Bewertung: 7

Review: #6.04 Auf Streife

Foto: Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC
Marina Squerciati, Chicago P.D.
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC

Schaue ich mir die Episoden der vergangenen fünften Staffel von "Chicago P.D." an, in denen Kim Burgess vorrangig involviert war (die da wären #5.02 In geheimer Mission, #5.08 Odessa, #5.11 Streng vertraulich & #5.15 Blutige Botschaft) habe ich eine Durchschnittsbewertung von 7 Punkten abgegeben, was mir beweist, dass ich nicht nur vom Gefühl her Kim-zentrierte Episoden sehr genieße. Mit #6.04 Ride Along steht nun die erste Episode in der neuen sechsten Staffel an, in der Kim in Schwierigkeiten gerät? Ist sie erneut die Garantie für eine sehr gute Episode?

Bereits in der letzten Folge gab es eine kurze Szene zwischen Kim und Deputy Superintendent Katherine Brennan, in der die beiden verbündet waren gegen die Politiker, die gute Polizeiarbeit nicht zu schätzen wussten. Vermutlich hat Brennan diese Verbindung auch gemerkt und nun ganz clever ausgenutzt, um Kim zu einem Spielball ihrer PR-Arbeit zu machen. Zuerst umschmeichelt sie sie mit einem Lob für ihre gute Arbeit, um sie anschließend zu ködern, dass sie das das weibliche Aushängeschild der Polizei werden könnte, wenn sie die Tochter einer angesehenen Pastorin mit auf Streife nimmt. Kim sagt zu, ganz ihrer Naivität entsprechend, die sie auch nach fünf Staffeln noch nicht ganz abschütteln konnte, was sie mir aber trotzdem sehr sympathisch macht. Diese Werbemaßnahme nimmt aber eine dramatische Wendung, als Kim auf Streife mit Kendra bei einem Überfall eingreift. Da sie dies mit einer Zivilistin im Auto nicht hätte tun dürfen, lügt sie hinterher – auf Brennans Geheiß hin – die Bewertungskommission über deren Anwesenheit an, was sich als fatal erweist, da Kendra sich hinterher als Kronzeugin zur Überführung des Täters entpuppt. Kim sucht in diesem Dilemma Hilfe bei Brennan und wird von ihr eiskalt abgewiesen.

Diese Grundgeschichte hat einige sehr interessante Beobachtungen mit sich gebracht. Zum einen möchte ich für Kims Naivität eine Lanze brechen, da sie schon auf harte Tour gelernt hat, was es vor allem heißt, Männern gegenüber naiv zu agieren und da scheint sie diese Eigenschaft auch weitestgehend abgelegt zu haben. Diesmal geht es jedoch um den Zusammenhalt von Frauen untereinander, für den Kim immer eingestanden ist, weswegen sie ebensolche Unterstützung jahrelang von Erin Lindsay, Trudy Platt und nun auch Hailey Upton zurückbekommen hat. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Kim Brennan innerlich bewundert hat, weil sie die Karriereleiter aufgestiegen ist. Am Anfang der Folge wird ja erwähnt, dass bald wieder ein Test für die Beförderung zum Detective ansteht, den Kim unbedingt machen möchte. Sie hat also den Willen, beruflich aufzusteigen und hat das wohl in Brennan wiedererkannt und sich dadurch mit ihr identifiziert. Nun musste sie jedoch eine bittere Lektion lernen: Feminismus kann nur funktionieren, wenn die Frauen zusammenhalten. Wenn sich Frauen aber immer noch gegenseitig Steine in den Weg legen, wird dieses Geschlecht auf lange Sicht noch nicht die Gleichberechtigung erreichen.

Angekommen bei dieser Erkenntnis muss ich leider auch enttäuscht feststellen, dass Brennan bisher wahrlich nicht die weibliche Antagonistin ist, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Im Endeffekt könnte sie genauso gut ein zweiter Denny Woods sein, da sie bisher überhaupt kein eigenständiges Profil entwickelt. Oder zumindest keines, das ihr eine Vielschichtigkeit egal welcher Art verleiht. Brennan spurt, was die Befehle von oben angeht und nach unten hin waltet sie rücksichtslos, nur um ihre Position zu wahren. Bei dieser einfallslosen Grundlage frage ich mich wirklich, wozu man Brennan überhaupt eingeführt hat, denn einen Mehrwert hat sie bisher noch nicht.

