Bewertung: 8

Review: #8.01 Geheimnisse, die ich nie erfahren will

Das Ende der Serie ist besiegelt. Nach sieben Jahren Vorstadtd(r)amen startet nun die letzte Staffel der "Desperate Housewives", die passenderweise unter dem Motto "Kiss them Goodbye" steht. Und ich wiederhole mich gern: Auch wenn die Serie schon lange nicht mehr an die Qualität ihrer ersten Jahre anknüpfen konnte, so ist man doch ein wenig wehmütig zu wissen, dass uns nur noch eine Staffel bevorsteht, ehe man der Serie auf Wiedersehen sagen muss, der man sieben Jahre lang treu geblieben ist und auf die man sich in jeder Season aufs Neue mehr oder weniger gefreut hat.

Und somit herzlich Willkommen zur achten und finalen Staffel, die mit #8.01 Secrets That I Never Want to Know eingeläutet wird. Und diese letzte Staffel steht storytechnisch unter einem besonderen Stern, denn erstmals gibt es kein Geheimnis, das von den Hausfrauen aufgedeckt werden, sondern eins, das von ihnen allen behütet werden muss. Dieses Geheimnis ist dazu noch besonders schmutzig, denn es handelt sich nicht etwa um etwas vergleichweise Harmloses wie Ehebruch, sondern um einen waschechten Mord. Schmutzige Wäsche hoch drei also, und nach dem Ende diese Episode ist vor allem eines klar: Diese Wäsche bekommt keine der Hausfrauen so schnell wieder sauber.

It’s only the best of friends who stay long after the party is over to help clean up.

Der Staffelauftakt setzt unmittelbar nach dem Ende von #7.23 Partytime ein und wir sehen, wie die eingeladenen Partygäste Gabys Haus verlassen, ehe die Hausfrauen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Leiche von Gabys Stiefvater Alejandro verschwinden zu lassen, der kurz zuvor von Carlos ermordet wurde. Obligatorisch wählen Gaby und Co. die einfachste Variante aus, nämlich die Leiche einfach im Wald zu begraben. Ob das eine gute Wahl war? Schließlich wissen wir bereits durch Paul, dass dies nicht unbedingt die sicherste Art und Weise ist, eine Leiche unbemerkt zu beseitigen. Wie dem auch sei, der Moment, in dem die vier Hausfrauen vor dem geschaufelten Grab einen Schweigepakt schließen, macht vor allem auf eines Hoffnung, nämlich, dass sich die letzte Staffel wieder mehr auf die Freundschaft zwischen Gaby, Bree, Susan und Lynette fokussiert und alle vier Damen mehr gemeinsame Screentime haben. Das ist nämlich genau das, was in den letzten Staffeln immer mehr in den Hintergrund gerückt ist.

Dabei können solche Szenen richtig gut sein, wie uns #8.01 mehrmals beweist. Besonders die letzten Minuten stechen positiv heraus, als die vier Freundinnen wegen des Geheimnisses in einen kleinen Streit geraten, am Ende aber wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen, sich zusammen Lynettes ehelichen Problemen widmen und sich gegenseitig erneut klarmachen, dass sie alle aufeinander zählen können. Genau diese freundschaftlichen Momente haben in der jüngeren Vergangenheit gefehlt und exakt solche möchte man gerne öfter sehen. Überhaupt bleibt es sehr interessant abzuwarten, inwieweit die Freundschaft durch das Geheimnis in Mitleidenschaft gezogen wird, denn hier und da wurde bereits deutlich, dass das Ganze die Beziehung der Frauen zueinander negativ beeinflusst könnte.

To sweep away the loneliness of keeping a secret...

Negative Beeinflussung aufgrund des Geschehenen wirkt sich natürlich auch auf das Leben jeder einzelnen Hausfrau aus. Und dadurch kam der Staffelauftakt überraschen komplex daher, denn man zog keine klaren Grenzen zwischen der Story rund um Alejandros Tod und den Storys der Damen. Stattdessen hatte jede einzelne Story etwas mit Alejandros Tod zu tun, womit das große Staffelgeheimnis (bleiben wir einfach mal bei diesem obligatorisch Ausdruck) extrem omnipräsent wirkte und seinen Schatten wohl über die gesamte Staffel werfen wird, was zu einer sehr interessanten Angelegenheit werden könnte, wenn man das Ganze konsequent durchzieht.

