Bewertung: 8

Review: #3.07 Sometimes

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Das Spiel mit zwei Zeitebenen sind wir bereits gewohnt, doch eine ausführliche Erzählung über drei Storylines gab es auf diese Weise bisher noch nicht (ausgenommen vielleicht die #3.05 Toby). Zuerst hatte ich Angst, dass die Episode dadurch wieder viel zu voll wirken wird, doch indem man zwei der Big Three vollkommen aus dem Spiel lies, löste sich diese Befürchtung dann doch recht schnell auf.

Roadtrip I

In der Vergangenheitshandlung, die am weitesten zurückliegt, tauchen wir noch einmal in den Vietnamkrieg ab und holen das nach, was man sich von #3.04 Vietnam eigentlich versprochen hatte. Die Begegnung von Jack und Nick Pearson, die ganz anders ausfällt, als ich sie mir ausgemalt hatte. Keine Wiedersehensfreude. Keine glückliche Umarmung. Keine Bruderliebe. Nick ist ein gebrochener Mann, der keinen Sinn mehr im Leben zu kennen scheint und sein Schicksal einfach hingenommen hat. Genau das erkennt auch Jack innerhalb von Sekunden. Nachdem bereits Nicks Brief vermuten ließ, dass der Krieg im sehr zusetzt, war es doch nochmal etwas anderes, ihm das nun auch vom Gesicht ablesen zu können. Michael Angarano mimt den gleichgültigen Nick sehr überzeugend und auch Milo Ventimiglia konnte in den Vietnam-Szenen wieder wunderbar Jacks Beschützerinstinkt zur Schau stellen. Bereits damals war er ein Mann der Worte und konnte Nicks Vorgesetzen trotz anfänglicher Ablehnung dazu bewegen, ihm eine Chance mit seinem Bruder zu geben.

In diesem Handlungsstrang ist es Nick Pearson, der sich wie eine Auster verhält und niemanden in sein Inneres schauen lassen will. Es ist ein himmelweiter Unterschied, wenn man ihn mit dem zurückhaltend wirkenden Nicky vergleicht, den wir in der Vergangenheit kennengelernt haben und sofort fragt man, was ihm wohl zugestoßen sein mag.

Roadtrip II

Der zweite Roadtrip spielt sich zwischen Pittsburgh und Los Angeles ab. Es sind Jack und Rebecca, die sich, obwohl sie sich erst seit wenigen Tagen kennen, auf einen Ausflug begeben. Dieses Mal ist es Jack, der sich abkapselt und niemanden an sich heranlassen will und das aus den Gründen, die der Flashback in seine Vergangenheit mit sich gebracht hat. Es ist nicht ganz klar, wie viel Zeit zwischen den beiden Handlungen vergangen ist, fest steht allerdings, dass Jack die Folgen seiner Kriegszeit noch fest in der Zange haben.

Genau wie bei ihrem ersten Date in #3.01 Nine Bucks erkennt man wieder, wie sehr sich die Beziehung von Rebecca und Jack über die Jahre entwickelt hat. Aus der quirligen jungen Frau und dem introvertierten Mann ist mittlerweile in liebendes Ehepaar geworden, weshalb es stets ein wenig befremdlich wirkt, die beiden so unsicher miteinander umgehen zu sehen. Rebeccas Geplapper bei der Autofahrt täuscht nicht darüber hinweg, dass die beiden sich kaum kennen und Rebecca nicht recht weiß, wie sie damit umgehen soll. Jack hingegen fühlt sich schweigend deutlich weniger verunsichert als seine zukünftige Frau, was noch einmal aufzeigt, wie sehr er sich gewandelt hat.

Das Highlight der Episode war für mich der Riss in Jacks Fassade. Nachdem er sich bei den Eltern seines verstorbenen Kriegskameraden entschuldigt hatte und das hinterbliebene Gefühlschaos wie stets in sich begrub, konnte er im Auto nicht länger standhalten. Obwohl er nie eine Träne vergossen hatte, nimmt Rebeccas Gesang ihm jede Scham und so kann er seinen Emotionen freien Lauf lassen. Es fällt Jack sichtlich schwer, die Tränen einfach fließen zu lassen und somit einen Teil der schrecklichen Vietnam-Geschehnisse zu verarbeiten. Dass Rebeccas Gesang seine harte Schale erweichen konnte, gefällt mir daher umso besser, weil es den Beginn der wunderschönen Liebesgeschichte der beiden einläutet.

