Bewertung: 7

Review: #18.02 Some Kind Of Tomorrow

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Es liegt Umbruchsstimmung in der Luft. So sehr die letzte Staffel von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" in den Fängen der Pandemie gesteckt hat, so deutlich ist jetzt – Post-Covid Zeitsprung sei Dank – die Erlösung der Serie zu spüren, die nun alle Fühler Richtung Zukunft streckt. Es ist allen Storylines anzumerken, dass der Fokus auf Veränderung und neuen Wegen liegt. Ein Aufwachen aus der Starre.

"Why would you walk away from this?"

Im Zentrum des Ganzen steht natürlich das einmalige Angebot von Meredith. Bereits in der letzten Folge wurde sie nach allen Regeln der Kunst von Dr. Hamilton umgarnt, um sie für sein Parkinson-Projekt zu gewinnen. Keine Frage, für einen ehrgeizigen Mediziner ist das ein Traumangebot. Es klingt natürlich auch verlockend: Ein riesiges Budget, ein topmodernes Labor samt talentierter Kollegen und die Möglichkeit, bahnbrechende Erfolge zu erzielen. Von dem her hat es mich auch überhaupt nicht überrascht, dass Amelia sofort Feuer und Flamme ist, immerhin scheut die ja nie vor spontanen Entscheidungen zurück. Ebenso verständlich war aber auch Merediths Zögern. Natürlich ist auch sie ehrgeizig, nicht zuletzt wird sie auch die Stimme ihrer Mutter im Kopf haben, die eine eindeutige Meinung zu dem Thema gehabt hätte. Und doch sieht sie eben auch die Risiken an diesem Unterfangen. Die eh schon begrenzte Zeit mit ihrer Familie, der Weg lange nach Minnesota und vermutlich sogar ganz an allererster Stelle: Die Versagensangst. Denn Harper-Avery-Award hin oder her, dies ist eine sehr ungewisse Sache. Zusammen mit dem bekannten Dr. Hamilton stehen Ruf und Karriere auf dem Spiel, sollte das Ganze scheitern. Aber sollte ihre Forschung Erfolg haben…

Ja, es ist eine Entscheidung, um die ich Meredith nicht beneide. Mit dem Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden. Nachdem die Sache so groß angekündigt wurde, wäre es einfach mehr als komisch gewesen, jetzt abzusagen. Mein erster Gedanke war, dass womöglich Amelia den Posten übernimmt, immerhin war die ja deutlich begeisterter und es würde etwas Abstand zwischen sie und Link bringen. Meine andere Idee, nämlich das ganze Projekt einfach nach Seattle zu bringen, wurde zumindest zu Teilen übernommen. Es macht Sinn, dass Dr. Hamilton sein supermodernes Labor nicht so einfach abgibt, doch Merediths Vorschlag, eine Art Zweitlabor aufzubauen und für die wichtigen Arbeitsschritte zu pendeln, scheint der passende Kompromiss zu sein. So kommen wir in den Genuss einer weiteren Location, ohne dafür die Charaktere und deren Leben zu sehr abspalten zu müssen. Ich habe mir schon lange gewünscht, dass Meredith wieder neue medizinische Wege einschlägt und ein Herzensprojekt findet und dieses – noch dazu zusammen mit Amelia – könnte genau das Richtige sein.

Nicht zu vergessen, dass in Minnesota jenseits der Medizin ja auch noch Nick Marsh wartet. Ich muss gestehen, dass ich diesen Charakter komplett vergessen hatte, auch wenn ich mich vage daran erinnere, dass da mal jemand war, der eine tolle Chemie mit Meredith hatte. Oder besser hat, denn die Szenen, die wir bisher zwischen den beiden zu sehen bekommen haben, haben ihren Eindruck bei mir hinterlassen. Das ist zwar recht enttäuschend für die jetzt lange angedeutete Beziehung zwischen Meredith und Cormac, die mir allmählich recht gut zusammen gefallen haben, letztlich hat mir dann aber doch das gewisse Etwas gefehlt, das bei Meredith und Nick in der Luft zu liegen scheint. Ob Zettel unter der Tür oder spontanes Date am See, es ist eine unkomplizierte Lockerheit, die die beiden umgibt. Keine Ahnung, ob man Merediths Liebesleben jetzt erst einmal etwas zurückschraubt und sie sich auf die Forschung konzentrieren lässt, oder ob man mit voller Kraft in Richtung neues Liebesdreieck steuert (bitte nicht). Schade ist es auf jeden Fall für Cormac, der nach wie vor noch nicht so richtig in der Serie angekommen ist, auch wenn man ihn immer mehr auch mit anderen Charakteren interagieren lässt.

