Review: #8.06 Blessed Are the Merciful

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#8.04 Muskets, Liberty and Sauerkraut war die Ruhe vor dem Sturm, in #8.05 Send for the Devil erlebten wir das Gewitter und #8.06 Blessed Are the Merciful befasst sich mit dem Durcheinander, das der Sturm zurückgelassen hat. Die Episode ist ruhiger als die vorangegangen und lebt nicht von intensivem Nervenkitzel. Das macht sie jedoch keinesfalls langweilig, denn man durchlebt die schmerzhaften Konsequenzen der getroffenen Entscheidungen und erschafft somit eine sehr intensive Episode.
"It is a wise man indeed who listens to his wife."
Was tut man mit Verrätern? Wie ist man konsequent? Wie zeigt man Stärke ohne Grausamkeit? Das sind drängende Fragen, mit denen sich die Frasers befassen müssen und über einige Umwege finden sie eine Antwort. Diese ist jedoch nicht die zuerst angestrebte Verbannung, denn damit hätte Jamie sich nur noch mehr Feinde gemacht, die auf Rache gesinnt hätten. Die Antwort ist Gnade, doch diese ist nicht zu verwechseln mit Freundlichkeit. Sie enthält keine Freude über das Ergebnis und ihre Empfänger brechen nicht in Jubelrufe voller Dankbarkeit aus. Die Gnade, die Jamie seinen Pächtern erteilt, geht mit Demütigung einher. Und genau diese Entscheidung führt dazu, dass Jamie gestärkt aus dieser Situation herausgeht. Das Gleiche Prinzip verfolgt er bei Charles Cunningham, dem er ebenfalls Gnade zu Teil werden lässt. Diese Gnade verdammt Charles zu einem tristen Leben in seinen eigenen Fäkalien, eine gerechte Strafe dafür, dass er Jamie an den Galgen bringen wollte. Man zeigt uns intensive Szenen des Grübelns und Abwägens. Die Entscheidungsfindung ist nicht leicht, da es keinen einfachen Weg aus der Sache heraus gibt. Wichtig ist dabei auch, dass Jamie sich hier sehr stark auf Claires Urteil verlässt und dadurch die ungewöhnliche Beziehung der beiden – ungewöhnlich für das 18. Jahrhundert – in der die Frau sich nicht von ihrem Mann herumkommandieren lässt. Es unterstreicht das, was Jamie in all den Jahren als Ehemann gelernt hat und obwohl man auf Jamies Entscheidung stolz sein kann, endet die Handlung mit einem mulmigen Gefühl. Man hat den ersten Gegner besiegt, doch im Hintergrund lauert mit Ferguson ein viel bedrohlicherer Feind. Einer, von dem wir uns bisher noch kein Bild machen konnten, doch dass es sich um den Endgegner der Serie handeln wird, steht dabei wohl außer Frage.
Die Handlung rund um Jamie funktioniert wunderbar und zeigt auf, dass jede Entscheidung, so gut sie auch sein mag, ihre Schattenseiten hat. Doch selbst diese Geschichte hat eine Schattenseite, denn während der Fokus auf Jamie enorm ist, geht Claire an seiner Seite leicht unter. In dieser finalen Staffel hatte Claire bisher noch keine Geschichte, die nur ihr selbst gehörte und sowohl letztes als auch dieses Mal steht sie nur als Stichwortgeber an Jamies Seite. Was ist mit der Ungewissheit um Faith, die seit #7.16 A Hundred Thousand Angels in der Luft liegt und was ist mit Claires Zauberkünsten aus #8.03 Abies Fraseri? Man setzt für meinen Geschmack zu wenig von dieser Figur ein, obwohl es in den wenigen verbleibenden Episoden noch so viel zu klären gibt.