Roadtrip III

Die letzte Handlungsebene führt uns in der Gegenwart erneut nach Vietnam und auch in dieser Geschichte steht eine Beziehung im Vordergrund, in der es Probleme damit gibt, den anderen an sich heran zu lassen. Auf der Suche nach Jacks Spuren versucht Kevin gleichzeitig Zoe näher zu kommen, was sie ihm alles andere als leicht macht. Langsam muss Kevin sich an sie herantasten und schafft es schließlich auch, dass Zoe ihm einen kleinen Einblick in ihre Gefühlswelt ermöglicht.

Für mich war dies der schwächste Teil der Episode, was ganz einfach darin begründet liegt, dass Zoe sich in "This Is Us" für mich noch immer wie ein Fremdkörper anfühlt. Man hat zwar bereits ein paar kleine Versuche unternommen, um die Figur für den Zuschauer zugänglich zu machen, doch dies geht nur sehr schleppend voran. Denke ich zurück an Kevin und Sophie, so war mir diese Pärchen-Konstellation von Beginn an sympathischer, was mich skeptisch stimmt, ob man bei Zoe noch eine Wendung vollführen kann.

Randnotizen

  • Zoe hat tatsächlich Fledermaus probiert? Wen wundert es, dass sie das exotische Gericht nicht vertragen hat?
  • Ich habe Kate, Toby, Randall und Beth ehrlich gesagt überhaupt nicht vermisst. Zum einen mag es daran liegen, dass mich die Wahlkampf-Storyline noch immer nicht sonderlich anspricht, zum anderen hätte es der Folge nicht gutgetan, weitere Geschichten mit in die 40 Minuten zu pressen. Davon hatten wir in dieser Staffel bereits genug, weshalb ich mit dem Pausieren einiger Handlungen sehr gut leben kann.
  • In der Vergangenheit wurde hauptsächlich Sterling K. Brown für sein Schauspiel gelobt. Milo Ventimiglia und Justin Hartley hätten in meinen Augen jedoch auch eine Auszeichnung für die Verkörperung ihrer Figuren verdient. Zwar war Hartleys Leistung in Staffel 2 bisher wesentlich überzeugenden als in dieser, dennoch scheinen er und Ventimiglia neben Brown häufig zu kurz zu kommen.
  • Spannend war neben den kurzen Szenen mit Nick auch Jacks Reise durch das vom Krieg gezeichnete Vietnam. Als Jack mit Bao ein Dorf erreichte und erkannte, dass dort die Minen der Vietcong gebastelt werden, schrillten sofort die Alarmglocken. Die Gefahr, in der Jack sich befand, konnte man in jeder Faser seines Körpers spüren. Voller Anspannung wartete man auf den Ausgang der Situation und hielt den Atem an, bis Jack schließlich von Bao abgesetzt wurde. Die Dramaturgie überzeugte dabei auf ganzer Linie, denn zu keinem Zeitpunkt konnte man sich sicher sein, dass die Gefahr wirklich vorüber war.
  • Nebenbei erfahren wir außerdem noch, wie Jacks Kette angefertigt wurde und den Weg zu der Vietnamesin fand, die auf dem Foto gemeinsam mit Jack abgebildet ist. Für Kevin scheint die Spur jedoch im Sand zu verlaufen, da die Kette nicht gerade ein Einzelstück war. Ich hoffe sehr, dass die Storyline damit noch nicht abgeschlossen ist, denn auch wenn ich glaube, dass wir in den Flashbacks noch mehr über Jack, Nick und die Kette erfahren werden, wäre es schön, die Verknüpfung zur Gegenwart zu haben. Bisher konnte man sich bei solchen Dingen aber immer auf die Serie verlassen, weshalb ich optimistisch bin.


Fazit

Obwohl man mehrere Figuren nicht zu Gesicht bekommt und uns dafür mit drei Zeitebenen überrascht, hat mir die Folge sehr gut gefallen. Die Geschichten passen zueinander und endlich packt man die Vietnam-Handlung an der richtigen Stelle an.

Marie Florschütz - myFanbase

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