Bewertung: 8

Review: #17.02 The Center Won't Hold

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Ich könnte jetzt natürlich so tun, als wäre der Cliffhanger dieser Folge nicht eines der unglaublichsten Dinge, die in den letzten Jahren bei "Grey's Anatomy" geschehen ist und könnte versuchen, mich erst auf die großen Themen dieser Episode zu konzentrieren und ihn erst am Schluss, betont unaufgeregt und gelassen, ansprechen. Aber – das wäre ungerecht euch und vor allem mir gegenüber, denn, verdammte Axt, Patrick Dempseys Rückkehr zur Serie ist nun mal eben eines der unglaublichsten Dinge, die in den letzten Jahre bei "Grey's Anatomy" geschehen ist!

Es ist ein richtig berührender Moment, der sogar mich, der Derek am Ende nicht mehr wirklich mochte, zum Weinen gebracht hat und mit dem niemand, nicht einmal die optimistischsten Fans, wohl gerechnet hätte. Patrick Dempseys Rückkehr schlägt in diese Folge ein wie eine Bombe – und dabei haben wir zuvor gesehen, wie Meredith bewusstlos auf dem Parkplatz zusammengebrochen ist! Ich lehne mich nun wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Meredith, nachdem sie wohl ziemlich alles, von einem Amoklauf bis zu einem Flugzeugabsturz überlebt hat, nun wahrscheinlich Corona bekommen hat. Es wäre natürlich der perfekte gut-wrenching-Moment, wenn ausgerechnet die Heldin, und somit das Gesicht der Serie, die erste mit dem Virus infizierte Figur im Serienuniversum wäre. Gleichzeitig wäre es ein deutlicher Fingerzeig auf die enormen Ausmaße dieser Krankheit: Wenn selbst die unbezwingbare und unsterbliche Meredith Corona bekommt, könnte das vielleicht einigen Zuschauer*innen erstmals beweisen, warum unser aller Leben seit acht Monaten nicht mehr normal verlaufen kann.

Zugegebenermaßen könnte man durch Dereks Auftritt leicht vergessen, dass Merediths Liebesleben zurzeit nicht das leichteste ist, denn das Love Triangle scheint nun endlich richtig loszugehen. Nachdem ich in Staffel 16 noch nicht davon überzeugt war, schaffen es diese und die letzte Folge ohne Probleme Merediths Verbindungen mit sowohl Andrew als auch mit Cormac zu thematisieren. Während die erste Folge sich vor allem mit Andrew auseinandergesetzt hat, liegt in der zweiten Folge der Fokus auf Cormac und das süße Hin und Her mit Meredith und ihre Gespräche über ihre Kinder konnten durchaus überzeugen. Allerdings darf auch Andrew Meredith gegenüber seine wiedergefundene Stabilität und Sicherheit demonstrieren und Meredith auf den Kopf zusagen, dass er offen für eine Fortsetzung ihrer Beziehung ist, ohne sie dabei unter Druck zu setzen. Spannend ist allerdings auch, dass Andrew ebenfalls betont, dass Meredith sein Leben gerettet habe, schlussendlich aber nicht derjenige ist, der diesen Gefallen erwidert, sondern Cormac es ist, der die bewusstlose Meredith findet.

Aber natürlich wird die meisten Zuschauer*innen nun nicht die Frage beschäftigen, ob nun Andrew oder Cormac der richtige für Meredith ist, zumindest vorerst, denn Dereks Auftritt stellt, wie gesagt, alles andere in den Schatten. Ich frage mich übrigens auch, ob Dereks Rückkehr wohl Denny-Durquette-mäßige Züge annehmen und das Liebesdreieck zu einem Liebesviereck mit Geist heranwachsen wird? Oder wird Patrick Dempsey nur so lange dabei sein, wie Meredith außer Gefecht gesetzt sein wird – immerhin sind bereits drei weitere Auftritte von ihm bestätigt? Ihr seht, der Cliffhanger wird mich so schnell nicht loslassen.

