Bewertung

Review: #3.05 Unbowed and Unbent

Foto: Phia Saban & Olivia Cooke, House of the Dragon - Copyright: Ollie Upton/HBO
Phia Saban & Olivia Cooke, House of the Dragon
© Ollie Upton/HBO

Die zweite Staffelhälfte wird eingeleitet und strotzt nur so vor Intrigen. #3.05 ist eine Episode, in der die brodelnden Emotionen deutlich zu spüren sind und die unsere Vorfreude auf das baldige Überkochen zu schüren weiß.

Beginnen wir in Königsmund, wo Rhaenyra sich weiterhin mit dem Tagesgeschäft des Regierens plagt. Erinnern wir uns zurück an die Ratssitzungen in Staffel 1 und Alicents Entschlossenheit dabei, wirkt Rhaenyra im Vergleich mit ihr schwächlich und unsicher, nicht recht konzentriert auf das, was vor ihrer Nase passiert, sondern fokussiert allein auf Aemond und Vhagar. Es ist äußerst spannend, Rhaenyra dabei zu beobachten, wie sie im Angesicht der Aufgabe, für die sie bestimmt zu sein glaubt, weiterhin strauchelt. Dabei fallen auch die Parallelen zu Viserys auf, der ähnlich wie seine Tochter stets versuchte, mit Gerechtigkeit zu herrschen und dabei regelmäßig von der Realität, mit der ihm seine Berater konfrontierten, eingeholt wurde. Nun bleibt abzuwarten, ob Rhaenyra an den Grundsätzen ihres Vaters festhalten wird, oder ab sie sich eine härtere Schale zulegen kann, um sich als Königin zu behaupten.

Ihr zur Seite steht weiterhin Daemon, dessen Verbündete bei der Stadtwache Opfer von Ormunds Machenschaften werden. Mir gefällt es äußerst gut, dass nicht nur Daemon auf alte Verbündete in Königsmund zurückgreifen kann, sondern dass auch die Grünen einen Fuß der Tür haben. Das untermauert aufs Neue, dass die Schwarzen sich in Königsmund in unsicheren Gewässern bewegen. Besonders eindrücklich ist dabei die Brutalität, mit der Ormunds Verbündete gegen die Stadtwache vorgehen und der Blick auf herausgequollene Eingeweide, mit dem dies uns Zuschauern verdeutlicht wird. Die finale Sequenz der Episode mit dem Anblick des toten Luthor und seinen Männern, inszeniert wie zum letzten Abendmahl, war ein wahrer Wow-Moment, der sicher dazu dient, Daemons Feuer zu schüren.

Die Verletzlichkeit Rhaenyras zeigt sich indes nicht nur in ihrer Unfähigkeit, Daemon zu zügeln, sondern auch in ihrem Zögern Gottfrid gegenüber. Mit zwei verlorenen Söhnen fragt man sich, ob es Angst ist, das sie das Treffen mit ihrem ältesten Sohn und Thronfolger hinauszögern lässt.

Im krassen Gegensatz dazu steht auch hier Alicent, die sich mit aller Macht für ihre Tochter einsetzt. Dazu gehört auch ein Gespräch mit Mysaria, deren Loyalität zu Rhaenyra nun zum ersten Mal auf die Probe gestellt wird. Mit schmeichelnden Worten und Bestechung versucht Alicent, Mysaria als Verbündete zu gewinnen und man kann nicht abschätzen, ob sie damit tatsächlich Erfolg haben wird. Olivia Cooke gibt hier wieder alles und ihr steht Phia Saban in nichts nach. Der Moment, als Alicent versuchte, ihre Tochter zu überzeugen, eine Abtreibung vorzunehmen, zeigte zwei äußerst starke Frauen, die jeweils alles daransetzen, ihr Kind zu beschützen. Trotz der Gefahr, während der Herrschaft Rhaenyras ein Kind von Aegon in die Welt zu setzen, lässt Helaena sich nicht davon abbringen und unterstreicht dies mit einer Intensität, die der sonst so ausgeglichenen jungen Frau gar nicht ähnlich sieht.

In Stolperstadt erhalten wir indes tiefere Einblicke in die Beziehung von Ormund und Daeron. Man merkt deutlich, wie geprägt Ormunds Erziehung davon ist, Daerons Wurzel als Hohenturm zu unterstreichen, während Daeron schon beinahe furchtsam reagiert, wenn es so wirkt, als würde er über sein Targaryen-Blut sprechen. Auch Ormunds Unberechenbarkeit steht wieder im Vordergrund und dient als Aushängeschild dafür, um uns vor Augen zu führen, dass Daeron genau in dem Umfeld aufgewachsen ist, vor dem seine Mutter ihm unbedingt bewahren wollte.

