Stranger Things - Staffel 3

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40,7 Millionen Menschen, die innerhalb der ersten vier Tage in die dritte Staffel von "Stranger Things" reingesehen haben sollen, sprechen eine deutliche Sprache. Diese Science-Fiction-Serie ist ein weltweites Phänomen und wird sich definitiv ein Platz in den Geschichtsbüchern verdient haben. Auch ich habe sehnsüchtig auf die Veröffentlichung auf Netflix hingefiebert, da man zu dieser perfekten Mischung aus Kinder- und Erwachsenendarsteller einfach zurückkehren will, denn man kann diese nur wie eine Familie empfinden. Dennoch hat man im Hinterkopf immer ein wenig die Befürchtung, dass er doch nur schlechter werden kann. Die meisten Serien liefern ihren Höhepunkt in den ersten Staffeln ab, da anschließend nur noch ein Einheitsbrei mit wenig Innovationen geboten wird. Wie schlägt sich nun also die dritte Staffel "Stranger Things"?

Foto: Maya Hawke, Stranger Things - Copyright: Courtesy of Netflix
Maya Hawke, Stranger Things
© Courtesy of Netflix

Die Serie startet unheimlich gemächlich in seinen dritten Durchgang. Da fast ein ganzes Jahr seit den letzten Ereignissen in Hawkins vergangen ist, muss man als Zuschauer erstmal in die neuen Gegebenheiten der Kleinstadt eingeführt werden. Das mutet an einigen Stellen etwas langweilig an, aber auf die ganze Staffel gesehen hat sich dieses Zeitnehmen definitiv gelohnt, da in der ersten Episode die wichtigsten Konstellationen für alles Weitere angelegt werden. Die wichtigste Neuerung ist sicherlich die Einführung von Robin (Maya Hawke), die mit Steve Harrington (Joe Keery) im Eissalon der Starcourt Mall arbeitet. Gleich zu Beginn fällt sie als frech und herrlich genervt auf. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und erweist sich im weiteren Verlauf der Handlung als unheimlich intelligent und wissbegierig. Da der Cast doch überwiegend aus männlichen Figuren besteht, ist es wirklich ein Gewinn, eine weitere weibliche Figur einzuführen, die eine so große Rolle spielen darf und dabei sofort einschlägt, denn das Internet war sofort voll von Suchanfragen zur Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke.

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Foto: Millie Bobby Brown, Stranger Things - Copyright: Courtesy of Netflix
Millie Bobby Brown, Stranger Things
© Courtesy of Netflix

Neu ist auch, dass diesmal nicht die Amerikaner Forschungen betreiben, sondern dass die Russen Hawkins infiltriert haben, um das Upside/Down zu öffnen. Zudem wird ein ganz anderer Blick auf das Schattenmonster geworfen. Hier sehe ich persönlich aber den größten Knackpunkt dieser Staffel. Die Russen als Gegner hatten durchaus etwas für sich, da eine Brandbreite an Charakteren angeboten wurde, so dass es nicht gänzlich in die Stereotypisierung eines Landes gerutscht ist. Da geht es vom Russen (Andrey Ivchenko), der aussieht wie Arnold Schwarzenegger, bis hin zum Wissenschaftler Alexei (Alec Utgoff), der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Mir hat aber gefehlt, dass überhaupt nicht geklärt wurde, was die Russen mit dem Schattenmonster und den Schrecken, die sich hinter Upside/Down verbergen, vorhaben. Auf der anderen Seite waren auch die Motive des Schattenmonsters zu oft im Verborgenen. Die Vernichtung von Eleven (Millie Bobby Brown) als härtester Gegner lag auf der Hand, aber die genaue Art der Besessenheit/Infizierung von anderen, die Verwendung der Chemikalien, das alles musste man sich mühsam selbst zusammenreimen. Insgesamt entsteht so der Eindruck, dass die Staffel perspektivisch sehr eng erzählt ist. Hier zählen definitiv nur die Helden.