Fangen wir beispielsweise mit Susan an, die stark unter dem Geschehenen zu leiden hatte. Wie sehr, das machten uns immer wieder kleinere Szenen klar, wie beispielsweise der herrliche Moment, in dem Susan unter Tränen vor ihrer Schulklasse ein Grab für einen Hamster schaufeln muss. Gleichzeitig machte man uns aber auch durch nicht humoristische Szenen den Ernst der Lage begreiflich, als Susan besorgt zu Alejandros Grab joggt. Susan scheint diejenige zu sein, die von den Hausfrauen am meisten unter der jetzigen Situation zu leiden hat, was auch keinesfalls verwunderlich ist, war Susan doch schon immer der sentimentalste Charakter. Auf Susans Entwicklung sollte man wohl ein besonderes Augenmerk im Laufe dieser Staffel haben, denn man sah bereits deutlich, dass sich Susan von ihren Mitmenschen abzukoppeln versucht und somit scheint besonders die Beziehung zu ihren Freundinnen als auch die Ehe zu Mike unter keinem guten Stern zu stehen.

To cleanse the pain of a guilty conscience...

Vergleichsweise amüsant wird es wohl bei Bree zugehen, zumindest lieferte der Staffelauftakt diesbezüglich schon mal einige grandiose Momente. Verantwortlich dafür war unter anderem Chuck, Brees neuer Liebhaber, den wir seit #7.20 Gift kennen und dummerweise ein Detective ist. Bereits im letzten Staffelfinale konnte man vermuten, dass Brees Versuche, Chuck von ihrem Geheimnis fernzuhalten, recht unterhaltsam werden könnten. In #8.01 wurden meine Erwartungen allerdings sogar noch übertroffen, denn wenn man einmal das Gehirn ausschaltet, so gehört die Beseitigungsaktion von Alejandros Wagen wohl zu den witzigsten Szenen, die „Desperate Housewives“ in letzter Zeit zu bieten hatte, was allerdings auch zum Großteil noch Gaby zu verdanken war, die in Kombination mit Bree einen knapp vierminütigen Lachanfall bei mir auslösen konnte. Aber auch die anderen Szenen mit Bree und Chuck konnten überzeugen, was auch daran liegt, dass Chuck nach wie vor ein sympathischer Charakter ist und zusammen mit Bree fantastisch funktioniert. Auch Bree scheint im Übrigen zu funktionieren, zumindest ihre Gabe, Geheimnisse für sich zu behalten. In den meisten Szenen wurde klar, dass sie diejenige ist, die die Gruppe zusammenhält und wohl auch in Zukunft alles dafür tun wird, dass der Mord an Gabys Stiefvater nicht auffliegen wird. Wie lange das noch funktionieren wird, wird sich zeigen.

Neben Susan wird es wohl auch Carlos sein, dem das Geschehene mehr zusetzen wird, als den anderen Beteiligten. Kein Wunder, schließlich war er derjenige, der Alejandro versehentlich getötet und nun mit seinem Gewissen zu kämpfen hat. Ehrlich gesagt kamen mir die Auswirkungen auf Carlos in dieser Folge noch ein wenig zu kurz, denn auch wenn man sich bemüht hatte zu zeigen, dass Carlos an der schweren Bürde leidet, so rückte er doch ein wenig in den Hintergrund. Natürlich fokussiert sich die Serie lieber auf die vier Damen, aber gerade weil Carlos der Auslöser für den großen Handlungsbogen um Alejandros Tod ist, sollte man sich doch ein wenig mehr auf ihn konzentrieren. Versuche gab es, kein Zweifel. So überzeugte vor allem das Gespräch zwischen ihm und Gaby gegen Ende der Episode, denn in dieser Szene kamen Carlos’ Schuldgefühle richtig zum Vorschein und werden wohl auch kaum durch Gabys Aussage, Alejandro habe den Tod verdient, relativiert worden sein. In den kommenden Folgen muss jedoch tiefer auf Carlos eingegangen werden und natürlich auch auf Gaby, die sich bereits jetzt begründete Sorgen machen muss, inwiefern sich das Geschehene noch weiter auf Carlos auswirken wird. Dass Gaby in dieser Folge erstklassig war, muss nach der herrlichen Beichtstuhl- bzw. der schon erwähnten Szene in Alejandros Wagen wohl nicht noch einmal groß hervorgehoben werden.

