Bewertung

Review: #22.18 Bridge over Troubled Water

Foto: Kim Raver & Kevin McKidd, Grey's Anatomy - Copyright: 2025 Disney. All rights reserved.; Disney/Anne Marie Fox
Kim Raver & Kevin McKidd, Grey's Anatomy
© 2025 Disney. All rights reserved.; Disney/Anne Marie Fox

Das Finale von Staffel 22 stand ganz unter dem Zeichen von Owen Hunt und Teddy Altman. Verständlich, immerhin war es der Abschied von zwei Charakteren, die bestimmt nicht immer ohne Kontroversen waren, nichtsdestotrotz aber die Geschichte von "Grey's Anatomy" über viele Jahre hinweg mitgeschrieben haben. Von dem her war #22.18 Bridge over Troubled Water zwar nicht unbedingt das spannendste und schockierendste Finale, das wir jemals hatten, aber es hat es problemlos geschafft, diesen beiden Figuren ein rundes und passendes Happy End zu verpassen.

Ich muss es der Serie lassen: Es ist schon eine Weile her, dass sie mich derart an der Nase herumgeführt haben. Als am Ende der letzten Folge Teddys Anrufbeantworter zu hören war und ich den Trailer zum Finale gesehen hatte, bei dem Owen gerade im Auto untergeht – da bin ich automatisch mitgezogen, dass er sicherlich eines der Opfer des Unglücks sein wird. Egal, dass ich parallel bereits die Interview-Ausschnitte verfolgt hatte, in denen die Rede von einem Happy End etc. war. Dementsprechend musste ich vor allem erst einmal über mich selbst den Kopf schütteln, dass ich gar nicht daran gedacht hatte, dass man hier einfach einen gut platzierten Szenenschnitt verwendet und Owen weiter nichts passiert ist. Stattdessen gönnt man dem Charakter zum Abschluss das, was er am besten kann: Im Feld brillieren. Außeneinsätze gefallen mir eh immer sehr gut, weil die das Krankenhaus-Setting etwas auflockern. Hier kommt auch gleich das erste Callback zu früher ins Spiel, als Owen bei der verletzen Sam eine Luftröhrenbeatmung durchführen muss – sein allererster Auftritt damals mit der legendären Kugelschreiber-Tracheotomie bleibt für mich eine der besten Kennenlernszenen überhaupt.

Den Rest der Episode nimmt hauptsächlich die Liebesgeschichte von Owen und Teddy in Beschlag. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass Owen schon zu Ende der letzten Episode Teddy seine Liebe gestehen wollte und die Erkenntnis, dass er sie immer wählen würde. Daher folgt man nun auch eher Teddy, deren Sorge und unterdrückte Panik über den Verbleib von Owen man echt überzeugend dargestellt hat. Man fiebert mit ihr mit, obwohl man ganz genau weiß, dass es ihm gutgeht. Ich habe nie versteckt, dass ich nicht allzu viel mit dem Hin und Her ihrer Beziehung anfangen konnte. Zu chaotisch, zu repetitiv, zu viel Starrköpfigkeit. Trotzdem war ihr Wiedersehen und die Liebeserklärung, die danach folgte, einfach mitreißend. Beide haben erkannt, dass sie irgendwie nicht ohneeinander können, dass das Schicksal sie immer wieder zusammenführt. Beide haben sich für den jeweils anderen entschieden und sind bereit, dafür zurückzustecken. Der logische Schritt ist demnach Paris. Ich glaube es gibt wahrlich schlimmere Orte für ein Happy End.

So schnell wie die Entscheidung gefallen ist, so schnell ist auch ihr Abschied. Der ist im Nachhinein recht still. Wir bekommen keine Reaktion der anderen Figuren zu sehen, keine Abschiedsparty, keine Umarmungen, kein Auf Wiedersehen. Nur beide Charaktere, die für sich leise das Krankenhaus verlassen und nochmal kurz innehalten – Teddy dort, von wo aus sie das Krankenhaus gemanagt hat, Owen von der Notaufnahme aus. Ich lebe ja für Rückblenden und Best-Of-Montagen und von dem her war ich begeistert, dass man sich hier die Zeit gelassen hat und zwei Montagen abgespielt hat. Zwar gehen die beiden als Paar gemeinsam aus der Serie, trotzdem haben sie so lange Einfluss auf die Geschichte genommen, dass es nur richtig war, sie hier nicht auf ihre Beziehung zu reduzieren, sondern jedem Charakter nochmal alleine die Bühne zu lassen, auch wenn sich dadurch einige Momente wiederholt haben. In diesem Sinne Goodbye und alles Gute an Kevin McKidd und Kim Raver.

