Bewertung: 6

Review: #4.01 Strangers

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"Strangers", so der Originaltitel der Auftaktfolge der vierten Staffel von "This Is Us", bedeutet übersetzt "fremde Leute" und das zugehörige Adjektiv "strange" steht sowohl für fremd als auch seltsam. Und genau das finde ich äußerst treffend, wenn ich nun auf die Episode zurückblicke. Dabei fühlte sich der Beginn noch sehr vertraut an, denn wir knüpfen an die Vergangenheitshandlung von #3.07 Manchmal an. Rebecca und Jack sind gerade von ihrem gemeinsamen Road-Trip nach Los Angeles zurückgekehrt, der für Rebecca mit ihrem Termin bei einem Platten-Label für Ernüchterung und Enttäuschung sorgte. Dennoch kehrt sie als Gewinnerin zurück, denn die Reise schweißt sie trotz der erst kurzen Bekanntschaft mit Jack noch enger zusammen und führt zu der uns hinlänglich bekannten Traum-Ehe (zumindest über weite Teile) der beiden. Das wohlige "This Is Us"-Gefühl begann sich breit zu machen und die Freude über die Rückkehr aus der sechsmonatigen Pause stieg weiter an.

Doch die folgenden Szenen sorgten dann erst einmal für viele Fragezeichen. Uns bislang völlig unbekannte Personen mit voneinander unabhängigen Geschichten wurden uns präsentiert. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob es mich nun eher enttäuschte, nicht die Fortsetzung der uns vertrauten Charaktere mitzuerleben oder ob doch die Neugier überwog, was es wohl mit den neuen Figuren auf sich hatte. Es machte mir durchaus Spaß, darüber zu spekulieren, in welcher Zeitebene die einzelnen Szenen spielten und ob es sich bei den Personen vielleicht sogar um Nachkommen der Pearson-Sprösslinge handeln könnte. Ich hatte zuvor zwar gelesen, dass Jennifer Morrison eine Rolle in der neuen Staffel übernehmen würde, hatte mich jedoch nicht weiter darüber informieren wollen, welche Figur sie dort verkörpern wird. Aufgrund des Abschieds von Melanie Liburd alias Zoe vermutete ich aber, dass sie vielleicht auf Kevin Pearson treffen könnte. Doch die gezeigte Handlung ließ diesen Gedanken schnell wieder verschwinden, denn sowohl die Militär-Szenen als auch das Telefonat mit ihrem Mann Ryan (für mich überraschend mit Roswells Nick Wechsler besetzt) ließen mich keinen Bezug zu Kevin erkennen. Stattdessen ertappte ich mich dabei, in dem blinden jungen Mann eine zumindest visuelle Ähnlichkeit mit Kevin zu sehen und zu vermuten, es könne sich um seinen zukünftigen Sohn handeln. Was mich daran jedoch zweifeln ließ war die Tatsache, dass alle neuen Handlungen, inklusive der mit dem sehr jungen Vater, in einer nicht allzufernen Zukunft zu spielen schienen. Bei einem so weiten Blick in die Zukunft rechnete ich aber doch mit der ein oder anderen technischen Neuerung, die mir jedoch nicht auffiel. Aber dann kam mir auch der Gedanke an den Serienauftakt, der es über weite Strecken ebenfalls verstand, die einzelnen Handlungsstränge trotz der am Ende festgestellten unterschiedlichen Zeitebenen nahezu zeitlos aussehen zu lassen. Insofern stellte sich trotz der fremden Menschen und des seltsamen Gefühls, plötzlich eine ganz andere Serie zu verfolgen, dennoch das Gefühl ein, ein "This Is Us" déjà-vu zu erleben. Dabei sollte es nicht nur bei der vermeintlichen Zeitlosigkeit bleiben. Denn die neuen Charaktere schienen nicht nur in ihren Eigenschaften, sondern auch in ihrem jeweiligen Lebensumfeldern in ganz ähnlichen Situation zu stecken, die wir von der Familie Pearson zu Genüge kennen. So lag bei Cassidy aufgrund des Militäreinsatzes und der daraus resultierenden traumatischen Erlebnisse schnell eine Parallele zu Jack auf der Hand. Die musikalischen Ambitionen des blinden jungen Mannes konnten sowohl Rebecca, als auch Kate zugeordnet werden (dessen Verbindung sich letztendlich auch bestätigen sollte) und bei dem jungen Vater dachte ich spontan ein William, Randalls leiblichen Vater, obwohl sich hier die Vorzeichen umgedreht hatten und der junge Vater auch Verantwortung für das Kind zu übernehmen schien. Es waren also alle Zutaten vorhanden, die eine typische "This Is Us"-Folge ausmachen, wenn auch nicht mit den erwarteten Charakteren. So sehr das Rätseln auch Interesse bei mir erzeugen konnte, so wenig haben mich diese neuen Geschichten aber vielleicht mit einer Ausnahme auch interessiert. Gerade durch die Parallelität von bekannten Ereignissen und Umständen wollte bei mir keine Spannung aufkommen. Die Handlung um den blinden Mann weckte dabei mein größtes Interesse. Denn irgendwie erinnerte der Mann in seinem Wesen auch sehr dem jungen Jack Pearson, insbesondere in seinem Werben um die Kellnerin und wie bereits angedeutet, bestätigten sich diese Anzeichen ja auch in der Auflösung, dass es sich bei dem Mann um Jack junior handelte, den Sohn von Kate und Toby. Zugleich war dies natürlich auch ein kleiner Schock und emotionaler Moment zu erfahren, dass der so lange von den beiden erhoffte Nachwuchs nun also erblindet ist. Und so trat letzten Endes mit der Auflösung der einzelnen Handlungsstränge auch eine Versöhnung mit der Folge ein, denn die vertrauten Pearson-Familienmitglieder hatten doch noch alle einen, wenn auch nur kurzen Auftritt. Wieder einmal wird der Geburtstag der drei Geschwister begangen und wir können miterleben, in welcher Situation sich diese gerade befinden. Zugleich fügen sich die neuen Handlungen mit den altbekannten Figuren zusammen und gewähren einen Ausblick auf die nun kommenden Folgen. Und mit dem Wiedersehen mit Nicky im Handlungsstrang mit Cassidy sollte sich dann plötzlich doch noch meine Vermutung einer möglichen Verbindung von Justin Hartley alias Kevin und Jennifer Morrison bestätigen. Außerdem freue ich mich, dass mit der Einführung von Malik offenbar Déjà wieder eine größere Rolle einnehmen wird. Es war wirklich schön, sie nach der Rückkehr von dem Barbecue mit einem so strahlend lachenden Gesicht zu sehen. Und auch hier stellt sich rückblickend noch eine andere Parallele dar, an die ich zuvor gar nicht gedacht hatte: denn beide haben ja sehr jung und früh Verantwortung in ihrem Leben übernehmen müssen. Die Enthüllung um Baby Jack legt zugleich nahe, dass Kate und Toby auf eine harte Probe gestellt werden können, die sie aber womöglich auch noch eher zusammenschweißen wird. Das traue ich den beiden trotz der Umstände zu.

