Review: #3.08 The Treasons at Tumbleton
Das Finale der dritten Staffel von "House of the Dragon" fügt sich wunderbar in diese energie- und intrigengeladene Staffel ein. Es beschert uns eine weitere große Schlacht und lässt unsere Zweifel, ob wir uns nun zu Team Grün oder zu Team Schwarz zugehörig fühlen weiter wachsen.
The prince that was promised
Diese Staffel hat sich hervorragend darauf verstanden, Rhaenyras Figur weiterzuentwickeln und aus der charmanten Prinzessin der ersten Staffel ein Targaryen zu machen, bei der man nicht mehr weiß, ob sie nun dem Wahnsinn verfällt oder nicht. Ich konnte mir sie seit dem Schwur der Lords von Westeros in #1.01 The Heirs of the Dragon gut auf dem Eisernen Thron vorstellen und habe ihren Weg von der Krönung in #1.10 The Black Queen bis hin zu Thronbesteigung in #3.02 Queen's Landing mit Genugtuung verfolgt. Genau so authentisch, wie sie in Staffel 2 als besonnene Anführerin galt, empfinde ich nun ihren Wandel zur starrsinnigen Monarchin, in sich von allen Seiten bedroht fühlt und Macht immer mehr mit Stärke zu verwechseln scheint. Es war ein langsamer Weg bis zu diesem Punkt und wo man Rhaenyra früher nie zugetraut hätte, Helaena Gewalt anzutun, einen Septon hinrichten zu lassen, ihre Familienmitglieder als unverschämt zu bezeichnen oder sich vor ihrem Volk als die Erfüllung einer Prophezeiung zu präsentieren, so passt es nun zu der Frau, die der Eiserne Thron aus ihr gemacht hat. Wie kurzlebig Rhaenyras Bindungen sind, sieht man dieses Mal ganz besonders deutlich an Mysaria, die nach der gemeinsamen Nacht der beiden kurzerhand vor die Tür gesetzt wird. Hier fehlte mir durchaus eine handfeste Begründung für die Entscheidung, doch sie unterstreicht sehr gut, wie schnell sich Rhaenyra nun ihre früheren Anhänger zu Feinden macht. Auch Mysarias Loyalität ist nicht sonderlich tief verwurzelt und so äußert sie gegenüber Helaena rasch noch ein paar Zeilen der Zwietracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der finalen vierten Staffel Mysarias Aufgabe sein wird, das Volk weiter gegen Rhaenyra aufzubringen.
Das Spannende an Rhaenyras Werdegang ist, dass man sich als Anhänger von Team Schwarz innerlich von ihr zu distanzieren beginnt und abwägt, ob Aegon auf dem Thron nicht das kleinere Übel wäre. Jener feierte in #3.07 The Dragon in Winter eine strahlende Rückkehr an der Seite seines Drachen und schlägt nun in Harrenhal auf, um sich an Aemond zu rächen. Die Dynamik der beiden Brüder hat sich im Vergleich zu Staffel 2 vollkommen umgekehrt und wo Aemond es stets verstand, Aegon die eigenen Schwächen unter die Nase zu reiben, ist es nun Aegon, der seinem Bruder durch seine schiere Anwesenheit in die Knie zwingt. Es ist ein interessantes Duo, auf dessen Interaktion in Staffel 4 ich sehr gespannt bin.
The Treasons at Tumbleton
Der wohl wichtigste Teil des Staffelfinales spielt sich in Stolperstadt ab und es ist eine wahre Erleichterung, dass hier die Dinge nun endlich ins Rollen kommen. Die Vorbereitungen auf diese Schlacht laufen seit #3.04 Tumbleton und haben sich arg in die Länge gezogen. Dafür versuchen die Autoren, dramaturgisch und alles zu bieten, was geht: Wir haben das große Heer der Schwarzen mit Roderick, Oscar, Alysanne und Daemon; zudem Ormunds Plan, Ulf auf die Seite der Grünen zu ziehen; den gefangen genommenen Corlys und den zögerlichen Daeron. All dies gipfelt in einer Schlacht, die einen würdigen Abschluss für diese Staffel bildet. Besonders herausragend waren dabei Ormunds panische Suche nach Ulf, der Kampf zwischen Roderick und Ormunds, sowie Ulfs Auftauchen und sein Seitenwechsel, gepaart mit der Attacke auf Ormund und einfach alles, was ihm in die Quere kam. Das waren phänomenale Momente, die das Blut ordentlich in Wallung brachten. Auch Ormunds Niederträchtigkeit, wurde kurz vor seinem Ende noch einmal auf die Spitze getrieben, indem er unschuldige Kinder in den Krieg verwickelte, um so noch mehr Hass gegen Rhaenyra zu säen, sollten ihre Vasallen es wagen, die Kinder niederzumetzeln.
