Bewertung: 7

Review: #3.06 Kamsahamnida

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Das koreanische "Kamsahamnida" heißt übersetzt "Vielen Dank" und spielt in der aktuellen Ausgabe von "This Is Us" in allen Handlungssträngen eine Rolle, sei es wörtlich ausgesprochen oder auch nur im übertragenen Sinne gemeint.

Bisher konnte mich die Politik-Storyline von Randall noch nicht besonders packen. Gerade in der letzten Folge ging er doch ziemlich blauäugig an die Sache heran, was eigentlich sonst gar nicht zu seinem Charakter passt. Auch in dieser Folge empfand ich seinen Kirchenbesuch einfach zu kalkuliert, wenn nicht sogar platt. Als würde die Anwesenheit bei einem Gottesdienst direkt die Wähler von seinem Engagement überzeugen. Die Tatsache, dass Randall aus einem wohlhabenden Viertel stammt und kaum Bezug zu den Personen seines Wahlkreises hatte, ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen. Das bekam aber jetzt etwas Würze durch das Aufeinandertreffen mit dem amtierenden Stadtrat Brown, der ihn noch im Gottesdienst ziemlich auflaufen ließ und Randalls Kalkül bloßstellte. Der Wahlkampf ist damit erst richtig eröffnet worden und es könnte doch noch interessant werden. Dazu passend gestalteten sich dann auch die Flashbacks, deren Bezüge zur Gegenwart sich dieses Mal jedoch sehr früh herauskristallisierten. Diese passten aber um im Boxer-Bild zu bleiben, wie die Faust aufs Auge. Wenn Dich Dein Gegner trifft, dann trete ihm mit einem Lachen entgegen. Das Signal, dass man sich nicht so leicht geschlagen gibt. Und Randall wendet in diesem Kampf genau die Taktik an, die ihm Jack dankenswerterweise einst mit auf den Weg gegeben hat. Hier ist nicht der körperliche Einsatz, sondern Cleverness gefragt. Das ist definitiv eine Stärke, die Randall zuzuschreiben ist. Und so schnell wie sein Plan von Jae-won (Tim Jo alias Reggie Jackson aus "The Neighbors"), der ihm übrigens dankbar für die Aktivierung seiner Großmutter als Wählerin ist, aufgedeckt wurde, so schnell ist es ihm aber auch gelungen, die Besucher des koreanischen Marktes auf seine Seite zu ziehen. Ob das jetzt allerdings so clever war, seine Taktik gegenüber dem amtieren Stadtrat Brown zu offenbaren, wird sich dagegen noch zeigen müssen. Um aber erneut im Kämpfer-Milieu zu bleiben: Angriff ist die beste Verteidigung. Und, ein letztes Bild, möge der Bessere gewinnen. Ohne es zu wissen, kann ich mir aber schon jetzt kaum vorstellen, dass Randall das Duell verlieren wird. Aber "This Is Us" hat uns schon oft genug überraschende Wendungen gebracht.

Was mir hingegen noch nicht so an der Geschichte gefallen will, ist die Tatsache, dass man nun Beth eine Rolle in Randalls Wahlkampf-Team spielen lassen will. Damit vergibt man meines Erachtens das Potential, Beth etwas mehr Eigenständigkeit in der Serie zu verleihen. Durch die jetzt anstehende Unterstützung von Randalls Kampagne wird der Fokus doch voraussichtlich eher auf dem Wahlkampf und Randall liegen, als auf ihrem Charakter. Das ist schade, sieht man doch gerade in dieser Folge, dass es sehr spannend ist, Beth in ihrer derzeitigen Situation zu erleben. Ihre Selbstbeherrschung und die Wahrung des äußerlichen Scheins bröckelt zunehmend und gipfelt in ihrem Ausbruch beim Keksverkauf mit den Mädchen im Einkaufszentrum. Das wiederum führt zu einer der besten, wenn nicht sogar der besten Szene der Folge, nämlich dem Gespräch mit Déjà im heimischen Schlafzimmer. Das junge Mädchen hat ein so erstaunliches Einfühlungsvermögen und eine Auffassungsgabe, die sie in die genau richtigen Worte umzuwandeln weiß, dass auch Beth nur ihre Bewunderung zeigen kann. Es ist Déjàs Art, sich für die Aufnahme in die Familie zu bedanken. Und ich denke auch Beth ist dankbar, dass Déjá diese berührenden Worte an sie gerichtet hat, die ja vollen Lobes für ihre Pflegeeltern sind. Diese lassen sie letztendlich dann auch ihren Vorbehalt überwinden, Randall an ihrer wahren Gefühlswelt angesichts ihrer Situation teilhaben zu lassen. Ich kann mich da nur wiederholen, dass Beth inzwischen eine meiner Lieblingsfiguren geworden ist. Ihr hätte ich gerne eine eigene Story gewünscht, aber nun muss sie diese mit Randall teilen. Man wird sehen, ob diese enge Zusammenarbeit, die es zuvor ja bereits mit dem Hauskauf gab, noch zu Problemen zwischen den beiden führen wird. Ich hoffe aber inständig, dass diese Ehe unangetastet bleibt.