Foto: Gaten Matarazzo & Joe Keery, Stranger Things - Copyright: Courtesy of Netflix
Gaten Matarazzo & Joe Keery, Stranger Things
© Courtesy of Netflix

Der Kampf gegen das Schattenmonster ist die zentrale Thematik der Staffel. Man kann sicherlich einwenden, dass ein wenig Innovation fehlt, da es im Prinzip immer um dieselben Wesen geht, so dass man schon immer grob die Entwicklungen der Staffel vorhersagen kann, aber dennoch finden die Duffer-Brüder und weitere Mitwirkende in diesem engen Rahmen immer wieder neue Ideen. Das Schattenmonster ist noch größer, noch ekliger und noch zerstörerischer. Auch die Erschaffung einer eigenen Armee und das Rätseln, wer wohl übernommen wird vom Schattenmonster, haben die Spannung dieser Staffel bestimmt. Spätestens wenn die Gruppe dann aktiv Pläne gegen das Schattenmonster schmieden muss, kann man sich dem Geschehen ohnehin nicht mehr entziehen, da wie immer wunderbar brutale Spannung, Ekelfaktor, Emotionalität und Humor Hand in Hand gehen. Daher bleibe ich auch dabei, dass "Stranger Things" letztlich eine wunderbare Familienserie ist. Unzweifelhaft gibt es Szenen, die man vor Kinderaugen verbergen möchte, aber da darauf sofort wieder ein auflockerndes Moment folgt, ist diese Ambiguität gut zu ertragen. Wo gibt es schon ein Leben auf Kampf und Tod und gleichzeitig ist immer noch Zeit für Dustin Henderson (Gaten Matarazzo), der mit seiner Freundin Suzie (Gabriella Pizzollo) das Titellied von "Die unendliche Geschichte" singt?

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Foto: Charlie Heaton & Natalia Dyer, Stranger Things - Copyright: Courtesy of Netflix
Charlie Heaton & Natalia Dyer, Stranger Things
© Courtesy of Netflix

Stranger Things" musste sich in der Vergangenheit einiges vorwerfen lassen. Kürzlich erst wurde das exzessive Rauchen kritisiert, das ist in dieser Staffel jetzt noch nicht behoben worden. Ein weiterer kritischer Aspekt war stets der starke Fokus auf die männlichen Figuren, wenn man Eleven mal ausnimmt. Davon kann in dieser Staffel nun gar keine Rede mehr sein, da es diesmal vor allem die weiblichen Figuren sind, die die Heldentaten verüben dürfen. Neben der bereits erwähnten Robin sind dies vor allem Nancy Wheeler (Natalia Dyer), Joyce Byers (Winona Ryder) und Erica Sinclair (Priah Ferguson). Ich kann mich zwischen den vier Damen gar nicht entscheiden, wer mir am besten gefallen hat, denn alle hatten wirklich unheimlich starke Momente. Wenn ich nur alleine an die überschlaue Erica denke, die wie eine besserwisserische weise Frau daherredet, könnte ich schon Tränen lachen. Wenn ich an Nancy denke, sehe ich eine junge Frau, die allen Widerständen zum Trotz ihren Weg geht und dabei ihren Freund Jonathan Byers (Charlie Heaton) problemlos in den Schatten stellt. Joyce wiederum löst sich etwas von dem Bild der beschützenden Löwenmutter und agiert mit einem beeindruckenden Wissensdurst. All das gipfelt natürlich in ihrem größten Moment, als sie Bürgermeister Larry Kline (Cary Elwes) körperlich zusetzt. Etwas schade finde ich, dass Karen Wheeler (Cara Buono) weiterhin auf dem Rollenbild der oberflächlichen und dummen Hausfrau verharren muss. Sie hat einen tollen Moment, als sie ihrer Tochter rät, ihrem Instinkt nachzugehen, aber das wird wieder ausgehebelt, als sie im Finale der Staffel nur wieder gut aussehen darf. Max Mayfield (Sadie Sink) wiederum war schon immer frech, fällt in dieser Staffel aber auch nicht im Besonderen auf.