Und natürlich soll auch der Blick in die zu Beginn schon angesprochene Vergangenheit noch einmal aufgegriffen werden. Denn wir lernen noch eine weitere neue Person kennen, nämlich Rebeccas Vater. Wieder einmal imponiert mir Jack in diesen Szenen. Seine Offenheit über Nicky und sein gesundes Selbstvertrauen, in dem er klar stellt, Rebeccas Leben so schnell nicht mehr verlassen zu wollen, sind nicht nur ein tolles Bekenntnis zu ihr, sondern sind auch berührend für uns Zuschauer. Die Sache mit dem Sakko war dagegen schon etwas abgegriffen, da es dies so oder so ähnlich schon oft in Filmen und Serien zu sehen gab. Dennoch war sie ein nicht unwichtiger Moment, da wir somit das erste Aufeinandertreffen der künftigen Freunde Miguel und Jack erleben durften. Rebeccas Vater mit einer ablehnenden Haltung gegenüber Jack zu versehen, empfand ich dagegen als unnötig, immerhin wissen wir doch längst, dass ihnen trotzdem eine gemeinsame Zukunft beschieden war.

Fazit

Was zunächst seltsam und fremd begann, fügte sich im Folgenverlauf aufgrund der Parallelen zu bekannten Figuren und der Serien-typischen Erzählmittel zunehmend zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Dennoch bleibt auch ein wenig Enttäuschung darüber haften, dass die Familie Pearson nach der langen Sommer-Pause zu kurz kam und die Art und Weise der Erzählung für einen Staffelauftakt in meinen Augen nicht optimal war. An emotionalen Momenten mangelte es aber gerade zum Ende hin nun wirklich nicht, so dass die Episode trotz der genannten Schwächen bei mir ein gutes Gefühl zurückließ. Schön, dass die lange Pause nun vorbei ist.

Jan H. - myFanbase

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