Bewertung

Review: #7.09 Offene Rechnungen

Foto: Sam Heughan, Outlander - Copyright: 2023 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2023 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television
Sam Heughan, Outlander
© 2023 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.; 2023 Starz Entertainment, LLC; James Minchin/Starz/Sony Pictures Television

Es sind mehr als 15 Monate verstrichen, seitdem #7.08 Turning Points über die Bildschirme flimmerte und in dieser immensen Zeitspanne, die die "Outlander"-Autoren hatten, um die zweite Hälfte von Staffel 7 zu planen, haben sie wirklich ihr Bestes gegeben.

"Home is where the heart is, but it is also where it can be broken."

Wir kehren nach Lallybroch zurück und dass, nachdem über ein Jahrzehnt vergangen ist, seitdem wir das Zuhause der Frasers verlassen haben. Es ist ein herzerwärmendes Gefühl, ganz besonders nachdem Claire und Jamie ihr zweites Zuhause auf Frasers Ridge in dem Feuer auf tragische Weise verloren haben. In der ersten Staffelhälfte waren die beiden heimatlos und die Ungewissheit darüber, was sie als nächstes tun werden, war stets präsent. Nun können sie sich wieder angekommen fühlen und werden auch gleich herzlich in Empfang genommen. Der Anblick von Ian – dem Alten – und Jenny, die erst ihren Sohn Ian – den Jungen – und anschließend die Frasers begrüßen, lässt das Herz höherschlagen. Zuhause, angekommen sein, sich im Kreis geliebter Menschen zu befinden. Das vermittelt diese Episode und man wusste gar nicht, wie sehr man sich danach gesehnt hat.

Während "Outlander" noch nie Probleme damit hatte, Steven Cree für seine Rolle als Ian zurückzubeordern, wurden wir bereits in Staffel 4 durch die Abwesenheit von Laura Donnelly enttäuscht. Einerseits ist es gut, dass man ihren Part nicht wieder aus der Geschichte herausschneidet, andererseits fehlt beim Anblick von Jenny, deren Rolle durch Kristin Atherton neu besetzt wurde, ein klein wenig des Heimatgefühls. Rein physisch gleicht sie ihrer Vorgängerin durchaus, doch auch wenn ihr Schauspiel die temperamentvolle Jenny gut einzufangen weiß, reicht es in meinen Augen doch nicht an das von Donnelly heran.

Die Person, die in dieser Episode am besten abgeliefert hat und durch die eindrücklichsten Szenen glänzen konnte, war ganz deutlich John Bell. Das Wiedersehen mit seiner Familie hat für Ian noch einmal einen ganz anderen Stellenwert als für Claire und Jamie, schließlich kann er nach einem Jahrzehnt endlich wieder seine Eltern in die Arme schließen. In der verstrichenen Zeit hat sich viel getan und Ian, der als Junge von Lallybroch aufbrach, hat so viel erlebt, von Entführung und Vergewaltigung hin zur Zugehörigkeit zu den Indianern, der ersten Liebe und dem tragischen Verlust seiner Familie über Krieg bis hin zu der Hoffnung auf eine neue Liebe. Er ist in dieser Zeit zu einem Mann geworden, auf den seine Eltern stolz sein können. Hier in diesem familiären Umfeld, darf er jedoch seine verletzliche Seite zeigen und so erlebt man ihn äußerst bestürzt über den Zustand seines Vaters. Bleich und grau kommt der alte Ian daher, dennoch strahlt er beim Anblick seines Sohnes und schafft es, ihm noch den ein oder anderen scherzhaften Rat in Sachen Liebe mit auf den Weg zu geben. Traurig über den krankheitsgeplagten alten Ian und gleichermaßen glücklich über ihren vor Kraft strotzenden Sohn ergeht es Jenny nicht anders. So wie Ian eine sehr emotionale Szene mit seinem Vater teilt, tut er dies auch mit seiner Mutter und beide Male treibt es einem die Tränen in die Augen. Der Grabstein, den die Murrays für Ians Tochter auf dem Friedhof von Lallybroch aufstellen ließen, setzt dem herzergreifenden Gespräch von Ian und Jenny die Krone auf.

Wo Ian und seine Eltern für das emotionale Gewicht der Episode sorgen, schreibt man für Jamie und Claire ein paar Momente, in denen man Wortwitz erleben kann. Gleichzeitig gibt aber auch das Wiedersehen mit Laoghaire und somit eine weitere Verbindung zur Vergangenheit. Die Szenen mit diesem recht unliebsamen Charakter können zwar nicht an die der Murrays heranreichen, doch es gibt dem Zuschauer ein gutes Gefühl, dass Jamie in Bezug auf die Ehe mit Laoghaire nun endlich ein reines Gewissen hat.