Foto: David Harbour, Stranger Things - Copyright: Netflix
David Harbour, Stranger Things
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Neben dem Kampf gegen das Schattenmonster ist die Staffel wie alle davor auch von vielen zwischenmenschlichen Entwicklungen begleitet. Genauso wie Humor und Schrecken hier eng zusammengehören, so gilt dies auch für atemraubende Szenen in Zusammenhang mit den ruhigen Momenten. Die Beziehungen sind diesmal eng mit der beginnenden Pubertät der jüngeren Charaktere verbunden. Für die Jungs werden auf einmal Mädchen interessant, so dass es zu Eifersucht und Verlustängsten kommt. Das ist alles höchst authentisch abgebildet. Mir hat schon sehr das Herz geblutet, als die Clique rund um Mike Wheeler (Finn Wolfhard), Lucas Sinclair (Caleb McLaughlin), Will Byers (Noah Schnapp) und Dustin mehr und mehr auseinanderbricht. Ihr Zusammenhalt hat im Wesentlichen die ersten beiden Staffeln bestimmt und bildete damit auch das Herzstück. Aber dieses Auseinanderdriften erlebt man in der Realität immer und immer wieder, daher fand ich das hier passend aufgegriffen. Joyce und Jim Hoppers (David Harbour) Umgang miteinander war dann eher zum Schmunzeln. Mir persönlich hätte dieses Geplänkel aber zügig vonstattengehen können. Blickt man auf das Ende, bei dem natürlich noch wild spekuliert wird, wirkt es aber zunächst so, als ob doch gewisse Momente zwischen den beiden vertan wurden.

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Foto: Brett Gelman, Stranger Things - Copyright: Courtesy Netflix
Brett Gelman, Stranger Things
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Die Staffel hat sich durch sehr klare Gruppierungen ausgezeichnet, was ich einerseits gut fand, andererseits aber bemängeln möchte. Dass in der letzten Staffel Dustin und Steve zusammen wie eine Bombe eingeschlagen haben, war wohl die größte Überraschung. Daher war es nur logisch, dieses Zugpferd weiterhin zu nutzen, aber andererseits war Dustin die gesamte Staffel über von seinen Freunden isoliert. Nimmt man nun noch Staffel 2 hinzu, ist das wirklich eine verdammt lange Zeit. Hopper und Joyce zusammen (später ergänzt durch Murray Bauman und Alexei) konnten ohne Kinder natürlich mit einer erwachsenen Note angepackt werden, aber "Stranger Things" steht für mich eben für die perfekte Mischung aus jung und alt und das wurde doch vernachlässigt. Spätestens beim Zusammentreffen in der Mall hätte man ja neue Gruppierungen bilden können. Das wurde leider nicht gemacht, aber dennoch waren die weiterhin gebotenen Szenen natürlich unterhaltsam.

Das Finale der Staffel hat diese Bezeichnung auch wirklich verdient. Es war von Anfang bis Ende eine Achterbahn der Emotionen. Mir hat hier wahnsinnig gut gefallen, dass es keinen klassischen Cliffhanger gab. Natürlich gibt es die Post-Credit-Szene, aber die stößt ja eher Neues an, aber an sich ist alles Große abgeschlossen. Zudem hat man die atemlose Spannung nicht ganz bis zum Ende durchgezogen, sondern man hat uns Zuschauern Zeit gegeben, wieder zu Atem zu kommen. Dadurch wurde Platz frei für viele, viele Tränen. Die letzten Minuten der Episode waren so auf den Punkt perfekt, dass ich mir sie wohl immer wieder ansehen könnte. Das Finale beweist wirklich, dass die Macher alle Nuancen der seriellen Unterhaltung beherrschen.

Fazit

"Stranger Things" liefert wahrlich nicht die perfekte Staffel ab, aber es zeigt sich auf jeden Fall, dass man sich um die Zukunft der Serie keine Sorgen machen muss. Hier wird nichts langweilig, hier wird nichts immer wieder aufgekocht. Zudem zeigt sich in den Schwächen der Staffel, dass nicht grundlegend etwas falsch gemacht wird, sondern dass es teilweise nur Kleinigkeiten sind, die schon ein besseres Ergebnis erzielen können. Besondere Stärke sind aber grundsätzlich die Darsteller, die Chemie untereinander und die geniale Mischung aus allerlei Emotionen, die Episode für Episode zu einem Erlebnis machen.

Lena Donth - myFanbase

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