Nachdem in #3.04 Tumbleton Funkstille herrschte, erfahren wir nun, was mit Aemond geschehen ist. Tatsächlich befindet er sich weiterhin in Harrenhal und in der Gesellschaft von Alys Strom, während Vhagar allein durch die Lande streift. Ähnlich wie in Staffel 2 bei Daemon bringt Alys auch in Aemond seine tiefsten Ängste zum Vorschein. Indes nutzt man diese Gelegenheit, zwei sehr unterschiedliche Seiten einer Medaille darzustellen und zeigt auf, warum sich so ein tiefer Riss in der Beziehung zwischen Aemond und seinem Bruder Aegon befindet. Auf der einen Seite steht Aemond, der in seiner Kindheit stets von seinem älteren Bruder aufgezogen wurde, lange kein Drachenreiter war und das Gefühl hat, von seiner Mutter nicht ebenso geliebt zu werden, wie sein Bruder. Auf der anderen Seite steht Aegon, der sich aufgrund der Tatsache, dass er der erste Sohn Viserys' war, stets in Watte gepackt fühlte, wodurch er nie sein ganzes Potential ausschöpfen konnte und nun das Gefühl hat, dass Aemond ihm aus diesem Grund immer seinen Schritt voraus ist. Man kann die Ansichten beider aus tiefstem Herzen nachvollziehen und beide Schauspieler zeigen uns wunderbar einfühlsam die verletzlichen Seiten ihrer Figuren, wodurch es nahezu unmöglich scheint, sich auf eine Seite zu schlagen. Ebenso gekonnt wie diese hier angeschlagenen sanften Töne sind die Reaktionen darauf. Während Alys an Aemonds Seite steht und dem tatkräftigen jungen Mann durch erbauliche Worte zu stärken versucht, sind es im Fall von Aegon Larys und eine harsche Direktheit, die den im Selbstmitleid schwelgenden Aegon auf den Boden der Tatsachen zurückholen. In beiden Fällen bewirken das Eingeständnis der tiefsten inneren Gefühle und die jeweilige Reaktion darauf, eine drastische Kehrtwende, die sowohl Aemond als auch Aegon viel Sympathie einbringt. Ironischerweise kehrt Aegon dadurch in alte Selbstzweifel zurück, während Aemond sich in den Kampf stürzt. Sind sie genau dafür bestimmt und können nie aus ihrer Haut?

Zuletzt haben wir da noch Kriston und seine Hoffnung, der Armee aus Flusslords und Nordmännern den Weg nach Königsmund abzuschneiden. Auch hier lebt die Geschichte von Intrigen, Hinterhalt und der Hoffnung, den Feind in die Falle zu locken. Es ist dabei schon lange her, dass man ernsthaft mit Kriston mitfühlen konnte, doch seine von Herzen kommenden Worte und seine Hoffnung, sich mit seinen Taten einen immerwährenden Platz im Herzen von Alicent zu sichern, schaffen es, selbst diese Figur endlich einmal wieder in ein positiveres Licht zu rücken. Schauspielerisch geben sich auch hier Fabien Frankel und Freddie Fox die Klinke in die Hand, wodurch zum wiederholten Mal der Eindruck unterstrichen wird, dass man es dieses Mal nicht auf große Taten, sondern auf großes Schauspiel angelegt hat.

Kurze Anmerkungen

  • Die Serie versteht sich in dieser Episode wunderbar darauf, einige witzige Momente einzubauen, insbesondere mit Torrhen Manderlys Erklärungen an Sabitha Frey im kleinen Rat.
  • Liegt da etwas zwischen Addam und Baela in der Luft?
  • Ich hoffe sehr, dass es eine Aussprache zwischen Baela und Rhaenyra geben wird.
  • Ormunds Geschicht über Meria Martell war eine nette Erinnerung an die Ausführlichkeit, mit der George R. R. Martin in der Romanvorlage die Eroberung durch Aegon I. Targaryen beschriebt.
  • Wie hat es Tyland bitte nach Krähenruh geschafft?
  • Wie Aegon an der Drachenschuppe von Sonnfeuer festhält, lässt mich daran zweifeln, dass der Drache tatsächlich tot ist.
  • Es fühlt sich wie das erste Mal an, dass Larys jemandem ganz unumwunden die Meinung gesagt hat.
  • Rhaenyra und Daemon in der Septe boten einen ungewöhnlichen Anblick.
  • Warum haben wir dieses Mal nichts von Ulf und Hugo gesehen?
  • Warum wollte Helaena unbedingt den Mond sehen und was hat die Raupe zu bedeuten?
  • Wo liegt Maester Orwyls Loyalität?
  • Die Rolle des Daemon scheint dem charismatischen Matt Smith wie auf den Leib geschneidert zu sein, die Ansprache an die Goldröcke konnte das mal wieder zeigen.

Fazit

In kleinen Schritten bewegt sich die Geschichte voran und durch jede Wendung, die diese Episode mit sich brachte, steigt die Vorfreude auf die letzten drei Episoden der Staffel. Dabei stört es nicht, dass wir dieses Mal keine großen Highlights bekamen, da schauspielerisch stattdessen enorm viel geleistet wird. Viele Konflikte warten auf Auflösung und viele Geheimnisse warten darauf, ans Licht gebracht zu werden und genau mit diesen kleinen aber feinen Anreizen weiß diese Episode zu überzeugen.

Marie Müller - myFanbase

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