Bewertung: 7

Review: #17.15 Traditionen

Foto: Grey's Anatomy
Grey's Anatomy

So langsam scheint die Corona-Storyline ihrem Ende entgegenzugehen. Zwar wird sie mit Merediths Genesung, Helms Existenzkrise und der medizinischen Versorgung von native americans weiterhin thematisiert, dennoch überwiegt eine positive, harmonische Grundhaltung. Anstatt niederschmetterndem Realismus dürfen wir uns wieder über kleine Happy Ends und potenzialreiche Entwicklungen freuen.

Über Jacksons Abschied brauche ich nicht mehr zu schreiben, als was meine Kollegin Denise bereits in ihrer Review zur letzten Folge gesagt hat. Ich persönlich werde Jackson nicht allzu sehr vermissen, auch wenn ich ihn zugegebenermaßen in dieser Staffel sympathischer als in den mindestens drei davor fand. Das ganze Hin und Her mit April, Maggie oder auch Vic war mir einfach zu viel und verwässerte für mich Jacksons Charakter, den ich während seiner ersten Auftritte in der Serie sehr witzig und sympathisch fand. Daher haben mich die vielen Rückblicke berühren können, erinnerten sie doch größtenteils an glückliche Momente, die Jackson in Seattle verbringen durfte und bewiesen, wie verzahnt sein Leben doch mit all den Ärzt*innen des Krankenhauses ist – egal, ob sie dort noch praktizieren oder, wie er, Seattle den Rücken gekehrt haben.

Jacksons Abschiedsszenen fand ich daher allesamt angemessen und passend. Sie beinhielten weniger die nostalgische Dramatik von Sandra Ohs Ausstieg, sondern waren eher feierlich und schafften es dafür zu sorgen, dass man sich einfach für Jackson und seine neue Aufgabe in Boston freut. Hervorheben möchte ich vor allem die Szenen mit Jo und Meredith. Im Laufe der Staffel hatte ich ja die Vermutung geäußert, dass Jo und Jackson vielleicht doch noch ein Paar werden würden. Daher fand ich es wichtig, dass hier klare Verhältnisse geschaffen wurden und beide sich für ihre Freundschaftsdienste bedankt haben und sich somit mit einer Art Augenzwinkern voneinander verabschieden konnten.

Der Abschied von Meredith hingegen war natürlich der emotionalste. Hier denke ich, dass Jesse Williams und Ellen Pompeos private Freundschaft großen Anteil daran hatte, dass dieser so ausführlich ausfiel. In der Serie hingegen stand Jacksons und Merediths Freundschaft nie wirklich im Fokus und wurde eher am Rande gezeigt. Dennoch hatten die beiden immer ein bestimmtes Verständnis füreinander, ausgelöst durch die Parallelen in ihren jeweiligen Elternhäusern. Meredith war Jackson lange Zeit den Schritt voraus, sich mit ihrem Erbe ausgesöhnt und dieses angetreten zu haben; nun kann Jackson gewissermaßen ihrem Vorbild folgen. Betroffen machen natürlich Merediths Worte, dass nun sie die letzte ihrer Ausbildungsklasse ist, die in Seattle zurückbleibt, doch aufgrund der zahlreichen Gastauftritte ehemaliger Darsteller:innen in dieser Staffel schmerzen diese Worte ausnahmsweise nicht so sehr, als wie sie es vielleicht in früheren Staffeln getan hätten. Und herrlich war auch, wie Jackson Meredith dabei geholfen, dem großen Beifallklatschen zu entkommen. Das "big goodbye" der beiden haben wir dadurch leider nicht zu Gesicht bekommen, doch für diesen witzigen Moment hat es immerhin gereicht.

Jacksons Abschied schlägt auch ungeahnte Wellen, denn es scheint, als habe Tom eine Lösung für die Existenzkrise, die ihn seit seiner Genesung von Corona heimgesucht hat, gefunden: Er will für Jackson in der Fox-Stiftung arbeiten. Durch Corona sind ihm seine Privilegien und die Oberflächlichkeit seines Daseins bewusst geworden und daher möchte er gerade den Menschen etwas zurückgeben, die insbesondere von Covid betroffen waren: Schwarze Menschen und People of Colour. Das bedeutet allerdings aber auch, dass Tom ebenfalls nach Boston ziehen wird. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so kurz nach Jesse Williams einen weiteren Hauptdarsteller verlieren, bin gleichzeitig nicht wirklich überrascht. Im Prinzip war Toms Geschichte bereits lange auserzählt und die Staffeln, in denen Greg Germann Hauptdarsteller war, boten zu wenig gutes Material für ihn, als dass sie seine weitere Anwesenheit gerechtfertigt hätten. Dennoch werde ich Tom tatsächlich mehr vermissen als Jackson, habe ich doch ihn, seine arroganten One-Liner, aber auch seine sensible, weiche Art sehr mögen gelernt. Ich hoffe aber natürlich, dass wir Tom, ähnlich wie Jackson in dieser Folge, noch einmal sehen dürfen. Gerade Szenen mit Teddy, Amelia und Meredith müssten eigentlich doch noch drin sein.

