Bewertung: 6

Review: #15.04 Schweigepflicht

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Nach der eher enttäuschenden letzten Folge schafft man es in #15.04 Momma Knows Best zumindest ein paar der Baustellen anzugehen, die sich aufgetan haben. Dabei drehte sich alles um die Wahrheit und darum, wie viel Wahrheit zu viel des Guten ist.

"I said the one thing, didn't I?"

Meredith geht die Suche nach Mr. Right jetzt doch recht flott an und so bekommen wir in dieser Folge schon ihr erstes Date zu sehen. Dass ihr Gegenüber, John, von Josh Radnor gespielt werden wird, ist zwar im Laufe der Woche schon durchgesickert, trotzdem fand ich es herrlich amüsant, da sein "How I Met Your Mother"-Charakter Ted sich ja zur Genüge mit Dating Fauxpas auskennt. Man konnte sich sowieso schon denken, dass es nicht gleich beim ersten Mal klappen wird und hat somit eigentlich nur darauf gewartet, dass die Bombe platzt. Dabei sah es am Anfang doch so vielversprechend aus, verwechselte Dating-Partner inklusive. Immerhin hat Meredith tatkräftige Unterstützung von ihrer Familie und ihren Freunden, die sich herrlich amüsieren. Überhaupt haben mir diese Szenen am besten an der ganzen Handlung gefallen. Es war gar nichts Großes, nur ein paar Wetten, ein paar schwesterliche Sticheleien und rundherum ein wohliges familiäres Gefühl.

"Shh, I am building a boat."

Apropos Familie, man merkt deutlich, dass man Owen und Amelia immer mehr in die Elternrolle hineinsteuert. In diesem Fall ist es mal wieder nicht Leo, sondern Betty. Ihre Patchwork-Familie gefällt mir bis jetzt wirklich gut, denn sie nimmt den erzählerischen Schwerpunkt von Amelia und Owens Beziehung, die häufig ja doch sehr festgefahren und nervig war, und gibt den Charakteren andere Möglichkeiten, sich einzubringen. Obwohl sie sich nicht wirklich einig sind, wie sie mit Betty umgehen sollen und das Ganze ein bisschen in guter Cop/böser Cop endet, stehen Owen und Amelia am Ende der Folge doch als eine Einheit da. Es ist fast schon lustig, dass es eine launische Teenagerin und ihr Baby gebraucht hat, damit in ihre Beziehung etwas Gelassenheit einkehrt. Mir soll's recht sein, denn so macht es mir endlich wieder Spaß, den beiden zuzuschauen. Gerade auch Amelia hat mir wieder sehr gut gefallen, die durch ihre eigenen Erfahrungen mit der Sucht natürlich eine ganz andere Einstellung zu Bettys Handeln hat als Owen. Sehr schön fand ich, dass sie sich Rat bei Owens Mutter geholt hat, die ihr auch wirklich weiterhelfen konnte. Diese fast schon idyllische Szene ganz am Schluss lässt mich allerdings vermuten, dass bald dunkle Wolken in Form von Teddy aufziehen werden, die zur Zeit ja nur durch Maggies Gewissenskonflikt in der Serie verweilt.

"I hate people."

Maggie hat es bis jetzt in Staffel 15 nicht leicht gehabt. Irgendwie schlittert sie von einem Problem ins nächste und sie tut mir dabei einfach schrecklich leid. Denn sei es nun Teddys Geheimnis, Jacksons Abwesenheit oder das aktuelle Patientendrama – sie muss tatenlos daneben stehen. Jacksons Verhalten kann ich mir sowieso nicht erklären. Hat Jesse Williams irgendwelche anderen Projekte, weswegen er mal schnell aus einigen Folgen geschrieben werden musste, oder ist das eine ganz aktive Entscheidung der Writer gewesen? Denn es ist schon sehr merkwürdig, dass Jackson sich so einfach in die Wildnis zurückzieht, religiöser Konflikt hin oder her. Und wie genau das mit seinem Job funktionieren soll, will sich mir auch nicht so recht erschließen. Naja, wie auch immer, er lässt Maggie da ziemlich im Regen stehen. Der aktuelle Patientenfall ist auch nicht leichter und sollte wohl eine Parallele zu ihrer privaten Gewissensfrage mit Teddys Geheimnis darstellen: Kann sie Max verschweigen, wie es um seine Mutter steht? Es ist keine einfache Entscheidung, wobei ich in diesem Fall eindeutig auf Maggies Seite war. Wenn es um Max' Mutter tatsächlich so schlecht steht, ist es wohl nicht überstürzt, wenn man ihm die Hoffnung nimmt, sondern man gibt ihm die Möglichkeit, sich von seiner Mutter zu verabschieden, so schwer das auch sein mag. Doch nachdem Max davongelaufen ist, werden wir wohl erst in der nächsten Folge erfahren, ob Max die Wahrheit noch zu hören bekommen wird oder nicht.