Die zweite, doch recht überraschende Storyline war Nick Marsh, der verletzt eingewiesen wird. Bei dem war ich mir absolut unsicher, wieso man ihn überhaupt ins Spiel gebracht hat. Schon in meiner letzten Review habe ich mich darüber gewundert, warum Meredith Grey denn hier ist. Es gibt keine nennenswerten Fortschritte bei ihrer Forschung und auch im GSMH ist nichts zu tun. Gönnt man sich den Luxus von Ellen Pompeo also nur, weil Staffelfinale ist? Vielleicht lässt man die Fans aber auch einfach die wichtigen Lebensabschnitte der ehemals Hauptperson der Serie weiterhin aktiv mitverfolgen. In diesem Fall ihre Sorge um Nick und den darauffolgenden Heiratsantrag. Die Liebeserklärung der beiden war gewissermaßen der Gegenpol zu Owen und Teddy. Keine großen, dramatischen Worte. Locker und leicht und nicht weniger bedeutsam.

Der zweite Grund für diesen Handlungsstrang ist für mich Miranda Bailey. Sie ist es, der Meredith Nicks Leben anvertraut, egal ob die gerade OP-Verbot hat, oder nicht. Baileys Storyline hat man konsequent über längere Zeit hinweg aufgebaut. Ihre immer steigende Frustration mit dem System, mit dem medizinischen Status Quo und den daraus folgenden Ungerechtigkeiten und Schwierigkeiten. Der Kampf zwischen dem, was eigentlich richtig wäre und dem, was offiziell erlaubt ist. Gerade auch in dieser Staffel wurde immer wieder ein Fokus auf diese Thematik gelegt, sei das nun bei Katie Rogers oder bei Benson 'Blue' Kwan. Bailey war immer zwischen den Stühlen – und sie ist kein Mensch, die sich damit zufriedengibt. Von dem her ist ihre Storyline fast meine liebste der Episode. Sie wird von Catherine Fox inspiriert (von wem auch sonst) und entscheidet, dass sie ebenfalls am Tisch sitzen will, wenn die wichtigen Entscheidungen gefällt werden. Ich habe keine Ahnung, wie genau man das in die Serie einbauen wird – aber es ist einfach der richtige Schritt für Bailey.

Nach diesen beiden vielversprechenden und tollen Storylines kommen noch meine Sorgenkinder. Einmal im positiven und einmal im negativen Sinne. Da haben wir Jo Wilson und Atticus 'Link' Lincoln, die beide am Kämpfen sind. Nach all dem Drama der letzten Zeit hätte ich es ihnen wirklich von Herzen gegönnt, wieder zu ihrem leichten Dasein davor zurückkehren zu können. Die amüsanten und chaotischen Sidestories. Nur scheint es so, als würde genau das Gegenteil der Fall sein. Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, als würde ich es den Schauspielern nicht absolut zutrauen, auch ernstere Storylines überzeugend zu tragen, das haben beide schon oft genug bewiesen. Trotzdem tut es mir leid, dass ihnen wohl keine fröhlichere nähere Zukunft vergönnt ist. Denn die erscheint mir nach dieser Folge recht klar: Jo muss ihr Trauma erst einmal verarbeiten, das noch um einiges tiefer zu gehen scheint, als zunächst vermutet. Eine wichtige Storyline, keine Frage, aber auch hier muss ich sagen, dass es mich mehr gefreut hätte, Jo wieder als Ärztin brillieren zu sehen. Jetzt bleibt es an Link hängen, die Familie erst einmal zumindest finanziell zu tragen. Seine Zukunft wurde vielleicht nicht ganz so direkt angesprochen wie Jos, dennoch waren die Hinweise unübersehbar. Seine Schulter macht ihm immer noch Probleme und wie man am Ende gesehen hat, scheint er dafür bereits Tabletten zu nehmen. Hier kann man bis jetzt nur Mutmaßungen treffen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man Link unter den Druck stellt, alleine seine Familie versorgen zu müssen, während er sich mit seinem Problem nicht an Jo wenden kann, weil die ja selber so angeschlagen ist. Stattdessen wird er also durchpowern, immer weiter und immer mehr Tabletten schlucken und gute Miene zum bösen Spiel machen, bis es eben irgendwann nicht mehr geht. Gut möglich, dass das entweder die Assistenzärzt*innen bemerken (die ja irgendwie auch immer im OP sehen, dass er Schwierigkeiten hat) oder eben Amelia Shepherd die für die Thematik sensibilisiert ist. Rein dramaturgisch wäre das natürlich ein Spitzen-Handlungsstrang, aber das wird wehtun.