Dass der Abschied von Lallybroch sich in derselben Episode ereignen wird, wie die Ankunft dort, kommt ziemlich überraschend. Auf den ersten Blick halte ich nicht viel davon, dass Claire und Jamie nun getrennt werden. Die Beweggründe dahinter kann man durchaus nachvollziehen, da Claire aufbricht, um Lord John Grey zur Seite zu stehen, während Jamie seinen Freund aus Kindertagen nicht zurücklassen will, bevor er seinen letzten Atemzug getan hat. Dennoch funktioniert die Geschichte immer dann am besten, wenn sie von der Dynamik zwischen Caitriona Balfe und Sam Heughan leben kann und die Liebe zwischen Claire und Jamie zu spüren ist. Zwar gibt die Trennung der Handlung die Möglichkeit, Spannung bis zur Wiedervereinigung aufzubauen, doch da man als Zuschauer immer im Hinterkopf hat, dass es nichts gibt, das Claire und Jamie endgültig auseinanderbringen kann, gibt es nie einen Zweifel daran, dass sie unbeschadet zueinander zurückfinden werden.

Kommen wir nun zum zweiten Teil der Episode, in dem wir Roger und Buck auf der Suche nach Jem begleiten. Das Drehbuch ist einfach fabelhaft, da man während der ersten Szenen jeden Augenblick damit rechnet, dass Roger und Jamie sich gegenüberstehen werden. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mit diesem massiven Plot Twist gerechnet, als Roger an die Tür von Lallybroch klopft und ihm dort niemand geringeres als Jamies Vater öffnet. Er befindet sich in der falschen Zeit! Herrje, so etwas ist bei all den Zeitreisen, die wir erleben durften, noch nie geschehen und das wirft so unglaublich viele Fragen auf. Wohin hat es Rob und Jem verschlagen? Wurde die Reise nicht von Roger, sondern vielleicht von Buck gelenkt und deshalb sind sie in ein anderes Jahr gereist? Woher weiß Roger, ob Jem sich wirklich in diesem Jahr befindet und nicht in der gleichen Zeit wie Claire und Jamie? Oder ist Jem vielleicht in eine Zeit gereist, die wir ebenfalls noch nicht kennen? Wird Roger diesbezüglich Kontakt zu Brianna aufnehmen wollen und können? Es geht heiß her im Jahr 1739 und das Ende der Episode toppt beinahe noch die Entdeckung über den Sprung in die falsche Zeit. Denn urplötzlich finden sich Roger und Buck Auge in Auge mit Geillis wieder. Die Ereignisse überschlagen sich hier förmlich und verheißen große Abenteuer.

Randnotizen

  • Es war urkomisch, wie Claire ihren Mann wegen Laoghaire aufzog, besonders wenn man an die turbulente Vergangenheit der drei denkt.
  • Die Faszination, mit der Ian von seinen Neffen und Nichten begrüßt wurde, ohne dass sie vor seinem ungewöhnlichen Aussehen zurückschrecken, war entzückend.
  • Es freut mich, dass Layla Burns noch einmal in die Rolle der Joan MacKimmie geschlüpft ist und dass man hier nicht neu casten musste.
  • Die Murrays haben auf Claires Offenbarung, aus einer anderen Zeit zu stammen, ganz gut reagiert.
  • Buck scheint die Zeitreise nicht gut überstanden zu haben. Ob Geillis ihn wieder aufpäppeln kann?
  • Noch weiß Buck es nicht, aber er hat soeben seine Mutter kennengelernt.
  • Rogers Gedanken zu hören, war äußerst lustig.
  • In welchem Buch befinden wir uns eigentlich gerade? Nach so vielen Verwicklungen und Cliffhangern habe ich die Orientierung verloren.
  • Wie wird man Brianna in die Geschichte integrieren? Werden wir sie künftig auf Lallybroch erleben, oder wird sie spontan doch noch ihrem Mann nachreisen?
  • Die Schlussszenen beider Handlungsstränge waren äußerst stark: der alte Ian winkt seinem Sohn zu Abschied mit der Gewissheit, ihn nie wiederzusehen und Roger blickt in das Gesicht seiner Vorfahrin.

Fazit

Die erste Hälfte der siebten Staffel von "Outlander" war geprägt von der Sehnsucht nach Zuhause, dem Krieg, neuen Charakteren und veränderten Lebensumständen. Nun gibt man uns eine absolute Wohlfühl-Episode, die gleichzeitig emotions- und spannungsgeladen ist. Das Wiedersehen mit vielen vertrauten Gesichtern rundet das Bild von Heimat perfekt ab.

Marie Müller - myFanbase

Die Serie "Outlander" ansehen:

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