Bewertung: 8

Review: #7.18 Judge Not, For You Will Be Judged

Foto: Chicago Med - Copyright: 2021 NBCUniversal Media LLC.
Chicago Med
© 2021 NBCUniversal Media LLC.

"Chicago Med" in dieser Season als Sorgenkind von OneChicago zu bezeichnen, wäre wohl echt dämlich. Die aktuelle siebte Staffel zeigt quasi in jeder Episode, dass die Serie zu ihrer alten Stärke aus den ersten Staffeln zurück findet. Mit der neuesten Episode kehrt Ethan Choi zurück, wir lernen ein weiteres Familienmitglied von Sharon Goodwin kennen, Hannah Asher kann sich behaupten und Dean Archer hat mir irgendwie ein Rätsel aufgegeben.

Das Beste für die Patienten

Ich hatte ja damit gerechnet, dass wir Tara kennenlernen würden, dass es so schnell geht, habe ich jedoch nicht gedacht. Es ist aber toll, dass wir endlich mal ein bisschen mehr über Sharons Familie erfahren, denn irgendwie hat man das in den vergangenen Staffeln ein bisschen schleifen lassen. Tara wirkt auf den ersten Blick sehr sympathisch und abenteuerlustig, was Sharon wohl anscheinend in manchen Dingen nicht so glücklich macht. Ich glaube schon, dass sie ihre Kinder zur Selbstständigkeit erzogen hat und dazu, auch zu ihren Entscheidungen zu stehen. Jedoch glaube ich, dass sich die Sichtweise bzw. die Einstellung dazu manchmal ändert, wenn es die Tochter ist, die das Enkelkind bald austragen wird.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass uns Tara noch etwas erhalten bleibt, denn mich interessiert es doch sehr durch ihre Erzählungen, wie ihr Leben so ist, da sie einen Samenspender hatte (was ich nicht verurteile) und eine Hausgeburt möchte. Aber obwohl Sharon eine enge Bindung zu ihrer Tochter zu haben scheint, offenbart(e) Tara eben nicht alles, was diese Storyline oder doch möglichen Handlungsbogen interessanter macht. Denn Tara leidet wie ihre Mutter unter Myomen, die aber ungefährlich sind – insofern sie nicht wachsen, was aber hier nicht mehr der Fall ist.

Mich freut es auch sehr, dass Hannah und Archer in den Fall eingebunden worden sind. Zum einen weil es einen Bogen zurück zu Episode #7.16 May Your Choices Reflect Hope, Not Fear schlägt und man wieder das Dreiergespann hat und das dort genannte Vertrauen von Sharon zu Hannah jetzt unter Beweis gestellt werden kann und Hannah kann zeitgleich Archer beweisen, dass sie eben die Richtige für die Stelle ist. Zudem bin ich mir eben nach wie vor sicher, dass Sharon auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Tara schwanger ist, Hannah zurückgeholt hat und auf diese bin ich mächtig stolz, weil man bei diesem Fall jetzt voll und ganz erkennen konnte, dass sie ihre Drogensucht besiegt hat und sie wirklich im Interesse ihrer Patient*innen handelt. Denn wie auch Sharon am Ende der Episode betont hat, hat Hannah wirklich keinen leichten Stand, zudem hat sie sich gegen eine Mutter, die gleichzeitig auch noch ihre Chefin ist, gestellt, was auch hätte anders ausgehen können. Ich muss aber auch sagen, dass ich nie wirklich Angst um Tara hatte, auch nicht, als Hannah die Arterie verletzt. Vielmehr hatte ich Bedenken, dass Archer ihr daraus auch noch einen Strick drehen wird. Ihre Ansage an ihn fand ich sehr gut, auch wenn ich das Gefühl habe, dass er nicht aufgrund dessen geschwiegen hat, sondern weil er in Gedanken war. Ich frage mich, was es genau mit dem Bild auf sich hat, denn irgendwie scheint der Fall etwas in Archer ausgelöst haben und ich bin gespannt, was es sein wird, denn auch wenn ich den Charakter an sich interessant finde, ist mir die Backstory einfach noch zu wenig.

In diesem Zusammenhang mit Tara fand ich aber auch interessant, dass wir Sharon noch einmal von einer ganz anderen Seite erlebt haben. Zwar bekamen wir auch schon Michael Goodwin zu Gesicht, doch jetzt bei Tara hat man eben Sharons verletzliche Seite gesehen, die aber dennoch signalisiert hat, dass sie vor anderen und auch sich selbst die Starke gegeben hat, weshalb ich es toll fand, dass Daniel Charles hier mal wieder wirklich als ihr Freund an ihrer Seite agiert und gezeigt hat, wie gut er sie kennt.