Wo man bei Claire auf die Bremse tritt, gibt man bei Roger plötzlich enorm viel Gas. In nur einem Atemzug erklärt er Brianna, dass die Schlacht ihm eine Erkenntnis bezüglich seines Vaters brachte, die ihn zurück zu Gott finden ließ, wodurch es sich nun wiederum entschlossen hat, dass es Zeit ist für eine Priesterweihe. Ich will nicht behaupten, dass der Werdegang seiner Gedanken nicht schlüssig ist, doch man lässt der Geschichte zu wenig Raum, um sich zu entfalten, weshalb es ihr an der Tragkraft mangelt, die sie haben könnte. Auch dass man die eben gemachten Feststellungen abrundet, indem Roger und Brianna miteinander schlafen, passt nicht recht zu der spirituellen Stimmung, die man eben noch erschaffen wollte. Das ebenfalls etwas unrund daher kommt, ist Marions Brief an Roger mit der Erklärung, sie nun doch mit Waffen zu beliefern. Ich wusste nicht, dass Gott Bellizist ist.
Ein weiterer Teil, der Fragen aufwirft, ist die Handlung um William, die mit der Entdeckung einher geht, dass Benjamin Grey seinen eigenen Tod mit der Hilfe von Amaranthus vorgetäuscht hat – zumindest wissen wir jetzt, dass Amaranthus tatsächlich Benjamins Frau ist und keine Hochstaplerin. Wir kennen Benjamin zu wenig, um nachvollziehen zu können, ob seine Entscheidung charakterkonform ist, es macht jedoch keinen sonderlich überzeugenden Eindruck, dass ein Treffen mit Thomas Paine und das Lesen des Pamphlets "Common Sense" ausreichen, um den vaterlandstreu erzogenen Benjamin auf die Seite der Rebellen zu ziehen. Man kann an dieser Stelle anmerken, dass auch sein Bruder Henry Grey – in Anbetracht seiner unerlaubten Hochzeit – sich nicht an Regeln hält und lieber den eigenen Gefühlen nachgeht, doch das reicht mir als Erklärung nicht. Auch ergibt sich daraus nicht, weshalb Amaranthus so schnell mit William anbandelte, wusste sie doch, dass ihr Mann am Leben ist.
Im Gegensatz dazu kann der Retter der Stunde wieder einmal glänzen. Ein Hoch auf Denzell! Mit der nicht gesellschaftsfähigen Beschreibungen der Behandlung von Williams "Erkrankung" sorgt er für ein herzhaftes Lachen. Es ist nun schon das zweite Mal, dass Denzell eine Flucht initiieren kann. Bravo.
Für die emotionale Tiefe der Episode sorgen Ian und Rachel, die sich aufgemacht haben, um das Schicksal von Wahionhaweh und ihren Kindern aufzudecken. Man merkte bereits vor ihrem Aufbruch, wie sehr Rachel der Gedanke an Ians früheres Leben zu schaffen macht und die Intensität, mit der Izzy Meikle-Small sich auch dieses Mal darauf versteht, diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen, trifft einen bis ins Mark. Rachel trägt viel emotionalen Ballast mit sich und schafft es, diesen trotz ihrer Ängste zu überwinden, was man ihr einfach nur hoch anrechnen kann. Zudem kann ich nicht sagen, welcher Moment mir stärker die Tränen in die Augen getrieben hat. Als Wahionhaweh Ian und Rachel bat, ihren Sohn bei sich aufzunehmen? Als Flinkste Eidechse mit dem Nachfahren Rollos zu seinem Bruder kam? Oder als Wahionhaweh mit Hunter den perfekten Namen für Ians und Rachels Baby fand? Es sind für alle Beteiligten eher schmerzhafte als freudige Momente, die lange nachhallen werden.
Kurze Eindrücke
- Wer sich wahrhaftig als gesegnet betrachten darf, sind Josiah und Keziah, die die Handelspost von Hiram Crombie erben.
- Es war nur ein sehr kurzer Blick, den wir auf Fergus und seinen Sohn erhaschen konnten. Hoffentlich gibt es nächstes Mal noch eine längere Szene, bevor Brianna und Roger wieder nach North Carolina aufbrechen.
Fazit
In der Ruhe liegt die Kraft, das zeigen uns Rachel und Jamie in dieser Episode überdeutlich. Wir erleben, wie Figuren für das Wohl Anderer über den eigenen Schatten springen, woraus wunderbare Momente entstehen. Etwas schwächer wirken dagegen die zu schnell ins Rollen gebrachten Ideen zu den Handlungen rund um Roger und William.
Marie Müller - myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: Blessed Are the MercifulErstausstrahlung (US): 10.04.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Regie: Metin Hüseyin
Drehbuch: Danielle Berrow
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