Bewertung: 7

Review: #4.05 Flüchtiges Glück

Foto: Tantoo Cardinal & Caitriona Balfe, Outlander - Copyright: 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Tantoo Cardinal & Caitriona Balfe, Outlander
© 2018, 2019 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

Die neueste Folge von "Outlander" wirft ein neues Licht auf die Herausforderungen, denen sich Jamie und Claire in North Carolina stellen müssen. Man baut einen schönen Spannungsbogen auf und schafft es außerdem, die aufwühlende Episode zu einem harmonischen Ende zu bringen.

Adawehi

Es hat mich überrascht, dass man zu Beginn der Episode einen nicht unerheblichen Zeitsprung gemacht hat. Denn plötzlich ist das Haus der Frasers fertig und die Familie scheint sich bereits bestens eingelebt zu haben. Fröhlich sitzt Claire mit Adawehi zusammen und die beiden bringen sich nicht nur gegenseitig ihre Sprache bei, sondern tauschen auch medizinisches Wissen aus. Ich hätte die ersten Schritte dieser Freundschaft sehr gern gesehen, denn Adawehi erschien mir bereits bei ihrem Kennenlernen mit Claire als eine sehr interessante Figur. Ihre Prophezeiung und das besondere Ansehen, das sie in ihrem Stamm genießt, machen sie auf vielen Ebenen zu jemandem, der die Geschichte sehr bereichern könnte. Auch ihre neue Andeutung, dass Brianna hier sei, war sehr spannend, besonders, da Adawehi dies in einem ganz anderen Sinne meinte als Claire und letztere keine Ahnung hat, wie richtig Adawehi mit ihren Worten lag. Umso trauriger finde ich es, dass die Szene beim Kräutersammeln bereits die letzte zwischen den beiden Frauen gewesen ist. Gern hätte ich mehr über die Mythologie der Indianer erfahren und gesehen, wie Adawehi Claire anleitet.

Durch den unerwarteten Tod von Adawehi und den Zeitsprung nimmt man uns zudem die Gelegenheit zu erfahren, wie sich das Verhältnis zwischen den Frasers und den Indianern weiterentwickelt hat. Indem Claire sich später schützend vor Familie Mueller stellte und die Indianer sie daraufhin nicht angriffen, wurde uns demonstriert, dass ihr Einfluss nicht unerheblich ist. Gleichzeitig musste sie allerdings auf Bärentöter Jamie verweisen, damit Tawodi sie überhaupt erst erkannte, was wiederum zeigt, dass sie dann doch nicht so vertraut mit einander sein können. Ich finde es sehr schade, dass wir bisher nur bruchstückhaft in die Welt der Indianer eingetaucht sind.

Das Thema der amerikanischen Ureinwohner wird dieses Mal zudem von einem anderen Standpunkt beleuchtet. Mit Familie Mueller zeigt man uns, wie fremdartig die Indianer auf die meisten Siedler wirken müssen, was im starken Kontrast zu der weltoffenen Art steht, die wir bei Jamie und Claire kennengelernt haben. Dennoch glauben auch die Siedler noch an böse Geister und einen Fluch, der ihre Familie angeblich durch die Indianer heimgesucht hat. Familie Mueller wirkt dadurch nicht viel kultivierter als die Indianer.

Auch wenn ich den Verlust von Adawehi sehr schmerzlich finde, hat man die Angst von Claire in jeder Minute spüren können, wodurch ich dann doch recht zufrieden mit dieser Geschichte war. Mit der Geburt von Baby Clara, schafft man einen freudigen Einstieg in diesen Teil der Episode. Das Eintreffen der Indianer und die panische Reaktion der Familie lassen dann aber gleich alle Hochgefühle verschwinden und man zeichnet den dunklen Weg, den Claire Gefühlsleben dieses Mal nehmen wird. Ihre Anspannung ist bereits bei den Vermittlungsversuchen sehr deutlich und während man sie später auf der Farm arbeiten sieht, ahnt man bereits, dass der Konflikt zwischen den Muellers und den Indianern noch einmal hochkochen wird. Sehr gelungen war daher auch das zweite Aufeinandertreffen von Claire und dem Familienvater, der in seiner paranoiden Angst kurzerhand Adawehi umgebracht hat. Der Skalp, den er Claire überreichte, ließ mich erst einmal zurückschrecken und macht dem Zuschauer deutlich, dass das wahrscheinlich die normale Reaktion von Siedlern gegenüber den Indianern war.

Murtagh

Claire und Jamie gehen in dieser Folge getrennte Wege, dennoch werden beide vor die Probleme gestellt, die die Besiedlung Amerikas zwangsläufig mit sich bringt. Die Suche nach Farmern treibt Jamie zurück in die Stadt und dort wirft man genau das Thema auf, das am Beginn der letzten Episode bereits kurz durchgeklungen ist: die Steuern. Bisher betreffen die Jamie nur indirekt und sorgen erst einmal nur für Schwierigkeiten bei der Besiedlung und vor allem Bewirtschaftung seines Landes, ich denke jedoch, dass uns hier in der Zukunft noch einige Hindernisse erwarten werden. Viel wichtiger als die erfolglose Suche ist jedoch ein Wiedersehen, auf das ich nicht gefasst war.