Annäherungen

Die Folge macht auch außerhalb der Storyline um Meredith einiges richtig: Die Entscheidung, auf Realität, statt auf Eskapismus zu setzen, erweist sich als große Stärke dieser Folge, denn die Thematisierung von Corona erlaubt es der Serie, Patientenfälle zu haben, die so berühren wie seit lange nicht mehr. Die Probleme, welche die Patient*innen haben, sind welche, die wir alle gerade teilen, wodurch sie zugänglicher, aber auch insgesamt spannender sind. Das beginnt bei Kleinigkeiten, wie die beiläufige Art, wie die Ärzt*innen den notwendigen Abstand thematisieren und geht weiter bis zu der Auflösung der Patientenfälle der letzten Folge. Nachdem die beiden Väter dort noch aufeinander losgegangen waren und somit die Entzweiung und das Gegeneinander durch Corona thematisiert wurden, steht der eine dem anderen beim Verlust seines Sohnes bei, wodurch die derzeitige Wichtigkeit von Solidarität hervorgehoben wird.

Doch nicht nur zwischen den Patienten kommt es zu einer Annäherung, endlich erfolgt die Wiedervereinigung von Catherine und Richard. Während diese Storyline eindeutig zu den schwächsten der letzten Staffel gezählt hat und allein durch Webbers Kobaltvergiftung aufgewertet wurde, wird sie nun zum Glück aufgelöst, wobei alle darin verwickelten Figuren einen positiven Eindruck hinterlassen dürfen. So wäscht Jackson in mehreren Flashbacks einem reumütigen und einsichtigen Richard den Kopf, während Maggie das gleiche bei Catherine tut und ihr klar macht, dass sie ihren Stolz runterschlucken soll. Zwar ist unklar, warum Richard nicht damals direkt nach Jacksons Ansprache agiert hat, aber immerhin zeigen Maggies Worte an Catherine sofort Wirkung, denn die vollzieht eine radikale Kurswende: Sie feuert Tom, gibt Webber dessen Job und entschuldigt sich bei ihm, woraufhin die beiden auch schon wieder zueinander finden. So schnell kanns also gehen. Nach dem Drama der letzten Staffel wirkt das nun vielleicht etwas überstürzt; ich bin aber ehrlich gesagt einfach nur erleichtert, dass wir uns nun wohl nicht mehr mit dieser Storyline rumschlagen müssen. Am besten kommt dabei übrigens Jackson weg, der mit seiner eindrücklichen Rede an Webber, indem er ihn unter anderem als seinen Vater bezeichnet, zu überzeugen weiß und so sympathisch wie seit mindestens drei Staffeln nicht mehr wirkt.

Das ewige Sorgenkind

Es ist aber natürlich nicht alles Gold, was glänzt und diese Folge hat eine einzige, aber leider nicht zu übersehende Schwachstelle und das ist und bleibt die Beziehung von Teddy und Owen. Insbesondere Teddy kommt hierbei erneut nicht gut weg und schafft es nicht, dass man sich in sie und ihren Gewissenskonflikt einfühlen kann bzw. es überhaupt möchte. In den Flashbacks belügt sie Owen weiterhin bezüglich ihrer Untreue, bis dieser sie selbst konfrontieren muss. In der Gegenwart hingegen suhlt sie sich in ihrem Selbstmitleid und fühlt sich von jeder Person im Krankenhaus verurteilt. Hier wird sie meiner Meinung nach auch Jo gegenüber ziemlich unfair, die ihr aufgrund ihrer Trennung von Alex Einblicke in das Innenleben von Owen zu geben versucht. Trotz ihrer bemüht romantischen Geste am Ende dieser Folge muss ich Owen aber recht geben: Teddy wirkt in ihrem Liebesgeständnis nicht glaubwürdig; sie scheint nicht wirklich zu wissen, was sie will und kann sich deswegen offenbar nicht auf die "einfache" Beziehung mit Owen einlassen. Das passt für mich einfach nicht wirklich zu einer Teddy, die beispielsweise mit Henry eine relativ unkomplizierte Beziehung geführt hat. Owen muss man tatsächlich zugute halten, dass er ihr eigentlich die Chance geben wollte, ihren Betrug zu gestehen; sein Verhalten in der Gegenwart verdeutlicht aber, dass für ihn die Sache erledigt ist und dass er sich keine Wiederaufnahme der Beziehung vorstellen kann.

