Bewertung: 6

Review: #7.17 Gegen die Wand

Foto: David Eigenberg, Chicago Fire - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Elizabeth Morris/NBC
David Eigenberg, Chicago Fire
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Elizabeth Morris/NBC

In die zurückliegende Pause wurden wir mit zwei kleinen Fragezeichen geschickt. Wie schlägt sich Sylvie Brett, nachdem Kaplan Kyle Sheffield ihr den Laufpass gegeben hat, weil er seine Arbeit durch ihre Verbindung bedroht sieht? Und wie geht Matt Casey mit seiner Nahtoderfahrung um?

Überraschenderweise ist Sylvies Trennungsschmerz nur ein sehr knapp abgehandeltes Thema. Am Anfang der Folge erleben wir, dass sie recht lustlos ist und sich kaum zur Arbeit aufraffen kann. Nur gut, dass es ihre Mitbewohner Joe Cruz und Brian 'Otis' Zvonecek gibt, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, ihr so viel Ablenkung wie möglich zu verschaffen. Nur leider sehen wir diese Ablenkung nicht. Entweder die folgt noch in der kommenden Episode, was ich aber mehr als problematisch finde, da es so schon fast wieder überholt wirkt oder das Thema soll tatsächlich nicht weiterverfolgt werden. Mir hat es definitiv in dieser Folge gefehlt, weil Sylvie einem so vor allem als kleines Mädchen in Erinnerung bleibt, die vor Freude ausflippt, weil Cindy Herrmann die Wache umdekorieren darf. Das wirkt nach so einer Trennung als bleibende Erinnerung doch etwas blass.

Kommen wir zurück zu Cindy, bei der ich es wirklich toll fand, dass sie einmal so eine eigenständige Storyline bekam, die sie so auchals Persönlichkeit mehr in den Mittelpunkt setzt, da sie ansonsten vor allem Mutter und Ehefrau ist. Ich fand den Gedanken sogar sehr spannend, dass man das Set vielleicht mal etwas aufpoliert hätte. Nach fast sieben Staffeln hätte ein anderer Anstrich oder ein anderes Mobiliar gewiss für keine Aufruhr gesorgt. Das präsentierte Ergebnis war natürlich total übertrieben und es war klar, dass es so nicht bleiben wird. Das finde ich etwas schade, da man so auch etwas Bleibendes von Cindy in Erinnerung behalten hätte. Am Ende wiedersagt mir auch ein wenig die Botschaft dahinter. War das Ganze wirklich nur für ein paar Lacher und einen Ehestreit zwischen ihr und Christopher Herrmann? Und warum muss Cindy dabei so schlecht weggekommen? Denn man fragt sich doch wirklich, wie sie bei diesem Endergebnis wieder erfolgreich Kunden generieren soll... Insgesamt hatte die Storyline Potenzial für mich, aber der Humor hat nicht ganz gepasst und auch die Endbotschaft war mich nicht klar.

Herrmann hat jedoch nicht nur mit seiner Frau zu kämpfen, sondern auch mit Matt, der seine Nahtoderfahrung noch nicht gut weggesteckt hat und daher seine unverarbeiteten Gefühle unkontrolliert an seinem Lieutenant auslässt. Ich fand es gut, dass das Thema bei Matt noch weiterverfolgt wird, denn diese Frage „Warum bin ich nicht gestorben?“, die kann einen schon umtreiben. Ich fand es auch gut, dass es in einem Streit mit Herrmann gipfelte, da wir Auseinandersetzungen mit Kelly Severide schon oft genug hatten. Etwas schade fand ich nur, dass Matt seine Argumentation für sein überhartes Handeln darin sah, dass Chief Boden mit Herrmann nicht oft genug scharf ins Gericht geht, weil sie auch Freunde sind. Was sind denn Matt und Herrmann? Ja, in erster Linie Kollegen, aber für eine Serie, die sooft betont, dass sie eine große Familie sind, finde ich es seltsam, wenn Matt sich plötzlich so distanziert, zumal Herrmann immer schon ein kluger Lebensratgeber für ihn war.

Sehr gut gelungen fand ich dafür das Eingreifen von Ritter, der mehr und mehr zum Streitvermittler auf Wache 51 wird und natürlich dann die Versöhnung von Herrmann und Matt. Hier wurden dann eben genau die Dinge angesprochen, die die beiden für mich ausmachen. Herrmann hat den Karriereweg von Matt aus der ersten Reihe mitverfolgt und statt dies zu beneiden, weil es bei ihm eben nicht so steil voranging, hat er ihn stets unterstützt und wurde dafür ebenfalls belohnt. Für Matt wiederum war es auch genau der richtige Augenblick, so ein großes Kompliment zu erfahren. Zwar hat Boden ihm in der vorherigen Folge schon bekräftigt, dass sein Leben noch einen größeren Sinn haben muss, aber genau das von jemandem zu hören, mit dem man sich kurz zuvor noch verbittert gestritten hat, ist definitiv höher einzuschätzen!

Abschließend komme ich noch zur stärksten Storyline der Folge, die viel Zeit eingenommen hat und die vermutlich auch Schuld daran ist, dass Sylvie zu kurz gekommen ist. Vielleicht hätte man Stella Kidds großen Moment für die kommende Woche aufsparen sollen, da man ihn in dieser Folge eben nicht vermisst hätte, weil er nirgendwo angeknüpft hat, aber die Drehbuchautoren haben sich, warum auch immer, anders entschieden. In der Regel sind es Matt und Kelly, die Widersprüchen oder Rätseln nachgehen, zuletzt kam auch Emily Foster öfters hinzu, nun durfte auch Stella mal wieder ihren Spürsinn ausleben, da sie einen Fall von Kindesmisshandlung aufdeckt. Eigentlich war es aber weniger eine Stella-Storyline, sondern man hat schon deutlich gemerkt, dass die Geschichte zu einer erneuten Annäherung von ihr und Kelly führen soll. Wenn es auf diese Weise geschieht, gefällt es mir auch gut, denn diese Annäherung passiert auf einer emotionalen Ebene, nicht auf einer körperlichen und damit genau dort, wo Kelly noch so viel lernen muss. Ich fand sein Verhalten auch genau passend. Zunächst vorsichtig, um Stella dann zu 100% zu unterstützen und ihr vor allem zu vertrauen. Zudem spielt er sich an keiner Stelle in den Vordergrund, sondern lässt ihr den Raum. Genau das ist es am Ende auch, was Stella imponiert, denn er hat ihr ihre Heldentat gelassen. Da wir noch ein paar Folgen bis zum Staffelfinale haben, würde es mir sehr gefallen, wenn man die Beziehung bis dahin behutsam weiter aufbaut, denn überstürzt hilft bei den beiden gewiss nicht.

Fazit

"Chicago Fire" kommt in dieser Woche über eine solide Unterhaltung nicht heraus, da man Sylvies Trennungserfahrung fast gänzlich unter den Tisch kehrt und auch bei Matts Reaktion auf seine Nahtoderfahrung etwas übertrieben ausholt. Dafür gab es eine Annäherung von Stella und Kelly, die behutsam und damit genau richtig angegangen wird. Hiermit kann man arbeiten.

Lena Donth - myFanbase

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