To pick up the pieces of a broken marriage ...

Wie nach den letzten beiden Folgen der siebten Staffel nicht anders zu erwarten war, dreht sich Lynettes Story um ihre Trennung von Tom und nach den bedrückenden Szenen aus den finalen Folgen, hätte man von der Weiterführung in #8.01 wohl Ähnliches erwartet. Stattdessen wurde das Ganze zu Beginn jedoch noch relativ amüsant gelöst, denn Lynettes und Toms Vorhaben, ihren Kindern noch nichts von der Trennung zu erzählen, sorgte für einige witzige Momente. Weniger gut war die weitere Entwicklung, denn es hätte nicht unbedingt sein müssen, dass Lynette wegen eines Alptraumes zu Tom rennt und beide miteinander schlafen, nur damit Lynette Tom am Ende noch einmal klar macht, dass sie keine Interesse an einem Neuanfang hat. Diesen Teil hätte man sich gerne sparen können. Richtig gepunktet hat allerdings der Moment, in dem Lynette ihren Freundinnen erzählt, wie schwer es ihr fällt, nach über 20 Jahren Ehe Tom aus ihrem Alltag zu verbannen. Ein sehr ergreifender Moment, dank dem schönen Writing, als auch dem authentischen Schauspiel von Felicity Huffman. Diese Story ist weiterhin eine der Vielversprechendsten der Staffel, zumal die Trennung der beiden nun offiziell fix ist, nachdem sie auch ihren Kindern davon erzählt haben. Nun bleibt es interessant zu beobachten, wie sich die Storyline entwickelt. Läuft die Trennung zwischen den beiden relativ friedlich ab, oder wird es zu allerhand hässlicher Auseinandersetzungen kommen? Letzteres kann ich mir bei den beiden nicht wirklich vorstellen und würde auch überhaupt nicht zu ihnen passen. Dass die Trennung jedoch friedlich verläuft, ist irgendwie auch undenkbar, denn das wiederum würde nicht zu der Serie an sich passen.

Dann gab es in dieser Staffelpremiere natürlich auch noch den obligatorischen Neuzugang in der Wisteria Lane. Nach Betty Applewhite, Katherine Mayfair, Dave Williams, Angie Bolen und Renee Perry wird die lange Reihe der Neuzugänge um einen weiteren Mann ergänzt: Ben Faulkner. Bisher konnte man nach einem Staffelauftakt noch nie wirklich viel über solch einen Neuzugang sagen, aber dieses Jahr wurde das "nie wirklich viel" auf ein "praktisch gar nichts" reduziert. Dem neuen Nachbarn widmete man gerade einmal zwei Szenen, wodurch wir jetzt immerhin wissen, dass Ben Faulkner ein unverschämt gutaussehender Neuzugang ist, der noch dazu seinen Kopf auch an der richtigen Stelle hat und nicht einige Etagen tiefer, wie Renee feststellen musste, die natürlich gleich versucht hatte, dem neuen Nachbarn ihr oberstes Stockwerk schmackhaft zu machen und dabei eine böse Abfuhr kassiert. Mehr wissen wir von dem neu zugestoßenen Hauptcharakter nicht, weshalb es noch nicht einmal wirklich für Spekulationen reicht. Aber dennoch: Ist Darsteller Charles Mesures wirklich nur zum Cast dazugestoßen, um als Spielzeug für Renee zu dienen? Oder steckt mehr dahinter? Ich persönlich tendiere ja stark auf Letzteres, nicht zuletzt deshalb, weil man Charles Mesures als neuen Hauptdarsteller verpflichtet hat – ein Status, der viel zu hoch wäre, würde er nur Renees Betthasen darstellen. Also, warten wir ab, welche Rolle Ben noch einnehmen wird und hoffen wir einmal, dass es ihm vielleicht gelingt, Renee eine Daseinsberechtigung in der Wisteria Lane zu verschaffen. Denn auch in dieser Folge und allein aufgrund der Tatsache, dass Renee als einzige der weiblichen Hauptcharaktere nicht in das Geheimnis um Alejandros Tod involviert ist, zeigt doch deutlich, dass Renee für einen Hauptcharakter eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Yes, it’s good to have friends who help clean up our messes. But every housewife knows, that as soon as one mess is taken care off, another one appears. And we may find ourselves right back where we started.

