Review: #8.07 Evidence of Things Not Seen

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Schon lange gab es keine "Outlander"-Episode mehr, die mich so zwiegespalten zurückgelassen hat. Sie trifft an einer Stelle genau des sensiblen Punkt der Zuschauer und beendet das Leben einer geliebten Figur. Doch an einer anderen Stelle ist von der emotionalen Wucht, die das Gesehene mit sich bringt, nichts mehr zu spüren und sie ist nur noch eine Aneinanderreihe von Erklärungen, um einen fragwürdigen Handlungsstrang zu erklären.
"The pen is our sword. And we can never lay it down."
Ich möchte mit dem Teil der Episode beginnen, der wunderbar geschrieben war, die Gefühle ordentlich in Wallung gebracht hat und der sich um Fergus dreht. Man zeigt ihn uns als liebevollen Familienvater, als Liebhaber und Ehemann, als heldenhaften Retter. Es ist eine wunderbare Hommage an eine Figur, die uns seit der zweiten Staffel begleitet, gespickt mit liebevollen Flashbacks und herzzerreißenden Momenten der Trauer. Nach seinem schockierend plötzlichen Tod gibt man der Wucht seines Verlustes genug Zeit und Raum, sich zu entfalten und wir erleben sowohl Marsali als auch Brianna dabei, wie sie um ihn trauern. Lauren Lyle und Sophie Skelton haben wirklich alle Kraft in diese Szenen gesteckt und können mit voller Überzeugungskraft widerspiegeln, was die Zuschauer in diesem Moment fühlen. Das Jamie zum Zeitpunkt von Fergusˈ Tod aus dem Schlaf hochschreckt, hebt ein letztes Mal die besondere Verbindung hervor, die er zu Fergus hatte. Fergus war sein erstes Kind und er war das einzige, an dessen Leben er von klein an viel teilhaben durfte. Der Tod von Fergus reist daher ein klaffendes Loch in die Familie, die Jamie sich aus Menschen aufgebaut hat, die nicht seine leiblichen Kinder waren. Doch an dieser Stelle beginnt die Überzeugungskraft der Geschichte leider zu straucheln. Warum gibt man Jamie nicht mehr zu tun, als im Angesicht des Kummers das Gesicht schmerzverzerrt zu verziehen? Herrje, Fergus war Jamies Sohn, da verdienen es Fergus und die Zuschauer doch wohl, dass Jamie nach dieser tragischen und vollkommen unvorhergesehenen Nachricht wenigstens am Boden zusammenbricht! Und was tut man stattdessen? Man holt ein Mädchen hinzu, das Jamie rät, einen Stein auf das Steingrab zu türmen. Ja, das war eine nette Geste, doch es lenkt den Fokus ab von dem eben erlebten Verlust.
An dieser Stelle muss man vielleicht noch erwähnen, dass der Tod von Fergus etwas ist, das es in der Romanvorlage von Diana Gabaldon nicht gibt. Im achten Band gibt es zwar ebenfalls ein Feuer in der Druckerei, doch dabei kommt nicht Fergus, sondern sein Sohn Henri-Christian ums Leben. Ich bin mir nicht sicher, warum die Autoren der Serie sich dazu entschlossen, die Handlung derartig drastisch abzuändern, haben sie sich – abgesehen von Murtaghs Tod – doch bisher stark an der Romanvorlage orientiert. Leider befürchte ich, dass es hier nur um den Schockmoment geht. Während Fergus in den Büchern noch einiges erleben darf, nutzt er der Serie so kurz vor dem Ende nicht mehr viel. Das "beste", was er jetzt noch leisten konnte, war zu sterben und so für großes Drama zu sorgen. Es ist sehr schade, dass man sich auf diese Weise von der Figur verabschieden musste und ich hoffe, dass ihm in Diana Gabaldons finalem und noch nicht erschienenen Roman "A Blessing for a Warrior Going Out" ein glücklicheres Ende beschert sein wird.
"A granddaughter who seemed to drop out of the sky."