Madness and greatness were two sides of the same coin. Every time a new Targaryen is born, the gods toss the coin in the air and the world holds its breath to see how it will land.
Die Serie versteht sich sehr gut darauf aufzuzeigen, dass die Seele von keiner der Figuren nur schwarz oder weiß ist, sondern dass sich die Grautöne in allen mischen. So ist es von Beginn an bei Daemon, der Rhaenyra zwar verspricht, nicht mit Brutalität vorzugehen, doch als er sich entscheiden kann, eine Schlacht friedlich abzuwenden, entscheidet er sich lieber für den Weg des Gemetzels. Alles andere hätte Daemon auch nicht ähnlich gesehen, doch es war spannend zu beobachten, wie er die Anweisungen abwog und sich dann für den Weg des Krieges entschied. Sehr befriedigend empfand ich in diesem Zusammenhang auch die Entscheidung von Ulf. Nachdem die letzte Episode bereits andeutete, dass er sich aufgrund der schlechten Behandlung durch Rhaenyra auf die Seite der Grünen schlagen würde, wurde er von Ormund nun ebenfalls gedemütigt – und das sogar noch offenkundiger, als Rhaenyra und Daemon es taten. Es gefiel mir daher sehr gut, dass er mit Silberschwinge nicht nur auf die Schwarzen losging, sondern dann auch Ormund dem Drachenfeuer überantwortete und damit Rache für die Schmähung übte. Unsicher bleibt weiterhin die Loyalität Hugos. Zwar sind die Schwarzen nicht für den Tod von Kat verantwortlich, viel mehr würde ich ihn der Zerstörung Stolperstadts durch Ulf zuschreiben, doch ich kann mir gut vorstellen, dass er dies zum Anlass nimmt, sich ebenfalls von Rhaenyra loszusagen.
In Stolperstadt sterben mit Ormund und Roderick zwei Hauptcharaktere, doch der Verlust, der am tiefsten trifft, ereignet sich in Königsmund. Dass Helaena eine sanfte Seele ist, die man behutsam behandeln muss, wurde uns oft gezeigt und nun wurde die Grenze überschritten. Rhaenyras Machtdemonstration, indem sie die Wachen zwang, Helaena Nahrung zuzuführen und die Worte Mysarias, die Helaena zeigten, dass es kein Happyend für sie und ihr ungeborenes Baby geben wird, waren nun der Auslöser dafür, dass Helaena sich aus dem Fenster in den Tod stürzte. Es ist eine makabere Referenz zu den Worten, die Alicent in #3.05 Unbent and Unbroken an ihre Tochter richtete. Die liebevolle Mutter-Tochter-Verbindung wurde indes ein letztes Mal durch die auffliegenden Schmetterlinge gewürdigt. Gleichzeitig zeigt ihr Ableben ein weiteres Mal auf, die gefühlskalt Rhaenyra mittlerweile geworden ist.
Wo die Episode mit einer wendungsreichen Schlacht und Rhaenyras zunehmenden Wandel zu überzeugen weiß, kann man aber nicht übersehen, dass so einige der angestoßenen Handlungsstränge nicht zu Ende gebracht wurden. Vergleicht man dieses Staffelfinale mit der Mutterserie "Game of Thrones", so fällt auf, dass hier nach einer actiongeladenen vorletzten Episode immer noch ein ruhigeres Finale folgte, das noch einige lose Fäden zu verbinden wusste und nicht nur darauf pochte, die Zuschauer mit einem Cliffhanger in die Pause zu schicken.