Mein Negativ-Sorgenkind ist Amelia. Sie war auch der Plottwist, den ich so absolut nicht erwartet hätte. Meine Güte. Da bin ich schon fest davon ausgegangen, dass eine Beziehung – wenn überhaupt – an Toni Wright und ihrer Ex scheitert, und dann das. Tonis Zögern wurde echt sinnvoll dargestellt. Natürlich war es nervig, dass ihrer möglichen Beziehung gleich Steine in den Weg gelegt wurden. Aber Toni muss auch an ihr Kind denken und da war es nur nachvollziehbar, dass sie kurz innehält und sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, ihrer Ex nochmal eine Chance zu geben, gerade wenn die einen Schritt auf sie zumacht. Ebenso stark fand ich ihre Erkenntnis und Entscheidung, trotz der Zugeständnisse ihr eigenes Glück zu wählen und damit Amelia. Und dann torpediert Amelia das mit Cass Beckman. Oh mein Gott. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich erst einmal kurz nachdenken musste, bis mir eingefallen ist, dass diese beiden ja noch gar nichts miteinander hatten, sondern dass das Teddy war. Das macht die Sache ehrlich gesagt noch schlimmer, weil das dann definitiv nur eine Spontanentscheidung war. Und was für eine blöde.

Randnotizen:

  • Ein bisschen ironisch ist es schon, dass sich Catherine in dieser Episode wohlwollender präsentiert hat als Richard Webber. Normalerweise ist es doch eher umgekehrt und er muss sie umstimmen. Doch aus irgendeinem Grund verhält Richard sich sehr störrisch, was die Blue-Geschichte angeht. Ist es die Angst vor der Ethikkommission? Ist es, weil Bailey und Blue ihn angelogen haben? Wie dem auch sei, er ist echt gnadenlos zu Blue. Ich sehe Blues Einstellung zu der ganzen Affäre auch nicht unproblematisch. Er erkennt nach wie vor nicht den Ernst der Lage, meint, dass er das mit ein paar tollen Eingriffen mal eben wieder ausbügeln kann und zeigt keinerlei Reue. Das ist definitiv etwas, woran er dringend arbeiten muss, bevor er mit dieser Einstellung einen gefährlicheren Fehler begeht. Aber er ist trotzdem ein guter und fähiger Arzt in der Ausbildung. Genau für solche Fälle gibt es doch verschiedenste Konsequenzen, die auch schon bei anderen angewendet wurden: Jahr wiederholen, Probezeit, extra Kurs belegen usw. Wieso wird also an Blue also solch ein Exempel statuiert?
  • Jules Millin und Winston Ndugu bleiben eher ein kleiner Nebensatz in der Folge. Trotzdem freut es mich, dass beide (nicht zuletzt durch Nick und Meredith) erkannt haben, dass sie ihre Beziehung offiziell machen wollen. Vielleicht wird ihre Beziehung dadurch auch ein wenig interessanter, denn bis jetzt ist sie zwar echt nett und süß, aber auch ein bisschen langweilig.
  • Mini-Highlight: Ben Warren, der mal wieder direkt den aktuellen Gossip mitbekommt.
  • Um einiges komplizierter ist es da um das Liebesleben von Simone Griffith bestellt. Die will ihren One-Night-Stand mit Lucas Adams auch genau als das belassen – einen einmaligen Ausrutscher. Blöd nur, dass der das nicht so sieht und noch blöder, dass die beiden – wie von Anfang an – einfach eine tolle Chemie zusammen haben. Und Wes Bryant macht die Sache nur noch komplizierter, nachdem er sich endlich dazu durchringt, in ihrer betont lockeren Beziehung den nächsten Schritt zu machen und sich ihr ein wenig öffnet. Oh, da sehe ich die nächste Dreiecksbeziehung am Horizont - alleine schon ihr gemeinsamer Moment im Aufzug. Da hilft es auch nicht, dass ihre Abschlussszene etwas an das Finale von Staffel 2 erinnert, als Meredith nach der Party zwischen Derek Shepherd und Finn Dandridge stand. Persönlich bin ich noch auf Lucas' Seite, aber das liegt wohl auch daran, dass wir von dem bisher um einiges mehr zu sehen bekommen haben. Wes ist nach wie vor recht unscheinbar geblieben, aber das kann sich ja in der nächsten Staffel ändern. Denn auch als platonischen Freund kann ich mir Lucas gut vorstellen. Mal sehen, wohin sich das noch entwickeln wird.

Fazit

Alles in allem war das ein gutes Staffelfinale, das auf große schockierende Plottwists und Cliffhanger verzichtet hat. Im Zentrum stand klar der Abschied von Teddy und Owen, mit denen die Serie zwei langjährige Hauptcharaktere verliert. Dadurch wird natürlich den anderen Storylines mehr Platz gegeben. Während bis jetzt noch keine krankenhausumfassende Geschichte auf dem Plan steht, wurde bei den einzelnen Charakteren doch einiges bereits in die Wege geleitet. Ich bin gespannt, inwieweit man die "oberen Mächte" weiter in die Serie einbaut. Sei es nun die Ethikkommission oder generell die Vorgaben, unter denen die Ärzt*innen immer deutlicher zu leiden haben, es wäre auf jeden Fall ein Aspekt der Serie, den wir bis jetzt noch nicht so sehr in den Fokus gestellt haben. Nicht zu vergessen, dass durch Teddys Weggang ja wieder eine Position in der Führung des Krankenhauses frei wird.

Denise D. - myFanbase

Die Serie "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" ansehen:

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