Ana angeht, da diese daraufhin wie vom Erdboden verschluckt war und erst wieder irgendwann in der Mitte der Staffel auftauchte … vergeudetes Potential. Stattdessen quälte man uns mit einem recht langweiligen Konflikt zwischen Mutter Gaby und Tochter Juanita durch etliche Episoden, wir mussten uns anschauen, wie Gaby verzweifelt versucht, ihre Tochter zu unterrichten und am Ende sogar eine rumänische Putzfrau (!) ihre Tochter unterrichten lässt, während Gaby dafür Toiletten schrubbte (!!!). Am Ende der ersten Staffelhälfte fand das Martyrium dann Gott sei Dank ein Ende und man ließ diese erste Hälfte mit einem kleinen Krieg zwischen den Solis’ und den Scavos zu Ende bringen, was mir sogar recht gut gefallen hat, da diese Storyline dann doch interessante und witzige Szenen beinhaltete.

Ein anderer Krieg herrschte währenddessen zwischen Susan und Katherine, da letztere wohl doch nicht so ganz darüber hinweg gekommen ist, dass Mike sie vorm Traualtar hat stehen lassen und stattdessen Dauerflamme Susan das Ja-Wort gab. Die Folge: Katherine mutierte zu "Crazy-Kathy" und damit zu einer waschechten Stalkerin. Ob man diese Storyline gut findet, ist jedem selbst überlassen. Ich zu meinem Teil hatte mich teilweise köstlich amüsiert und war in den letzten Folgen vor dem Winterfinale sogar geschockt, wie psychisch labil Katherine offenbar ist. Andererseits bleibt der bittere Nachgeschmack, dass man aus einem ehemals so tollen und starken Charakter eine labile Psychotante gemacht hat … doch es sollte in der zweiten Staffelhälfte noch schlimmer kommen. Positiv war jedoch, dass Susan endlich mal wieder eine richtige Storyline bekommen hat, die nur indirekt etwas mit Männern am Hut hatte, weshalb mir ihr Charakter recht gut gefiel.

"I think I've got the right tree. Just sick of barking"

Wie so oft bei den "Desperate Housewives", flaute die Staffel in ihrer zweiten Hälfte deutlich ab. Das lag hauptsächlich daran, dass man aus den Fehlern der fünften Staffel nichts gelernt hatte und den meisten Charakteren eine Lückenfüllerstory nach der anderen aufgetischt hatte. Am meisten bemerkbar machte sich das bei Susan und Gaby. Hier waren die Autoren sogar so einfallslos, dass man einfach beide Charaktere nahm und ihnen gemeinsam einen Lückenfüller widmete, indem man die beiden des Öfteren in einem Wettstreit sah, wer ihrer Kinder denn das bessere ist. Und so mussten die Zuschauer eben mit ansehen, wie Susan und Gaby darum wetteifern, wessen Kinder schlauer sind, wessen mehr Kekse verkaufen können und so weiter. Nichts, was man nicht schon in etlichen Sitcoms gesehen hat. Während man Susan immerhin gegen Ende noch eine relativ vernünftige Storyline verschafft hat (aber auch nur „vernünftig“ wenn man von Mikes Egoproblemen und schwachsinnigen Verhalten absieht), hat Gaby in der gesamten Zeit wirklich keine einzige Storyline serviert bekommt. Mal sieht man sie in Kombination mit Susan, Bob oder Lee, dann mal wird sie in Angies Story integriert und hier und da taucht dann noch Nichte Ana auf, die für ein wenig Ärger sorgt. Daher zähle ich Gaby zu den schwächsten Figuren dieser Staffel.

Manchmal haben mich die Autoren der Serie auch mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen, da ich bis heute noch nach dem Sinn von einigen Staffelelementen suche. Es muss einen tieferen Sinn geben, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, weshalb die Autoren teilweise recht vielversprechende Storys angeschnitten und wenig später wieder haben verpuffen lassen. Wieso gesteht Karen McCluskey in einer sehr emotionalen Szene, dass sie Krebs hat, nur damit sie später (nach wohlgemerkt nur zwei Folgen!!!!) eine Krebsparty feiert, da sie den Krebs besiegt hat, während man in der Zwischenzeit überhaupt nichts von ihrer Therapie erfährt. Und weshalb reißt man das schwule Pärchen Bob und Lee völlig unerwartet mitten in der Staffel auseinander, nur damit es überhaupt keine Erwähnung mehr findet und wir bis heute nicht wissen, was mit ihnen passiert ist?

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