Bewertung: 7

Review: #4.26 Eine Geschichte zum Schluss

In der Geschichte der Serie "Bones – Die Knochenjägerin" ist dieses Finale der vierten Staffel natürlich eine außergewöhnliche Episode, die den üblichen Rahmen verlässt. Betrachtet man jedoch den gesamten Fernsehkosmos, so sind solche Folgen, in denen die bekannten Figuren plötzlich in einem ganz anderen Umfeld agieren und nicht den gewohnten Status haben, keine Seltenheit. Solche Traumepisoden – denn zumeist entpuppt sich hier die andersartige Geschichte am Ende als Traum oder Vision eines Charakters – finden sich in sehr vielen Serien. In "Bones – Die Knochenjägerin" ist es Booth, der den Traum hat.

Zweifellos ist Booth ein cleverer Typ, dem man ohne zu zögern sein Leben anvertrauen kann, aber er hat nicht unbedingt eine komplizierte, überdurchschnittliche Denkweise, so dass auch sein Traum nicht allzu komplex daherkommt. Uns Zuschauern werden ziemlich einfach zu deutende Einblicke in sein Unterbewusstsein gegeben. Dass Booth sich und Brennan als glücklich verheiratetes Paar erträumt, bedarf beispielsweise keiner tiefenpsychologischen Interpretation. Booth liebt Brennan und wünscht sich heimlich ein gemeinsames Leben mit ihr.

Aus dem Labor, das normalerweise das Zentrum der Serie darstellt, wird in Booth' Fantasie der Nachtclub "The Lab", den Booth, von seinen Angestellten "Mr. B." genannt, und Brennan gemeinsam führen. Unter ihren Angestellten befinden sich neben Angela und Sweets auch einige der Charaktere, die wir im Laufe dieser Staffel als Ersatz für Zach kennen gelernt haben, sowie Zach höchstpersönlich. Auch Hodgins, Cam, Jared und Max sind in dieser Traumwelt vertreten.

Betrachtet man die Art, wie all diese bekannten Charaktere in Booth' Fantasie agieren, fällt so Einiges auf. Zach etwa ist als der etwas unbeholfene, harmlose Junge zu sehen, als den Booth ihn wohl am liebsten in Erinnerung behält. Vincent, eigentlich einer der wöchentlich wechselnden Assistenten, in diesem Traum aber der DJ des Clubs, bezeichnet Zach als einen Menschen, der dafür prädestiniert ist, für einen Mord, den er nicht begangen hat, ins Gefängnis zu gehen. Wie wir in der Episode #4.05 Die toten Teile im tiefroten Teich erfahren haben, hat Zach tatsächlich niemals selber einen Menschen getötet. Dies ist aber nur dem an seine Schweigepflicht gebundenen Sweets bekannt. Booth ahnt es jedoch offenbar in seinem Inneren. Oder hofft es einfach.

Sweets steht im "The Lab" als Barkeeper hinterm Tresen und ist damit gar nicht so weit vom Psychiaterberuf entfernt, schließlich neigen die Gäste dazu, dem Barkeeper ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen, vor allem dann, wenn sie schon ein paar Drinks intus haben. In Sweets steckt aber mehr als ein alkoholausschenkender Kummerkasten, er ist Leadsänger einer Band und würde gerne im "The Lab" auftreten. In Episode #4.21 Requiem für eine Requisite haben Booth und Brennan ja festgestellt, dass der echte Sweets eine Vergangenheit als Mitglied der Death-Metal-Szene hat und ihm Musik viel bedeutet. Der Traum-Sweets spielt zwar kein Death Metal, aber der Zusammenhang ist zu erkennen. Vor allem aber zeigt "Mr. B." einige Sympathien für seinen musizierenden Barkeeper und gibt ihm zumindest die Chance, mit seiner Band im Club vorzuspielen. Hier offenbart sich die echte freundschaftliche Zuneigung, die Booth mittlerweile für seinen Psychiater Sweets empfindet.

Cam ist in Booth' Fantasiewelt eine Polizistin, die in dem Mordfall, der sich im "The Lab" ereignet hat, ermittelt. Detective Camille Saroyan betrachtet Brennan als die Hauptverdächtige und lässt sie dies auch spüren. Hier spiegelt sich das Konfliktpotential wider, das zwischen der echten Cam und der wirklichen Brennan besteht. Zwar kommen die beiden Wissenschaftlerinnen die meiste Zeit ganz gut miteinander aus, doch gelegentliche Kompetenzstreitigkeiten liefern sie sich schon noch.

Max Keenan ist in Booth' Traum nicht Brennans Vater, sondern ein korrupter Politiker, der jedoch trotz seiner kriminellen Energie kein schlechter Mensch zu sein scheint und dabei hilft, dass der Nachtclub schon kurz nach dem Mord wieder eröffnet werden kann. Hier bekommen wir also einen Eindruck davon, wie Booth Max sieht, wobei wir dies durchaus schon länger wissen. Jared dagegen ist auch im Traum der kleine Bruder von Booth - und der gesuchte Mörder, der die Tat begangen hat, um Brennan zu beschützen. Dabei hat er sich allerdings nicht sonderlich geschickt angestellt und ausgerechnet Brennans Mantel als Schalldämpfer benutzt. Von der Tatsache, dass er den Mord direkt im Club begangen und die Leiche dort hat liegen lassen, ganz zu schweigen. Auch hier wird Booth Meinung über seinen kleinen Bruder als einen Menschen, der sich selbst und andere mit seinen Aktionen in Schwierigkeiten bringt, es dabei aber eigentlich gut meint, reflektiert.

Neben all diesen Facetten ist und bleibt das markanteste Element von Booth' Traum jedoch die Tatsache, dass er und Brennan darin verheiratet sind, dass sie ein gemeinsames Leben fern von FBI und Wissenschaft führen, und dass sie eine Familie gründen. Werden wir all dies, oder zumindest den Teil mit der Ehe und der Familie, jemals in mehr als nur einem Traum von Booth sehen? Vermutlich nicht ... so bald.

Maret Hosemann - myFanbase

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