Ein besseres Leben

Ich möchte hier zuerst auf den Fall von Dylan Scott und Crockett Marcel eingehen, dem man wirklich verschiedene Eindrücke verpasst hat, die alle irgendwie bedrückend gewesen sind. Mit Gavin haben wir einen jungen Mann, der mit einer Schussverletzung eingeliefert wird und alleine schon beim Wort Schussverletzung habe ich immer ein etwas ungutes Gefühl. Doch hier bot man uns gleich mehrere Varianten, die dazu hätten führen können. Angefangen bei einem Einbruch, der zwar ausgesagt hätte, dass Gavin sich vielleicht schützend vor seine Familie gestellt hätte, aber es war ja keiner. Spannender war daher, als man seine Frau Darlene und seine Schwägerin Krystal kennengelernt hat, die die Eheprobleme und die Spielsucht angesprochen haben. Und zugegeben bei Darlene hätte man leicht annehmen können, dass sie etwas mit der Verletzung zu tun hätte, eben weil sie irgendwie wie ferngesteuert gewirkt hat, und auch ihre sonstige Kommunikation hätte darauf hindeuten können, zumal Spielsucht wirklich eine Erkrankung ist, die eben nicht nur die Familie belastet, sondern diese auch aufgrund der Schulden ruinieren kann. Dementsprechend fand ich die Auflösung dessen spannend und sehr bedrückend.

Man konnte zwar vorab nachvollziehen, dass Gavin sich gegen Wiederbelebungsmaßnahmen entschieden hätte, eben weil er dann vielleicht doch eine Belastung gewesen wäre – in körperlicher Hinsicht – und Darlene ihren Mann somit eigentlich ziemlich gut kennt. Aber spätestens nachdem bekannt wurde, dass Gavin sich aufgrund seiner Spielsucht das Leben nehmen wollte, um keine Belastung mehr für seine Familie zu sein, stellte sich bei mir ein sehr bedrückendes Gefühl ein. Ich kann nachvollziehen, dass er sich seiner Familie gegenüber als Belastung sieht, aber Spielsucht ist behandelbar und gerade, wie Darlene bei seinem Geständnis reagiert hat, hat für mich gezeigt, dass die Liebe eben noch nicht erloschen ist und dass es für sie wahrscheinlich eine sehr viel größere (psychische) Belastung gewesen wäre, wäre er gestorben und erst danach wäre dieser Grund herausgekommen. Aber ich denke, Gavin und Darlenes Liebe ist stark genug, um das zu meistern.

Überhaupt habe ich in dieser Episode das Gefühl gehabt, das Thema Liebe steht diesmal besonders im Fokus. Denn auch bei dem Fall von Maggie Lockwood und Will Halstead ging es dabei darum. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich zum wiederholten Male die Augen verdreht habe, weil Will zum wiederholen Male ziemlich nahe an der Grenze war, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, kann ich ihm diesmal keinen wirklichen Vorwurf machen und ich glaube auch nicht, dass seine Suspendierung von langer Dauer sein wird, aber darauf komme ich später nochmal zu sprechen.

Illegal in einem Land zu sein und Kindesentführung sind zwei Themen, die wirklich keine leichte Kost sind, wenn aber beide Themen zusammentreffen und daraus ein Fall entsteht, bei dem ich Mitgefühl für die Täterin habe und sogar Wills Verhalten mehr als nachvollziehen kann und sogar Ethan deutlich mehr Sympathie entgegenbringen kann, hat "Chicago Med" ein guten Job gemacht. Mit Petra Kastner haben wir eine deutsche, die ihren Sohn nach Chicago entführt hat, um ihn vor ihrem gewalttätigen Mann Hans in Sicherheit zu bringen. Hier kann man auch wunderbar anbringen, dass eben die Mutterinstinkte sehr intensiv sind und (gute) Mütter alles für ihre Kinder tun würden. Ich glaube zwar, dass hier auch nichts mehr nachkommen wird, aber ich fände es schon interessant, sollte der einflussreiche Hans plötzlich im Chicago Med auftauchen. Interessant fand ich auch, wie man Ethan hier eingebunden hat (auf Randall Shentu hätte ich verzichten können), denn dieser war immer so überkorrekt und hat nie gegen das Gesetz oder die Regeln gehandelt, aber seine Verletzung und der Tod seines Vaters haben ihm wohl manches überdenken lassen, so dass er Petra quasi aus dem Krankenhaus 'geschmuggelt' hat, weshalb ich eben auch nicht glaube, dass Wills Suspendierung lange Bestand haben wird, auch wenn Archer erst einmal weiterhin die Leitung hat.

"Du hast gelogen..."

Kommen wir zum Schluss noch zu meinem Lieblingspaar, bei dem ich aber ehrlich gesagt eher immer mehr Zweifel bekomme, ob das noch lange gut gehen wird: Dylan und Milena Jovanovic. Die mag die beiden wirklich sehr gerne zusammen, aber ich denke, es gibt einfach noch etwas, was uns Milena (die wahrscheinlich komplett anders heißt) verschweigt. Denn die enorme Geldsumme spricht definitiv Bände, dass sie etwas verschweigt, was sie und vor allem auch Dylan in Gefahr bringen wird. Ich bin zwar froh, dass dieser ihr Vertrauen entgegenbringt, aber wie schon vor ein paar Episoden steckt bei Dylan noch immer der Polizist in ihm und ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser ewig in ihm ruhen wird, zumal er auch Zora (über deren Auftauchen ich mich sehr gefreut habe) wegen des Geldes gefragt hat. Ich bin wirklich gespannt, was da noch kommen wird.

Fazit

Auch diesmal hat "Chicago Med" einen guten Job gemacht und vor allem andere und neue Facetten von Sharon gezeigt, die interessant gewesen sind. Zudem hat man mehrere Fälle gezeigt, die dafür sorgten, dass auch Charaktere wie Archer oder Ethan Facetten haben, bei denen ich hoffe, dass man deren Potenzial ausschöpft.

Daniela S. - myFanbase

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