Kim hingegen beweist wieder eindrucksvoll, was sie neben ihrer Naivität auch ausmacht: Menschlichkeit und ein gesetzestreues Gerechtigkeitsempfinden. Als sie sich Kevin Atwater nämlich über ihr Dilemma anvertraut, ist dieser sofort bereit, Kendras Status als Kronzeugin zu vertuschen. Als sie später den Täter mit einer Überdosis in einem Motel finden, lässt er ihr zudem die Wahl, ob sie ihn sterben lassen oder ihn retten. Kim ist (wie ich auch) sehr gerührt von dieser Loyalität durch Kevin, aber sie erinnert sich an das, wofür sie schon jahrelang gestanden hat, rettet den Täter und steht zu ihrer Lüge angesichts Kendras Involvierung. An dieser Stelle wird dann auch der krasse Unterschied zu Brennan deutlich. Ja, Kim will auch die Karriereleiter hochsteigen, aber nicht zu jedem Preis. Vermutlich ist ihr am Ende auch klar geworden, dass sie keinesfalls zu jemandem wie Brennan werden will. Daher hätte sie für die richtige Entscheidung auch ihre Karriere geopfert.

Dazu kommt es jedoch nicht, weil Hank Voight, der die ganze Zeit schon etwas geahnt hat, durch seine Kontakte von Kims Lüge erfährt. Er wendet sich umgehend an Trudy, die wiederum ihre Kontakte zu der Leiterin der Bewertungskommission nutzt und so Kim aus der Patsche hilft. An dieser Stelle erleben wir also genau das, was ich eben schon angesprochen haben: Kim erfährt die bedingungslose Unterstützung durch ihre weiblichen Kolleginnen, repräsentiert im konkreten Fall durch Trudy. Etwa verwirrt hat mich dagegen das Gespräch von Kim und Hank am Ende. Natürlich war er nicht begeistert, dass Kim ihn belogen hat, das verstehe ich auch. Aber die harte Art und Weise, wie er sie angegangen ist und wie er ihr auch mit einer Kündigung gedroht hat, das war mir zu viel. Denn er war es ja schließlich, der Trudy instruiert hat zu intervenieren. Ist seine Enttäuschung so groß, weil er inzwischen so viel von ihr hält? Spielen auch immer noch die Sorgen um Alvin Olinskys Tod eine Rolle oder die Erinnerung daran, wie schnell das Team durch Geheimnisse auseinanderfallen könnte? Es wäre alles möglich, doch leider gibt diese Folge keine klare Antwort.

Zum Abschluss bleiben nun nur noch zwei kleinere Themen offen. Adam Ruzeks und Hailey Uptons ganz frische Beziehung wird am Anfang der Folge kurz eingewoben, wo dann der Eindruck entsteht, dass Adam definitiv mehr investiert ist in ihre Verbindung ist als Hailey. Das zweite Thema sind dann die Schulterprobleme von Antonio Dawson, nachdem er sich diese in der letzten Folge verletzt hatte. Ausgerechnet Adam, mit dem er sich in dieser Staffel nun wahrlich nicht bestens verstanden hat, entdeckt die Probleme und zeigt sich sehr besorgt und kollegial. Antonio tut das ganze Geschehen ab und behauptet zunächst, dass ihm Akupunktur helfen würde. Am Ende der Folge wird jedoch offenbart, dass er zahlreiche Schmerzmedikamente nimmt. Wollen die Drehbuchautoren uns jetzt nur eine einfallslose Storyline bieten, bei der Antonio von Schmerzmedikamenten abhängig wird oder geht es speziell um Adams Involvierung dabei oder wählen die Autoren am Ende einen ganz anderen Weg? Dies bleibt abzuwarten, aber gespannt bin ich darauf schon allemal!

Fazit

Kim-zentrierte Folgen bleiben auch weiterhin eine Bank bei den sehr guten Episoden. Um ihr moralisches Dilemma herum wird ein spannender Fall geknüpft, der zwar recht offensichtlich abläuft, der aber eine ganze Menge an interessanter Charakterarbeit liefert. Den positiven Eindruck trüben nur Brennan und Hank. Während sie bereits nach vier Folgen eine herbe Enttäuschung darstellt, hat sich Hanks Umgang mit Kim nicht ganz erklärt. Ansonsten aber eine tolle Episode, die auch eine neue Storyline für Antonio anlegt.

Lena Donth –myFanbase

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