Bewertung: 6

Review: #16.10 Help Me Through the Night

Foto: Grey's Anatomy
Grey's Anatomy

Nach dem großen Cliffhanger des Winterfinales knüpft "Seattle Firefighters" mit #3.01 I Know This Bar direkt an die Geschehnisse an und zeigt die mühselige Rettung der Barbesucher. Während hier also eher Action und Aufregung im Zentrum stehen, bleibt es an "Grey's Anatomy" #16.10 Help Me Through the Night, sich um die physischen und psychischen Schäden des Unglücks zu kümmern.

Das ist bei Seattle Firefighters passiert:

Am Anfang meiner Review baue ich mal einen kurzen Überblick über die "Seattle Firefighters"-Episode ein, für all diejenigen, die den ersten Teil des Crossovers nicht gesehen haben. Zusammenfassend kann man sagen, dass hier nichts Großartiges verpasst wurde. Im Gegenteil, "Seattle Firefighters" präsentiert sich eher wieder wie in seiner schwachen Anfangsphase: Viel chaotisches Beziehungschaos, schlechte Stimmung unter den zerstrittenen Pärchen und ein beunruhigendes Maß an Privatangelegenheiten bei der Arbeit. Besonders in Rettungsberufen sollte man doch erwarten, dass die Retter sich zumindest während des Einsatzes soweit zusammenreißen können, um produktiv zusammenzuarbeiten.
Ansonsten dominiert die Rettung der eingesperrten Barbesucher die Episode. Während die Feuerwehrleute alles versuchen, um sich einen Weg in die Bar hinein zu verschaffen, befinden sich in der Bar die Charaktere von "Grey's Anatomy" (von Ben und Pruitt Herrera mal abgesehen). Zufälligerweise sind es nur die Assistenzärzte, die beim Unfall verletzt werden. So übernehmen Jackson, Ben und Herrera die Leitung über die Situation. Während letztere an solche Situationen ja gewöhnt sind, fand ich es umso interessanter zu sehen, wie sicher und souverän Jackson mit der Lage umgegangen ist.

Abgesehen von der Rettung bekommen wir in der Folge über mehrere Flashbacks noch zu sehen, wie die Wache 19 eine Babyparty für Bailey und Ben schmeißt. Das war zwar nett anzusehen, wirklich in die Folge gepasst hat es aber nicht. Es kam mir eher so vor, als wollte man die doch recht plötzlich abgebrochene Storyline mit Baileys Schwangerschaft jetzt noch schnell etwas ausschmücken. Dafür wäre eine normale Folge aber wohl geeigneter gewesen, als eine Specialfolge, bei der man eigentlich nur wissen wollte, wie die anderen gerettet werden.

Und es geht weiter ins Krankenhaus...

"Whatever we're feeling. We put it aside and we work."

Wir wechseln die Serie und kaum ist der Fokus wieder komplett auf den altbekannten "Grey's"-Charakteren, kann das Crossover einen auch emotional wieder mehr abholen. Dabei können vor allem Bailey und Levi überzeugen, die beide auf ihre Art und Weise im Zentrum des Geschehens stehen. Bailey ist logischerweise noch völlig von ihrer Fehlgeburt gezeichnet, schiebt das allerdings so gut wie möglich beiseite, um in der Ausnahmesituation weiter funktionieren zu können. Das Ganze hat mich an Meredith in #6.24 Der Tod und seine Freunde (2) erinnert, die Ähnliches durchgemacht hat. Passenderweise wurde das indirekt auch am Ende der Folge angesprochen. Trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, bis die Krise überwunden war und Bailey die Realität wieder komplett einholt. Hier hat es mich sehr gefreut, dass Ben Richard angerufen hat, um für sie da zu sein, wo er es nicht konnte. Und Richard ist da, als Bailey verzweifelt ihren Verlust betrauert, der nur umso ungerechter erscheint, da sie nichts tun konnte.

Währenddessen muss Levi mit ansehen, wie der Großteil seiner Kollegen (und Freunde) beim Unfall verletzt werden. Überhaupt war die Folge ein Showcase für die Assistenzärzte, die immer wieder gerne in den Hintergrund treten. Dabei war es natürlich umso schöner, als letztendlich keiner von ihnen größeren Schaden genommen hat. Trotzdem war Levis Stressreaktion nur allzu verständlich und er konnte einem durchgehend nur leidtun, immerhin war er so mit der Einzige von ihnen, der das ganze Drama komplett mitbekommen hat. Immerhin hat man die Gelegenheit genutzt und die überaus leidige Geschichte mit Levis Schuld an Merediths Rauswurf aufgelöst. Das war von Vornherein einfach hässlich und unfair. Da hat es mich sehr gefreut, dass vor allem auch Taryn ihm verziehen hat und stattdessen die Freundschaft der beiden wieder in den Vordergrund rückt.

