DVD-Rezension: Chicago P.D., Staffel 6

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Nach fünf gemeinsamen Staffeln mussten wir uns von Alvin Olinsky alias Elias Koteas verabschieden. Die Lücke im Team wird mit der neuen Staffel nicht geschlossen, dafür erwarten uns mit Deputy Superintendent Katherine Brennan (Anne Heche) und Superintendent Brian Kelton (John C. McGinley) gleich zwei neue Gegenspieler. Auch Ray Price (Wendell Pierce) kehrt zurück und formt eine überraschende Allianz mit Hank Voight (Jason Beghe), da im Kampf um die politische Hoheit über Chicago mit harten Bandagen gekämpft wird. Mit den Voraussetzungen hat sich "Chicago P.D." nun aufgemacht, die vergangene sehr gute Staffel zu toppen.

Inhalt

Für die Männer und Frauen der Intelligence Unit der Chicagoer Polizei steht die Sicherheit ihrer Stadt an erster Stelle. Unter Führung von Detective Sergeant Hank Voight setzt das Elite-Team alles daran, die furchtbarsten Verbrechen aufzuklären und die Täter der Justiz zu übergeben.

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Rezension

Foto: Jesse Lee Soffer & Patrick John Flueger, Chicago P.D. - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC
Jesse Lee Soffer & Patrick John Flueger, Chicago P.D.
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC

Staffel 5 konnte vor allem durch neue Partnerschaften auf der beruflichen Ebene überzeugen, aber auch viele aktuelle Themen, die in den Fällen der Wochen aufgegriffen wurden, konnten an den Bildschirm fesseln. Die große Stärke von Staffel 6 ist nun, dass die Serie auf zwei große durchgängige Handlungsbögen setzt, die sich durch nahezu alle Episode ziehen, so dass man einen roten Faden hat, der zum Weiterschauen anregt. Auf der einen Seite haben wir den politischen Kampf, da Superintendent Kelton von der Leitung des CPDs ins Amt des Bürgermeisters wechseln will und hierfür natürlich den guten Ruf der Polizeibehörde nutzen will, um für seine Arbeit Werbung zu machen. Da die Intelligence Unit angeführt von Hank die prestigeträchtigsten Ermittlungen untersucht, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, da Zeitdruck, Emotionalität, Erpressung und Manipulation eine große Rolle spielen. Mit Heche, die zunächst als engste Mitarbeiterin von Kelton die Konfrontation sucht und mit McGinley selber wurden zwei Schauspieler gefunden, die die Antagonisten wirklich überzeugend darstellen können. Da Hank selbst kein moralischer Sonnenschein ist, ist es schon eine größere Herausforderung, Charaktere zu entwickeln, bei denen man sich problemlos auf die Seite des Sergeants schlägt. In diesem politischen Machtkampf kommt nun auch noch Price hinzu, der für mich in Staffel 5 ein wenig der heimliche Held war. In Staffel 6 nun bestätigt sich dieser Eindruck, da vor allem seine Beziehung zu Hank höchst interessant gestaltet wird, so dass man schon fast von einer Männerfreundschaft sprechen kann, die nach Alvins Verlust einen guten Ersatz bildet.

Auf der anderen Seite haben wir eine Lagerbildung innerhalb der Unit, die sich grob in pro Hank und contra Hank einteilen lässt. Während Adam Ruzek (Patrick Flueger) seinem Boss treu ergeben ist, stößt sich Antonio Dawson (Jon Seda) wie so oft an den fragwürdigen Entscheidungen des Sergeants, so dass über die Staffel hinweg oft die Loyalität geprüft wird, bei ihm, aber auch bei den anderen Kollegen. Das Ganze gipfelt im Herbstfinale, als all die Spannungen nichts mehr gelten, denn fortan muss die Unit umso mehr zusammenhalten. Die Geschehnisse in dieser Episode will ich gar nicht vorwegnehmen, aber sie erinnern doch sehr an die Umstände rund um Alvins Tod, da es nun eine weitere Vertuschungsaktion gibt, die den Fortbestand der Unit akut gefährdet. Beide großen Handlungsstränge werden immer episodenweise um neue Informationen angereichert, bis sich beides in einzelnen Episoden zuspitzt. Im Staffelfinale wiederum kommen beide Handlungen zusammen und daraus ist eine Episode entstanden, die ich ganz klar als Highlight der 22 Episoden bezeichnen möchte, denn hier hat man regelrecht am Bildschirm vor Spannung geklebt und ein abschließender Cliffhanger wird die Wartezeit auf Staffel 7 unerträglich erscheinen lassen.