44 Minuten lang sorgte #8.01 für gute Unterhaltung, doch wirklich überraschende Momente hatte die Folge nicht zu bieten. Nun, das änderte sich innerhalb von wenigen Sekunden, denn die letzten Szene der Episode war einer der unvorhersehbarsten Momente der Serie, mit der auch ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet hatte und die ganze Geschichte um Alejandros Tod noch interessanter macht: Bree erhält einen Brief, auf dem genau die Worte stehen, die einst der Auslöser für Mary-Alice' Selbstmord waren: "I know what you did. It makes me sick. I’m going to tell."

Somit haben wir es also doch mit einem richtigen Staffelgeheimnis zu tun, denn wer zum Teufel hat den Zettel verfasst? Es kann nur jemand sein, der sowohl vom Tod Alejandros weiß als auch vom Geheimnis um Mary-Alice. Und das wiederum schränkt die Zahl der Verdächtigen ein, denn theoretisch kommen da doch nur die Hausfrauen selbst in Frage. Doch weshalb sollte eine der Hausfrauen solch einen Zettel verfassen? War es Susan, die einfach nicht mit der Last zurecht kommt? Das wäre allerdings eindeutig zu einfach und auch wenn uns "Desperate Housewives" schon des öfteren die wahrscheinlichsten Spekulationen als Lösung präsentierte, so glaube ich nicht, dass man es diesmal wieder so vorhersehbar enden lässt. Stattdessen hoffe ich, dass man jetzt am Ende der Serie noch einmal auf die Geschehnisse aus Staffel Eins und somit auf die Geschichte rund um Mary-Alice zurückgreift, denn deren Worte am Ende der Episode machten diesbezüglich wirklich Hoffnung. Und sollte man es wirklich schaffen, in der allerletzten Staffel einen tollen Bogen zur ersten Season zu spannen, dann würde "Desperate Housewives" ein grandioser Schachzug gelingen. Schon sehr lange hat die Serie nicht mehr ein solch immens großes Interesse in mir geweckt, wie mit diesem Staffelauftakt.

Fazit

Nachdem man die Zuschauer in der jüngeren Vergangenheit mit immer mehr Storylines abgespeist hatte, die teilweise noch nicht mal mehr Soapniveau erreichen konnten, scheinen die Macher zu Beginn der letzten Staffel den "reset"-Knopf betätigt zu haben. Mit #8.01 Secrets That I Never Want to Know lieferte "Desperate Housewives" eine breite Palette an interessanten und vielversprechenden Storylines, die noch dazu alle mehr oder weniger in Verbindung zueinander stehen und das Gesamtbild des Staffelauftakts deshalb ungewohnt komplex daherkam. Die gesamte Serie wirkt zu Beginn ihres letzten Jahres viel erwachsener und düsterer, beinhaltet aber dennoch die typischen "Desperate Housewives"-Momente, in denen man sich das Lachen nicht verkneifen kann. Wenn diese Mischung aus Comedy und Drama in den kommenden Folgen ähnlich ausgeglichen bleibt, die Storylines genauso interessant fortgesetzt werden, wie sie angefangen wurden, man die momentane Komplexität der Serie auch weiterhin konsequent beibehält und dem neuen, etwas düsteren Stil treu bleibt, könnte es den Hausfrauen tatsächlich gelingen, sich würdig von ihren Fans zu verabschieden. Gegönnt sei es ihnen auf jeden Fall.

Manuel H. - myFanbase

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