"It feels good to be back."

Aber nicht nur Meredith macht sich auf zu neuen Ufern. Nachdem das Krankenhaus sich anhören konnte, wie schlecht ausgebildet ihre Assistenzärzte wären, sind Richard und Bailey bereit, das Ruder herumzureißen und wieder für Ordnung zu sorgen. Größtenteils diente das Ganze zur amüsanten Auflockerung der Folge, trotzdem fand ich die Szene sehr schön, als die anderen Levi bei seiner OP unterstützt haben. Es ist wahr, die jungen Ärzte mussten viel zurückstecken und ich hoffe, dass wir in dieser Staffel wieder mehr von ihrer Ausbildung zu sehen bekommen. Noch dazu, wenn das bedeutet, dass wir vielleicht den ein oder anderen interessanten Gaststar wiedersehen. Überhaupt stellt sich die Frage, ob wir bald einige neue Ärzte im Krankenhaus willkommen heißen dürfen. Auch wenn die Pandemie dort vorbei ist, ihre Nachfolgen sind noch zu spüren. Burn-Out, Depression, der Verlust der Freude am Beruf – das medizinische Feld wurde hier wohl mit am härtesten getroffen. Ob wir dies auch bei unseren Charakteren noch deutlicher zu sehen bekommen werden, oder es sich darauf beläuft, dass einige strukturelle und personelle Wechsel anstehen, das bleibt abzuwarten. Fürs erste bin ich gespannt, ob uns Megan dadurch auf längere Zeit erhalten bleibt und wer vielleicht noch zum Cast dazustoßen wird.

Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen und diese kommt gleich doppelt in Form von ungerechter Behandlung von Patienten, die beide auf längere Sicht potenzielle Storylines ergeben könnten. Einmal Noah, der durch seine Aufenthalte bei Militärmissionen gesundheitliche Schäden davongetragen hat, für die nun keiner aufkommen möchte. Es ist kein Geheimnis, wie schwierig es teilweise für Veteranen ist, die Hilfe zu bekommen, die ihnen eigentlich zustehen sollte, sei das nun Behausung, Wiedereingliederung ins normale Leben oder eben medizinische Hilfe. Mit mehreren Ex-Militärärzten in Cast gäbe es hier die Möglichkeit, in diese Richtung weiterzugehen. Und dann wäre da Rashida, die aufgrund veralteter, rassistischer Beurteilungsformeln nicht auf die Transplantationsliste gesetzt werden darf. Es ist schockierend, wie sich solche Formeln bis in die heutige Zeit halten können, ohne regelmäßig geupdatet und überprüft zu werden. Noch dazu, da sie über Leben und Tod entscheiden. Ich bin ja mal gespannt, ob man Winston vielleicht stärker in die Thematik einspannen will, womöglich in Zusammenarbeit mit Jackson. Vielleicht war es aber eben auch einfach nur das Thema des Tages und wird nicht wieder aufgegriffen. Auch das kennen wir ja zur Genüge.

Randnotizen:

  • Es freut mich sehr, dass Jo mit ihrem Fachrichtungswechsel nach wie vor zufrieden ist und ihr Glück mit Luna gefunden hat. Dass Link kurzfristig bei ihr wohnt, kann sicher auch nicht schaden, noch dazu, weil man so wieder mehr Szenen zwischen den beiden sieht.
  • Teddy und Owen gefallen mir inzwischen richtig gut zusammen, nachdem sie all das Drama hinter sich gelassen haben. Es ist toll, dass sie mit Leo ein wenig in Richtung Genderstereotypen gehen, gerne weiter so.


Fazit
Die neue Staffel ist bis jetzt erfrischend optimistisch und dynamisch. Mit Merediths Entscheidung haben wir vermutlich die erste große Storyline gefunden, die uns für die nächste Zeit begleiten wird. Der Kampf gegen Parkinson ist ein ehrgeiziges und sicher spannendes Projekt, das zusammen mit den neuen Charakteren und dem Ortswechsel viel Potenzial aufweist. Während Richard und Bailey ihren Fokus wohl erst einmal wieder auf die Ausbildung legen werden, ist der Weg der restlichen Hauptfiguren noch ungewiss. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt und freue mich schon jetzt auf diese Staffel!

Denise D. - myFanbase

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