Ganz anders sieht es bei Maggie und ihrem explosiven Geheimnis aus, das sie nun endlich jemandem anvertraut hat. Mich wundert eh, dass sie es so lange geheim halten konnte, nachdem es ihr ja schon so oft beinahe herausgerutscht ist. Und doch war es Maggies bewusste Entscheidung, Teddys Geheimnis mit Meredith zu teilen. Von Maggies Seite her ist es verständlich, dass sie zumindest das eine Problem, das sie eigenständig loswerden kann, auch loslässt. Nur ändert das eben nichts an der Tatsache, dass sie damit ihren Eid gebrochen hat. Es wird spannend, wie Meredith auf die Neuigkeiten reagieren wird, denn sie könnte Amelia ja auf jeden Fall Bescheid geben.

Was mich an der letzten Folge eigentlich am meisten gestört hat, war, wie unfähig Alex als Chief dargestellt wurde. Das passte einfach hinten und vorne nicht und ich bin mehr als erleichtert, dass Alex in dieser Folge wieder zu seinem alten Selbst zurückfinden konnte. Denn natürlich hat er einen Weg gefunden, die Regeln zu Gunsten des Patienten zu verdrehen, auch wenn es nicht ganz legal war. Dieser clevere, nicht regelkonforme Schachzug passt zu Alex und lässt ihn nicht wie einen überforderten Deppen dastehen. Auch Webber war in dieser Folge wieder annehmbarer. Klar gefällt es ihm noch immer nicht, dass nicht er, sondern Alex als Chief ausgesucht wurde. Aber trotzdem ist er es, der Alex überzeugen kann, sich nicht geschlagen zu geben, sondern weiterzukämpfen. Mit diesem Pep Talk kommt Richard wieder in seine Rolle als Mentor zurück, die ihm eh am besten steht. Jetzt stellt sich nur die Frage, ob (oder wie lange) Alex mit seiner Vorgehensweise durchkommt.

Randnotizen:

  • Mit Andy Herrera und Dean Miller haben zwei der Feuerwehrleute der Spin-Of Serie "Station 19" vorbeigeschaut (nicht zu vergessen Ben). Es freut mich, dass man die Serien weiterhin ein bisschen verbindet.
  • Als kleiner Plottwist am Rande scheinen sich ausgerechnet Jo und Link von früher zu kennen. Ich bin ja mal gespannt, was da noch so ans Tageslicht kommen wird. Hoffentlich keine Probleme.
  • Eine Runde Mitleid für Andrew, der sich wirklich Mühe gegeben hat, mit Max zu sprechen, nur um ihn dann aus den Augen zu verlieren.
  • Ganz nebenbei warte ich immer noch auf eine ordentliche Storyline für die beiden DeLucas.


Fazit

Nach dem kleinen Durchhänger in der letzten Woche fängt sich "Grey's Anatomy" wieder. Während einige Handlungsstränge nach wie vor merkwürdig vernachlässigt werden, können andere, wie zum Beispiel die Entwicklung von Owen und Amelia, Fortschritte machen. Trotzdem erscheint es einem fast so, als würde die Serie etwas auf das erneute Erscheinen von Teddy warten, die ja praktisch in alle aktuellen Haupthandlungsstränge verwickelt ist.

Denise D. - myFanbase

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