Im Zuge der Flashbacks sticht für mich die Szene mit Jack und Rebecca heraus, in der er ihr vom gemeinsamen Boxen mit Nick erzählt. Anhand Rebeccas Reaktion, ihrem Strahlen im Gesicht, lässt sich ablesen, dass dies einer der seltenen Momente sein muss, in denen Jack aus seiner Vergangenheit und insbesondere über Nick spricht. Ihre Mimik drückt dabei auch eine Art von Dankbarkeit aus, dass Jack sie an seiner Erinnerung teilhaben lässt. Das wiederum schafft auch eine gute Verbindung zu Kevins Recherche über die Vietnam-Zeit seines Vaters, den es eben gerade aufgrund seines Bruders dorthin verschlagen hat, wie uns zuletzt #3.04 Vietnam zeigte.

Letztendlich kommt in dieses Thema aber nicht allzu viel Bewegung. Es bleibt bei ein paar Spekulationen darüber, ob die Frau auf dem Foto Jacks Geliebte gewesen sein könnte. Aber da wird sicher noch etwas Anderes auf uns zukommen, weil es doch zu naheliegend erscheint. Stattdessen stellt die Episode etwas unerwartet ein weiteres Aufeinandertreffen der ungleichen Brüder ins Zentrum. Dabei fragt man sich, warum das eigentlich nicht viel öfter der Fall ist, denn die gemeinsamen Szenen sind doch immer wieder kleine, auch humorvolle Highlights (hier das Ausnutzen von Kevins Bekanntheit bei den Koreanern oder auch Kevins Kommentare zu seinen starken Armen). Angesichts des aus den Flashbacks bekannten, eher schwierigen Verhältnisses der beiden, ist es umso schöner mit anzusehen, wie beide inzwischen miteinander umgehen. Selten haben wir die beiden Brüder so harmonisch aber auch ernsthaft miteinander erlebt. So ist es erneut Kevin, der den früher von ihm eher unterdrückten Randall in Sachen seiner Recherche um Rat fragt. Interessant ist dabei zu beobachten, dass beide unterschiedliche Standpunkte in der Vietnam-Sache haben. Am Ende kann Kevin jedoch Randall glaubhaft verdeutlichen, warum ihm diese Recherche so wichtig ist. Der aus dem Flash Forward bereits bekannte Trip nach Vietnam scheint somit schneller bevorzustehen als gedacht. In diesem Zusammenhang fühlt sich für mich als Zuschauer die Figur der Zoe noch immer etwas fremd an. Klassische Beziehungsmomente der beiden hat man bislang kaum gesehen und im inzwischen dritten Jahr mit den Pearsons hat man es wahrscheinlich auch einfach schwer, sich als neuer Charakter im Kreis der Familie zu profilieren. Aus Kevins Sicht ist es dagegen verständlich, dass er seine Freundin gerne mitnehmen möchte. Als Dokumentarfilmerin kann sie ihm sicher bei der Suche nach den Spuren von Jacks Vergangenheit eine gute Hilfe sein.

Losgelöst von Kevin und Randall steht dagegen die Handlung um Kate und Toby. Insgesamt fand ich diese auch nicht besonders überzeugend. Offenbar schlagen Tobys Medikamente nicht sofort wieder an, dennoch enthält man uns hier tiefer gehende Szenen seiner Depressionen vor. Er zieht sich lustlos zurück, mehr geht man darauf kaum ein. Kate darf sich nun dankbar zeigen für all die Momente, in denen er für sie da war. Sich auf ihr Ehegelübde beziehend steht sie ihm in dieser schwierigen Phase bei und beteuert, dies auch in Zukunft zu tun. Gespannt bin ich jetzt, wie schnell eine Besserung bei Toby eintreten wird oder ob man sich doch eher wieder auf die Schwangerschaft konzentriert. Was insgesamt für mich also eher selbstverständlich erschien, hatte aber immerhin noch ein paar schöne Mutter-Tochter-Szenen zu bieten. Nach den vielen uns schon bekannten Szenen, die uns immer wieder das durchaus schwierige Verhältnis der beiden vor Augen führten, gefällt es mir gut, dass Kate sich nun Rat bei Rebecca sucht. Und noch viel besser ist es, wie Rebecca auf diese Hilferufe reagiert. Auch wenn es nicht ausgesprochen wird, schimmert auch in diesen Szenen eine gewisse Dankbarkeit auf beiden Seiten mit. Kate ist dankbar für die Unterstützung ihrer Mutter und Rebecca freut sich, dass Kate ihren Rat sucht. Es ist auch nur allzu verständlich, dass Kate die freudige Nachricht ihrer Schwangerschaft mit der Familie und Freunden teilt. Gerade jetzt, wo sie sich eigentlich mit dem werdenden Vater Toby gemeinsam freuen sollte, braucht sie in der Phase seiner Depression auch Personen, mit denen sie ihre Freude teilen kann. Dabei war es witzig zu sehen, dass die Freudenschreie der wechselnden Personen am Telefon zunehmend schriller und ausgerechnet bei Randall die höchsten Töne erreicht wurden. Ja, Humor blitzt in der Folge in schöner Regelmäßigkeit auf und schafft so immer wieder einen erfrischenden Ausgleich zu den ernsten und emotionalen Momenten.

Fazit

Eine solide Folge im typischen "This Is Us"-Stil, die inhaltlich zwar keine ganz neuen Erkenntnisse bot, jedoch die relevanten Handlungsstränge der zentralen Figuren weiter vorbereitete. Dabei blieb wieder einmal genug Zeit für emotionale, aber auch humorvolle Szenen. Ich hoffe, die eingeschlagenen Entwicklungen werden beim nächsten Mal nicht gleich wieder durch eine charakterzentrierte Standalone-Episode ausgebremst.

Jan H. myFanbase


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