Wie es der Zufall will, hat es nicht nur die Frasers nach Amerika verschlagen, auch ein altbekanntest Gesicht baut sich in dem fremden Land ein neues Leben auf. Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als Murtagh, der für Jamie stets ein treuer Freund und Weggefährte war. Neben der nervenaufreibenden Handlung rund um Claire ist das Wiedersehen mit Murtagh ein beruhigendes Element in dieser Episode. Denn das Gefühl, sich in der Fremde zu befinden, wird dadurch deutlich gemildert und man sieht der unheilvollen Zukunft von Jamie und Claire nun viel aufgeschlossener entgegen. Mit Murtagh haben die beiden einen wundervollen Freund an ihrer Seite und sowohl die Begegnung zwischen ihm und Jamie als auch die zwischen ihm und Claire haben mitten ins Herz getroffen. Beim Wiedersehen in der Schmiede erkannte Murtagh bereits am Tonfall, dass es sich um eine Stimme aus seiner Vergangenheit handelt und verdutzt blickten sich die beiden Männer an, bevor die Wiedersehensfreude sie überwältigte. Als er sich dann wenig später dazu entschloss, Jamie zu folgen, kündigte Murtagh sich Claire mit der Melodie des Boogie-Woogie-Liedes an, das die beiden in Staffel 1 benutzen, um den untergetauchten Jamie zu finden. Somit geht für Claire ein trauriges Kapitel zu Ende und sie startet mit einem Strahlen in ein neues.

1971

Einen schönen Abschluss bildet die Handlung rund um Brianna und Roger, die wieder nur einen kleinen Teil der Episode ausmacht. Rogers Suche nach Brianna bringt leider keinen Erfolg, dafür aber ein paar schöne Szenen für den Zuschauer. Zum einen zeigt man uns, dass er über den abgelehnten Heiratsantrag hinweg zu sein scheint, denn in seinem Gesicht stehen die Gefühle für Brianna ganz deutlich geschrieben. Zum anderen reist Roger genau in das Städtchen, dass wir vom Beginn der Serie kennen und erkundigt sich im gleichen B&B nach Brianna, in dem damals Frank und Claire ihre zweiten Flitterwochen verbracht haben. Dies ist eine schöne Erinnerung an die alten Zeiten und zeigt dem Zuschauer, wie gern Roger sich mit Brianna versöhnen möchte.

Eigentlich hatte ich angenommen, dass Brianna und Roger gemeinsam durch die Steine gehen, da ich vermutet hatte, dass Roger Brianna noch rechtzeitig finden kann. Nun ist sie zwar allein unterwegs, doch ich vermutet, dass Roger ihr in die Vergangenheit folgen wird. Es stellt sich also die Frage, ob die beiden sich zuerst finden oder ob sie nacheinander bei den Frasers aufschlagen werden.

Kurze Eindrücke

  • Die Namen der Kinder von Familie Mueller (Tommy und Petronella) sind nicht gerade typisch deutsch, aber naja, netter Versuch.
  • Ich finde es etwas unglaubwürdig, dass Hr. Mueller sich einfach an Adawehi vergreifen konnte. War die Medizinfrau allein im Wald unterwegs oder hat er sich unbemerkt ins Dorf geschlichen, um sie zu töten?
  • Dass die Indianer sich an der Familie für den Mord an Adawehi rächten, kam nicht überraschend. Die Brandpfeile, die das Haus und Frau Mueller in Flammen aufgehen ließen, stellten einen gelungenen Abschluss für dieses Kapitel dar, das die Angst vor der fremden Kultur zeigte.
  • Jedes Mal, wenn man Jamie mit Brille sieht, muss ich einfach schmunzeln. Wem fällt es noch schwer sich an diesen Anblick zu gewöhnen?
  • Als Claire zum zweiten Mal durch die Steine trat, gab sie sich mit ihrer Kleidung sehr viel Mühe und Brianna wurde Zeuge davon, wie angestrengt ihre Mutter versuchte, authentisch gekleidet zu sein. Briannas Outfit hingegen wirkt ziemlich deplatziert.
  • Es gefällt mir gut, dass das Thema Brianna bei Jamie und Claire nun schon fast allgegenwärtig ist. In jeder Episode erwähnen die beiden ihre Tochter, weshalb man es schon fast nicht mehr erwarten kann, dass sie sich endlich alle in die Arme fallen können.
  • Jamie hat nicht oft die Gelegenheit von seiner Tochter zu schwärmen, doch Murtagh weiß um Claires Geheimnis und so kann Jamie die Chance nutzen und endlich stolz von Brianna erzählen.
  • Was will Jamie wohl aus dem Kerzenständer machen lassen? Einen neuen Ehering für Claire?


Fazit

Das unerwartete Wiedersehen gibt der spannungsgeladenen Episode ein schönes Ende. Zudem macht es Lust auf mehr, wie Brianna sich langsam ihren Eltern nähert.

Marie Florschütz - myFanbase

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