Bewertung: 8

Review: #7.11 Rückkehr

Knapp sechs Monate nach der Schießerei im Seattle Grace/Mercy West Hospital wird Seattle erneut von einem Amoklauf erschüttert, diesmal in einem College der Stadt. Viele der Verletzten werden ins Seattle Grace/Mercy West eingeliefert, so dass die Ärzte ein schmerzhaftes, aber in gewisser Weise auch heilsames Déjà-vu erleben.

Es ist schon ein mutiger Schritt von Serienmacherin Shonda Rhimes und ihrem Autorenteam, das Thema Amoklauf ein zweites Mal aufzugreifen und damit zu verdeutlichen, dass diese Art von verheerender Gewalt kein Einzelphänomen ist. Wir würden natürlich gerne in dem Glauben leben, dass es höchstens alle zehn oder zwanzig Jahre mal zu einem Amoklauf kommt und das auch nicht zweimal hintereinander in derselben Stadt, aber damit würden wir uns einer Illusion hingeben.

Amoklauf 2.0

Während die Ärzte um das Leben der Opfer des College-Amoklaufs kämpfen, tun sich immer wieder kleine Parallelen zu der Schießerei auf, die ein halbes Jahr zuvor vielen Mitarbeitern des Krankenhauses das Leben gekostet hat.

So gibt es beispielsweise einen angeschossenen Studenten namens Chuck, den mehrere der Ärzte - Bailey, Callie, Alex und Jackson - behandeln. Der Name Chuck ist eine gängige Abkürzung für Charles, was natürlich sofort an Dr. Charles Percy denken lässt, der damals Gary Clarks Rachefeldzug zum Opfer fiel. Bailey nennt Chuck dann auch einmal in einem dramatischen Moment (im Original) Charles, ohne dass wir erfahren, ob dieser Chuck tatsächlich mit vollem Namen Charles heißt. Auch wenn Chuck neben anderen Opfern der Schießerei insgesamt nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist dies eine bemerkenswerte Analogie.

Auch Cristinas Lage in dieser Episode erscheint wie ein verzerrtes Spiegelbild der Situation, die sie ein halbes Jahr zuvor erleben musste. Damals, während des Amoklaufs im Seattle Grace/Mercy West, stand sie unter extremen Bedingungen im OP und musste um Dereks Leben kämpfen, während der Amokläufer ihr eine Waffe an den Kopf gehalten hat. Diesmal operiert sie den betreffenden Amokläufer selbst und das wieder unter schwierigen Umständen, da sich einige ihrer Kollegen weigern, bei der Behandlung zu helfen. Jackson etwa, der Cristina sechs Monate zuvor dabei unterstützt hat, Dereks Leben zu retten, wendet sich diesmal ab.

Meredith wird derweil durch diesen erneuten Amoklauf daran erinnert, dass sie vor einem halben Jahr auf der "anderen Seite" stand und verzweifelt darauf gewartet hat, dass Ärzte das Leben ihres Mannes retten. Sie befindet sich zwar bei der aktuellen Tragödie wieder auf ihrer gewohnten Seite, sprich am OP-Tisch, doch ihre Sympathie für die Frau, die diesmal bangend warten muss, ist verständlicherweise groß.

Lexie, die während Gary Clarks Amoklauf dem angeschossenen Alex ihre Liebe gestand, was dieser nicht einmal bewusst mitbekommen hat, sagt diesmal Mark, dass sie ihn liebt, was dieser nicht nur mitbekommt, sondern auch genauso empfindet.

Callie und Arizona sind auch diesmal wieder, ganz genau wie während der Geschehnisse vor einem halben Jahr, heillos zerstritten, müssen jedoch abermals aufgrund der Umstände zusammenarbeiten. Was diesmal jedoch ausbleibt, ist die Versöhnung. Callie kann Arizona nach wie vor nicht verzeihen und will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Während also der einzige Lichtblick, der nach dem Amoklauf im Seattle Grace/Mercy West zu sehen war, nämlich Callies und Arizonas Wiedervereinigung, diesmal zappenduster bleibt, geht es den anderen Ärzten deutlich besser als noch vor einem halben Jahr. Bailey konnte diesmal einen "Charles" retten, Cristina hat sich psychisch erholt, Lexie und Mark sind glücklich miteinander, Meredith und Derek blicken optimistisch in die Zukunft und keiner ist gestorben.

Die weiteren Aussichten

Cristina ist zurück, sowohl als funktionierende Ärztin wie auch als Merediths beste Freundin. Man hat hier als Zuschauer ordentlich mitgelitten und kann sich nun ehrlich freuen. Weiterhin leiden muss man dafür in Bezug auf Callie und Arizona. Es sieht nicht allzu gut aus für die beiden, aber abschreiben will ich dieses Paar noch nicht. Schließlich war Arizonas kurzer Weggang weniger eine kreative Entscheidung, als vielmehr eine Notwendigkeit wegen Jessica Capshaws Schwangerschaft. Bei Lexie und Mark bin ich noch vorsichtig mit allzu großem Optimismus, aber für den Moment sind die Aussichten heiter.

Teddy hat tatsächlich ihren Patienten Henry geheiratet. Mazel tov! Was Teddy zu dieser Schnapsidee veranlasst hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Eine Schein-Ehe, um die Versicherung zu betrügen, ist ein Verbrechen, das Teddy hier doch aus ziemlich heiterem Himmel begeht. Henry mag ja sympathisch sein, aber nette Patienten ohne Versicherungsschutz erleben die Ärzte häufiger. Wenn sie jedes Mal einen solchen Schritt gehen würden ... Es ist momentan schwer abzuschätzen, worauf diese Storyline hinauslaufen soll. Bekommt Teddy juristische Schwierigkeiten? Verliebt sie sich tatsächlich in Henry? Wird sie bald zur Witwe? Oder verläuft die Geschichte letztlich im Sand und Henry zieht wieder seiner Wege, sobald es ihm besser geht?

Maret Hosemann - myFanbase

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