Wohl etwas politischer motiviert, war die PTSD-Storyline von Casey. Gerade in Amerika sind Veteranen und ihre mehr schlecht als rechte Betreuung immer wieder ein großes Thema. In der Serie hat man das bis jetzt hauptsächlich bei Owen miterlebt, aber nachdem auch Teddy im Krieg war, war es nur passend, dass sie sich Casey angenommen hat und ihm helfen konnte.

So viel zu den relativ neuen Storylines, die überzeugen und mitreißen konnten. Im Gegensatz dazu stehen die alten Beziehungsgeschichten, die sich nach wie vor wie bei einem Tennisspiel hin und her bewegen. Im Laufe dieser Folge haben sich Owen und Tom (der - oh Wunder - mal wieder beweisen musste/konnte, dass der nicht das Scheusal ist, für das ihn einige halten) endlich angenähert (übrigens auch von Tom aus, ich sag's ja nur), nur um kurz darauf durch Owens Heiratsantrag vermutlich wieder einen deutlichen Dämpfer zu bekommen. Tja, der Heiratsantrag. Gerade nachdem zuvor noch erwähnt wurde, wie Owen von seinen Verpflichtungen festgehalten wird, wirkt dieser weniger wie eine romantische Geste und mehr wie eine rote Fahne. Natürlich ist das Teddy, die praktisch von Anfang an die Traumfrau schlechthin für ihn war. Trotzdem traue ich dem Ganzen noch lange nicht. Dafür ist einfach zu viel geschehen. Nicht zu vergessen Amelia, deren plötzliche Erkenntnis, dass ihr Baby vielleicht (oder sicher??) doch nicht von Link ist, hundertprozentig noch für Ärger im Paradies sorgen wird. Während mich die Beziehung von Teddy und Owen herzlich wenig interessiert, tut mir die Sache für Link und Amelia schrecklich leid. Und wieder einmal frage ich mich, ob man wirklich jeden möglichen Drama-Weg nur des Dramas wegen einschlagen muss und warum man nicht einfach mal etwas Frieden herrschen lassen kann.

Randnotizen:

  • Maggie wird nun wegen des Todes ihrer Cousine verklagt, gerade nachdem sie sich für einen Moment wieder besser gefühlt hat. Auch das kann eine ganz hässliche Wendung nehmen und ich kann nur hoffen, dass es keinen Keil zwischen sie und Richard treiben wird.
  • Jos kleiner Babydiebstahl ist um einiges unspektakulärer abgelaufen, als ich es erwartet habe.
  • Apropos unspektakulär... da ist ja noch der große Alex-förmige Elefant im Raum. Nach Justin Chambers überraschender Nachricht über die Winterpause, dass er der Serie den Rücken zukehrt, stellt sich nun natürlich die Frage: Wie? Die letzte Folge mit ihm soll ja bereits ausgestrahlt worden sein, aber irgendwie wird man Alex' Verschwinden noch erklären müssen. Zeit für eine Runde Serien-Flaschendrehen: Serientod? Kümmert sich um die Mutter? Mit Izzie durchgebrannt? Leiter eines neuen Krankenhauses in Land X? Einfach nicht mehr vom Zigarettenholen zurückgekommen? Die Möglichkeiten sind zahlreich, das ändert aber nichts an meiner Verbitterung über die ganze Sache.
  • Ich bin ja immer noch auf Andrews Seite. Was ist denn so verwerflich daran, endlich mal wissen zu wollen, woran man eigentlich? Merediths bisherige Traumata hin oder her.
  • Bedeutet Owen und Richards "Gastauftritt" am Grey + Sloan, dass wir womöglich die doppelte Krankenhaus-Storyline allmählich hinter uns lassen können und stattdessen bald wieder eine Cast-Fusion zu sehen ist?



Fazit

Auch wenn die Folge jetzt nicht überragend war, im direkten Vergleich mit "Seattle Firefighters" fällt leider nur noch deutlicher auf, wie groß die Qualitätsunterschiede bei den beiden Serien doch sind. Nach wie vor steht und fällt alles mit den Charakteren und deren Writing, und da kann der Spin-off lange nicht mithalten. Von dem her frage ich mich, ob man sich bei der Kooperation der Serien wirklich einen Gefallen getan hat. Das Grundkonzept – erst die Rettung, dann geht's weiter im Krankenhaus – das zum Beispiel das Chicagoverse wunderbar umgesetzt hat, ist gar nicht schlecht. Nur bezweifle ich, dass viele "Grey's Anatomy"-Zuschauer nun dazu bewegt werden, eine Stunde früher einzuschalten.

Denise D. - myFanbase

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