Bewertung: 8

Review: #10.18 What's Inside You

Foto: Chicago Fire - Copyright: 2021 NBCUniversal Media LLC.
Chicago Fire
© 2021 NBCUniversal Media LLC.

In den vergangenen Episoden hatte "Chicago Fire" eine kleine Durststrecke, da der Inhalt der Episoden wenig zu bieten hatte, so dass ich teilweise schon überlegt habe, ob ich vielleicht übers Wetter schreiben sollte, damit ich überhaupt irgendwas schreibe. Bereits die letzte Episode hat mir das leicht fehlende Feeling von "Chicago Fire" zurückgebracht. Aber mit #10.18 What's Inside You präsentiert man eine Solo-Episode, die Eamonn Walkers Charakter von Chief Boden ins Zentrum stellt und unterstreicht, warum er auch noch nach all den Jahren wichtig ist.

"Ich gehe nicht zurück ins Gefängnis!"

Nach Bodens Beförderung gab es zwar immer wieder Ereignisse, in die er eingebunden war, aber die für mich nie wirklich eindrucksvoll in meinem Gedächtnis in diesem Sinne geblieben sind, dass ich hätte sagen können: Ja, diese Episode hat Bodens Stärke und Führungsqualitäten gezeigt. Es brauchte also eine gewisse 'Anlaufzeit', damit wir wieder daran erinnert werden, warum Boden noch immer ein wichtiger Bestandteil von "Chicago Fire" ist. Zudem hat besonders der Teaser dafür gesorgt, dass ich gespannt auf diese Episode gewesen bin. Denn gerade Episoden, die vorwiegend nur an einem bzw. nur wenigen Schauplätzen spielen, bleiben mir besonders in Erinnerung, weil die Dramaturgie eine andere ist und der Inhalt in der Regiearbeit noch ergreifender dargestellt werden kann. Auf Anhieb fallen mir da natürlich beispielsweise die Episoden #1.24 Ein harter Tag und #9.05 Was würde Otis tun? ein. Bei solchen Ereignissen steht mindestens immer ein Charakter der Serie im Zentrum, der seine innere Stärke beweisen darf. Ich freue mich sehr, dass diesmal Boden dieser Charakter gewesen ist, denn ich hatte etwas den Eindruck, dass er zur Randfigur mutiert.

Das Ganze fing eigentlich harmlos an, da Boden ja 'nur' die Zutaten für die Soße fürs Grillen besorgen wollte. Allerdings wäre das viel zu einfach gewesen, da man es ansonsten nicht so betont hätte und wir reden hier eben über "Chicago Fire", wo gerne mal etwas harmlos dargestellt wird, was aber am Ende viel mehr ist und potenzielle Entwicklungen bereithalten könnte. Ich muss zugeben, dass ich nicht schlecht gestaunt habe, als das Auto in den Supermarkt gekracht ist, denn auch das passiert ja nicht einfach mal so. Entweder passiert so etwas, weil jemand verletzt worden ist, als Geisel genommen worden ist oder eben – wie in dem Fall – auf der Flucht ist. Mit Will David Hollander haben wir den Flüchtigen und den Geiselnehmer, da er die Kund*innen und das Personal nicht entkommen lässt.

Will ist noch ziemlich jung, hat aber schon eine Vergangenheit hinter sich, die ihn unglaublich geprägt hat und die uns auch zeigt, dass seine Flucht und die Geiselnahme keine geplanten Taten gewesen sind, sondern eine Verzweiflungstat. Eine Verzweiflungstat, bei der zwar nicht auszuschließen gewesen ist, dass Will nicht doch die Nerven verliert, die aber auch nochmal zeigt, dass es seinerseits eher ein Hilferuf ist. Wie gesagt, bin ich sehr froh, dass Boden unter den Geiseln gewesen ist und aufgrund von seinem Beruf weiß, wie er in solchen Situationen mit Menschen und seinem allgemeinen Umfeld umzugehen hat. Damit will ich nicht sagen, dass ich in keinem Moment die Befürchtung hatte, dass Boden nichts passieren wird. Die hatte ich, denn wie gesagt sind wir hier bei "Chicago Fire", wo man schon mal mit der ein oder anderen Wendung zu rechnen hat. Dass Will aus Verzweiflung gehandelt hat, wurde im Gespräch mit Boden sehr deutlich, denn der Junge will unter keinen Umständen mehr ins Gefängnis und angesichts dessen, was ihm dort widerfahren ist, kann ich das sehr gut verstehen. Seine Narben am Rücken und das, wie es dazu kam, haben mich sehr an Jamie aus "Outlander" erinnert. Ich hätte mir vielleicht noch ein bisschen mehr Informationen über das Gefängnispersonal gewünscht, aber auch so wurde klar, dass Will gelitten hat und auch wenn nicht ganz klar geworden ist, ob es weiße Polizist*innen gewesen sind, die ihn damals verhaftet haben, wurde doch auch so für mich deutlich, dass Will sich schon immer ungerecht behandelt gefühlt hat, weshalb seine Angst, vor einem erneuten Gefängnisauftenhalt umso deutlicher wurde.

