DVD-Rezension: Chicago P.D., Staffel 7

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Nach dem Ausscheiden von Alvin Olinsky (Elias Koteas) in der vorangegangenen Staffel wurde die Lücke in der Intelligence Unit geschlossen. Nachdem nun für Staffel 7 auch der endgültige Abschied von Antonio Dawson (Jon Seda) anstand, musste der Cast zwangsweise verstärkt werden. Mit Lisseth Chavez als Vanessa Rojas wird es diesmal weiblicher. Zudem sind mit Paul Adelstein als Jason Crawford und Michael Beach als Darius Walker zwei bekannte Serienstars für größere Nebenrollen an Bord. Können die neuen Gesichter einschlagen?

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Inhalt

Die härtesten Cops aus dem Chicago Police Department sind zurück“ Unter der Leitung des unnachgiebigen Sergeant Hank Voight (Jason Beghe) setzen die Elite-Cops der Intelligence Unit den unerbittlichen Kampf gegen Chicagos gefährlichste Kriminelle fort – wenn nötig unter Missachtung aller Regeln. Werden diese Eigenmächtigen dem Team zum Verhängnis?

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Rezension

Foto: Chicago P.D. - Copyright: 2020 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC/NBCU Photo Bank
Chicago P.D.
© 2020 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC/NBCU Photo Bank

Mit Staffel 6 hatte "Chicago P.D." zum zweiten Mal in Folge einen sehr guten Durchlauf, so dass sich treuen Fans der Cop-Serie der Eindruck aufdrängen kann, dass die Serie nun genau das Niveau erreicht hat, das sie verdient hat und beibehalten sollte. Umso ärgerlicher, dass der Start in Staffel 7 holprig über die Bühne geht. Der unerwartete Tod von Brian Kelton (John C. McGinley) war ein grandioser Ausgangspunkt für die neue Staffel, denn die Frage, ist Hank tatsächlich zum Mörder geworden, hing über dem Geschehen. Doch das Mysterium ist mehr oder weniger nebenbei abgearbeitet worden. Es wurde zwar ein logischer Täter gefunden, aber dennoch hätte sich die Idee dahinter für ein deutlich größeres Ausholen geeignet. Dieser Eindruck vertaner Chancen ist ein wenig das Sinnbild dieser Staffel. Spannend war es eigentlich auch bei Adam Ruzek (Patrick Flueger), der seinen Kopf für Antonio hingehalten hat und nun ernsthaften Konsequenzen entgegensehen muss. Statt nun Adam aber wirklich an den Rand seiner Kräfte zu bringen, löst sich auch dieser Konflikt von Geisterhand auf. Auch als im spannenden Herbstfinale um das Leben eines Unit-Mitglieds gebangt werden muss, war die Hoffnung da, dass hier ausgiebiges Bangen und Zittern möglich sein wird, aber auch das wurde nahezu ersatzlos gestrichen. In dieses Bild passt dann auch hervorragend, dass Antonio, aber vor allem Seda als sein langjähriger Darsteller, keinen würdigeren Abschied bekommen haben. Dieser findet leider off-screen statt, was man definitiv verwundert zur Kenntnis nehmen kann.

Nun aber zu den neuen Gesichtern. Ich finde es toll, dass Antonio mit Vanessa durch eine Frau ersetzt wurde, weil sich so die Geschlechterverhältnisse angleichen. Cop-Serien richten sich zwar eher an ein männlicheres Publikum, aber OneChicago ist für mich weiblicher, weswegen ich starke Frauenfiguren gerne willkommen heißen. Zwar kann Vanessa über die gesamte Staffel noch nicht viel glänzen, aber die Ansätze sind definitiv vielversprechend. Ihre Vergangenheit muss noch weiter ausgearbeitet werden, aber wenn sie in einzelnen Folgen glänzen kann, dann macht sich das vor allem durch eine ungeheure Portion Empathie, aber auch Loyalität. Chavez als Schauspielerin gefällt mir dabei besonders, denn sie kann diese sensible Seite in diesem toughen Job mitreißend darstellen. Enttäuschend läuft es dagegen mit Adelstein als Crawford. Der Schauspieler ist im TV-Geschäft mit Auftritten in "Prison Break" oder "Private Practice" extrem erfahren, weswegen ich mich immer noch wundere, warum er fortwährend auf der Strafbank verharren musste. War es die Aufgabe zunächst, ihn zu Kelton besonders gegensätzlich zu inszenieren, wird aber dennoch nie deutlich, wer Crawford eigentlich ist, und für was er steht. Vor allem in der zweiten Staffelhälfte spielt er nahezu keine Rolle mehr. Mehr Eindruck hinterlassen darf da der "The 100"-Veteran Beach, der mit Walker eine ähnlich ambivalente Figur spielt, wie es Ray Price (Wendell Pierce) war. Manchmal hat er als Charakter ganz schön oft die Geduld strapaziert, aber er ist dennoch sinnvoll in die Staffel integriert worden und sein Ende kam heftig, aber konsequent.

