Bewertung: 6

Review: #7.10 Rettungsleine

Foto: Joe Minoso, Dreharbeiten zu "Chicago Fire" - Copyright: myFanbase/Annika Leichner
Joe Minoso, Dreharbeiten zu "Chicago Fire"
© myFanbase/Annika Leichner

Die letzte Folge vor der Weihnachtspause hat mich doch etwas enttäuscht zurückgelassen, da es immer ärgerlich ist, wenn man von unzufriedenstellenden Entwicklungen mehrere Wochen lang gedanklich begleitet wird. Gerade in den letzten Tagen vor Ausstrahlung der Folge habe ich aber schon wieder eine positive Anspannung bei mir verspürt, da ich vor allem sehr gespannt war, wie der Cliffhanger rund um Matt Casey und Naomi Graham aufgelöst wird.

Wie schnell die Auflösung dann aber auf dem Tisch war, hat mir dann natürlich gar nicht gefallen. In meiner Vorstellung sah ich einen spannenden Einsatz, der Matt und Naomi an ihre Grenzen bringen würde und der vielleicht auch schwierige Entscheidungen erfordert hätte. Stattdessen hatten wir das Thema Befreiung aus der Feuerhölle innerhalb von wenigen Minuten abgehandelt, weil Matt einfach mal die Wand gegenüber einschlägt und schwupps waren sie befreit. Da wurde doch einiges an dramatisches Potenzial verschenkt! Und für was? Noch einmal für langatmige Ermittlungen gegen die Trailerfirma, die ich erneut am liebsten vorgespult hätte. Zum Glück macht diese Episode aber deutlich, dass wir das Thema nun tatsächlich beenden werden, da auch Naomi weiterzieht. Mir war von Anfang an klar, dass sie als erste Frau nach Gabriela Dawson herhalten muss. Aber zumindest war sie nicht so unsympathisch, dass man sich ständig über sie ärgern musste, sie war nur leider einfach mit einer Nebenhandlung verbunden, die die intendierte Spannung bei mir nicht auslösen konnte.

Matts Geschichte in dieser Episode war aber nicht nur mit Naomi verbunden, sondern auch mit dem Verlust seiner Wohnung. Es wurde wirklich von Anfang an deutlich, wie sehnsüchtig Matt zu seiner verbrannten Wohnung hochschaute, wie er nicht akzeptieren wollte, dass er mit dem Betreten abwarten muss und wie er dann schließlich doch in seiner Wohnung steht und sich seine Wertsachen anschaut. Aber ich denke, dass die Autoren ganz bewusst seine Wohnung als Handlungsort abgeschafft haben, denn seine Wohnung war in erster Linie mit Gabby verbunden, da sie dort jahrelang zusammen mit ihren Auf und Abs gelebt haben. Nun ist Gabby weg, die Wohnung ist weg, daher verstehe ich die Botschaft deutlich, dass ein Kapitel nun endgültig für beendet erklärt wird und dass wir einem Neuanfang entgegensehen. Natürlich war es auch wie immer nett zu sehen, wie alle sofort Geld gespendet, ihre Wohnungen als Schlafstätte angeboten und sonstige Hilfsbereitschaft gezeigt haben. Wir wissen zwar schon längst, dass Wache 51 immer zusammenhält, aber trotzdem sehe ich die Beweise dafür immer wieder gerne.

Die nette Nebenstory der Folge, die sich ja meist um Brian ‚Otis‘ Zvonecek, Randall ‚Mouch‘ McHolland, Christopher Herrmann oder Joe Cruz dreht, muss man ja meist mit einem Augenzwinkern sehen, da es keine Nebenhandlungen sind, die einzelne größere Handlungsbögen entscheidend voranbringen, sondern einfach nur für Spaß sorgen sollen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. In dieser Folge war die amüsante Nebenhandlung sehr gelungen, denn ich wurde wirklich durch die Wendung überrascht, dass statt einer Schulklasse eine Seniorengruppe vorbeigeschaut hat. Herrlich war dabei auch, dass Kara Killmer als Sylvie Brett wieder einmal ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte, denn ihre Animationsgesänge waren wirklich zum Totlachen!

