Bewertung: 8

Review: #17.08 Bis an unsere Grenzen

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Bereits die letzte Folge war deprimierend anzusehen. Trotzdem stand dort noch der Kampf um Andrews Leben im Vordergrund, auch wenn dieser letztendlich vergebens war. Nun folgen die Konsequenzen dieses Ereignisses und nachdem Andrews letzte Handlungen mal eben in die "Seattle Firefighters"-Episode gepackt wurden und dementsprechend viele "Grey's Anatomy"-Zuschauer um diese Szenen betrogen wurden, war ich umso positiver überrascht, wie stark sich in #17.08 It's All Too Much noch einmal auf ihn konzentriert wird. So sehen wir praktisch jeden Charakter mit Andrews Tod kämpfen. Dabei war es nicht nur sein Tod an sich, vielmehr war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Jeder der Charaktere hat sein eigenes Päckchen an Pandemie-Leid zu tragen und es wird und wird einfach nicht kleiner. Und so erleben wir eine Belegschaft, die in ihrer Trauer gefangen ist – und trotzdem irgendwie weitermachen muss. Die Episode verweilt in diesem Trauerprozess, zeigt seine verschiedensten Facetten und Ausprägungen auf, nur um dann am Ende mit dem Memorial einen ergreifenden Schluss zu setzen.

Happy "All our friends are dying"-Day

Jeder kommt emotional an seine Grenzen und das wird während der Folge schonungslos durchleuchtet. Selbst bei Amelia und Link kommt es zum Krach, wobei die beiden das toll gelöst haben. Link merkt, dass er Abstand braucht, bevor er etwas sagt, das er vielleicht bereut. Gleichzeitig versichert er Amelia aber auch, dass er zurückkommen wird. Amelia wiederum besteht darauf, dass er ehrlich zu ihr ist und ihr auch die Seiten von sich zeigt, die er bisher vor ihr verborgen hat. Amelink bleibt also weiter krisenfest. Links kleiner Abstecher zu Jo war währenddessen fast so etwas wie ein Lichtblick in der Episode. Zusammen mit Jackson gefallen mir die drei richtig gut und ich hoffe, dass wir noch mehr Szenen von ihnen zu sehen bekommen. Allerdings sind die lustigen Momente gezählt und bald schleicht sich auch hier die harte Realität ein. Ihr Grüppchen scheint sich auf die Trauer-Methode des Verdrängens und Verweigern eingeschossen zu haben. Die F+-Beziehung von Jo und Jackson, die ja augenscheinlich prima zu funktionieren scheint. Jackson, der schon wieder mit dem Campen liebäugelt. Link, der sich hin und wieder in die Garage bzw. den Alkohol flüchtet. Trotzdem ist es Jos Rede, die einen komplett ernüchtern lässt. Wie sie erst noch ganz normal von verpassten Date-Chancen spricht und ihre Outfits präsentiert und im nächsten Moment über die Suche nach freien Plätzen für die ganzen COVID-Toten und nicht stattfindende Beerdigungen redet. Spätestens ab diesem Moment bin ich auch dafür, dass sie ihr Fachgebiet wechselt. Bisher fand ich es noch schade, dass sie so viel chirurgisches Potential sausen lässt, aber sie hat sich ein bisschen Glück einfach verdient. Ein bisschen Glück scheint Maggie auch in Winston gefunden zu haben, der jetzt auch am GSMH arbeitet und bereits voll und ganz in die Patchwork-Familie aufgenommen wurde. Es freut mich sehr für sie, dass sie endlich jemanden hat, der einfach für sie da ist und es schadet sicher auch nicht, dass er ein talentierter Arzt zu sein scheint.

Auch Richard und Catherine sind wieder zusammen zu sehen. Wie so oft ist Richards Blick eher auf das große Ganze gerichtet. Er arbeitet als Arzt im Gedanken an eine höhere Macht, mit dem Vertrauen auf etwas, das größer als er selbst ist und manchmal die letzte Entscheidung trifft. Auf Meta-Ebene könnte man hier auch wunderbar Parallelen zu den Zuschauern und Writern der Serie ziehen. Wir Zuschauer sind mehr oder weniger den Entscheidungen der Serienschreiber ausgeliefert. Und nach dem, was ich in den letzten Reviews und Kommentaren gelesen habe, herrscht auch hier zurzeit eher Ernüchterung. Sollen wir uns also Catherines Worte an Richard genauso zu Herzen nehmen? Wir können entweder nur die traurigen und schmerzhaften Dinge sehen, oder uns eben stattdessen auf die guten und positiven Momente konzentrieren? Wie dem auch sei, Richard kann mal wieder – wie so oft in Krisensituationen – das Ruder übernehmen und Bailey damit in ihre mehr als verdiente Auszeit starten.

