Bewertung: 8

Review: #7.02 Vom Blitz getroffen

Diese zweite Episode der siebten Staffel schließt unmittelbar an die erste Folge an und stellt auch weiterhin die psychischen Folgen des Amoklaufs in den Fokus. Vor allem Cristinas seelischer Zustand wird thematisiert und bietet wieder einmal starke Szenen zwischen ihr und Meredith.

Twisted Sisters

Owen hat für Meredith und Cristina den Ausdruck "Twisted Sisters" geprägt, was auf Deutsch soviel heißt wie "verdrehte Schwestern" und auch der Name einer Hard-Rock-Band ist, die in den 1980er Jahren erfolgreich war. Dieser Tage ist Cristina die verdrehtere der beiden und braucht den Beistand von Meredith, die sich dabei auch ihren eigenen Dämonen stellt und Derek endlich von der Fehlgeburt erzählt.

Owen und Teddy sind zu Beginn dieser Episode der Ansicht, dass Cristina schnellstmöglich wieder in den OP gehört und bei einem richtig schönen Eingriff assistieren sollte, was sich jedoch als Fehleinschätzung erweist. In meiner letzten Review habe ich Cristina ja bereits mit einem Rennfahrer verglichen, der sich nach einem schweren Autounfall nicht mehr in sein Auto traut, oder mit einem Piloten, der nach einem Absturz Angst hat, wieder ins Cockpit zu steigen. Ihr Zusammenbruch im OP hat sich angedeutet, sie war einfach noch nicht soweit, wieder an diesen Ort zurückzukehren, an dem sie so große Angst um ihr eigenes Leben und das anderer, ihr nahe stehender Menschen durchleiden musste. Trotzdem kann man Owen und Teddy diese falsche Einschätzung der Lage nicht wirklich vorwerfen, da sie Cristina eben bisher nur als OP-Junkie kannten, als die Miss Universum der Herzchirurgie, die praktisch mit dem Skalpell unterm Kissen geschlafen hat. Es ist also auch für Cristinas Freunde und Kollegen eine neue und schwierige Situation, auf die sie keiner vorbereiten konnte. Gary Clark hat Cristinas Welt mehr oder weniger zerstört und ich bin gespannt, wie diese wieder aufgebaut wird. Der Originalzustand lässt sich aber wohl nicht mehr herstellen.

Die großartige, sehr bewegende Szene, in der Cristina bewegungsunfähig am Boden liegt und Meredith sich neben sie legt, erinnert wohl nicht zufällig an damals, als Izzie nach Dennys Tod gleichermaßen am Boden lag, nur im Badezimmer von Merediths Haus und nicht in einem Operationssaal. Überhaupt finden sich in dieser Folge einige eindeutige Verweise auf vergangene Zeiten der Serie. So ist die Frau, bei deren Eingriff Cristina die Panikattacke erleidet, eine ehemalige Patientin von Dr. Preston Burke und hat Cristina das letzte Mal gesehen, als diese noch mit Burke verlobt war. Zudem geht Alex auf seinen vermeintlichen Hang zu verrückten Frauen ein und nennt Izzie und Rebecca als Beispiele. In dieser Phase, da sich die Charaktere durch das zuletzt Erlebte verändern, erscheinen die Rückgriffe auf die Vergangenheit durchaus einleuchtend. Schade nur, dass wir wohl keinen dieser Ehemaligen in naher Zukunft wieder sehen werden.

Twisted Couple

Mark will Lexie einen Heiratsantrag machen (was er mehr oder weniger in Episode #6.22 auch schon getan hat), doch die Fürsorge, mit der er sie überschüttet, kommt bei ihr nicht gut an. Lexie will nur zur Normalität zurückkehren, was Mark ihr verwehrt, da er sie ständig zu schonen versucht und damit an alle im Krankenhaus das Signal sendet, Lexie sei ein Problemfall. Man kann hier beide Seiten verstehen. Marks Sorge um Lexie ist ehrlich und er fühlt sich wirklich für sie verantwortlich, zumal Alex sie einfach fallengelassen hat, doch Lexie fühlt sich dabei verständlicherweise bevormundet und niedergedrückt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Person, die sich Sorgen macht, und die Person, der diese Sorge gilt, nicht unbedingt einer Meinung sind. Sonst gäbe es ja keinen Grund zur Sorge.

Zu diesem Zeitpunkt ist es wirklich schwer, eine Prognose darüber abzugeben, wie es mit Lexie und Mark weitergeht. Jetzt, da die Sache zwischen Alex und Lexie aber wohl gegessen ist – wenn Lexie abermals zu Alex zurückgeht, grenzt das schon fast an Masochismus – kann man wieder etwas optimistischer in Bezug auf eine Wiedervereinigung von Mark und der kleinen Grey sein.

Twisted World

Von der Liebe wird ja gelegentlich behauptet, dass sie wie der Blitz einschlägt, also jemanden aus heiterem Himmel trifft. Das Schöne an Sprichwörtern und Weisheiten ist, dass man sie eigentlich nicht wörtlich umsetzen sollte, aber tut man es doch, ist es recht unterhaltsam. Als ein Blitz in ein Flag-Footballspiel (eine Variante, bei der dem ballführenden Spieler ein Fähnchen aus dem Gürtel gezogen werden muss) einschlägt, führt dies gleich zu mehreren Liebeserklärungen an die Spielerin Kerry, die ihrerseits aber nur Augen für einen ihrer Teamkollegen hat, der nicht zu den klassischen Sport-Schönlingen zählt. Eine positive Botschaft am Rande. Die Verwirrung der Ärzte angesichts des Gefühlchaos nach dem Blitzeinschlag sorgt für die wenigen humorvollen Momente der Episode, die aber verständlicherweise momentan rar gesät sind.

Maret Hosemann - myFanbase

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