Bewertung: 4

Review: #18.07 Today Was A Fairytale

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Selten hat sich ein Episodentitel für mich derart zynisch angefühlt, denn die Folge #18.07 Today Was A Fairytale entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine merkwürdige Bizarro-Welt, in der vieles, was sich bis vor kurzem als positiv und potenzialvoll anbahnte, nun seltsam und konstruiert anmutet.

Da ist zum einen natürlich die Tatsache, dass man nun auf Teufel komm raus aus Jo und Link ein Liebespaar zaubern möchte, obwohl man nun die vergangenen drei Staffeln die beiden sehr schön als beste Freunde zeichnete, die eine platonische Liebe teilen. Von Links ehemaligen Gefühlen für Jo war bis zu dieser Folge noch nie die Rede und wäre doch sicherlich zu Beginn seiner Zeit in Seattle doch mal thematisiert worden. Nun berichtet er Jo davon, die plötzlich, ohne, dass sich davor jemals abgezeichnet hätte, dass sie an Link romantisch interessiert sein könnte, ins Nachdenken kommt und einen ersten Versuch unternimmt, ihre Freundschaft mit Link in romantische Wege umzuleiten. Das kommt noch überstürzter daher als der Fall des Prinzen von Rapunzels Turm. Hätte man nun eine Storyline eingeleitet, in der Jo sich ihren Gefühlen erstmals für Link bewusst werden würde, hätte ich mich vielleicht für diesen, nennen wir es mal freundlicherweise, Twist begeistern können. Doch das Tempo, das von einem "ew" zu Beginn der Folge, als sie und Link für ein Paar gehalten werden, zu einer halben Liebeserklärung sowie einer enttäuschten Reaktion auf Links anhaltende Liebe zu Amelia am Ende, durchlaufen wird, ist einfach zu hoch, als dass hier irgendeine logische Abfolge von Ereignissen erkennbar wäre. Stattdessen scheint eine weitere, wunderbare platonische Freundschaft für eine romantische Beziehung plattgemacht zu werden, was mich verwirrt und enttäuscht zurücklässt. Hätte man nicht für Jo, ähnlich wie für Meredith oder Amelia, einfach ein Love Interest zur Serie hinzufügen können?

Apropos: Letztere baut ihre Annäherung mit Kai immer weiter aus. Da man hier schon seit einigen Folgen aber die Flirts und die Vertiefung ihrer Beziehung weiter ausbaut, ist es hier auch einfach, mitzufiebern und gespannt zu sein, wie das Ganze weitergeht. Im Moment finde ich die Beziehung vor allem spannend wegen Amelia und weniger, weil ich Kai als interessanten Nebencharakter empfinde. Kai hat zwar durchaus interessante Attribute, doch es ist mehr Caterina Scorsone und weniger E.R. Fightmaster zu verdanken, dass die Funken in den gemeinsamen Szenen förmlich so zu sprühen scheinen. Darüber hinaus empfinde ich die gemeinsame Arbeit an dem Projekt als den spannendsten Aspekt ihrer Beziehung, da Amelia und Kai einfach ein kongeniales Team abgeben, das sich gegenseitig zu immer höheren Leistungen antreibt. Nur so ist der große Durchbruch in Hamiltons Forschung möglich; einer OP an Hamilton scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Generell scheint Meredith, die mit der Aufgabe zwar ursprünglich betraut wurde und sich immer wieder mit Hamilton rumschlagen muss, wenig verantwortlich für den Erfolg des Projektes zu sein, was durchaus schade ist. Nachdem man Meredith nun viele Jahre als medizinische Größe aufgebaut hat, finde ich es irgendwie bedenklich, dass man sie in dieser Staffel nicht gemeinsam mit Kai und Amelia arbeiten, sondern vor allem Zeit mit Nick verbringen lässt.

Aus Nick werde ich leider immer weniger schlau, was auch meine Sympathie für ihn sinken lässt. Dass er Meredith gegenüber verschweigt, dass sie seinen besten Freund operiert und dieses Schweigen als Rücksichtsmaßnahme ihr gegenüber darstellt, falls bei der OP etwas schieflaufen könnte, wirkt wie ein merkwürdiger Versuch, seine kommunikativen Schwierigkeiten wegzuerklären. Nicks Abgelenktheit und emotionale Involviertheit waren von Anfang an deutlich zu erkennen (obwohl das Meredith seltsamerweise nicht tut) und dass er Meredith hier nicht gleich zu Beginn mit offenen Karten begegnet ist, halte ich für einen klaren Vertrauensbruch, über den in dieser Folge einfach hinweggegangen wird. Einzig und allein Merediths kleinem Monolog, dass sie zu jeder*m Patient*in einen persönlichen Bezug aufbaut und somit das Retten jedes Leben für sie persönlich ist, ist es zu verdanken, dass diese Storyline auch gute Momente beinhält. Und ja, die Chemie zwischen Ellen Pompeo und Scott Speedman bleibt weiterhin grandios. Doch hätte es nicht leichtere Wege gegeben, Nicks Charakter etwas Tiefe mehr zu verleihen? Durch den Versuch dieser Folge konnte nämlich nicht ausgeglichen werden, dass Scott Speedman auch weiterhin vom restlichen Cast ferngehalten wird und somit die Beziehung von Meredith und Nick wie ein Spin-Off innerhalb der eigentlichen Serie wirkt.

Darüber hinaus passiert…wenig bis nichts Neues. Bailey und Co. sind immer noch auf der verzweifelten Suche nach Frischfleisch für das Krankenhaus und inzwischen kann ich es nicht mehr hören, dass an allen Enden Ärzt*innen fehlen. Auch hier wirkt es unstimmig, dass das Grey + Sloan Memorial einerseits zu den Top-Krankenhäusern im Land zählen soll und andererseits keine*r der Studierenden mehr über das Ausbildungsprogramm hören will. Generationenwechsel hin, Pandemie her, eine potenzialvolle, auflockernde Storyline wurde mittlerweile so weit ausgenutzt, dass ich sie für auserzählt empfinde. Vielleicht (hoffentlich!) ändert sich das nun durch den Top-Assistenzarzt, den Meredith für Bailey aus Minnesota anheuert und der ja durchaus die Qualitäten, nach denen Bailey in den Studierenden gesucht hat, verkörpert.

Ein Drittel der Staffel ist mittlerweile rum und bestimmt merkt man es meinen Worten an: Ich bin frustriert. Vieles hat sich anders entwickelt als die ersten, großartigen Folgen anklingen ließen, während mittlerweile größtenteils die großen Highlights ausbleiben. Die spannende und mitreißende Storyline um Farouk musste beispielsweise diese Woche aussetzen und hätte vielleicht mehr aus dieser Episode rausholen können. Aber so lange man den Fokus auf Paare setzt, die keine sein sollten (Jo und Link), Geschichten einfach ohne wirklichen Grund zu beenden scheint (Stichwort: Amelia und Link) sowie ansonsten vielen Figuren einfach gefühlt nix zu tun gibt (Maggie, Winston), bleibt die Spannung auf der Strecke und lässt die Lust an der Serie wieder vergehen.

Lux H. - myFanbase

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