Das größte Sorgenkind ist am Ende wohl Teddy. Zurzeit mag ich zwar nicht allzu viel mit ihr anfangen zu wissen, trotzdem tat sie mir einfach leid, wie sie da völlig alleine auf dem Bürgersteig saß. Umso deutlicher alleine, da alle anderen entweder bei ihrem Partner, oder eben zumindest in der Distanz-gerechten Menge standen. Gewissermaßen sicher auch ein Sinnbild dafür, wo sie gerade im großen Ganzen der Krankenhausfamilie steht – irgendwie am Rand. Das, gemeinsam mit ihren Visionen von DeLuca, den sie überall noch zu entdecken scheint, lässt mich darauf schließen, dass dieses Erlebnis ihr nun den letzten Schlag verpasst hat. Ob es nun PTSD oder etwas anderes ist, werden wir wahrscheinlich in der nächsten Folge erfahren.

"They need you to fight. We all need you to fight." – "I don't know if I can. It's so warm here. It's so relaxed."

Erneut sehen wir Derek an Merediths Strand fischen und dieses Mal dürfen sie auch wieder miteinander agieren. Wie auch in ihren bisherigen Szenen haben die beiden nichts an ihrer alten Chemie eingebüßt. Doch selbst der Traumstrand bleibt nicht ganz vom Schmerz der Außenwelt verschont, denn so schön es auch war, Derek begeistert von seinen Kindern erzählen zu lassen, so deutlich zeigt es auch auf, dass das alles Dinge sind, die ihm und ihnen in der realen Welt verwehrt wurden. Zola, die ihrem verstorbenen Vater Briefe im Wandschrank schreibt, Ellis, die ihn nicht einmal kennenlernen konnte. Es waren idyllische Szenen, in denen die beiden über ihre Kinder sprechen, nur ließen sie einen eben auch sehr wehmütig werden. Umso aufregender war da die plötzliche Unterbrechung von Hayes, der es doch glatt schafft, Merediths selbstkonstruiertes Paradies zu durchdringen. Ich fange am besten gar nicht erst an, zu interpretieren, wie man Dereks nur allzu motivierte Aufforderung, Hayes zuzuhören, deuten kann. Auf jeden Fall war dieser Derek am Strand sehr dafür, dass Meredith ihre Entscheidung selbst treffen soll: Will sie zurück oder geht sie mit ihm mit? Im deutlichen Gegensatz dazu steht Hayes, der Meredith eindringlich bittet, für ihre Familie – für alle – zu kämpfen. Und wenn es etwas gibt, das Meredith Grey kann, dann ist das kämpfen. Dennoch sieht man sie am Ende der Episode neben Derek auf dem Baumstamm sitzen – wohl so nahe nebeneinander wie noch nie. Ob das ein gutes Zeichen ist?

… und doch gibt es Hoffnung?

Keine Frage, die Episode war mehr als herzzerreißend und ich bin sicher nicht die Einzige, die nicht ohne Taschentücher durchgekommen ist. In all dem Schmerz schwang aber auch immer etwas Hoffnung mit. Seien es die Charaktere, die einander Trost spenden; Levi und Nico; Maggie, die Taryn Helm einen kurzen Moment des Miteinanders ermöglicht oder die Mitarbeiter des Krankenhauses, die sich gemeinsam an Andrew erinnern. Sein Memorial am Ende hat alle noch einmal vereint und in gewisser Weise einen Schlussstrich gezogen. Sicher wird die Trauerarbeit damit nicht erledigt sein, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es in den nächsten Folgen etwas Bergauf geht (nun gut, zugegeben… viel deprimierender kann es ja auch nicht werden).

Fazit

Letzten Endes war diese Episode ein gelungener, wenn auch schrecklich trauriger Abschied für Andrew DeLuca und Giacomo Gianniotti, den wir glücklicherweise am Schluss noch einmal von seiner besten Seite sehen konnten: In dem kurzen Vorstellungsinterview, in dem er begeistert von der einmaligen Chance spricht, vielleicht auch bald am GSMH mit all den großartigen Ärzten zu arbeiten, die nun um ihn trauern. I will give you the very best of me. Das hat er definitiv getan.

Denise D. - myFanbase

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