Interessant fand ich auch, dass man neben Boden mit Bob Carver einen Anwalt im Ruhestand einbezogen hat, der ebenfalls eine Ruhe ausgestrahlt hat, die in solch einer Situation einfach auch extrem wichtig ist, um das Gefahrenausmaß zu minimieren. Allerdings gab es dann doch einen Todesfall, der Will psychisch extrem in die Enge getrieben hat und man so für mich auch Momente gesetzt hat, bei denen man doch mal kurz den Atem angehalten hat, weil man sich eben nicht absolut sicher gewesen ist, ob nicht vielleicht doch etwas Schlimmeres passieren wird. Zudem hat man auch einen Showdown geboten, bei dem ich eben erneut die Luft angehalten habe, als sich Will ergeben wollte bzw. sein Leben beenden lassen wollte, weil er nicht zurück ins Gefängnis wollte. Bodens beherztes Eingreifen hat zwar dafür gesorgt, dass Will dennoch wieder ins Gefängnis gehen muss. Bodens Tat untermauert aber auch, was er Will über Mason erzählt hat, nämlich, dass er danach trotzdem noch einen Neustart im Leben haben können wird. Es hat zwar nicht den Anschein gemacht, als würde das Will genauso sehen, aber vielleicht kommt er noch zu dieser Erkenntnis, zumal er mit Bob einen Anwalt hat, der sicher einiges möglich machen bzw. entschärfen kann.

"Sie haben heute viele Leben rettet."

Wie schon gesagt, wäre alles vermutlich nicht so glimpflich ausgegangen, wäre Boden nicht an Ort und Stelle gewesen. Doch auch außerhalb des Inneren des Supermarkts hat man praktisch in jeder Szene feststellen und sehen können, wie wichtig Boden für die 51 ist, wie familiär die Wache ist und wie fest der Zusammenhalt ist. Denn neben solchen Episoden, die hauptsächlich nur im Inneren spielen, spielt eben auch der Fakt Zusammenhalt eine erhebliche Rolle. Ich fand es wirklich spannend und interessant gemacht, wie Boden mit seiner Wache kommuniziert hat und diese eben solch ein eingespieltes Team sind, dass sie spannende Rettungsaktionen machen, bei denen man zwar auch weiß, dass es gut ausgehen wird, bei mir dennoch der Adrenalinspiegel in die Höhe schießt.

Stella Kidd, Kelly Severide und Christopher Herrmann haben ganz recht: Boden hat viele Leute gerettet. Und dennoch: obwohl er nicht körperlich verletzt wurde, hat er doch irgendwie seelische Wunden davon getragen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht doch noch irgendwelche Nachwehen zeigen werden, ähnlich wie bei Joe Cruz zu Beginn der Staffel. Insofern hoffe ich, dass wir vielleicht in einer der kommenden Episoden Bodens Frau Donna sehen werden, die er jetzt gut an seiner Seite gebrauchen könnte.

Randnotizen

  • Ich bin froh, dass sich Blake Gallo und Violet Mikami versöhnt haben, da sie als Freunde wirklich wunderbar agieren und einen gutem Humor haben. Übrigens wäre ich bei einem Freizeitpark namens Feuerland sofort dabei.
  • Randall 'Mouch' McHolland macht es genau richtig und wartet lieber auf Gegrilltes.
  • Bei Emma Jacobs bin ich auch eher skeptisch, da sie eine sehr kühle und fast schon abwesende Art an sich hat, hinter der deutlich mehr stecken wird als bisher ersichtlich.
  • Cruz hat recht: Ich will auch endlich einen Termin für die Hochzeit von Severide und Kidd!

Fazit

Derek Haas hat das Drehbuch dieser Episode geschrieben, was man wieder vollauf bemerkt hat, da er auf viele kleine Details geachtet hat, die Boden als Charakter einfach ausmachen und die auch gezeigt haben, dass auch bei ihm noch immer eine Weiterentwicklung möglich ist, sowie, dass auch Boden noch weitere Facetten hat.

Daniela S. - myFanbase

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