In der letzten Episode hat mich vor allem die Entwicklung in der Beziehung von Stella Kidd und Kelly Severide sehr enttäuscht, so dass ich sogar das Fazit gezogen habe, dass ich die Beziehung vorerst für beendet empfinde, da es von diesem Tiefpunkt kein rasches Zurück geben kann. Genau diese Einschätzung wird nun in der aktuellen Episode bestätigt, da sie mit der Trennung von den beiden endet. Das ist für mich erstmal der logische nächste Schritt, aber ich bin etwas unzufrieden damit, wie das von Stellas Seite aus begründet wird. Zunächst fand ich es gut, dass Tylers Motive nun aufgedeckt wurden. Für jeden war klar, dass er Stella für sich wollte und nun ist endlich auch ihr klar, was die letzten Wochen abgelaufen sind. Daher heißt es nun zum Glück: Bye, Bye, Tyler! Aber mir hat gar nicht gefallen, dass Stella die Beziehung einmal unter dem Argument der Eifersucht vollzogen hat und einmal noch unter dem Floh im Ohr durch Tyler, der ihr einreden wollte, dass Kelly wie Grant Smith ist. Eine übertriebene Eifersucht bei Kelly konnte ich nicht nachempfinden. Ja, er war nicht begeistert, dass Stella etwas mit Tyler unternehmen wollte, aber nicht, weil er befürchtete, dass sie Interesse an ihm entwickeln könnte, sondern weil es ihn geärgert hat, dass Stella Tyler nicht durchschauen konnte. Wie kann man das als eifersüchtig bezeichnen? Zum anderen hat Kelly wirklich überhaupt nichts mit Grant gemeinsam. Warum bringt Stella als das Argument eines Mannes, von dem sie doch gerade erst gelernt hat, dass er ihr die ganze Zeit nur etwas vorgemacht hatte? Was aber definitiv stimmt, ist die Tatsache, dass Kelly Stella ständig ausschließt. Dieses Argument zählt für mich und daher halte ich die Trennung auch für richtig. Kelly muss von selbst begreifen, was er an ihr hat und dann muss er endlich mal über seinen Schatten bringen! Den Kelly, den wir im Umgang mit Anna Turner erlebt haben, den würde ich auch gerne mal in Bezug auf Stella erleben.

Wie ist nun also die zweite Teilhandlung zu sehen, mit der wir Kelly in dieser Folge erleben? Er beginnt die Restaurierungsarbeiten an einem Boot und kommt damit in Kontakt mit Vater und Sohn Boyd, über die man wild spekulieren kann. Scheinbar lebt Rileys Mutter nicht mehr und seit sein Vater Bradley eine neue Freundin hat, fühlt sich der Junge alleine gelassen. Kelly merkt das instinktiv und findet in einer kleinen Szene den richtigen Zugang zu dem traurigen Jungen, indem er ihn für vollwertig nimmt und ihn am Boot mitarbeiten lässt. Vermutlich fühlt Kelly sich bei Riley an sich selbst erinnert, da auch er sich von seinem Vater alleine gelassen gefühlt hat. Nun ist nur die Frage, wohin uns diese Story mit Riley führen soll? Nutzt man diese, damit Kelly sich in Bezug auf Stella wieder besinnt? Oder sollen bei ihm Vatergefühle erweckt werden? Vielleicht soll er auch einfach nur wieder an den Punkt kommen zu erkennen, dass er keinesfalls wie Benny Severide werden will und dass er deswegen endlich zu seinen Gefühlen steht!

Fazit

Diese Folge hat mich zwar weniger enttäuscht als das Herbstfinale, dennoch hatte diese Folge auch kein klares Highlight, so dass ich insgesamt bei derselben Bewertungszahl bleibe. Bei Matts Wohnungsbrand wurde leider einiges an Potenzial verschenkt, dafür sind nun die Trailerfirma-Geschichte und Naomi endgültig erledigt. Bei Kelly und Stella war die Trennung sicherlich der richtige Schritt, aber leider fand sie aus den falschen Gründen statt. Für die neue Folge hoffe ich, dass neue Handlungsbögen angegangen werden, da sich die Serie sonst etwas festfährt.

Lena Donth – myFanbase

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