Obwohl mich die Dynamik von Teddy und Owen in dieser Folge stark an die von Addison und Derek erinnert hat (insbesondere an die Szene, in der Derek Addison vor die Tür setzt), habe ich durchaus den Eindruck gewonnen, dass man den Fokus dieser Storyline auf eine Wiedervereinigung von Teddy und Owen legen will. Schließlich scheint die Sache zwischen Tom und Teddy so gut wie erledigt zu sein und Tom muss genau wie Teddy das Gespött der anderen über sich ergehen lassen. Tom wirkt in dieser Staffelpremiere sehr ungelenk und neben der Spur. Es ist überraschend, wie seltsam sang-und klanglos er von seinem Posten gefeuert wurde, den er in der letzten Staffel nicht gerade schlecht ausgeübt hatte. Auch hier würde ein Flashback vielleicht erklären können, warum Teddy und Tom offensichtlich kaum mehr etwas miteinander zu tun haben.

Kurze Eindrücke

  • Erneut beweist die Serie ihr politisches Feingefühl, indem Catherine und Maggie sich gegenseitig ihre Frustration bezüglich des schlechten Gesundheitssystems und dessen Implikationen für schwarze Menschen ins Gesicht schreien. Ein wunderbar gespielter und witziger Moment, der Catherine endlich wieder etwas sympathischer gemacht hat.
  • Amelia und Link liefern erneut die notwendige Auflockerung in dieser Folge. Wie die beiden plötzlich zu Eltern für vier Kinder gleichzeitig avanciert sind und gerade Amelia offensichtlich in der Mutterrolle aufgehen zu scheint, ist wunderschön mit anzusehen, gleichzeitig liefern sie mit dem Namenssuche-Flashback die witzigsten Szenen dieser Folge. Den Namen Scout finde ich zwar gewöhnungsbedürftig, war aber positiv überrascht, dass auch er den Zweitnamen Derek bekommen hat. Insgesamt stellen die beiden aber immer noch die süßeste und stabilste derzeitige Beziehung der Serie dar.
  • Maggie und Winston könnten allerdings den beiden so langsam Konkurrenz machen. Es ist einfach schön, Maggie nach all den unglücklichen Beziehungen endlich mit einem Partner zu sehen, der sie so mag, wie sie ist und sie nicht verurteilt. Dennoch könnte die Tatsache, dass die beiden eine Fernbeziehung pflegen, einiges zwischen ihnen verkomplizieren
  • Übrigens: Bin ich der einzige, der nicht wusste, dass Merediths Haus einen GARTEN hat?
  • In der letzten Folge fand ich es süß, wie besorgt sich Levi um Nico gezeigt hat; in dieser Folge hätte ich mich erneut über Nico und seine herablassende Art aufregen können. Seine Entschuldigung empfand ich als unaufrichtig und ich finde es schade, dass Levi sich auf den Sex mit ihm eingelassen hat, gerade, nachdem er sich in der letzten Staffel Nico gegenüber so behauptet hatte. Immerhin hat zumindest er die Maske bei ihrem Stelldichein aufgelassen.


Fazit

Abgesehen von wenigen Ausnahmen (Teddy und Owen, Nico und Levi) wirkt es so, als habe man aus den Fehlern der letzten Staffel gelernt: Sowohl die Wiedervereinigung von Catherine und Webber oder die Beziehungen von Maggie und Winston sowie von Amelia und Link wissen zu überzeugen. Zusätzlich dazu hat man mit der eindringlichen und hervorragenden Thematisierung von Corona und der Schock-Rückkehr von Patrick Dempsey einige großartige Eisen im Feuer, die unglaublich potenzialreich erscheinen. Im Moment wirkt es tatsächlich so, dass diese 17. Staffel, wie Ellen Pompeo es behauptet hat, eine der besten der Serie werden könnte und ich kann ehrlich gesagt die nächste Folge kaum abwarten.

Lux H. - myFanbase

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