Kurze Anmerkungen
- Die Geschichte, die Alys Aemond erzählte, war rührend, dennoch werde ich mit ihrer Figur nicht warm.
- Aegons Ausruf I'm alive! war schon fast wie aus einer Comedy.
- Was dachte Gottfrid wohl bei den Worten seiner Mutter?
- Wie Roderick Ormunds sein Schwert in den Allerwertesten rammte, war göttlich!
- Warum hat Caraxes Daemon im Kampf nicht unterstützt?
- Waren es zum Schluss, Vermithor, Silberschwinge und Tessarion, die Seite an Seite flogen?
- Wo ist Alicent angekommen?
Vergleich zur Romanvorlage
Als Buchleser kann man nicht umhin, die Serie mit "Feuer und Blut" zu vergleichen. Wo vieles akkurat umgesetzt wurde, hat Staffel 3 sich allerdings auch einige künstlerische Freiräume genommen. Achtung, der kommende Abschnitt enthält potentielle Spoiler für Staffel 4:
- In #3.01 Fire an Blood, Salt and Sea fehlen Rhaenyras Söhne Aegon und Viserys bei der Schlacht in der Gurgel. Zudem ist Baela in der Romanvorlage kein Teil der Schlacht, weshalb es auch keinen Konflikt mit Rhaenyra gibt.
- Die Rolle von Schafsdiebs Drachenreiterin Nadel wurde aus der Serie gestrichen und stattdessen wurde ihr Part durch Rhaena übernommen. Da Daemon im Buch eine Affäre mit Nadel hat und ihr später zu Flucht verhilft, gilt dies als Auslöser für Rhaenyras Vertrauensverlust in ihn.
- Die geheime Absprache zwischen Alicent und Rhaenyra gibt es nur in der Serie. Auch Alicents Reise nach Harrenhal ist eine Erfindung der Serie, da sie im Buch in Königsmund verbleibt.
- Im Buch laufen Ulf und Hugo gemeinsam zu den Grünen über. Daemon hat daran in der Romanvorlage keinen Anteil.
- Während uns die Serie ein Wiedersehen von Aegon und Aemond in Harrenhal gibt, bricht Aegon nach der Flucht aus Königsmund in Richtung Drachenstein auf.
- Helaenas drittes Kind Maelor wurde verspätet in die Serie eingeflochten und erblickt nie das Licht der Welt.
Alles in allem orientiert sich die Serie stark an der Romanvorlage und erweitert die Geschichten meist nur an den Stellen, wo Figuren sonst tatenlos ausharren müssten. Für die finale Staffel bleiben noch einige Schlachten, die es auszutragen gilt, weshalb sie sich wohl um die blutigste von allen handeln wird. Wer mehr über den Ausgang des Drachentanzes wissen möchte, kann es gern in unserer Familienkolumne zu den Targaryens nachlesen.
Fazit
Staffel 3 von "House of the Dragon" überzeugt vor allem durch starke Charaktermomente, die düstere Atmosphäre und die endlich deutlich größeren Konsequenzen des Targaryen-Bürgerkriegs. Nach dem teilweise sehr langsamen Aufbau der zweiten Staffel fühlt sich die Handlung insgesamt zielgerichteter und ereignisreicher an. Besonders die Schlacht in der Gurgel, die Drachenkämpfe und der Verrat bei Stolperstadt gehören visuell und inszenatorisch zu den Höhepunkten der bisherigen Serie. Das Staffelfinale liefert somit spektakuläre und emotionale Momente und wirkt gleichzeitig erneut wie die Vorbereitung auf den eigentlich entscheidenden Teil des Krieges.
Marie Müller - myFanbase
Die Serie "House of the Dragon" ansehen:
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Diskussion zu dieser Episode
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: The Treasons at TumbletonErstausstrahlung (US): 09.08.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Erstausstrahlung (Pay-TV): 10.08.2026
Regie: Andrij Parekh
Drehbuch: Ryan J. Condal & Ti Mikkel
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