Foto: Jason Beghe, Chicago P.D. - Copyright: 2019 NBCUniversal Media, LLC; Matt DinersteinNBC/NBCU Photo Bank
Jason Beghe, Chicago P.D.
© 2019 NBCUniversal Media, LLC; Matt DinersteinNBC/NBCU Photo Bank

Die Staffel hat sich insgesamt einige Hänger geleistet, wo weder Kriminalfall noch die persönliche Ebene gut zueinander gepasst haben. Für mich persönlich ist es immer dann problematisch geworden, wenn das Moralverständnis von "Chicago P.D. " zu sehr ausgetestet wird. Das war schon immer ein großer Knackpunkt der Serie, der vermutlich also auch bis zum bitteren Ende zum Profil der Serie gehören wird, aber ich finde es dennoch schade, dass in diesem Aspekt keine Weiterentwicklung zu erkennen ist. Gerade an der Person von Hank kann man oft festmachen, wie er die Grenzen des Gesetzes für seine Leute und sich selbst austestet, auch wenn es andere Existenzen zerstört und nicht immer nur die "Bösen" trifft. Dieser Schritt wird immer wieder gegangen, ohne dass vor allem Hank etwas daraus lernt oder dass es ihn sichtbar beschäftigt, zumal er für diese Handlungsweise auch Opfer bringen musste. Fast schon trauriger ist, dass auch zusehends Hailey Upton (Tracy Spiridakos) in diese Richtung gedrängt wird. Zwar ist sie weiterhin eine Figur mit Herz, die man einfach mögen muss, aber dennoch kommt sie vermehrt in Situationen, wo man ihr moralisches Verständnis ebenfalls hinterfragen muss. Das sorgt für einige interessante Gespräche mit Hank, Konsequenzen bleiben dennoch aus. Am Ende der Staffel wird damit ein Serienausflug von Hailey zu "FBI" begründet, die ebenfalls von Wolf Entertainment produziert wird. Ich bin mir aber sicher, dass es für Hailey auch in der neuen Staffel so weitergehen wird.

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Foto: Patrick John Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: 2019 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC/NBCU Photo Bank
Patrick John Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D.
© 2019 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC/NBCU Photo Bank

In den letzten Staffeln haben sich vor allem die Beziehungen im Team untereinander als Qualitätsmerkmal ausgezeichnet. Das stimmt für diese Staffel teilweise auch wieder. Während ich es bei Hailey und Jay Halstead (Jesse Lee Soffer) definitiv zu sehr in die Länge gezogen empfinde und hier definitiv Fortschritte in Staffel 8 verlange, so ist Kim Burgess (Marina Squerciati) und Adam ein riesiges Geschenk gemacht worden. Aber nicht nur ihnen, sondern auch zahlreichen Fans, denn die beiden waren das erste richtige Paar der Serie und eben auch das, was viele nach ihrer Trennung gerne wieder zusammen gesehen hätten. Dass sie nun ein Baby bekommen würden, war überhaupt nicht zu erwarten, hat sich aber als definitiv stärkste Handlung der gesamten Staffel entpuppt. Eng damit verbunden ist für mich auch eine extrem aufwühlende Episode, die dieser Storyline eine Wendung gibt, die ich befürchtet, aber trotzdem verurteilt habe. Dennoch muss ich insgesamt sagen, dass diese Entwicklung viel Gutes mit sich gebracht hat, auch eine extrem erwachsene Entwicklung in der Beziehung der beiden. Denn Adam und Kim stürzen sich nicht Hals über Kopf in eine romantische Beziehung, sondern haben ihr ganz eigenes Tempo, das nach ihrer gemeinsamen Vergangenheit sehr vernünftig ist.

Was OneChicago weiterhin am besten kann, das sind definitiv die Crossover. Früh in der Staffel steht gleich das übergreifende mit "Chicago Fire" und "Chicago Med" an, das sich diesmal sehr prophetisch erweist, da es um einen gefährlichen Virus geht. Klingelt da was? Der Aufbau dieses Krankheitsausbruchs und die dahinter stehende Geschichte haben mich völlig überzeugt, weswegen es bisher mein liebstes Crossover ist. Wie immer großartig, dass für Fans, die nicht alle drei Serien mitverfolgen, die jeweils anderen beiden Episoden ebenfalls auf der DVD-Box enthalten sind. Ein zweites Crossover findet mit "Chicago Fire" in #7.15 Die Last der Schuld statt. Es gibt ein überraschendes Wiedersehen mit Sean Roman (Brian Geraghty), das in eine packende Geschichte involviert wurde, so dass sich auch hier wieder gezeigt hat, dass alle zusammen am besten arbeiten. "Chicago P.D." bietet aber auch ganz selbstständig einen sehr starken Staffelausgang, der wegen der Corona-Pandemie diesmal zwei Episoden früher ablaufen musste. Aber zum Ende hin konzentriert sich die Serie auf starke Charakterfolgen, verpackt in aktuelle Themen und das hat schon Staffeln 5 und 6 so stark gemacht.

Specials & Technische Details

Foto: Chicago P.D. - Copyright: 2020 Universal Pictures
Chicago P.D.
© 2020 Universal Pictures

Als Extras werden die Crossover-Episoden mit "Chicago Fire", #8.04 Die Seuche (1), und mit "Chicago Med", #5.04 Die Seuche (2), angeboten.

Erscheinungstermin: 22. Oktober 2020
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 880 Minuten
Bildformat: 16:9 – 1.78:1
Sprachen (Tonformat): Deutsch, Englisch, Französisch (alle Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch

Fazit

Staffel 7 von "Chicago P.D." stellt für mich eine kleinere qualitative Delle dar. Die Crossover mit den beiden Serienschwestern sind weiterhin ein absolutes Brett und wenn die Serie bereit ist, bei den Charakteren tief zu gehen, dann passt es. Aber diese Staffel zeichnet sich auch durch verpasste Chancen aus. Handlungsstränge, die man spannend und mitreißend hätte aufbauen können, werden viel zu überhastet beendet und auch eine neue Figur wie Crawford wird nicht immer so geschickt eingebunden, wie man es sich vorgestellt hätte. Dennoch ist die Lust an dieser Serie noch lange nicht erschöpft, dafür kann "Chicago P.D." immer noch viel zu gut überraschend; und zwar im positiven Sinne.

"Chicago P.D." ansehen:

Lena Donth - myFanbase

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