So, nun kommen wir also zu dem Teil der Episode, der wahnsinnig konstruiert wirkt. Es war in #7.16 A Hundred Thousand Angels, als man plötzlich die Tür zur Vergangenheit aufstieß und in Aussicht stellte, dass Faith in #2.07 Faith nicht gestorben ist. Gleichzeitig zeigte man auch schon auf, dass man Jane und Fanny als Faiths Kinder darstellen möchte und man lies sich bis zu diesem Punkt der Geschichte Zeit, um dieses Mysterium aufzulösen. Es ist ein kontroverses Thema, das die Fans spaltet. Ich für meinen Teil mag die Idee, dass Claire und Jamie durch Fanny ein Stück von Faith bei sich haben und für mich ist es in Ordnung, dass Fanny – anders als in der Romanvorlage – wirklich ihre Enkelin ist. Was für mich jedoch überhaupt nicht funktioniert, ist der Weg dorthin. Dabei meine ich nicht nur die logischen Schritte der Erklärung der Geschichte, sondern gleichzeitig auch die Tölpelhaftigkeit, mit der man sie uns präsentiert. Es hat nichts mit Gerissenheit oder Überzeugungskraft zu tun, was man uns hier erzählen will, denn das ist leider so unglaubwürdig, dass man sich damit abfindet, lediglich eine Kette von Ereignissen zu erstellen, um uns das Ganze Schritt für Schritt glaubhaft zu machen: da war also Faiths Tod, dann kam Master Raymond und der brachte die nun wieder lebendige Faith zu der Spitzenmacherin gegenüber, wo er sie in Eile abgab und den Titel ihrer Mutter als Anhaltspunkt hinterließ, aber er war nicht so sehr in Eile, dass er nicht noch ein Liedchen hätte singen können. Und damit wir das auch wirklich glauben, zeigt man uns das in einem Flashback und gleichzeitig kommt Ians Brief mit dem Interview Janes an, in dem sie diese Geschichte berichtet, damit sie an Fanny weitergegeben werden kann. Tut mir leid, aber viel konstruierten könnte man das nicht darstellen. Es ist wirklich untypisch für die Serie, Dinge auf eine Art zu erzählen, als könnten die Zuschauer nicht bis drei zählen und gleichzeitig lässt man dabei auch noch den Teil des Mysteriums aus, der am unglaubwürdigsten ist: Faith Überleben. Wie kam es dazu? Warum lag Faith laaaaange tot in Claires Armen und warum beschloss Master Raymond, sie wiederzubeleben? War Mutter Hildegard Mitwisserin? Das macht hinten und vorne keinen Sinn und dass man uns das auch noch so plump unter die Nase reiben will, setzt dem Ganzen die Krone auf. Gleichzeitig bringt das alles keinen Mehrwert. Würden Jamie und Claire Fanny gegenüber weniger freundlich sein, wenn sie nicht ihre Enkelin wäre? Empfinden sie den Verlust ihres Kindes, schließlich ist Faith trotzdem tot, nun anders? Müssen wir nun damit rechnen, dass jeder Tod wieder rückgängig gemacht werden kann, sollten die Autoren sich Jahre später noch einmal umentscheiden? Ist den Autoren jetzt noch zu trauen, oder entwickeln sie sich auf den letzten Metern der Serie zu Schreibern von Seifenopern, bei denen jeder Tote wieder auferstehen kann? Und ist Faith wirklich tot – schließlich haben wir nicht gesehen, wie sie auf dem Schiff ums Leben kam – oder kommt in der finalen Episode eine große glückliche Familienvereinigung? Die Entscheidung, Faith von den Toten zurückzuholen bringt an diesem Punkt der Serie viel zu viele Fragen mit sich und obwohl man sich in der finalen Staffel bis zu dieser Episode Zeit lies, das Geheimnis um sie zu lüften, ist es am Ende keineswegs zufriedenstellend.
Logikfehler und zu kurz Geratenes
- Jamie zimmert einen Sarg für Fergus, was wirklich ein furchtbarer Anblick ist, denn keine Eltern sollten ihre Kinder zu Grabe tragen müssen. Aber warum braucht er den, wurde Fergus ohne Sarg den weiten Weg nach Frasers Ridge transportiert?
- Überraschung, Brianna ist schwanger! Ihr habt verpasst, wann das offenbart wurde? Es war in dem kleinen Wort "fünf", das sie am Ende ihres Gesprächs zu Roger sagte.
- Langsam ist es an der Zeit, damit aufzuhören, William in Situationen platzen zu lassen, die seine ganze Welt auf den Kopf stellen. Auch die Szene mit John und Percy ist ein Schockmoment, der die Handlung nicht wirklich bereichert. Nun muss William vor dem Serienende also die Kluft zu seinen beiden Vätern überwinden. Wird John sich in der Zwischenzeit um Captain Richardson kümmern?
- Wenn die Autoren die Offenbarung um Faith bereits in Staffel 7 geplant hatten, haben sie William dann in voller Absicht mit seiner Nichte schlafen lassen?
- Wenn Faith wusste, wer ihre Eltern sind, warum hat sie ihnen nicht einfach einen Brief geschrieben?
- Für Rachel und Ian war die letzte Episode hochemotional. Doch mit dieser Episode degradiert man ihre Reise nach New York und es wirkt so, als hätte man ihre Abwesenheit gebraucht, um die Sache mit den Notizen zu Janes Interview – natürlich Off-Camera – in die Wege leiten zu können.
- Jamie hat Kings Mountain besucht. Hat er davon irgendwelche helfenden Erkenntnisse davongetragen?
Fazit
Das war eine schockierende Episode. Einerseits wegen des Verlusts einer geliebten Figur und andererseits wegen der äußerst plumpen Art, mit der man die Faith-Storyline auflöst.
Marie Müller - myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: Evidence of Things Not SeenErstausstrahlung (US): 17.04.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Regie: Tracey Deer
Drehbuch: Toni Graphia
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