Neben großen Abschieden bietet die Folge allerdings auch zahlreiche kleine Weiterentwicklungen. Merediths Genesung gehört natürlich zu den Highlights und es berührt mich einfach zu sehen, wie sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder normal mit ihren Freund*innen und ihrer Familie interagieren kann. Und endlich wurde das Rätsel um die Strandszenen gelüftet: Meredith hat tatsächlich alles in ihrem Koma mitbekommen. Daher hätten Bailey und Webber gar keine Angst haben müssen, ihr die Nachricht von Andrews Tod zu überbringen; Meredith weiß bereits, dass dieser sich an einem besseren Ort befindet. Schön finde ich an dieser Stelle auch, dass mein Wunsch sich schon erfüllt hat und ein Augenmerk auf Familienszenen gelegt wird. Denn still und heimlich schleicht sich Meredith nach Hause und überrascht die Kinder und Amelia. Obwohl Link in dieser Folge oft davon geschwärmt hat, mit Amelia jetzt endlich ausziehen zu können, stimme ich Owen und Winston darin zu, dass die Schwestern wohl weiterhin zusammenwohnen wollen – und die Männer einfach nur mitziehen können. Am Ende scheint Link seine Bedenken aus dem Weg geräumt zu haben und setzt sich freudig mit Donuts zu Meredith und den Kindern. Dennoch könnte ich mir hier vorstellen, dass hier noch nicht das letzte Wörtchen gewechselt wurde und wir uns vielleicht auf eine Art humorvolles Streitgespräch zwischen Link und Amelia einstellen können.

An anderer Stelle dürfen wir uns über kleine Annäherungen freuen. Während Maggie Richard bittet, ihre Hochzeit zu vollziehen und sie ihn so eindeutig als Teil ihrer Familie bezeichnet, fallen Owen und Teddy wie frisch verliebte Teenager übereinander her und verhalten sich genauso unsicher und hormongesteuert. Nachdem Owen Teddy zuletzt noch deutlich ihre Grenzen aufgezeigt hat, war ich überrascht von dem Tempo, dass die beiden hier an den Tag legen, habe mich aber irgendwie für die beiden gefreut. Staffel 17 hat etwas geschafft, von dem ich nicht geglaubt hätte, dass es noch möglich wäre: Ich mag Teddy und Owen tatsächlich wieder etwas mehr und fände es ehrlich schön, wenn den beiden ein Happy End bevorstünde. Gleichzeitig denke ich, dass diese positive Entwicklung sicherlich noch auf einige Hindernisse stoßen würde – so ganz mag ich dem Frieden noch nicht trauen.

Kurze Zeit hatte ich noch die Befürchtung, dass uns eine Art Triple-Ausstieg in dieser Folge bevorsteht, denn Taryn Helm wurde so auffällig häufig wie noch nie zuvor in den Vordergrund gerückt. Ähnlich wie Jo hat sie durch Corona die Freude an der Medizin verloren – es sind schlichtweg zu viele tote Menschen, mit denen sie in letzter Zeit konfrontiert wurde und sie hat nicht mehr die Kraft so weiterzumachen wie davor. Statt eines Ausstiegs scheint ihr aber nun ein Einzug bevorzustehen, denn Levi bietet ihr kurzerhand an, bei ihm und Jo einzuziehen, damit sie "gemeinsam einsam" sein können. Levi hat offenbar nicht vor, den nächsten Schritt mit Nico zu gehen und mit ihm zusammenzuziehen; der Beziehungsstatus scheint undefinierter zu sein, als ich es zuletzt angenommen hatte. Ich freue mich allerdings auf diese seltsame WG der drei Residents. Jo schlägt sich an ihrem ersten Tag als Carinas Assistenzärztin ja ziemlich gut und schafft es, auch über den Verlust von Andrew eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Wer weiß, vielleicht sehen wir ja in der nächsten Staffel eine ähnliche Mentorinnen-Schülerinnen-Beziehung zwischen Jo und Carina, wie wir es zuvor zwischen ihr und Meredith gesehen hatten?

Gesellschaftliche Relevanz erhält die Folge dazu durch die Thematisierung des Umgangs mit amerikanischen Ureinwohner:innen während der Covid-Krise. Dies bietet sich insbesondere dadurch an, weil vor kurzem mit Robert I. Mesa der erste native american als Anfänger in der Serie gecastet wurde. So wird nicht nur die Kultur der Ureinwohner:innen thematisiert, wir erfahren gleichzeitig, dass viele Stämme keinen Zugang zu fließendem Wasser und medizinischer Grundversorgung haben und viele Ureinwohner:innen an Corona ihr Leben verloren haben. Einmal mehr wird damit unterstrichen, wie bedeutsam die zukünftige Arbeit ist, die Jackson und Tom in Boston leisten werden und ich kann nur hoffen, dass wir vielleicht in einer späteren Folge einen Einblick davon erhaschen dürfen.

Lux H. - myFanbase

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