Foto: Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC
Marina Squerciati, Chicago P.D.
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC

Auch die Beziehungen privater Natur haben in dieser Staffel einiges zu bieten. Die größte Überraschung ist sicherlich das zunächst als Affäre beginnende Intermezzo von Hailey Upton (Tracy Spiridakos) mit Adam. Als bekennender Fan von ihm und Kim Burgess (Marina Squerciati) hätte ich nie damit gerechnet, dass mich die beiden so überzeugen könnten. Beziehungen innerhalb der Unit waren schon immer ein schwieriges Thema. Während Kim und Adam leider vor die Wand gefahren wurden, hat man Erin Lindsay (Sophia Bush) und Jay Halstead (Jesse Lee Soffer) nie so vorangetrieben, dass man jemals von einer stabilen Entwicklung hätte reden können. Daher war ich doch sehr angetan, dass ausgerechnet Hailey, die Adam doch immer auf Abstand halten wollte, dann letztlich deutlich sichtbar Gefühle für ihn entwickelt, was immer wieder durch kleine Szenen unterstrichen wurden, die einem das Herz aufgehen ließen. Hiermit verbunden waren dennoch stets auch mögliche Dreiecksgeschichten, denn wie würden Kim als Ex-Partnerin und Jay, der eng mit Hailey verbunden ist, darauf reagieren? Zum Glück wurde beiden Seiten nicht nachgegangen, denn gerade die berufliche Partnerschaft von Hailey und Jay hat eine Ebene erreicht, die etwas Besonderes ist und auch das muss man in Ehren halten. Bei Antonio wiederum wurde eine Verletzung während eines Einsatzes für eine Abhängigkeit von Schmerzmedikamenten genutzt. Das war für ihn auch mal eine ganz andere Richtung, die dann auch geschickt mit anderen Problematiken verknüpft worden ist.

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Foto: Anne Heche, Chicago P.D. - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC
Anne Heche, Chicago P.D.
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC

Weiterhin bleibt das Geschehen vor allem auf die Fälle der Woche konzentriert, aber immerhin hat man auch hier regelmäßig Abwechslung durch die unterschiedliche Fokussierung auf die Hauptcharaktere. In #6.05 Mitgehangen kommt Adam mal wieder mit seinem Vater Bob in Kontakt und rätselt, ob dieser in kriminelle Geschäfte verwickelt sein könnte oder nicht. Haileys Vergangenheit wiederum wird in #6.06 Die üblichen Verdächtigen näher beleuchtet, was mit vielen Emotionen überzeugen konnte. Kim hat dann in #6.19 Vertane Chancen ihren großen Auftritt, als mit Blair Williams (Charles Michael Davis) ihr aktueller Freund ermordet wird und sie sich der Tatsache stellen muss, dass sie von ihm mehr wollte und die Chance nun verpasst hat. Richtig enttäuschend war zum Glück nur eine Episode, #6.18 Feuerpause. Ganz dem Titel entsprechend wurde hier vieles ausgebremst und zäh erzählt und vor allem Hank ist hier nicht gut wegkommen.

Specials & Technische Details

Foto: Copyright: 2019 Universal Pictures
© 2019 Universal Pictures

Als Extras werden die Crossover-Episoden mit "Chicago Fire", #7.02 Inferno, und mit "Chicago Med", #4.02 Außer Atem, angeboten.

Erscheinungstermin: 14. November 2019
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 900 Minuten
Bildformat: 16:9 1.78:1
Sprachen (Tonformat): Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch

Fazit

"Chicago P.D." kann in seiner sechsten Runde problemlos mit der vorangegangenen mithalten und sie vielleicht sogar minimal toppen, denn die Staffel wirkte insgesamt sehr durchdacht. Mit der ersten Episode an wurde der Grundstein für das abschließende Staffelfinale gelegt und sukzessive wurde darauf hingearbeitet. Schlechtere Episoden wurden sofort durch bessere ausgemerzt, so dass man noch nicht mal von einer Schwächeperiode sprechen kann. Auch im privaten Bereich hat es viel Überraschendes und Neues gegeben, was für die Cop-Serie, die sich doch recht streng an den Fall der Woche hält, ein gutes Zeichen ist. Diese Argumente manifestieren einen rundum zufriedenen Gesamteindruck.

Lena Donth - myFanbase

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